Am 07.11.2018 hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) die offizielle Teilnehmerliste für den 64. Eurovision Song Contest 2019 Dare to dream in Tel Aviv veröffentlicht. Auf dieser Liste tauchen vier Namen auf, die ich bisher nicht notiert hatte: Israel, Moldawien, Polen und Schweden.
Da ich nie eine Äußerung des Gastgebers vernehmen konnte dass er auch selbst definitiv einen Teilnehmerbeitrag zum Wettbewerb entsendet, hatte ich Israel noch nicht in die Teilnehmerliste aufgenommen. Bei der EBU hat sich das Land aber angemeldet. Schweden hat schon viele Pläne für die Melodifestivalen bekannt gegeben, aber auch hier fehlte mir eine klare Aussage zur Teilnahme. Von Polen gab es diese Saison von gar nichts zu hören, doch offenbar schmieden auch unser Nachbarn Pläne für Tel Aviv.
Die einzige kleine Überraschung auf der Teilnehmerliste ist Moldawien. Das ärmste Land Europas muss jedes Jahr die Finanzen des Rundfunks aufs Genauste überprüfen, ob der ESC im Budget enthalten ist. Meistens gibt es darauf eine positive Feststellung, allerdings immer erst kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist. Oft hat Moldawien sich sogar schon eine Verlängerung für die Entscheidung über die Teilnahme erhandelt. Für 2019 ist alles gut gegangen und Moldawien wird den ESC wieder durch seinen Beitrag bereichern.
Einige teilnahmeberechtigte Nationen, von denen es noch keine Absage zum Wettbewerb gab, können somit von der Liste der möglichen Teilnehmerländer gestrichen werden. Dies betrifft Ägypten, Algerien, Andorra, Jordanien, den Libanon, Libyen, Marokko, Tunesien und Vatikanstadt.
Die Teilnehmerzahl für 2019 beträgt also 42 - sofern die EBU sich nicht doch noch mal dazu durchringen wird Kasachstan eine Starterlaubnis zu erteilen. 2015, bei der ersten Teilnahme von Australien, fiel diese Entscheidung auch sehr spät und überraschend. Hope never dies. Einen Teilnehmerrekord gibt es in Tel Aviv nach dieser Teilnehmerliste nicht. Die einzige Veränderung zum Vorjahr ist dass Bulgarien im Bunde fehlt. Das befürchtete Boykottieren einiger Staaten, welches sich nach dem Sieg von Israel andeutete, blieb glücklicherweise komplett aus. Ich würde mal behaupten dass diesbezüglich alle Nationen zur Vernunft gekommen sind.
Die offizielle Teilnehmerliste für den 64. Eurovision Song Contest 2019 Dare to dream in Tel Aviv:
Albanien
Armenien
Aserbaidschan
Australien
Belgien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Frankreich
Georgien
Griechenland
Großbritannien und Nordirland
Irland
Island
Israel
Italien
Kroatien
Lettland
Litauen
Malta
Moldawien
Montenegro
Niederlande
Nordmazedonien
Norwegen
Österreich
Polen
Portugal
Rumänien
Russland
San Marino
Schweden
Schweiz
Serbien
Slowenien
Spanien
Tschechien
Ukraine
Ungarn
Weißrussland
Zypern
Posts mit dem Label Marokko werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Marokko werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 8. Januar 2019
42 Länder in Tel Aviv dabei - Offizielle Teilnehmerliste
Labels:
Ägypten,
Algerien,
Allgemeines,
Andorra,
Israel,
Jordanien,
Libanon,
Libyen,
Marokko,
Moldawien,
Polen,
Schweden,
Teilnahmen,
Tunesien,
Vatikanstadt
Dienstag, 7. November 2017
BREAKING NEWS! 42 Länder, Slogan und Logo bekannt!
Vor vier Stunden wurden auf dem offiziellen YouTube Kanal vom Eurovision Song Contest zwei Videos hochgeladen, in denen die Teilnehmerzahl, der Slogan (und somit vollständige Name des Wettbewerbs) und das Logo bekannt gegeben wurden!
Der nächste ESC heißt ganz offiziell "63rd Edition of the Eurovision Song Contest 2018 All aboard! in Lisboa", zu Deutsch "63. Eurovision Song Contest 2018 All aboard! in Lissabon" Der Slogan "All aboard" bedeutet sowas wie "Alle an Bord!", oder "Alle einsteigen!", oder "Einsteigen bitte!". Ein typischer Slogan für den ESC, der genauso gut in sämtlichen Sätzen um den Wettbewerb gesagt werden kann, wie die Slogans der letzten Jahre. Er bezieht aber auch das ein was den diesjährigen ESC ausmachen soll, mal abgesehen, dass er ja extrem günstig werden soll, wie oft angepriesen wird. In einem Extra Video wird erklärt dass Portugal am Ozean liegt, für die Weltoffenheit Europas steht und sehr viel mit Wasser und Schifffahrt zu tun hat. Dies hat über das Logo und den Slogan entschieden und wird großer Bestandteil der drei Shows im Mai.
Ich bin nicht wirklich begeistert, aber es hätte auch etwas schlimmeres kommen können, insofern bin ich zufrieden, das einzige was mir Angst macht, ist dass die Bühne nicht wie ein Schiff aussehen soll und ich denke genau das wird passieren. Es mag zwar zu Portugal passen, stört die Atmosphäre der meisten Songs aber gewaltig! Außerdem hatten wir 2014 schon eine Bühne die von einem Schiff inspiriert war. Meinetwegen kann man irgendwie Wasser mit einbauen, das wird eine tolle Show, aber bitte macht keine Bühne, die an ein Schiff erinnert!
