Posts mit dem Label Kurioses werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kurioses werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 26. Februar 2019

Ukraine: Maruv darf nicht zum ESC!

Da ist er ja endlich - der erste große Skandal um den ESC 2019. Maruv hat am Samstag mit ihrem Song "Siren Song" den ukrainischen Vorentscheid gewonnen, wird aber nicht beim ESC antreten. Warum? Das erfährst du hier.

In der Regel unterschreibt ein Sänger, wenn er für ein Land zum ESC fährt, vorher einen Vertrag mit der entsprechenden Rundfunkanstalt, in dem alle eventuell auftretenden Probleme gelöst sind. Maruv möchte den Vertrag vom ukrainischen Rundfunk UA:Perschyj aber nicht unterschreiben.

Aber fangen wir von vorne an. Jamala gewann 2016 den Eurovision Song Contest für die Ukraine mit einem Lied über ihre Großmutter, die 1944 von den Russen von der Krim aus verschleppt wurde. Es war schon immer umstritten, ob dieser Song politisch ist, oder nicht. Die EBU entschied dass er nicht politisch sei und damit zum ESC zugelassen ist. Wie auch immer, Jamala hat klar gestellt, dass sie nicht gut auf Russen zu sprechen ist.

Maruv, die bürgerlich übrigens Hanna Korsun heißt, hat vor allem in Russland Erfolg mit ihrer Musik. Sie hat aber klargestellt dass sie sich nur als Ukrainerin fühlt und auch nur für dieses Land beim ESC antreten würde. So habe sie nach eigenen Angaben aus drei Ländern das Angebot erhalten für das entsprechende Land zum ESC zu fahren, sie wollte aber lieber am ukrainischen Vorentscheid teilnehmen.

Jamala saß in der dreiköpfigen Jury von Vidbir 2019. Offensichtlich störte sie sich sehr daran, dass Maruv so intensive Verbindungen zu Russland hat. Schon im Halbfinale redete sie Maruv, wann immer es nur ging, so schlecht wie möglich. Im Finale trieb sie dies auf die Spitze mit einer Frage, die am vergangenen Supersamstag das Hauptthema der ESC-Bubble in den sozialen Netzwerken wurde. Am Besten machst du dir einfach selbst ein Bild davon:


Jamala hat allen Ernstes, auf eine sehr provokante Art, eine Sängerin, die einfach nur Musik für die Menschen machen möchte, gefragt ob die Krim zur Ukraine gehört. Das Ganze beim Vorentscheid für den ESC, einer Veranstaltung, die laut Regelwerk keinerlei politische Inhalte haben darf. Alleine schon die Aussage dass die Krim zur Ukraine gehört, ist im Rahmen jeder Veranstaltung um den ESC verboten. Es war nicht das einzige Mal dass die Show in der Ukraine politisch wurde. Deshalb berät sich jetzt die EBU über eine mögliche Disqualifikation der Ukraine beim ESC 2019, inklusive horrender Strafzahlung versteht sich. Doch das ist sogar nur ein kleines Nebenereignis dieser gesamten Thematik. Dass Jamala es sich durch diese Aktion mit sehr vielen Fans und Unterstützern verpaßt hat, ist erst recht nur einen Satz in diesem umfangreichen Artikel wert.

Nach dem Ende des Vorentscheides machte eine Meldung die große Runde durch die ESC-Bubble. UA:Perschyj fordert dass Maruv ihre Konzerte in Russland, innerhalb von 24 Stunden absagt und bis zum ESC auch keine anderen Auftritte in Russland wahrnehmen darf, sonst darf sie nicht beim ESC antreten. Maruv zeigte sich davon etwas erschlagen, doch wäre schlussendlich dazu bereit gewesen diesen Schritt zu gehen, obwohl sie mit dem Absagen dieser Konzerte, für eine ESC-Teilnahme für die Ukraine, ihre Karriere in Russland aufs Spiel setzen würde.

Es würde gemunkelt dass UA:Perschyj dies von ihr verlangt, weil sich der Rundfunk damit erhoffte sie nicht als Repräsentantin beim ESC zu haben. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei auf Russland ebenso wenig gut zu sprechen wie Jamala. Ob diese Vermutungen tatsächlich der Wahrheit entsprechen weiß keiner, die Frage aus welchem rational sinnvollen Grund Maruv bis Mai nicht in Russland auftreten dürfen solle, bleibt aber unbeantwortet.

Nachdem ich zunächst nichts Weiteres darüber gehört hatte, dachte ich dass das Thema durch sei. Heute Morgen erreichte mich die Nachricht dass Maruv nicht zum ESC fahren wird. Nach umfangreicher Recherche weiß ich nun auch die genauen Hintergründe dazu und erläutere sie hier.

Der Vertrag den Maruv unterschreiben soll, enthält einige Forderungen, die für sie inakzeptabel sind. UA:Perschyj ist aber nicht bereit den Vertrag auch nur in einem einzigen Detail zu verändern und wird Maruv nicht als Repräsentantin für den ESC anmelden, sofern sie den Vertrag nicht unterschreibt und befolgt. Da die Rundfunkanstalt selbst, unabhängig von irgendwelchen Ergebnissen bei einem Vorentscheid, entscheiden kann mit welchem Beitrag sie beim ESC antritt, ist Maruv hier tatsächlich machtlos.

Doch so schnell wollte sie ihren hart erkämpften Sieg bei Vidbir nicht hergeben, wohl auch weil sie es Jamala und allen anderen Gegner ihres kontroversen Auftritts, das Spiel nicht so leicht machen wollte. Deshalb trafen Vertreter der Rundfunkanstalt gestern mit Maruv zusammen, um über den Vertrag zu reden. Etwa sieben Stunden tagten die zerstrittenen Parteien, auf der Suche nach einer Lösung mit der alle leben können, doch die gab es nicht. UA:Perschyj ist um keinen Fall bereit den Vertrag zu ändern und Maruv wird diesen Vertrag, in dieser Form, nicht unterschreiben. Da verzichtet sie lieber auf die ESC-Teilnahme!

Nun stellt sich die Frage woran sich Maruv denn genau stört. Sie war schließlich sogar dazu bereit ihre Karriere aufs Spiel zu setzen und die gesamten finanziellen Kosten, die um die ESC-Teilnahme der Ukraine entstehen, zu übernehmen! Mit folgenden Punkten des Vertrages ist Maruv in ihrer Summe nicht einverstanden:

- Es ist ihr verboten auf der Bühne zu improvisieren, ohne dies vorher detailliert mit dem Rundfunk abgesprochen zu haben. So wäre zum Beispiel ein Tanzschritt, der vorher so nicht abgemacht worden ist, ein Verstoß gegen den Vertrag, der für sie eine Strafzahlung von 2 Millionen Hryvnia (umgerechnet etwa 65.000€) zur Folge haben würde.

- Alle Rechte über ihren Song, mit dem sie beim ESC antritt, würde an das Plattenlabel "International Warner Music" gehen. Dieses Plattenlabel erhält alle Einnahmen, die mit "Siren Song" erreicht werden. Maruv verdient an ihrem ESC-Song also keinen Cent. Sie darf "Siren Song" auch nicht in einem Album unter einer anderen Plattenfirma veröffentlichen. Sie hat übrigens ihr eigenes Plattenlabel gegründet.

- Maruv darf bis zur Heimreise vom ESC mit keinem Journalisten, ohne Anwesenheit eines Vertreters des Rundfunks, sprechen, der das Gespräch überwacht und notfalls eingreift, sollte Maruv etwas sagen, das UA:Perschyj nicht gefällt. Dies ist ein Entzug sämtlicher Grundfreiheitsrechte eines jeden Menschen.

- UA:Perschyj darf bis zum ESC-Finale Maruv alles nur erdenkliche befehlen und sie muss dies ausführen. Wenn sie einer Anweisung nicht nachkommt, muss sie an UA:Perschyj eine Strafzahlung von 2 Millionen Hryvnia abtreten und darf nicht mehr am ESC teilnehmen. Außerdem muss sie alle Kosten tragen, die durch den Schaden der zurückgezogenen ESC-Teilnahme entstehen. Das heißt, Maruv bezahlt die kompletten Strafzahlungen für eine nachträgliche Teilnahmeabsage der Rundfunkanstalt, und ist für alle anderen Probleme die damit einhergehen rechtlich verantwortlich.

Was mich persönlich an diesem Vertrag am meisten schockiert hat, ist dass er die letzten Jahre schon Anwendung gefunden hat und nie verändert wurde. Das heißt die Künstler, die in den letzten Jahren für die Ukraine beim ESC angetreten sind, haben dies unter diesen Bedingungen getan. Seit wie vielen Jahren dieser Vertrag schon Anwendung findet, ist nicht bekannt. UA:Perschyj rechtfertigt diese strengen Richtlinien damit, dass sonst eventuelles Verhalten der ESC-Künstler zur gesellschaftlichen Spaltung des Landes führen könne und dies auf keinen Fall geschehen dürfe.

Maruv betonte, dass sie für diesen Vertrag keinerlei Gegenleistungen von UA:Perschyj erhält. Kein Geld, keine Unterstützung bei der Organisation für die Reise nach Tel Aviv und eventuellen Pre-Partys (die sie natürlich selbst bezahlen müsste), keine Werbeunterstützung, weder national, noch international. Sie müsse sich sogar selber um ihr Visum kümmern.

Maruv fühle den Druck der auf ihr lastet und möchte ihre treuen und neu gewonnenen Fans nicht enttäuschen ihr Land beim Eurovision Song Contest 2019 zu repräsentieren. Deshalb bittet sie ihre Fans und unabhängige Journalisten, die nicht dazu bereit sind den Anweisungen anderer zu folgen, um Unterstützung. Meine hat sie auf jeden Fall.

Unabhängig davon dass ich mich über ihren Sieg bei Vidbir eigentlich sehr gefreut habe, ihr diese Lebenserfahrung sehr gönne und sie so ganz nebenbei als eine der Top-Favoriten auf den ESC-Sieg gehandelt wurde, ist ein solcher Vertrag, seitens der Rundfunkanstalt, völlig inakzeptabel. Egal welcher Künstler in diese Situation gedrängt wird, ich würde immer auf seiner Seite stehen. Es ist unfassbar zu wissen dass mindestens Mélovin und O.Torvald unter diesem Vertrag zum ESC gereist sind und niemand davon mitbekommen hat! Ich würde mich freuen wenn kein Künstler bereit ist diesen Vertrag zu unterschreiben und die Ukraine entweder nicht am ESC teilnehmen kann, oder ihren Vertrag ändern muss. Es wird aber immer Künstler geben die bereit sind ihre menschlichen Grundrechte aufzugeben, um ein mal am ESC teilnehmen zu dürfen.

Wie UA:Perschyj nun weiter fortfahren wird ist unklar. Es gab noch keine offiziellen Äußerungen dazu, welchen Beitrag die Ukraine nun zum ESC schicken wird. "Cupidon" von Freedom Jazz wurde beim Vorentscheid 2., allerdings landete "Apart" von Kazka im Televoting hinter Maruv. Beides sind ohnehin nicht gerade beliebte oder erfolgsversprechende Beiträge gewesen. Unter diesen Bedingungen wird es erst Recht keine Unterstützung aus der ESC-Bubble, oder gute Werte von den Buchmachern geben.

Die Ukraine rennt geradewegs auf ein riesiges Desaster zu. Spätestens am 11.03. muss UA:Perschyj seinen endgültigen Beitrag bei der EBU eingereicht haben. Ich werde weiter berichten sobald es neue, handfeste Informationen zu den Entwicklungen in der Ukraine gibt.

Freitag, 4. Januar 2019

Summer Summary 2018 Teil 3

Hier die verbliebenen wichtigen und besonders unterhaltsamen Nachrichten aus dem Mai:

21.05. Zibbz, die Vertreter der Schweiz beim ESC 2018, haben eine Englische Version des portugiesischen Songs "O Jardim" veröffentlicht. Ihre Motivation dafür sei dass manchmal richtige Kunst bei großen Shows wie der Eurovision nicht genug Aufmerksamkeit bekomme. Portugal wurde Letzter als pre-qualifizierter Finalist. Ich finde das Cover überaus gelungen und hörenswert:


21.05. "Together" von Ryan O'Shaughnessy hat es in den heimischen Charts auf die #17 geschafft. Das ist die beste Platzierung seit dem LGBT-Evergreen "Only Love survives" aus dem Jahre 2013 für einen irischen ESC-Beitrag in den eigenen Charts. Als einziger weiterer ESC-Song in den Top 50 von Irland hat es Zypern mit "Fuego" gerade so auf den 50. Platz geschafft.

23.05. Das israelische Kommunikationsministerium plant "Nationen wie Saudi-Arabien, die VAE, Tunesien und andere Länder" für den ESC einzuladen. Tunesien ist sartberechtigt, Saudi-Arabien wäre es wenn es Mitglied der EBU wollen werden würde, was ohne Probleme möglich ist, die VAE liegen außerhalb der EBU Grenzen und könnten demnach rein theoretisch nicht antreten. Mal schauen was sich daraus entwickelt.

23.05. 186 Millionen Menschen sahen das Finale des Eurovision Song Contests 2018. Der durchschnittliche Marktanteil betrug 35,8%. Den besten Marktanteil hatte mal wieder Island, mit 95,3%, auch wenn dies ein sehr enttäuschender Wert für RÜV ist. Auch Grund dafür war sicherlich das Ausscheiden Islands im Halbfinale. Über den eigenen Sieg freuten sich eine Millionen live Zuschauer in Israel. Die Show hatte dort 50,9% Marktanteil. Beim zweitplatzierten in Zypern waren es sogar 77,4% und 250.000 Zuschauer. Im Gastgeberland Portugal zog es 1,5 Millionen messbare Zuschauer vor die Fernsehgeräte (43,1% Marktanteil). 6,6 Millionen Menschen aus 198 Ländern sahen den ESC im Livestream. Obwohl Russland wieder antrat und den Wettbewerb live ausstrahlte gab es im Livestream einen bemerkenswerten Zuschaueranstieg von 10%! Wer mochte konnte den ESC auch einfach nur in 13 verschiedenen Radiosendern (darunter auch in der Slowakei) hören, ohne sich von den großen Showeinlagen ablenken zu lassen. Insgesamt ist die Einschaltquote im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken - trotz der Teilnahme von Russland. Es ist schwer zu erklären woran das lag. Mit fast 200 Millionen Zuschauern steht der ESC aber keineswegs vor einem Untergang. Kein Grund zur Panik.

24.05. In Österreich erobern ESC-Songs die Charts:
#1 Österreich
#9 Tschechien
#15 Israel
#23 Deutschland
#35 Zypern
#49 Dänemark

25.05. BHRT, die Rundfunkanstalt von Bosnien-Herzegowina wird von der EBU von allen Dienstleistungen der Union auf unbestimmte Zeit ausgeschlossen. Bosnien-Herzegowina wird auch für eine Teilnahme am JESC 2018 und am ESC 2019 gesperrt. Auch die Fußball WM darf BHRT nicht übertragen. Grund dafür ist der immer größer werdende Schuldenberg von BHRT bei der EBU. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat es in seinem Land sehr schwer, die Regierung sieht ihn schon lange als überflüssig an und weigert sich den Sender ausreichend zu finanzieren. Seit Jahren steht BHRT vor der Aufgabe des Senders. Damit hätte das Land keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr. Eine besorgniserregende Entwicklung. Den Eintritt in die Europäische Union kann sich Bosnien-Herzegowina dann auch abschminken. Wir werden wohl noch einige Jahre warten müssen bis wir Bosnien-Herzegowina wieder beim ESC sehen werden. 2019 ist das Land leider definitiv wieder nicht dabei. Es lässt sich nur hoffen dass die Politiker verstehen wie wichtig ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist. Bosnien-Herzegowina ist das erste feststehende Land das 2019 nicht dabei ist.

27.05. Es gibt ein neues meistgeklicktes Video auf dem offiziellen YouTube Kanal vom Eurovision Song Contest. Das Preview Video vom Siegersong "Toy" von Netta ist nun das erfolgreichste YouTube Video vom ESC. Für die 59 Millionen Klicks hat das Video nur 76 Tage gebraucht. Toy löste das Preview Video von Frankreich 2011 ("Allez! Ola! Olé!") ab, das erst vor kurzem den Rekordplatz von Lena mit dem Preview Video zu Sattelite (Deutschland 2010) übernahm.

27.05. Selten veröffentlicht ein Sender wie viel Geld ihm eine ESC-Teilnahme gekostet hat. Der ukrainische Rundfunk UA:PBC tat dies für das Jahr 2018. Unterm Strich stehen auf der Rechnung 2,3 Millionen Euro. Da wurde alles mitgerechnet, von der Teilnahmegebühr, über den Vorentscheid, bis hin zu Hotelkosten und das Transportierens des Bühnenbildes.