Das Logo wirkt sehr billig und total unprofessionell. Man kann auch ein schönes und natürliches Logo entwickeln, das so aussieht wie perfekt die Show eben auch ist. 2013 hatte man einen Schmetterling, der unglaublich professionell wirkte und zudem sehr schön war. Bis heute mein Lieblingslogo, auch wenn Building Bridges da sehr nah herankommt. Diese Muschel hier wirkt aber einfach nur lächerlich. Diesbezüglich bin ich von der EBU dieses Jahr sehr enttäuscht. Wer sich mit dem ESC beschäftigt wird dieses Logo in den nächsten sechs Monaten gezwungenermaßen ständig sehen. Es wird auch zur Promotion auf Bussen, Straßenbahnen, Plakaten u.ä. die gesamte Stadt in der Zeit direkt vor und während des ESC's zieren.
Der nächste ESC heißt ganz offiziell "63rd Edition of the Eurovision Song Contest 2018 All aboard! in Lisboa", zu Deutsch "63. Eurovision Song Contest 2018 All aboard! in Lissabon" Der Slogan "All aboard" bedeutet sowas wie "Alle an Bord!", oder "Alle einsteigen!", oder "Einsteigen bitte!". Ein typischer Slogan für den ESC, der genauso gut in sämtlichen Sätzen um den Wettbewerb gesagt werden kann, wie die Slogans der letzten Jahre. Er bezieht aber auch das ein was den diesjährigen ESC ausmachen soll, mal abgesehen, dass er ja extrem günstig werden soll, wie oft angepriesen wird. In einem Extra Video wird erklärt dass Portugal am Ozean liegt, für die Weltoffenheit Europas steht und sehr viel mit Wasser und Schifffahrt zu tun hat. Dies hat über das Logo und den Slogan entschieden und wird großer Bestandteil der drei Shows im Mai.
Ich bin nicht wirklich begeistert, aber es hätte auch etwas schlimmeres kommen können, insofern bin ich zufrieden, das einzige was mir Angst macht, ist dass die Bühne nicht wie ein Schiff aussehen soll und ich denke genau das wird passieren. Es mag zwar zu Portugal passen, stört die Atmosphäre der meisten Songs aber gewaltig! Außerdem hatten wir 2014 schon eine Bühne die von einem Schiff inspiriert war. Meinetwegen kann man irgendwie Wasser mit einbauen, das wird eine tolle Show, aber bitte macht keine Bühne, die an ein Schiff erinnert!
Das Logo wirkt sehr billig und total unprofessionell. Man kann auch ein schönes und natürliches Logo entwickeln, das so aussieht wie perfekt die Show eben auch ist. 2013 hatte man einen Schmetterling, der unglaublich professionell wirkte und zudem sehr schön war. Bis heute mein Lieblingslogo, auch wenn Building Bridges da sehr nah herankommt. Diese Muschel hier wirkt aber einfach nur lächerlich. Diesbezüglich bin ich von der EBU dieses Jahr sehr enttäuscht. Wer sich mit dem ESC beschäftigt wird dieses Logo in den nächsten sechs Monaten gezwungenermaßen ständig sehen. Es wird auch zur Promotion auf Bussen, Straßenbahnen, Plakaten u.ä. die gesamte Stadt in der Zeit direkt vor und während des ESC's zieren.
Das Logo vom 63. Eurovision Song Contest 2018 All aboard! in Lissabon
Genau jetzt gerade, in einem halben Jahr findet das 1. Juryhalbfinale vom 63. Eurovision Song Contest 2018 All aboard! in Lissabon statt. Da ist es doch ein guter Zeitpunkt, zu dem Logo, Slogan und Teilnehmerliste bekannt gegeben werden. Ja die EBU hat auch endlich die offizielle Teilnehmerliste rausgerückt. Vielleicht hat man extra wegen Mazedonien so lange gewartet, die stehen nämlich nicht drauf! Ja die Ehemals jugoslawische Republik Mazedonien wird NICHT am ESC 2018 teilnehmen. Man darf davon ausgehen, dass dieser Beschluss Teil der Abkommen war, die Ende letzter Woche zwischen MKRTV und der EBU getroffen wurden. Angesichts der wirtschaftlichen Lage der Rundfunkanstalt wäre eine Teilnahme am ESC aber auch sehr verwunderlich. Wenn jeder Cent gezählt wird hat man selten einen sechsstelligen Eurobetrag für drei kürzere Abendshows übrig, bei denen man aller Voraussicht nach eh nur einen einzigen dreiminütigen Auftritt hätte. In den letzten zehn Jahren ist man neun mal im Halbfinale ausgeschieden...
Außerdem wurde die zuvor hoch gehandelte Zahl von 43 angemeldeten Nationen auf 42, die auf der endgültigen Teilnehmerliste stehen, reduziert! Wir werden also wieder keine Rekordteilnehmerzahl haben. Den gab es zuletzt 2008 als 43 Nationen in Belgrad dabei waren. 2011 wurde er in Düsseldorf wiederholt. Mit 42 Ländern haben wir die gleiche Teilnehmerzahl wie in den letzten beiden Jahren auch schon. Zum Vorjahr hat sich nur geändert, dass Russland nach seiner Protestabwesenheit in der Ukraine wieder zurückgekehrt ist, und wie eben schon beschrieben die Ehemals jugoslawische Republik Mazedonien, aus finanziellen Gründen, die Teilnahme zurück gezogen hat. Das bedeutet auch, dass Moldawien sich "heimlich" angemeldet hat und sich die Besorgten wieder beruhigen können, dass das Land seine Podest platz Verteidigung angehen wird.
Zu 2016 hat sich verändert, dass Bosnien-Herzegowina und die Ehemals jugoslawische Republik Mazedonien nicht dabei sind, dafür aber Portugal und Rumänien teilnehmen. Portugal hatte 2016 ein Jahr Pause gemacht, um seinen Vorentscheid zu überarbeiten und endlich ernsthaft konkurrenzfähig werden zu können. Im Jahr darauf haben sie gewonnen... Rumänien wurde wenige Tage vor Probenbeginn in Stockholm aufgrund von Schulden bei der EBU disqualifiziert.