28.05. Doron Medalie, der Komponist von "Toy", "Golden Boy" und "Made of Stars" (Israel 2018, 2015 und 2016) zeigt sich abgehoben und wird dafür kritisiert, so gab er die Aussage von sich dass er der wahre Sieger der ESCs sei und Netta nur als Mittel zum Zweck benutzt hätte. Er habe in den letzten Jahren die Größten Hits des Landes geschrieben und ratet den verbitterten Leuten dass sie aufhören ihre Songs zu schreiben und zu versuchen etwas besseres zu leisten als seine fantastische Arbeit. Von allen Seiten wird er dafür verurteilt. Dass er jetzt nochmal einen Song für Israel beim ESC schreiben darf ist zweifelhaft. Auch ich kann einen Menschen nicht verstehen der andere dazu auffordert aufzuhören Kunst zu machen - erst recht wenn er selber Künstler ist.

28.05. Litauen entschuldigt sich dafür dass sie Website dem Besucheransturm für den Livestream des ersten Halbfinals nicht standhalten konnte. Nachdem 53.000 Menschen den Stream aufgerufen haben konnten weitere Zuschauer das Halbfinale von LRT online nicht mehr verfolgen. Die Rundfunkanstalt hatte einen solchen Ansturm nicht eingeplant und schon am folgenden Tage die Kapazitäten der Website stark erweitert, auch im Hinblick auf die Fußball WM.

29.05. Kasia Mos und Norma John, die Künstler von Polen und Finnland beim ESC 2017 haben gemeinsam eine Single veröffentlicht:



29.05. In sämtlichen Nationen gibt es Bestrebungen den ESC zu boykottieren weil er im politisch aufgeladenen Israel stattfindet. Ich kann diese Bestrebungen keineswegs verstehen. Wenn man auf Missstände aufmerksam machen möchte geht das am besten mit einer Teilnahme. Bei der Teilnahme kann man dann darüber sprechen. Die beste Argumentation für eine Teilnahme in Israel legte die Senatsabgeordnete für die Grünen in Australien, Lee Rhiannon, dar: "Bei der Eurovision geht es darum die Politik zu vergessen. All dies zu vergessen und eine Einheit zu bilden und Länder zusammen zu bringen, im Sinne eines Liedes, einer Feier und im Sinne der Kultur. (…) die Europäische Rundfunkunion vereint Menschen und Gemeinschaften, sie ist nicht dafür da um zu spalten und der Eurovision Song Contest ist etwas das die Politik übersteigt."

29.05. RTVE hat entschieden dass durch die nächste Staffel der Operation Triunfo die Kandidaten für den ESC 2019 ausgewählt werden können. Was auch immer das genau bedeutet. Dank der Neuauflage der alten Castingshow hatte der Sender auch beim ESC Rekordeinschaltquoten. 7,1 Millionen Zuschauer sahen die Show. Ein Marktanteil von 43,5%.

30.05. Eneda Tarifa, die 2016 für Albanien sang wird wohl die erste ESC-Teilnehmerin die auch bei der Türkvizyon performt. RTSH meldete sie für den Wettbewerb an. Albanien nimmt das dritte mal an der Türkvizyon teil.

30.05. Katar debütiert 2018 beim ABU TV Song Festival. Die Qatat Media Corporation beabsichtigte ihre Teilnahme bei der ABU. Dabei handelt es sich um eine ESC-ähnliche Veranstaltung, die jedoch keinen Wettbewerb beinhaltet. Es repräsentieren lediglich Interpreten mit Songs ihre Nationen.

30.05. Netta trat im Sommer 2018 auf zahlreichen Christopher Street Days in ganz Europa auf, darunter auch in Köln. Nichts anderes habe ich von der Queen of Eurovision erwartet die für die Rechte von Minderheiten kämpft. Leider war sie nicht auf dem CSD in Hamburg, es wäre für mich ein unvergessliches Erlebnis gewesen sie zu treffen. Stattdessen konnte ich dort mit einem ähnlich inspirierenden Sänger reden, dem DSDS Sieger Prince Damien.

30.05. Nach dem Ausschluss von Bosnien-Herzegowina flattert nun die erste Absage in den Briefkasten der EBU. Die Slowakei gab bekannt dass sie die Teilnahme 2019 finanziell nicht stemmen könne. Allerdings wird ein allgemeines Desinteresse am Wettbewerb im Land die entscheidendere Rolle für die Absage von RTVS gespielt haben. 2012 war die Rundfunkanstalt letztmalig beim Wettbewerb dabei.

31.05. Es gibt große Diskussionen darüber in welcher Stadt und Halle der ESC ausgetragen werden sollte. Dabei macht nun die Basketballabteilung des Vereins Hapoel Jerusalem die größten Probleme. Für zwei Heimspiele würden sie die Pais Arena in Jerusalem nur für zwei, aber nicht für nötige fünf Heimspiele räumen würde. Soll daran scheitern dass der ESC in Israel ausgetragen wird?

Zeit sich in den Juni zu stürzen.

Sonntag, 20. Mai 2018

Schlechteste Einschaltquote seit 10 Jahren!

In den meisten Ländern gibt es die Einschaltquoten für Fernsehsendungen spätestens 48 Stunden nach Ende der Ausstrahlung. Einige Länder lassen sich mit der Ermittlung aber sehr viel Zeit, sodass noch nicht bekannt ist wie viele Zuschauer es beim 63. Eurovision Song Contest 2018 All Aboard! in Lissabon gab. Schauen wir also erst einmal auf die Zuschauer in Deutschland.

Der Tagessieg der TV-Quoten ist für den ESC eine Selbstverständlichkeit. Alle anderen Fernsehsender holen an diesem Abend irgendeinen schlechten Film aus der Konserve oder zeigen die 1.375. Wiederholung irgendeiner unbekannten Quizshow. Jeder weiß dass man sich am ESC-Abend, ein mal im Jahr, mit einer schlechten Quote abfinden muss und es keinen Sinn hat sich mit der erfolgreichsten Fernsehsendung der Weltgeschichte anzulegen.

Die Einschaltquote in Deutschland beim ESC hängt vor allem von den Ergebnissen der letzten Jahre ab. Vor rund zehn Jahren waren wir schon einmal in einem katastrophalen Ergebnistief über einige Jahre. Zu dieser Zeit hatte der ESC in Deutschland kaum noch eine Bedeutung und wurde überwiegend abwertend angesehen. Kaum jemand hat sich dieses Spektakel bei dem ja eh "keiner Deutschland mag", "alle nur an ihre Nachbarn Punkte vergeben" und "nur noch diese jugoslawischen Länder gewinnen" noch angeschaut. Komisch finde ich dabei immer noch dass Deutschland am meisten Nachbarländer hat und trotzdem "immer Letzter wird", obwohl alle ja nur an ihre Nachbarn Punkte vergeben... Wie auch immer, die Begeisterung für diese Veranstaltung war minimalistisch, Deutschland stand vor einem unlösbaren Problem und eine schlechte Quote jagte die andere. 2009 gab es dabei am wenigsten Zuschauer.

Nach den Misserfolgen der letzten Jahre viel die Quote wieder immer weiter, so war es auch dieses Jahr zu erwarten. Dass nur etwa 8,2 Millionen Zuschauer das Finale sahen, was ziemlich genau nur 10% der Bevölkerung sind, ist also leider keine Überraschung. Damit überbieten wir den Wert von 2009 nur noch knapp.

7,71 Millionen Zuschauer verfolgten die Finalshow im Ersten (ARD). Das entspricht einem Marktanteil von 33,3%, ein Wert der im Deutschen Fernsehen fast ausschließlich nur von Fußballnationalspielen überboten werden kann, für den ESC ist es aber trotzdem sehr schlecht. Für mich unverständliche über 500.000 Zuschauer verfolgten die Show auf ONE, mit Internetkommentaren die den Bildschirm zuspamen. Für den Sender ist dies selbstverständlich der Jahresrekord, trotzdem liegt er unter den Werten die sonst erzielt wurden.

Bei der Übertragung von der Reeperbahn ab 20:15 Uhr hatten im Durschnitt schon 4,05 Millionen Menschen den Fernseher am laufen. Die Übertragung nach dem Finale sahen sich durchschnittlich noch 2,47 Millionen Menschen an. Diese Werte halten sich jedes Jahr etwa gleich, was wohl daran liegt dass eingefleischte ESC-Liebhaber immer einschalten, egal wie das Ergebnis der letzten Jahre war, und besonders diese Zuschauer dann auch das Vor- und Nachprogramm sehen.

Wir haben mit 10% der Bevölkerung also den schlechtesten Wert seit 10 Jahren. Das war jedoch auch genau so zu erwarten. Genau wie wir nächstes Jahr mit deutlich mehr Zuschauern rechnen dürfen.

Samstag, 12. Mai 2018

Russischer Delegationleiter kommentiert Ergebnis

Welches Ergebnis Russland bei diesem Song Contest erreicht hat ist noch gar nicht bekannt. Lediglich dass Russland nicht unter den Top 27 ist, das ist aber schon Grund genug als Russland darüber traurig zu sein, denn es ist mit großem Abstand das schlechteste Ergebnis das Russland jemals beim Eurovision Song Contest hatte. Bisher lag dies bei einem #17. Platz bei der zweiten Teilnahme des Landes im Jahre 1995. Damals sang Erfolgsproduzent Fillip Kirkorow den Song "Kolybelnaja dlja wulkana", der unter anderem dieses Jahr als Komponist und Produzent, sowie Ko-Stage Director für Moldawien antritt. Als Sänger für Russland konnte er, trotz Freundschaftspunkte, nur sechs Länder hinter sich lassen.

Das Ausscheiden von Russland im Halbfinale grenzt an eine Wunder, auch wenn es 2011 mit dem #9. Platz im Semi schon einmal knapp wurde. Grund dafür ist natürlich der abgrundtief schlechte Beitrag den Russland dieses Jahr ins Rennen schickte. Den Aussagen des russischen Delegationsleiters und Produzenten Yuri Aksyuta ist zu entnehmen dass es tatsächlich einige in Russland gab die diese Politik-Propaganda-Teilnahme ernst genommen haben. Für dieses skandalös schlechte Ergebnis Russlands nimmt er alle Schuld auf sich:

"Die Nicht-Qualifikation ist mein Fehler als Produzent. Es tut mir für Julia sehr leid und ich fürchte, dass es für sie momentan nicht leicht ist. (...) Ich möchte sagen dass sie sich überhaupt nichts vorwerfen muss, sie hat alles getan was sie hätte tun können." Darin muss ich ihm Recht geben und ich habe großen Respekt davor was Julia in den letzten Monaten geleistet hat. Allerdings haben die meisten Verantwortlichen in Russland "alles getan was sie hätten tun können" um Russland möglichst schlecht abschneiden zu lassen. Julia tut einem trotzdem leid, sie ist zusammen mit Sennek aus Belgien diejenige die sich nach Ende des Halbfinals über ihr ausscheiden am tieftraurigsten zeigte. Julia hat es nicht verdient von den russischen Politikern als Gegenstand behandelt zu werden.

Weiter führte Aksyuta fort "Beim Eurovision Song Contest ist alles möglich und tatsächlich kann jeder gewinnen. Der diesjährige Wettbewerb ist sehr stark und die Interpreten sind noch viel stärker." Mit diesen Worten möchte ich meine Berichterstattung, in Vorbereitung auf den ersten Eurovision Song Contest, über den ich nun ein Jahr lang hier geschrieben habe, beenden.

Freitag, 30. Juni 2017

Lächerliche Konsequenzen für Ukraine und Russland

Rund 24 Stunden und eine historische Bundestagssitzung, die nicht nur mich zu Tränen gerührt hat, später, habe ich mich nun in ein emotionales Level bewegt, in dem ich hierüber berichten kann. Nachdem die EBU beim großen Vorbereitungstreffen irgendwie darin versagt hat, über die Sanktionen für die Ukraine und Russland zu entscheiden, haben sie es gestern getan. Um das Geschehen nachvollziehen zu können, gibt es hier eine super kurze Zusammenfassung, in der nur die Rahmenereignisse, ohne das entscheidende Fehlverhalten der Rundfunkanstalten repetiert wird:

Als die Ukraine 2016 den Eurovision Song Contest gewann, gaben die ersten Stimmen vom russischen Rundfunk Channel One, noch am Abend des Finals bekannt, dass Russland in der Ukraine definitiv nicht teilnehmen werde (sofern sie es denn schaffen würden einen ESC auf die Beine zu stellen). Einige Monate später beantwortete Channel One die Einladung zum 62. ESC dann offiziell. Das dieser Schritt nur hinterlistige Taktik war, konnte da noch keiner ahnen.

UA:PBC, die ausrichtende Rundfunkanstalt der Ukraine, veröffentlichte Russland eine Liste von Sängern, die ein gesetzliches Einreiseverbot in die Ukraine haben und deswegen nicht am ESC teilnehmen können. Russland akzeptierte diese Liste und machte sich dann (angeblich) auf die Suche nach einem Interpreten, der sie in Kiew repräsentieren soll. Sie entschieden sich für die im Rollstuhl sitzende Julia Samoylova. Eben diese hatte ebenfalls ein Einreiseverbot in die Ukraine, weil sie dort gegen entsprechende Gesetze verstoßen hatte, sie stand nur nicht auf der vorweg verfassten Liste von UA:PBC, da das gerichtliche Urteil über ihr Einreiseverbot noch nicht gefallen war.

Julia Samoylova im Preview Video zu "Flame is burning"

Sämtliche geniale Lösungsvorschläge, wie zum Beispiel eine Liveübertragung aus Russland, während der Show für die Performance von Julia, wurden von Channel One ohne erkennbaren Grund abgelehnt. Wie wir heute wissen, weil Russland gar nicht teilnehmen wollte. Die Ukraine entgegnete immer wieder, dass Russland willkommen sei, solange sie mit ihrer Teilnahme nicht gegen Gesetze verstoßen.

Am Ende gab Channel One sogar zu, dass man das wochenlange Thater, mit täglichen Nachrichten nur durchmachte, weil man für eine negative Berichterstattung über den ESC und die Ukraine sorgen wollte. Man wollte den ESC dafür bestrafen, dass sie Russland ihren Sieg genommen haben und ihn an einen politischen Song weitergegeben haben. Russland gewann 2016 das Televoting, wurde jedoch "nur" #3. So regelt man das also in Russland wenn man mit den Regeln eines Spiels nicht einverstanden ist...

Nun verkündete die EBU also die Strafen für dieses Fehlverhalten. UA:PBC sollte eine Geldstrafe von 200.000€ erhalten. Hauptgrund, der in dieser Strafe mit integriert ist, sind die extremen Verzögerungen, die die Ausrichtung vom ESC schon fast unmöglich machten. Sie wurden durch Sturheit des Parlaments veerursacht. Der Sender an sich gab sich das ganze Jahr über aller größte Mühe für eine möglichst gute und würdige Veranstaltung. Für das Engagement einiger Verantwortlichen möchte ich an dieser Stelle meinen Respekt aussprechen. Da es sich selbstverständlich um einen öffentlich rechtlichen Sender handelt, wird die Geldstrafe am Ende wohl so oder so vom ukrainischen Parlament bezahlt müssen. UA:PBC legte übrigens Klage gegen diese Strafe ein.

Eine lächerliche Strafe für die Ukraine, liegt noch im Bereich des Aushaltbaren, bezahlte man für die Ausrichtung vom ESC doch schon einen zweistelligen Millionenbetrag... Solange Russland eine angemessene Strafe bekommt, ist dies jedoch verkraftbar. Aber genau hier kommt der Punkt, der mich zu emotionalen Ausbrüchen schlimmen Grades geführt hat. Das Einzige Angemessene wäre hier eine Sperre von Russland beim Wettbewerb, für mindestens ein Jahr, aber nein Channel One erhält einzig und allein eine einfache Verwarnung. EINE VERWARNUNG. Mehr nicht! Es fällt mir schwer jetzt keine Kraftausdrücke zu verwenden. Als Begründung hieß es dass Russland nichts dafür kann. Wie kann die EBU nur so ignorant sein?! Es handelt sich hier um das größte Felverhalten, das es jemals in der Geschichte beim ESC gegeben hat!

Die höchste Strafe die jemals vergeben wurde, war eine drei Jahre lange Sperre für Libanon, als sie sich in letzter Sekunde vom Wettbewerb zurückzogen. Sie konnten nicht garantieren, dass sie den Beitrag vom verhassten Israel normal ausstrahlen werden. Wenn es dafür drei Jahre gab, müsste es hier mindestens das gleiche geben. Eine Sperre von drei Jahren gilt als Höchststrafe für Missverhalten einer Rundfunkunion oder dessen Mitglieder.

Das letzte mal dass es eine Verwarnung gab, war 2016, als Iveta Mukuchyan die Flagge von Bergkarabach kurz in die Kamera hielt. Die meisten Zuschauer werden dies nicht mal bemerkt haben. Bergkarabach ist eine Exklave von Armenien "in" Aserbaidschan, dessen Einwohner von der aserbaidschanischen Regierung unterdrückt wurden. Iveta tat dies im völligen Alleingang, ohne Absprache mit ARMTV. Offensichtlich sieht die EBU dies und das unbeschreiblich respektlose Verhalten von Channel One als gleichwertig an. Wenn es jemanden gibt, der mir das erklären kann, soll er dies bitte in die Kommentarfunktion schreiben. Andernfalls werde ich mich wohl immer fragen warum diese *********** Entscheidung getroffen wurde.