Die offizielle Teilnehmerliste lässt uns auch entnehmen, dass Ägypten, Algerien, Jordanien, Libanon, Libyen, Tunesien und Vatikanstadt ihrer Einladung zum ESC eine Absage erteilt haben und nicht debütieren werden. Verständlicher Weise wurde darüber in der Presse nicht diskutiert. Auch Marokko wird nach 37 Jahren Pause nicht zum Wettbewerb zurückkehren. Hier die offizielle Teilnehmerliste der EBU:
Albanien (RTSH)
Armenien (ArmTV)
Aserbaidschan (iTV)
Australien (SBS)
Belgien (VRT)
Bulgarien (BNT)
Dänemark (DR)
Deutschland (NDR)
Estland (ERR)
Finnland (YLE)
Frankreich (France 2)
Georgien (GPB)
Griechenland (ERT)
Großbritannien und Nordirland (BBC)
Irland (RTÉ)
Island (RÚV)
Israel (IPBC)
Italien (RAI)
Kroatien (HRT)
Lettland (LTV)
Litauen (LRT)
Malta (TVM)
Moldawien (TRM)
Montenegro (RTCG)
Niederlande (TROS)
Norwegen (NRK)
Österreich (ORF)
Polen (TVP)
Portugal (RTP)
Rumänien (TVR)
Russland (C1R)
San Marino (SMRTV)
Schweden (SVT)
Schweiz (SRF)
Serbien (RTS)
Slowenien (RTVSlo)
Spanien (TVE)
Tschechien (ČT)
Ukraine (NTU)
Ungarn (MTV)
Weißrussland (BTRC)
Zypern (CyBC)
Die Liste kannst du auch am Rand der "Web-Version" von Eurovision Passion jederzeit nachlesen. Der ESC 2018 wird also ohne Mazedonien stattfinden. Ob es 2019 wieder dabei sein kann, oder wann es später wieder einsteigen könnte ist völlig ungewiss. Es ist schon sehr schade und inzwischen, nach etwa einer Stunde Verdauzeit dieser Information ist es gar nicht so extrem traurig. Mir wurde im Laufe der letzten Wochen fast täglich deutlich, dass es einfach zu viele Länder geworden sind, die am ESC teilnehmen. Als man noch 20 Länder hatte war so einiges besser. Damit möchte ich nicht sagen, dass früher alles besser war, das war es nicht, erst recht nicht beim ESC, aber es ist gar nicht so schlecht, dass wir über 10 Jahre lang keinen neuen Teilnehmerrekord erlebt haben. Ich bin zwar um jedes Land glücklich dass dabei ist, aber der Wettbewerb hat nun mal seine Kapazitätsgrenzen erreicht - und das ist auch gut so! Außerdem ist Mazedonien auch eines der schlechtesten, je nach Statistik auch das schlechteste ESC-Land der letzten zehn Jahre. Da ist es verständlich wenn man sich freut dass es Mazedonien ist, dass absagen muss und nicht irgendein anderes Land, denn um so ziemlich jedes andere Land wären die ESC-Fans mehr traurig.
Leider haben wir aber auch kein debütierendes Land. Vieles sprach dafür dass Kasachstan endlich teilnehmen darf. Man hat uns wieder vertröstet. Es ist auch kein Land nach längerer Abwesenheit zurückgekehrt. Andererseits macht San Marino das Theater noch mal mit. Wie oft noch ist ungewiss. Vielleicht das letzte mal für alle Zeit. Israel darf trotz der Einstellung des Senderbetriebs der bisherigen Rundfunkanstalt beim ESC weiter teilnehmen und das ohne ein einziges mal aussetzen zu müssen. Eine schöne Sache, allerdings habe ich auch keine Sekunde daran gezweifelt.
Insgesamt ist die Teilnehmerliste für diese Saison irgendwie... hm... nicht total schlecht aber freuen kann ich mich auch kein bisschen. Das Logo und der Slogan können mich auch nur so halb zufrieden stellen. Als ich die Videos gesehen habe, war ich sehr euphorisiert und gleichzeitig schockiert, dass es nur 42 Länder sind und Mazedonien nicht dabei ist. Ein bisschen Enttäuschung über Kasachstan spielte auch mit rein. Meine Theorie: 2025 wird man Kasachstan zum 70 jährigen Jubiläum einladen und dauerhaft teilnehmen lassen... 2035 folgt China, 2045... Nun bin ich aber nicht mehr euphorisiert, sondern eher unzufrieden und freue mich weniger auf die turbulente Saisonhälfte als zuvor. Ich bin ganz unentschlossen darüber, ob der ESC in Lissabon gut oder schlecht wird. Anfangs war ich vom positiven überzeugt, aber in den letzten sechs Monaten wurde das Negative immer stärker. Ich möchte dir nichts vermiesen, mir auch nicht. Ich weiß nur nicht wie es dieses Jahr wird. In dem Jahr in dem ich erstmals über den ESC in diesem Blog berichte und vermutlich auch das Jahr in dem ich erstmals vor Ort den ESC erleben darf. Wir müssen abwarten was uns die Zukunft bringt.
Was ist deine Meinung zu diesen elementaren Informationen über den ESC 2018? Tu deine Meinung gerne in den Kommentaren kund, egal ob auf Deutsch, Englisch, Portugiesisch oder einer anderen Sprache :)
Labels:
Ägypten,
Algerien,
Austragung,
Ehemals jugoslawische Republik Mazedonien,
Jordanien,
Kasachstan,
Kommentar,
Libanon,
Libyen,
Marokko,
Moldawien,
Portugal,
Teilnahmen,
Tunesien,
Vatikanstadt
Samstag, 17. Juni 2017
Wer darf am ESC teilnehmen? What is Eurovision? - Love Love Peace Peace Teil 1/4
Wie mehrfach angekündigt, werde ich in der ersten "Eurovision Post Depression" auf diesem Blog in Detail genaustens erklären was der Eurovision Song Contest ist und wie alles funktioniert, damit jeder die Berichterstattung versteht und sich daran erfreuen kann. Du wirst merken dass alles einen viel größeren Umfang hat, als du denkst. Vielleicht entdeckst du dabei ja auch deine Passion zu diesem wundervollen Fest.