Iveta Mukuchyan mit der Flagge von Bergkarabach live beim ESC 2016

Ich möchte mich von diesem Thema nun bestmöglichst entfernen und beende diesen Post jetzt, bevor es noch zu einer unangemessenen Ausartung kommt, wobei man diese Entscheidung der EBU als genau dies bezeichnen könnte. Am Ende steht vor Allem, dass beide Nationen weiterhin teilnehmen können.

Flame is burning - Julia Samoylova (ursprüngliches Preview Video)

Dienstag, 13. Juni 2017

Ein Monat nach Kiew - wer lässt von sich reden? Was folgt als nächstes?

Jetzt vor einem Monat fand das Finale vom 62. Eurovision Song Contest 2017 Celebrate Diversity in Kyiv statt. Zeit einmal Zurückzublicken und Bilanz zu ziehen, was einen Monat nach Ende des Wettbewerbs noch an Bedeutung hat.

Als erstes haben wir da den Sieger; Portugal. Sie haben 2018 die Ehre den ESC austragen zu dürfen. Nachdem die EBU schon überraschend früh bekannt gab, dass die Hauptstadt Lissabon Gastgeber sein wird, gab es harte Kritik dagegen. Man ist zurückgerudert und schaut sich alle Bewerbungen intensiv an. Man kann dies als fair oder einfach nur Geldverschwendung ansehen.

Sieger Salvador Sobral bei der Punktevergabe


Neben der Austragung des Folgejahres ist auch der Sänger des siegreichen Beitrags noch in aller Munde. Etwas, was nicht selbstverständlich ist. Von vielen war zwei Tage nach dem Finale nichts mehr zu hören. Allerdings sind es vor allem negative Meldungen um ihn, die fast täglich in der eurovisionären Presse auftauchen. Unter den Fans genießt er kaum noch Sympathie. Auch viele Portugiesen stellen sich bereits gegen ihn. Ob er seine Aufmerksamkeit für Manipulation nutzt, oder einfach nur seltsame moralische Grundansichten der Dinge der Welt hat, ist schwer zu sagen. Wir haben zum zweiten mal in Folge einen Sieger, über denen sich ESC-Fans sehr uneinig sind. Ob das so gut ist? Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Salvador Sobral in elf Monaten Buhrufe zu hören bekommt, wenn er die ESC-Bühne betritt. Mal schauen was bis dahin noch alles mit ihm passiert.

Es gibt aber noch mehr Gesprächsthemen, als nur den Sieger. 15 Länder haben inzwischen bekundet, dass sie planen 2018 an den Start zu gehen, darunter auch Deutschland. Norwegen steckt schon mitten im Auswahlprozess. Dort gibt es jetzt schon eine Bewerbungsfrist. Von den ganz brenzligen Ländern hat man noch nichts neues erfahren. Wir werden wohl auch noch einige Zeit warten müssen, bis klar ist was 2018 mit Ländern wie San Marino, Australien, Kasachstan und Israel passiert. Eine überraschende Absage gab es glücklicherweise noch nicht. Ob die Ukraine und Russland 2018 dabei sein dürfen, oder eine Sperre bekommen, ist noch unklar.

Wie so oft in den letzten Jahren, ist der Siegersong kommerziell gesehen nicht so ganz ein Sieger. "Amar pelos dois" Macht enttäuschende Umsatzzahlen. Im Radio wurde es wohl nicht mal am Tag nach dem Finale gespielt - verständlich. Dafür stehen andere Beiträge, im Vergleich zu ihrer Platzierung, hoch im Kurs. Der größte kommerzielle Erfolg dürfte dieses Jahr bei "City Lights" von Blanche aus Belgien liegen. Keine große Überraschung, da es sich um einen sehr radiofreundlichen Song handelt. Einem Onlinevoting von Wiwibloggs, mit vielen Abstimmenden, zufolge, ist der Belgische Song auch der, der von den Fans noch am meisten gehört wird. Ähnliches kann ich persönlich auch bei mir bestätigen.

Heimliche Siegerin? Blanche für Belgien


Bei mir liegen ganz oben an der Spitze der meistgehörten Songs, einen Monat nach dem Finale, Bulgarien, Belgien und Ungarn. Anfangs pendelte Belgien bei mir zwischen dem drittletzten und letzten Platz. Später fand ich Gefallen an dem außergewöhnlichen Beitrag, sodass Belgien kurzzeitig sogar in meine Top 20 aufstieg. Am Ende landete es auf der #22 und verfehlte damit sehr knapp die bessere Hälfte. Heute höre ich den Song am Zweit häufigsten, wobei es da zwischen ihm, meinem Sieger Bulgarien und meinem Silbergewinner Ungarn nur minimale Unterschiede gibt. Andere Songs, die ich noch auffällig oft höre, sind meine Top 8, ausgenommen von dem #7. Platz Albanien, sprich Montenegro, Irland, San Marino, Lettland und die Niederlande. Unter sehr guten Umständen kann ich von meinem "Calm after the Storm"-Trauma abweichen, aber das ist ein anderes Thema und gehört, wenn überhaupt, in einen anderen Post. Selbstverständlich höre ich auch andere Songs noch sehr oft, das sind aber zu viele, um sie alle hier aufzählen zu können. Mein absoluter Favorit, der in den Vorentscheiden hängen geblieben ist, ist "Helppo elämä" von Lauri Yrjölä aus Finnland. Es wäre definitiv mindestens in meinen Top 4 gewesen.

Manche Teilnehmer haben sich zur Ruhe gesetzt und gönnen sich eine Auszeit. Andere arbeiten an einem Album, wieder andere sind fleißig auf Fan-Treffen, geben Interviews und haben einen Auftritt nach dem Anderen. So auch mein Liebling Kristian Kostov. Ich würde mich schon als Fan von ihm bezeichnen. Leider bin ich bei weitem nicht der einzige, der bzw. die mit ihm zusammen sein möchte. hihi ^^ Ich habe auch das Gefühl, dass ich die einzige männliche Person bin, die sich zum #TeamKris zählt. Natürlich ist mir bewusst, dass ich das nicht bin.

Unsere Vertreterin hat ihr Studium in London wieder aufgenommen. Nebenbei macht auch sie mächtig viel PR für ihr Album "Unexpected". Sie lässt sich von der Pleite beim ESC nicht unterkriegen, für die sie persönlich auch am wenigsten was kann. Ich befürchte allerdings, dass sie als Künstlerin einfach zu blass wirkt. Eine große Zukunft in der Musikwelt wird sie, nach meinem Betrachten, nicht haben. Dafür ist dieses Geschäft einfach zu hart.

Levina vertrat Deutschland mit "Perfect Life"


Einen Monat nach dem Finale ist die mediale Aufmerksamkeit verschwunden. In der "normalen" Bevölkerung interessiert sich keiner mehr für die größte Musikshow der Welt. Auch einige, nicht ganz so passionierte, ESC-Fans haben auf den Urlaubsmodus umgeschaltet. Die sogenannte Eurovision Post Depression hat eingesetzt. Es gibt kaum bis gar nichts bedeutendes zu berichten. Das spüren auch ESC-Nachrichtenseiten in den Aufrufzahlen, so auch ich.

Trotzdem werde ich die Zeit mit einem Programm füllen, bei dem ich dir alles auf das Genaueste erkläre, wie die ESC-Welt funktioniert. An den nächsten vier Samstagen wirst du erfahren wonach entschieden wird wer am Eurovision Song Contest teilnehmen darf, also auch warum Israel, Aserbaidschan, Australien und Co. dabei sind. Dies hat übrigens keinerlei politische Gründe. Einen tieferen Einblick in das Regelwerk, insbesondere zur Punktevergabe und wie sich diese im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, halte ich ebenfalls für dich bereit. Die einzelnen Phasen eines ESC-Jahres, was dort alles aufregendes passiert und wozu die beiden ESC-Wochen im Mai gut sind, wird dir ganz in Ruhe und verständlich erklärt. Wenn du dich schon immer gefragt hast wer eigentlich entscheidet, wer beim Eurovision Song Contest antritt und wer beim Vorentscheid teilnehmen darf, warum es in vielen Ländern keinen Vorentscheid gibt und warum die Songs nach dem Vorentscheid noch verändert oder sogar völlig ausgetauscht werden, wirst du hier alle Antworten finden und entdecken wie genial dieser friedliche Wettstreit Europas ist. Anschließend stelle ich dir die einzelnen Länder vor, die am ESC teilgenommen haben - von Marokko bis Irland und von Albanien bis Zypern.

Wenn du traurig bist, dass der ESC vorbei ist, habe ich eine schöne Nachricht für dich; in elf Monaten ist Finale!

Helppo elämä - Lauri Yrjölä (Live)

Sonntag, 4. Juni 2017

ESC-Sensation in Armenien`s Charts

Kein ESC-Beitrag konnte sich länger als eine Woche in den Top 100 der deutschen Charts halten. Nicht mal der Siegersong, was mich dieses Jahr auch nicht verwundert und auch nicht der deutsche Beitrag, was mich ebenfalls dieses Jahr nicht verwundert, bei den Quoten beim Vorentscheid und ESC und den Ergebnissen der letzten Jahre...

In Armenien hingegen gibt es ein ganz anderes Bild. Der irische Song "Dying to try" ist auf Platz #1 in den Charts! Brendan selbst kann das nicht so richtig glauben, freut sich aber sehr darüber. Es könnte durchaus sein, dass Irland ins Finale gekommen wäre, wenn Armenien im gleichen Halbfinale stimmberechtigt gewesen wäre. Rechnen wir mal 12 Punkte aus dem Televoting und nur 4 von der Jury - Irland stünde im Finale! Für meinen persönlichen 4. Platz hätte ich mich sehr darüber gefreut. Auch wenn es dort vielleicht null Punkte von der Jury und nur 12 aus dem Televoting gegeben hätte. Wer die Votingpräferenzen von Armenien kennt, weiß, dass dieser Song den armenischen Musikgeschmack wie die Faust auf`s Auge trifft. Soweit ich mich erinnern kann, gab es Platz #1 in den Charts von einem anderen Land noch nie!

Mittwoch, 31. Mai 2017

Schlechte Einschaltquoten beim Eurovision Song Contest 2017

Über die Wochen haben nun auch die letzten Länder ihre Einschaltquoten ermittelt. Rund 182 Millionen Menschen haben den 62. Eurovision Song Contest 2017 Celebrate Diversity in Kiew im TV verfolgt. Das sind rund 15 Millionen Zuschauer weniger als im Vorjahr. Die letzen Jahre gab es immer Verluste von etwa 0,5 Millionen Zuschauern. Woher dieser plötzliche Absturz?

Das Russische Fernsehen Channel One leugnet dass die Ukraine den Eurovision Song Contest 2016 gewonnen hat und hat somit eine Übertragung aus dem neuerdings verfeindeten Land boykottiert. Sich in Russland befindende Menschen war es nur möglich über einen der beiden online Livestreams den Wettbewerb zu verfolgen. Aus Russland gab es immer stetig haltende Einschaltquoten von 16 Millionen Zuschauern. Wenn man von den Verlusten aus Russland absieht, hat der ESC dieses Jahr sogar an TV Zuschauern gewonnen!

Besonders hervorheben möchte ich die Einschaltquoten aus Tschechien; das 1. Halbfinale sahen dort rund 145.000 Menschen. Das zweite Halbfinale, ohne tschechische Beteiligung kam auf 100.000 Zuschauer und das Finale verfolgten 188.000 Zuschauer vor dem Fernsehbildschirmen. Auf den ersten Blick sehr kleine Zahlen. Selbstverständlich sind dies für den Sender ČT auch Negativrekorde, bei der Einstellung des Senders jedoch nichts schlimmes. Es zeigt sich dass der ESC, seit der Rückkehr von Tschechien 2015, einen immer größeren Stand in der Gesellschaft einnimmt. Das ist das was zählt. Hoffentlich werden diese 188.000 Zuschauer in ein paar Jahren auch nicht mehr belächelt.

In Italien hingegen wurden alle Positivrekorde geknackt, alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Dort hat das Land nun die Entwicklung abgeschlossen, die in Tschechien momentan noch am Anfang steht. Den größten Marktanteil hat dieses Jahr Island mit 98%. Selbstverständlich kein Rekord, eher ein kleiner Rückschlag für den ESC in Island, kam man vor ein paar Jahren noch auf (gerundet) 100% Marktanteil. Ich habe bereits angedeutet welche Bedeutung der Eurovision Song Contest in Aserbaidschan, Malta und Island hat. Hier ist der Beleg.

In Deutschland sehen wir schwarz. Das letzte mal sahen 2009 so wenig Deutsche den Eurovision Song Contest. Nur 7,76 Millionen schalteten die ARD für die Eurovisionshymne ein. Dies entspricht einem beachtlichen Marktanteil von 31,5%. Deutlich besser als in den Vorjahren. Trotzdem sank die Zuschauerzahl um 1,57 Millionen ab. Schuld dürften zwei letzte Plätze in Folge und ähnliche Aussichten für 2017 gewesen sein. Weitere 320.000 Zuschauer haben das Finale auf ONE, mit live-Social-Media-Einblendungen verfolgt. Die Halbfinals auf ONE wurden jeweils von 560.000 Zuschauern gesehen. Das entspricht einem Marktanteil von 2,2%. Großartige Werte für ONE, aber wie immer grausige für den ESC in Deutschland. Die Party auf der Reeperbahn ab 20:15 Uhr verfolgten 3,94 Millionen Zuschauer am TV. Bei der "Grand Prix Party", im Anschluss an das Finale, blieben noch 2,56 Millionen Zuschauer dran (bei allen Werten handelt es sich um die Durchschnittszuschauerzahl).

Die Onlinequoten schlagen wiederum alle Rekorde, was selbstverständlich an der Nicht-Übertragung von Russland liegt. Rund 6 Millionen Menschen verfolgten den ESC live im Internet, "on Demand" gab es in den ersten 24 Stunden nach der Show noch 8,5 Millionen weitere Zuschauer. Die Livestreams lockten dieses Jahr doppelt so viele Leute an, als noch 2016. Schätzungen zufolge sahen etwa 2,5-2,8 Millionen Menschen in Russland die Übertragung aus Kiew. Der "Rest" sind zum großen Teil ESC-Fans, die außerhalb von Europa und Australien leben. Auch "normale" Zuschauer aus Ländern, die dieses Jahr nicht teilgenommen und die Shows nicht übertragen haben, machen einen nennenswerten Anteil aus.

19 Radioanstalten, die der EBU angehören, darunter auch NDR2, haben die Shows live ausgestrahlt. Deren Quoten gibt es teilweise erst ein Jahr nach Ausstrahlung.

Zuerst sehen die 182 Millionen nach sehr wenig aus, aber wenn man sich weitere Fakten anschaut, wird deutlich, dass immer mehr Menschen diese unbeschreibliche Show sehen möchten - und das 61 Jahre nach Beginn des Grand Prix de la Chanson

Dienstag, 30. Mai 2017

Luxemburg sagt ab und kritische Anspielung auf San Marino

Da hat das Luxemburgische Fernsehen RTL wohl "copy and paste" betrieben. Fast auf`s Wort genau identisch ist die Begründung, dass Luxemburg die Einladung zum 63. Eurovision Song Contest 2018, am 22. Mai, abgelehnt hat. Die Mühe einen kleinen Anhang zu formulieren, hat man sich trotzdem gemacht und der hat es in sich!

Dort heißt es unter anderem "Durch die Vergrößerung der Eurovision sind die siegreichen Tage vorbei. Mit dem neuen Wertungssystem ist es sehr unwahrscheinlich, dass Luxemburg Erfolg haben wird. Kleine Länder haben jetzt mehr Probleme damit." Wer in den letzten Monaten und Jahren die ESC-Welt nicht verfolgt hat, wird sich darum nicht groß scheren, wer aber weiß, wie die EBU mit San Marino in letzter Zeit umgegangen ist, wird wissen, dass Luxemburg hiermit dieses Verhalten auf das Schwerste kritisiert.

San Marino ist der einzige europäische Kleinstaat, der noch im Wettbewerb verblieben ist. Alle anderen haben die Schnauze gestrichen voll, oder (im Falle der Vatikanstadt, ) keine Interesse, oder (Im Falle Liechtensteins) aufgrund blöden bürokratischen Umständen nicht die Möglichkeit teilzunehmen. Dies kann sich schon bald ändern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass San Marino, unter diesen Umständen noch einmal teilnimmt.

Besonders die Betonung auf das neue Wertungssystem und der Satz "Kleine Länder haben jetzt mehr Probleme damit", macht auf das aufmerksam, was die San Marinesische Rundfunkanstalt SMRTV am meisten unzufrieden macht. San Marino hat kein eigenes Telefonnetz. Deswegen können für San Marino keine Punkte aus dem Televoting vergeben werden. Bis 2015 war dies kein Problem, da die Regel bestand, dass wenn kein Televotingergebnis in einem Land zustande kommt (wozu es auch in anderen Ländern aufgrund von technischen Problemen kam), einfach das Juryvoting nicht 50, sondern 100% des Landesvotings ausmacht. Durch das neue Votingsystem, sind Jury- und Televoting getrennt. Die EBU ist nicht auf die Idee gekommen, in solchen Fällen die Jurypunkte auch als Televotingpunkte zu zählen, sondern einen Durchschnitt der Televotings, aus vorher festgelegten Ländern, an Stelle des nicht vorhandenen Televotings zu setzen.