Im ersten von 4 Teilen erkläre ich wie der ESC entstanden ist, wer die Entscheidungen über Regelwerk und Ähnliches trifft und wer teilnehmen darf. Dass Länder wie Israel, Georgien und Australien dabei sind, hat keinerlei politische Gründe. Überhaupt hat Politik mit dem Eurovision Song Contest wenig bis gar nichts zu tun, aber eins nach dem anderen.
Wir schreiben den 12. Februar 1950 in Torquay, England. 23 Rundfunkanstalten schließen sich zur "European Braodcasting Union" zusammen, kurz EBU. Das Ziel dieser "Europäischen Rundfunkunion" war es den Nachrichtenaustausch in Europa zu vereinfachen und technische Entwicklungen zu fördern. Außerdem wollte man eine Stadardisierung der technischen Mittel herstellen. Heute ist ebenfalls das Vergeben von Übertragungsrechten v.a. bei Sportveranstaltungen in der Hand der EBU. Wer Olympische Spiele, Fußball-WM und co. zeigen darf und wer nicht, wird am "Runden Tisch" in Genf entschieden, wo der Sitz der EBU ist.
Drei Jahre später gab es weltweit die erste internationale Livesendung; die Krönung von Elisabeth II., nur ermöglicht durch die EBU. 1956 wollte die EBU, die unter ständigem Mitgliederzuwachs stand, eine Sendung produzieren, die den Frieden in Europa fördern sollte. Wichtigstes Kriterium dieser Sendung war, dass sie vollkommen unpolitisch sein soll. Außerdem war es wichtig, dass Länder sich repräsentieren sollten, mit denen die Zuschauer der Sendung sich identifizieren können. Wie bei den Olympischen Spielen sollte es einen friedlichen Wettkampf geben, der zeigen soll, dass man sich auch gänzlich ohne Krieg miteinander messen und feiern kann. Die Vielfalt Europas sollte in glänzendem Licht präsentiert werden.
Man entwickelte den Grand Prix de la Chanson, der später in den Eurovision Song Contest umbenannt wurde. Der Name setzt sich übrigens aus den Wörtern "Europe" - Europa und "Television" - Fernsehen zusammen. Es war ein riesiger Erfolg. Keiner hätte ahnen können welche Beliebtheit und Bedeutung dieser Wettstreit des Friedens bekommen konnte.
Hauptaufgabe der EBU ist immernoch der Nachrichtenaustausch und die Förderung der technischen Entwicklung bezüglich des Rundfunks. Ohne die EBU würden Tagesschau und die Qualität des Fernsehens auf der ganzen Welt heute völlig anders sein. Es ist eine der wichtigsten Organisationen der Welt, aber dennoch unbekannt, da sie im Hintergrund arbeitet und ihre Erfolge als Gewinn der Allgemeinheit angesehen werden. Wir schauen uns nun aber den dritten großen Bereich der EBU an - den Eurovision Song Contest.
Bei der ersten Ausgabe von 1956 gab es nur 7 Teilnehmerländer. Kaum vorstellbar, wenn man den Wettbewerb schon mit 43 Ländern erlebt hat. Doch wer durfte damals teilnehmen und warum? Die EBU hat beschlossen, dass aus jedem Land eine Rundfunkanstalt, die Mitglied in der EBU ist, teilnehmen darf. Deutschland wurde 1952 Mitglied der EBU. Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, trat der Union mit BR, hr, MDR, NDR, RB, rbb, SR, SWR, WDR, DW und DLR bei. Heute ist der NDR für den ESC zuständig. 1953 folgte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), welches bis heute keine Befugnis zum ESC hat. Es kann nicht jeder Fernsehsender einfach so Mitglied werden. Nicht nur dass eine Mitgliedsschaft dauerhaft laufende Kosten beinhaltet, die nur schwer zu bewältigen sind, eine Rundfunkanstalt muss auch alle harten Kriterien erfüllen, die die EBU vorsieht. Genau hier kommen wir zum Knackpunkt dessen, warum Aserbaidschan beim ESC ist, aber Liechtenstein nicht teilnehmen darf.
Einer der Grundvorraussetzungen für die Mitgliedsschaft, ist es innerhalb der europäischen Grenzen zu liegen. Diese hat die EBU bei der Gründung 1950 nach ganz eigenen Maßstäben festgelegt. Im Norden zählt das Europäische Nordmeer als Grenze, im Westen der Altlantische Ozean. Soweit so gut. Im Osten sind die Grenzen Europas umstritten. Alleine schon das Gebirge Ural als geographische Grenze zu zählen, macht eine genaue Linie zu ziehen unmöglich. Man hat sich darauf geeinigt 40° östliche Länge als Grenze zu nehmen. Der Ural verläuft bei etwa 50-60° östlicher Länge. Im Westen geht die geographische Grenze zwischen den türkischen und griechischen Inseln bis zu etwa 25° östlicher Länge. Die südliche Grenze der EBU muss man weiter erläutern.
1950, als die Grenzen festgelegt wurden, waren Algerien, Marokko und Tunesien noch Kolonien Frankreichs und gehörten somit zum Staatsgebiet der wichtigen EBU-Nation. Die Rundfunkanstalten ENTV, ENRS und TDA aus Algerien, sowie SNRT aus Marokko, gehören zu den Gründungsanstalten der EBU, somit war man bei der Entstehung doppelt gezwungen die südliche Grenze südlich genung zu legen. Man entschied sich für 30° nördliche Breite.
Somit liegen Marokko und Tunesien, die zwei Monate vor dem ersten ESC unabhängig wurden, Algerien, das 1962 unabhängig wurde, Ägypten und Libyen innerhalb der EBU-Grenzen und sind Vollmitglieder, obwohl es sich eigentlich um afrikanische Staaten handelt. Sie alle sind beim ESC somit startberechtigt. Lediglich Marokko nahm dieses Angebot an. Mehr dazu gibt es in einem extra Post zu Marokko.