Jedes Jahr werden diese Länder neu bestimmt. Beim ersten mal (2016) war auch Deutschland darunter. Die Auswahl dieser Länder scheint ein wenig willkürlich und hat absolut nichts mit dem Geschmack San Marinos zu tun. San Marino findet dass ihnen das demokratische Votingrecht damit bewusst entzogen wurde und sie beim Eurovision Song Contest nicht erwünscht sind. Sämtliche Vorschläge für ein Ersatzvoting, das stellvertretend für das San Marinesische Televoting zählt, wurden, für uns außenstehende Beobachter völlig unverständlich, abgelehnt.

Das ist nur eine von vielen negativen Geschichten von und über San Marino in der EBU und beim ESC. Die EBU beteuert immer wieder glaubwürdig, dass sie sich auch in Zukunft eine dauerhafte Zusammenarbeit mit San Marino beim ESC wünschen. Trotzdem fühlt sich San Marino, verständlicherweise, ungerecht behandelt. Des weiteren hat San Marino immer wieder Probleme einen Sänger zu finden, was hauptgründlich an der geringen Einwohnerzahl und den eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten liegt. Viele Interpreten hätten das Angebot gerne angenommen, sind aber nicht dafür bereit 500.000€ investieren zu müssen. Das diesjährige Ergebnis, was als schlechtestes aller Beiträge, aller Länder, angesehen werden kann, wird die Ausstiegsbewegungen in San Marino bestärken.

Luxemburg nahm das letzte mal 1993 teil und belegte damals den 20. von 25 Plätzen., mit 11 Punkten. Entsprechend ist die Absage wenig überraschend, doch trotzdem schade. Bis heute verbleibt das kleine Nachbarland Deutschlands auf dem 5. Platz der ewigen Liste. Es war, zusammen mit Irland, Großbritannien und Nordirland und Frankreich, eins der vier Länder, die den Eurovision Song Contest über Jahrzehnte hinweg dominiert hat. Sie hatten fast immer ein gutes Händchen dafür, den richtigen Star anzuheuern und einen starken Beitrag zu liefern. Nur wenige Interpreten stammten tatsächlich aus Luxemburg. Fünf mal haben sie den Wettbewerb für sich entscheiden können. Öfter haben das nur noch Schweden (6 mal) und Irland (7 mal) geschafft. Ein großes ESC-Land, das mit der Modernisierung in den 90er Jahren nicht klar kam.

Sonntag, 21. Mai 2017

Barbara Dex-Award 2018 geht an Montenegro

Mode ist Geschmackssache. Deswegen gibt es den Barbara Dex-Award, benannt nach der Sängerin, die 1993 Belgien vertreten hat und ein solch schreckliches Outfit trug, dass man diesen Preis einführte, der nun jährlich an den "worst dressed artist", oder wie es ins Deutsche übersetzt wird, das schrecklichste Outfit beim Eurovision Song Contest, vergeben wird. Ermittelt wird der Sieger durch ein demokratisches Onlinevoting, an dem jeder teilnehmen kann.

Dieses Jahr wurde der Award von einer neuen Website übernommen. Diese veröffentlicht leider nur die Top 3 Platzierungen, ohne Stimmzahl, anders als die vorherige Seite, die das komplette Ergebnis, inklusive erhaltenen Stimmen von jedem einzelnen Land veröffentlichte. Gewonnen hat Montenegro. Nun ja, ich denke dazu muss man nichts mehr sagen.

Den 2. Platz holt sich Lettland. Ausschlaggebend müssten hier wohl die Stiefel der Frontsängerin gewesen sein, denn der Rest des Outfits ist nicht ungewöhnlich, sondern eher durchschnittlich für den ESC. Dritter wurde die Nation, die ich eindeutig auf der #1 erwartet habe; Tschechien. Ihr Ganzkörperfolienanzug, mit den labilen Stöcken an der Seite, war wirklich schrecklich. Ich brauchte einige Zeit um mich dran zu gewöhnen.

Mode ist Geschmackssache. Das wird beim Barbara Dex-Award deutlich. Seit 2013 hat die Welt wohl einen ganz anderen Modegeschmack, als ich. Die Ergebnisse dieser Negativwahl kann ich schon länger überhaupt nicht verstehen, weder wenn ich nach meinem Empfinden der Outfits gehe, noch wenn ich danach gehe, was ich erwarte. Ich beziehe mich nun rein auf dieses Jahr, auch wenn ich zu den letzten Jahren noch viel mehr schreiben könnte.

Dass Montenegro eher höher platziert sein wird, habe ich mir schon gedacht, aber Platz 1?!!! Wirklich? Was ist mit dem Modegeschmack der Menschheit passiert? Da hätte ich Tschechien viel weiter oben gesehen. Was Lettland auf der #2 macht kann ich auch nicht verstehen. Das war ein ganz gewöhnliches Outfit. Ich fand es für ihren Titel und ihre Persönlichkeit sogar viel zu langweilig, da hätte ich mir etwas ausgefalleneres gewünscht und bisher waren ausgefallene Sachen ganz oben platziert. Ob sich das nun ändert?

Wenigstens haben wir nicht erneut Silber abgeräumt, wo unser Outfit dem von der Schweiz letztes Jahr doch so ähnlich war, die direkt hinter uns, auf der #3 landeten. Was ist mit der Schweiz dieses Jahr passiert? Das fanden alle doch so schrecklich. Was ist mit San Marion? Wer hat vergessen für Aserbaidschan abzustimmen? Das sind Kostümierungen, die ich ganz oben erwartet habe. Wenn Montenegro gewonnen hat, warum ist Israel dann nicht 2.? Deren Outfit war fast das gleiche. Haben die Leute etwa für den Künstler und nicht für das Outfit abgestimmt? Ich hoffe dass dies ein einmaliges Phänomen ist und die Wahl zum  Barbara Dex-Award nicht verkümmert.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Doch nicht Lissabon 2018?

Die Entscheidung Lissabon sofort als Austräger der Eurovision festzulegen ist auf viel Kritik gestoßen. Man habe anderen Städten nicht die Chance gegeben sich zu beweisen. Also muss nun doch ein aufwendiges Bewerbungsverfahren durchgeführt werden. Die anderen Bewerber haben zwar nicht den geringsten Hauch einer Chance, aber viele wollen es so.  Die Regularien sehen es vor dass alle interessierten Veranstaltungshallen ihr Konzept bei der EBU einreichen können, die dann zusammen mit der austragenden Rundfunkanstalt, das beste auswählen. Man ist sich in diesem Fall aber schon einig und hat den perfekten Ort gefunden. Neben der MEO Arena in Lissabon, dessen Gewinnchancen bei über 99% stehen, werden sich wohl auch Guimarães, Faro und Feira bewerben. Porto möchte die hohe finanzielle Belastung einer Austragung nicht auf sich ziehen.

Hier noch ein paar kleinere interessante Dinge, die in den letzten Tagen so vor sich gegangen sind: Das Moldawische SunStrokeProject wird in seiner Heimat, genau wie Salvador Sobral und Kristian Kostov, wie Nationalhelden für das beste Ergebnis aller Zeiten, gefeiert.

Putin freut sich im Nachhinein noch mehr, dass der russische Rundfunk Channel One dem Wettbewerb dieses Jahr fern geblieben ist, ihn nicht übertragen hat und zu negativer Berichterstattung geführt hat.

Es gibt sehr viel Kritik an der Siegesrede von Salvador Sobral. Unter anderem haben auch diesjährige Teilnehmer wie Robin Bengtsson (Schweden), Isaiah Firebrace (Australien) und Aleksander Walmann (Norwegen) sich dazu ausgesprochen, dass seine Worte unter dem Niveau eines wahren Gewinners und respektlos gegenüber Kunst und Musik seien.

In Frankreich wird über einen Vorentscheid namens "Mission Eurovision" geredet. Der entscheidende Sender France 2 hat jedoch noch kein Wort über 2018 verloren. Die internen Auswahlen waren in den letzten Jahren deutlich erfolgreicher.

So müssen wir alles vorerst wieder etwas zurück schrauben und beim Portugal im Allgemeinen und nicht Lissabon bleiben. Ganz ehrlich, ich weiß nicht was dieses Theater soll. Man kann das Geld viel sinnvoller einsetzen, wo es dringend benötigt wird und nicht für eine aussichtslose Bewerbung um eine Austragung des 63. Eurovision Song Contests 2018.

Montag, 15. Mai 2017

BREAKING NEWS ESC 2018 in Lissabon!