Asiatische Länder, die innerhalb der Grenzen liegen und nicht immer eindeutig zu Europa gezählt werden, sind Georgien, Jordanien, Libanon, Russland, die Türkei und Zypern. Jordanien hat nicht das Interesse dazu am ESC teilzunehmen. Libanon möchte eigentlich teilnehmen, im Grundgesetz des Landes ist es jedoch fest verankert, dass sie die Existenz von Israel nicht beachten. Somit möchten sie nicht an einem Wettbewerb teilnehmen, in dem auch Israel vertreten ist. Dazu gab es 2015 auf einer Pressekonferenz der israelischen Delegation in Wien eine herzerwärmende Szenerie mit einem libanesischen ESC-Fan und dem israelischen Sänger Nadav Guedj. Es endete damit, dass die beiden sich, mit ihren Nationalflaggen, weinend in den Armen lagen. Mehr Symbolik für Frieden gibt es kaum. Georgien, Russland, die Türkei und Zypern sind bzw. waren beim ESC dabei.
Palästina liegt ebenfalls innerhalb der Grenzen. Die Rundfunkanstalt PBC erfüllt jedoch nicht alle EBU-Normen. Früher war es assoziiertes Mitglied. Bis heute führt PBC eine der sechs Dauerbewerbungen, in die EBU als Vollmitglied aufgenommen zu werden. Ein weiteres asiatisches Land innerhalb der Grenzen ist Syrien. Sie sind mit der ORTAS als assoziiertes Mitglied in der EBU vertreten. Der Sender hat kein Interesse an einer Vollmitgliedsschaft. Auch der Irak und Saudi-Arabien liegen innerhalb der Grenzen. In beiden Nationen hat keine Rundfunkanstalt Interesse an der EBU. Israel hatte seit 1957 bis zum Finaltag des ESCs 2017, mit der IBA eine Vollmitgliedsschaft in der EBU. Der Sender wurde eingestellt. Als "Ersatz" gibt es Beitrittsverhandlungen von IPBC, das momentan nicht alle vorrausgesetzten Kriterien erfüllt. Kasachstan liegt zwar teilweise innerhalb der geographischen Grenzen Europas, allerdings außerhalb der EBU-Grenzen. Die Manschen im Land lieben den ESC und es gibt große Bemühungen am ESC teilnehmen zu dürfen. Ein kasachischer Beitrag in naher Zukunft gilt als durchaus möglich. Somit sind der Irak, Israel, Kasachstan, Palästina, Saudi-Arabien und Syrien, trotz ihrer geographischen Lage, beim ESC nicht teilnahmeberechtigt. (Stand Juni 2017)
Armenien und Aserbaidschan liegen jenseits des 40. östlichen Längengrades, sind aber trotzdem Vollmitglieder der EBU. Armenien ist mit AMPTV seit 2005 dabei. Aserbaidschan mit iCTI bzw. iTV seit 2007. 2001 wurden sie Mitglieder des Europarates und bekamen somit eine große politische Bedeutung für Europa. Da der Nachrichtenaustausch das Wichtigste in der EBU ist, gibt es eine Sonderregelung; wenn ein Land außerhalb der EBU-Grenzen Liegt, jedoch Mitglied im Europarat ist, kann es auch Mitglied der EBU werden. Dies ist für einen qualitativ hochwertigen Nachrichtenaustausch von elemantarer Bedeutung und schon fast notwendige Pflicht geworden. Eine Vollmitgliedsschaft bedeutet eine Teilnahmeberechtigung am Eurovision Song Contest. Somit sind auch Armenien und Aserbaidschan startberechtigt.
Wir verlassen die europäisch-asiatischen Grenzen und gehen nach Mitteleuropa. Genauer gesagt ins kleine Liechtenstein. Auch dieser Staat hat eine Rundfunkanstalt, die am ESC teilnehmen möchte. Sie erfüllt sogar alle vorgegebenen Auflagen der EBU und kann eine Teilnahme durchaus finanzieren. Das Problem liegt hier darin, dass 1FLTV die dauerhaft laufenden Kosten einer EBU-Vollmitgliedsschaft nicht bezahlen kann. Eben diese ist notwendig, um beim ESC dabei sein zu dürfen. Liechtenstein gilt damit als nicht startberechtigt. Der Vatikanstadt ist mit CTV und RV Gründungsmitglied der EBU, wobei CTV die Mitgliedsschaft 2012 gekündigt hat. Am Ende ist es immer die zuständige Rundfunkanstalt jeder Nation, die jährlich darüber entscheidet, ob das Land einen Beitrag zum ESC beisteuert. RV hat sich immer dagegen entschieden, somit war der Vatikanstadt nie beim ESC vertreten.
Das umstrittene Land Kosovo hat mit RTK seit 2008 eine Rundfunkanstalt, die sich sehr um eine EBU-Vollmitgliedsschaft bemüht, insbesondere die Teilnahme am ESC steht als großes Ziel dar. Serbien sieht den Kosovo als Region des eigenen Landes an. Deswegen legt der serbische EBU-Sender RTS bei jeder erneuten Beitrittsverhandlung sein Vetorecht ein und verhindert den EBU-Eintritt von RTK und gleichzeitig die Teilnahme am ESC. Unterm Strich ist die EBU somit eine der wenigen internationalen Organisationen, die Kosovo nicht als eigenständigen Staat ansehen, obwohl fast alle Mitglieder ebendies tun.