WOW! Das ist schnell! Letztes Jahr mussten wir noch tausende verzögerungen und Verschiebungen der Bekanntgabe aushalten, bis endlich entschieden wurde wo genau denn der 62. Eurovision Song Contest 2017 Celebrate Diversity stattfinden soll. Es war ein langer Entscheidungsprozess der einige Monate andauerte. Den braucht die EBU und RTP dieses Jahr nicht. Nicht mal 48 Stunden nach dem Finale in Kiew steht fest, dass der ESC 2018 in Lissabon stattfinden wird. Somit ist der Name für den nächtsten Wettbewerb auch schon fast fertig; "63. Eurovision Song Contest 2018 in Lisboa". Fehlt nur noch der Slogan, für den wir uns aber noch deutlich länger gedulden müssen. Neben Lissabon kam wohl nur Porto grundsätzlich in Frage, aber die Örtlichkeiten der Hauptstatt sind fast perfekt für den Eurovision Song Contest. Die EBU und RTP wollen sich wohl einfach nur eine Menge Arbeit und Geld sparen, da es so, oder so an Lissabon gegangen wäre. Die Bestätigung der MEO Arena, als Hauptaustragungsort ist wohl nur noch reine Formsache. Wo soll der Wettbewerb sonst stattfinden?

Die Hotels können also jetzt schon gebucht werden. Die Gastronomie und der Tourismus können jetzt schon entsprechendes planen. Die Stadt kann beginnen sich herauszuputzen, um Europa und die Welt zu empfangen und sich in bestem Licht zu präsentieren. Das Datum der Finals und somit der zwei Wochen Lange Zeitraum in dem der ESC stattfindet, sollen bei einem großen Delegationstreffen der EBU am 12.06.2017 entschieden werden. Ich freue mich auf ein Jahr Berichterstattung um und aus Lissabon.

Montag, 8. Mai 2017

Über Skandale, Erfolgslosigkeit und Unverständnis

Hier ist auch schon mein erster richtiger Post. Die Proben im International Exhibition Centre sind vorbei, der Delegationsempfang auf dem Roten Teppich ist über die Bühne und die Eröffnungszeremonie hat ebenfalls das Voting für den 62. Eurovision Song Contest 2017 Celebrate Diversity in Kiev freigegeben. Heute findet das erste Juryhalbfinale statt, Zeit um sich über die diesjährigen Beiträge auszulassen. Dabei meine ich alles liebevoll und habe durchaus Respekt vor der Arbeit die die Delegationen getan haben, wie du weißt liebe ich den ESC.

Wo fange ich am besten an? Bei SPANIEN, dem Land dass direkt hinter uns, auf Platz 11 der Ewigen Liste, steht und uns in den letzten Jahren jedes mal Angst gemacht hat, unsere Top 10 Platzierung an sie abgeben zu müssen. Am Ende landete der spanische Beitrag immer deutlich weiter unten als erwartet. Dieses Jahr ist das wohl kaum möglich, denn die Erwartungen der Allgemeinheit an die Platzierung von Do it for your Lover liegt in etwa beim letzten Platz und ich muss da leider sagen dass dies völlig zu Recht ist. Der Beitrag wird von manchen noch als ganz nett angesehen, aber das reicht nicht um die Leute vor ihren Fernsehgeräten dazu zu bringen anzurufen. Wenn man an den Vorentscheid Objetivo Eurovision denkt, sind die Worte "ganz nett" unpassend. Der Song Contigo von Mirela ging als klarer Favorit ins Rennen und konnte das Televoting auch für sich entscheiden. Die dreiköpfige Jury war jedoch viel eher vom Sunny Boy begeistert, so dass es zu einem Punktegleichstand kam. Irritiert entschied der Sender TVE daraufhin dass die Jury doch einfach entscheiden soll wer Spanien repräsentieren soll. Das war ein großer Fehler. Natürlich gewann Manel Navarro die Gunst der Jury, was zu lauten Protesten des Publikums führte. Es ging sogar so weit, dass ein paar Tage später das spanische Parlament versucht hat den Beitrag aufzuhalten - leider ohne Erfolg. Und so steht Spanien nun mit einer verhassten Nummer da, der null Chancen auf eine Top 20 Platzierung ausgerechnet werden. Das hat das Land nicht verdient, doch jetzt wäre es wirklich gut wenn Spanien das Schlusslicht auf der 26 bildet und TVE damit einen Denkzettel verpasst. Die scheinen aber bereits gelernt zu haben, und mit ihrer neuen Delegationsleiterin Ana Maria Bordas etwas ganz neues zur zukünftigen Beitragswahl zu planen. Sie hat das Amt übernommen, nachdem Federico Llanos aufgrund des Skandalvorentscheids nicht mehr bereit war so mit TVE zusammen zu arbeiten.

Skandalvorentscheid. Bei dem Wort springt mir sofort WEIßRUSSLAND in den Kopf. Zu meiner Verwunderung stehe ich damit wohl alleine da. Weißrussland versucht seit einigen Jahren mit großen Bemühungen einen Beitrag in Landessprache hervorzubringen, möchte dies angeblich aber nicht um jeden Preis auf biegen und brechen tun. Der weißrussische Vorentscheid ist nicht gerade von vielen qualitativ hochwertigen Beiträgen geprägt, was vor allem an der geringen Bewerberzahl liegt. Dieses Jahr wurden 13 Songs für die Show am 20.01. ausgewählt. Historyja majho žyccia belegte den 5. Platz im Televoting. Die Jury aber vergab die Höchstwertung. Ich gehe stark davon aus, dass der Sender dies vorgeschrieben hat. Er möchte ja so gerne einen weißrussisch sprachigen Beitrag bei der Eurovision haben. Die 18 Punkte (6+12) reichten tatsächlich aus um die Spitze des Tableaus zu erklimmen. Ich frage mich ob BTRC ernsthaft denkt dass sie mit einem im Mittelfeld platzierten Liedchen bei einem schlechten Vorentscheid gute Chancen haben. Ich sehe das eindeutig als Skandalvoting an, auch die restlichen Punkte der Jury wirken mehr ausgelost als nach Geschmack vergeben und haben kaum bis keine Ähnlichkeiten mit den Televotingpunkten. Ich persönlich finde das Lied an sich oft schon fast nervig und das unabhängig vom Vorentscheid. Ich verstehe nicht warum Europa da so drauf abfährt. Wie sie diese Woche in Kiew abschneiden werden kann ich nur schwer einschätzen, ich hoffe nur dass sie Künstlern, die viel größere Werke erschaffen haben und es viel mehr verdient haben, nicht Punkte und Startplatz im Finale wegnehmen.

Machen wir mit einem weiteren sehr schwachen Land in der Eurovision weiter; TSCHECHIEN. Nach dem letzten, viertletzten und vorletzten Platz in den Jahren 2007-2009 hat man verständlicher Weise auf weitere Teilnahmen verzichtet. Ein Wechsel in den Führungspositionen des Senders CT brachte die Nation überraschend zum Wettbewerb zurück. 2015 machte man gute Arbeit, die jedoch nicht ganz für das Finale reichte. Letztes Jahr hat man dann mit einem 9. Platz im Halbfinale das ganz große Ziel geschafft und das Finale erreicht, um den ESC im Land populär zu machen. Das endete aber mit null Punkten aus dem Televoting, was bei dem neuen Votingsystem schon fast unmöglich ist... Dieses Jahr mussten sie also alles geben und was gutes auf die Beine stellen, dann schafften sie den Durchbruch im eigenen Land. Sie haben aber auf ganzer Linie versagt. Man ist sich einig dass dieser Beitrag als chancenlos auf ein Finalticket bezeichnet werden kann. Die Intelligenz und das Feingefühl der Verantwortlichen schätze ich so hoch ein, dass sie bei dem Titel merken sollten, ob das Europa begeistern kann und sich um einen neuen zu kümmern, wenn sie diese Frage mit "nein" beantworten. Es wird sich sehr drum bemüht dem ESC in Tschechien einen besseren Ruf zu verpassen, dann erwarte ich auch ein bisschen Engagement bei dem wichtigsten, der Auswahl des Beitrages. Leider kann ich von diesem Engagement dieses Jahr nichts sehen. Ich finde es traurig, dass Tschechien wieder ein so schlechtes Ergebnis einfahren muss und wünsche mir sehr dass es ab nächstem Jahr wieder besser wird.

Einen ähnlichen Beitrag hat die eurovisionsverrückte Nation MALTA im Gepäck. Auch wenn das oft gehörtes Geschwafel ist, schließe ich mich der eindeutigen Mehrheit an, die sagt dass dieser Song nur wegen Claudia Faniello den Vorentscheid Malta Song for Europe gewonnen hat. Sie hatte schon viel bessere Titel im Rennen und man wünscht ihr nicht so ein schlechtes Ergebnis, ohne Finalteilnahme, nachdem sie über ein Jahrzehnt darum gekämpft hat zur Eurovision fahren zu dürfen.

Das Beste kommt zum Schluss. Nicht weit von Malta entfernt liegt ein Land das ich dieses