Fehlt nur noch Australien... Selbstverständlich liegt dies außerhalb der europäischen EBU-Grenzen und ist auch kein Mitglied im Europarat. Neben einer Vollmitgliedsschaft kann man auch Assoziiertes Mitglied der EBU werden. Mit diesem Status bezahlt man deutlich weniger Beitragsgelder, hat aber auch nur stark eingeschränkte Berechtigungen, zum Beispiel fehlt die Erlaubnis für eine ESC-Teilnahme. 34 Rundfunkanstalten aus 22 verschiedenen Ländern, aus der ganzen Welt, sind Assoziierte Mitglieder der EBU. Darunter auch ABC, Free und SBS aus Australien. SBS überträgt seit den 70er Jahren den Eurovision Song Contest. Die Australier sind so verrückt nach dem ESC, wie kaum ein anderes Land. Mitten in der Nacht stehen sie alle auf, um sich einen Musikwettbewerb in Europa anzuschauen - seit Jahrzehnten. SBS würde fast alles dafür tun, um am ESC teilnehmen zu dürfen.
2015, lange Zeit nach Fertigstellung der endgültigen Teilnehmerliste, verkündet die EBU, dass SBS unter australischer Flagge einmalig einen Beitrag für den ESC entsenden darf. Als Hauptgrund dafür wurde der Anlass des 60. Jubiläums genannt. Völlig überraschend folgte 2016 eine erneute Einladung, unter der Bedingung die eigenen hohen Teilnahmegebühren und die von drei weiteren Ländern zu bezahlen. Ohne Australien hätten diese nicht teilnehmen können. Man hätte damit nach 2009 und 2011 eigentlich zum dritten Mal die Rekordteilnehmerzahl von 43 erreicht, wenn Rumänien nicht kurzfristig disqualifiziert worden wäre. SBS nahm das Angebot selbstverständlich an und war auch 2016 dabei. Seit 2017 entscheidet die EBU Jahr für Jahr, ob Australien teilnehmen darf. Hauptfaktor, von dem dies abhängt, sind die Ergebnisse, die Australien beim ESC erzielt. Es gibt Bemühungen und Verhandlungen um einen dauerhaften Startplatz für Australien.
Der Eurovision Song Contest ist schon längst kein rein europäischer Wettbewerb mehr. Auf der ganzen Welt wird er im Fernsehen ausgestrahlt und gesehen. Überall gibt es zahlreiche ESC-Fans. Die EBU sollte ihre Pforten weiter lockern und Ländern, wie Kasachstan, China und co., die liebendgern beim ESC dabei wären eine Chance geben. Der ESC ist dazu da um Vielfalt zu zelebrieren und den Frieden zu fördern, nicht um andere auszuschließen und kriegerische Teilnahmeverhandlungen zu führen. Der Name dieser Post-Reihe stammt aus zwei Intervalacts vom ESC 2016. What is Eurovision? - Love Love Peace Peace, also lasst uns dies auch leben. Nun regst du dich vielleicht nicht mehr über Teilnahmen von nicht europäischen Ländern auf und feierst einfach mit, ganz im Sinne von "Love Love Peace Peace".
Im zweiten Teil werfen wir einen Blick in das Regelwerk und schauen uns an, ob der ESC wirklich so viel kostet, wie es Kritiker behaupten.
Im ersten von 4 Teilen erkläre ich wie der ESC entstanden ist, wer die Entscheidungen über Regelwerk und Ähnliches trifft und wer teilnehmen darf. Dass Länder wie Israel, Georgien und Australien dabei sind, hat keinerlei politische Gründe. Überhaupt hat Politik mit dem Eurovision Song Contest wenig bis gar nichts zu tun, aber eins nach dem anderen.
Wir schreiben den 12. Februar 1950 in Torquay, England. 23 Rundfunkanstalten schließen sich zur "European Braodcasting Union" zusammen, kurz EBU. Das Ziel dieser "Europäischen Rundfunkunion" war es den Nachrichtenaustausch in Europa zu vereinfachen und technische Entwicklungen zu fördern. Außerdem wollte man eine Stadardisierung der technischen Mittel herstellen. Heute ist ebenfalls das Vergeben von Übertragungsrechten v.a. bei Sportveranstaltungen in der Hand der EBU. Wer Olympische Spiele, Fußball-WM und co. zeigen darf und wer nicht, wird am "Runden Tisch" in Genf entschieden, wo der Sitz der EBU ist.
Logo der EBU
Drei Jahre später gab es weltweit die erste internationale Livesendung; die Krönung von Elisabeth II., nur ermöglicht durch die EBU. 1956 wollte die EBU, die unter ständigem Mitgliederzuwachs stand, eine Sendung produzieren, die den Frieden in Europa fördern sollte. Wichtigstes Kriterium dieser Sendung war, dass sie vollkommen unpolitisch sein soll. Außerdem war es wichtig, dass Länder sich repräsentieren sollten, mit denen die Zuschauer der Sendung sich identifizieren können. Wie bei den Olympischen Spielen sollte es einen friedlichen Wettkampf geben, der zeigen soll, dass man sich auch gänzlich ohne Krieg miteinander messen und feiern kann. Die Vielfalt Europas sollte in glänzendem Licht präsentiert werden.
Man entwickelte den Grand Prix de la Chanson, der später in den Eurovision Song Contest umbenannt wurde. Der Name setzt sich übrigens aus den Wörtern "Europe" - Europa und "Television" - Fernsehen zusammen. Es war ein riesiger Erfolg. Keiner hätte ahnen können welche Beliebtheit und Bedeutung dieser Wettstreit des Friedens bekommen konnte.
Hauptaufgabe der EBU ist immernoch der Nachrichtenaustausch und die Förderung der technischen Entwicklung bezüglich des Rundfunks. Ohne die EBU würden Tagesschau und die Qualität des Fernsehens auf der ganzen Welt heute völlig anders sein. Es ist eine der wichtigsten Organisationen der Welt, aber dennoch unbekannt, da sie im Hintergrund arbeitet und ihre Erfolge als Gewinn der Allgemeinheit angesehen werden. Wir schauen uns nun aber den dritten großen Bereich der EBU an - den Eurovision Song Contest.
Mit diesem Bild fing alles an
Bei der ersten Ausgabe von 1956 gab es nur 7 Teilnehmerländer. Kaum vorstellbar, wenn man den Wettbewerb schon mit 43 Ländern erlebt hat. Doch wer durfte damals teilnehmen und warum? Die EBU hat beschlossen, dass aus jedem Land eine Rundfunkanstalt, die Mitglied in der EBU ist, teilnehmen darf. Deutschland wurde 1952 Mitglied der EBU. Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, trat der Union mit BR, hr, MDR, NDR, RB, rbb, SR, SWR, WDR, DW und DLR bei. Heute ist der NDR für den ESC zuständig. 1953 folgte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), welches bis heute keine Befugnis zum ESC hat. Es kann nicht jeder Fernsehsender einfach so Mitglied werden. Nicht nur dass eine Mitgliedsschaft dauerhaft laufende Kosten beinhaltet, die nur schwer zu bewältigen sind, eine Rundfunkanstalt muss auch alle harten Kriterien erfüllen, die die EBU vorsieht. Genau hier kommen wir zum Knackpunkt dessen, warum Aserbaidschan beim ESC ist, aber Liechtenstein nicht teilnehmen darf.
Einer der Grundvorraussetzungen für die Mitgliedsschaft, ist es innerhalb der europäischen Grenzen zu liegen. Diese hat die EBU bei der Gründung 1950 nach ganz eigenen Maßstäben festgelegt. Im Norden zählt das Europäische Nordmeer als Grenze, im Westen der Altlantische Ozean. Soweit so gut. Im Osten sind die Grenzen Europas umstritten. Alleine schon das Gebirge Ural als geographische Grenze zu zählen, macht eine genaue Linie zu ziehen unmöglich. Man hat sich darauf geeinigt 40° östliche Länge als Grenze zu nehmen. Der Ural verläuft bei etwa 50-60° östlicher Länge. Im Westen geht die geographische Grenze zwischen den türkischen und griechischen Inseln bis zu etwa 25° östlicher Länge. Die südliche Grenze der EBU muss man weiter erläutern.
1950, als die Grenzen festgelegt wurden, waren Algerien, Marokko und Tunesien noch Kolonien Frankreichs und gehörten somit zum Staatsgebiet der wichtigen EBU-Nation. Die Rundfunkanstalten ENTV, ENRS und TDA aus Algerien, sowie SNRT aus Marokko, gehören zu den Gründungsanstalten der EBU, somit war man bei der Entstehung doppelt gezwungen die südliche Grenze südlich genung zu legen. Man entschied sich für 30° nördliche Breite.
ehemaliges Staatsgebiet Frankreichs
Somit liegen Marokko und Tunesien, die zwei Monate vor dem ersten ESC unabhängig wurden, Algerien, das 1962 unabhängig wurde, Ägypten und Libyen innerhalb der EBU-Grenzen und sind Vollmitglieder, obwohl es sich eigentlich um afrikanische Staaten handelt. Sie alle sind beim ESC somit startberechtigt. Lediglich Marokko nahm dieses Angebot an. Mehr dazu gibt es in einem extra Post zu Marokko.
Asiatische Länder, die innerhalb der Grenzen liegen und nicht immer eindeutig zu Europa gezählt werden, sind Georgien, Jordanien, Libanon, Russland, die Türkei und Zypern. Jordanien hat nicht das Interesse dazu am ESC teilzunehmen. Libanon möchte eigentlich teilnehmen, im Grundgesetz des Landes ist es jedoch fest verankert, dass sie die Existenz von Israel nicht beachten. Somit möchten sie nicht an einem Wettbewerb teilnehmen, in dem auch Israel vertreten ist. Dazu gab es 2015 auf einer Pressekonferenz der israelischen Delegation in Wien eine herzerwärmende Szenerie mit einem libanesischen ESC-Fan und dem israelischen Sänger Nadav Guedj. Es endete damit, dass die beiden sich, mit ihren Nationalflaggen, weinend in den Armen lagen. Mehr Symbolik für Frieden gibt es kaum. Georgien, Russland, die Türkei und Zypern sind bzw. waren beim ESC dabei.
Palästina liegt ebenfalls innerhalb der Grenzen. Die Rundfunkanstalt PBC erfüllt jedoch nicht alle EBU-Normen. Früher war es assoziiertes Mitglied. Bis heute führt PBC eine der sechs Dauerbewerbungen, in die EBU als Vollmitglied aufgenommen zu werden. Ein weiteres asiatisches Land innerhalb der Grenzen ist Syrien. Sie sind mit der ORTAS als assoziiertes Mitglied in der EBU vertreten. Der Sender hat kein Interesse an einer Vollmitgliedsschaft. Auch der Irak und Saudi-Arabien liegen innerhalb der Grenzen. In beiden Nationen hat keine Rundfunkanstalt Interesse an der EBU. Israel hatte seit 1957 bis zum Finaltag des ESCs 2017, mit der IBA eine Vollmitgliedsschaft in der EBU. Der Sender wurde eingestellt. Als "Ersatz" gibt es Beitrittsverhandlungen von IPBC, das momentan nicht alle vorrausgesetzten Kriterien erfüllt. Kasachstan liegt zwar teilweise innerhalb der geographischen Grenzen Europas, allerdings außerhalb der EBU-Grenzen. Die Manschen im Land lieben den ESC und es gibt große Bemühungen am ESC teilnehmen zu dürfen. Ein kasachischer Beitrag in naher Zukunft gilt als durchaus möglich. Somit sind der Irak, Israel, Kasachstan, Palästina, Saudi-Arabien und Syrien, trotz ihrer geographischen Lage, beim ESC nicht teilnahmeberechtigt. (Stand Juni 2017)
Ihm haben Armenien und Aserbaidschan den ESC zu verdanken - der Europarat
Armenien und Aserbaidschan liegen jenseits des 40. östlichen Längengrades, sind aber trotzdem Vollmitglieder der EBU. Armenien ist mit AMPTV seit 2005 dabei. Aserbaidschan mit iCTI bzw. iTV seit 2007. 2001 wurden sie Mitglieder des Europarates und bekamen somit eine große politische Bedeutung für Europa. Da der Nachrichtenaustausch das Wichtigste in der EBU ist, gibt es eine Sonderregelung; wenn ein Land außerhalb der EBU-Grenzen Liegt, jedoch Mitglied im Europarat ist, kann es auch Mitglied der EBU werden. Dies ist für einen qualitativ hochwertigen Nachrichtenaustausch von elemantarer Bedeutung und schon fast notwendige Pflicht geworden. Eine Vollmitgliedsschaft bedeutet eine Teilnahmeberechtigung am Eurovision Song Contest. Somit sind auch Armenien und Aserbaidschan startberechtigt.
Wir verlassen die europäisch-asiatischen Grenzen und gehen nach Mitteleuropa. Genauer gesagt ins kleine Liechtenstein. Auch dieser Staat hat eine Rundfunkanstalt, die am ESC teilnehmen möchte. Sie erfüllt sogar alle vorgegebenen Auflagen der EBU und kann eine Teilnahme durchaus finanzieren. Das Problem liegt hier darin, dass 1FLTV die dauerhaft laufenden Kosten einer EBU-Vollmitgliedsschaft nicht bezahlen kann. Eben diese ist notwendig, um beim ESC dabei sein zu dürfen. Liechtenstein gilt damit als nicht startberechtigt. Der Vatikanstadt ist mit CTV und RV Gründungsmitglied der EBU, wobei CTV die Mitgliedsschaft 2012 gekündigt hat. Am Ende ist es immer die zuständige Rundfunkanstalt jeder Nation, die jährlich darüber entscheidet, ob das Land einen Beitrag zum ESC beisteuert. RV hat sich immer dagegen entschieden, somit war der Vatikanstadt nie beim ESC vertreten.
Das umstrittene Land Kosovo hat mit RTK seit 2008 eine Rundfunkanstalt, die sich sehr um eine EBU-Vollmitgliedsschaft bemüht, insbesondere die Teilnahme am ESC steht als großes Ziel dar. Serbien sieht den Kosovo als Region des eigenen Landes an. Deswegen legt der serbische EBU-Sender RTS bei jeder erneuten Beitrittsverhandlung sein Vetorecht ein und verhindert den EBU-Eintritt von RTK und gleichzeitig die Teilnahme am ESC. Unterm Strich ist die EBU somit eine der wenigen internationalen Organisationen, die Kosovo nicht als eigenständigen Staat ansehen, obwohl fast alle Mitglieder ebendies tun.
Australien - ein Land in Europa?
Fehlt nur noch Australien... Selbstverständlich liegt dies außerhalb der europäischen EBU-Grenzen und ist auch kein Mitglied im Europarat. Neben einer Vollmitgliedsschaft kann man auch Assoziiertes Mitglied der EBU werden. Mit diesem Status bezahlt man deutlich weniger Beitragsgelder, hat aber auch nur stark eingeschränkte Berechtigungen, zum Beispiel fehlt die Erlaubnis für eine ESC-Teilnahme. 34 Rundfunkanstalten aus 22 verschiedenen Ländern, aus der ganzen Welt, sind Assoziierte Mitglieder der EBU. Darunter auch ABC, Free und SBS aus Australien. SBS überträgt seit den 70er Jahren den Eurovision Song Contest. Die Australier sind so verrückt nach dem ESC, wie kaum ein anderes Land. Mitten in der Nacht stehen sie alle auf, um sich einen Musikwettbewerb in Europa anzuschauen - seit Jahrzehnten. SBS würde fast alles dafür tun, um am ESC teilnehmen zu dürfen.
2015, lange Zeit nach Fertigstellung der endgültigen Teilnehmerliste, verkündet die EBU, dass SBS unter australischer Flagge einmalig einen Beitrag für den ESC entsenden darf. Als Hauptgrund dafür wurde der Anlass des 60. Jubiläums genannt. Völlig überraschend folgte 2016 eine erneute Einladung, unter der Bedingung die eigenen hohen Teilnahmegebühren und die von drei weiteren Ländern zu bezahlen. Ohne Australien hätten diese nicht teilnehmen können. Man hätte damit nach 2009 und 2011 eigentlich zum dritten Mal die Rekordteilnehmerzahl von 43 erreicht, wenn Rumänien nicht kurzfristig disqualifiziert worden wäre. SBS nahm das Angebot selbstverständlich an und war auch 2016 dabei. Seit 2017 entscheidet die EBU Jahr für Jahr, ob Australien teilnehmen darf. Hauptfaktor, von dem dies abhängt, sind die Ergebnisse, die Australien beim ESC erzielt. Es gibt Bemühungen und Verhandlungen um einen dauerhaften Startplatz für Australien.
Love Love Peace Peace - Motto vom ESC?
Der Eurovision Song Contest ist schon längst kein rein europäischer Wettbewerb mehr. Auf der ganzen Welt wird er im Fernsehen ausgestrahlt und gesehen. Überall gibt es zahlreiche ESC-Fans. Die EBU sollte ihre Pforten weiter lockern und Ländern, wie Kasachstan, China und co., die liebendgern beim ESC dabei wären eine Chance geben. Der ESC ist dazu da um Vielfalt zu zelebrieren und den Frieden zu fördern, nicht um andere auszuschließen und kriegerische Teilnahmeverhandlungen zu führen. Der Name dieser Post-Reihe stammt aus zwei Intervalacts vom ESC 2016. What is Eurovision? - Love Love Peace Peace, also lasst uns dies auch leben. Nun regst du dich vielleicht nicht mehr über Teilnahmen von nicht europäischen Ländern auf und feierst einfach mit, ganz im Sinne von "Love Love Peace Peace".
Im zweiten Teil werfen wir einen Blick in das Regelwerk und schauen uns an, ob der ESC wirklich so viel kostet, wie es Kritiker behaupten.
Abonnieren
Posts (Atom)






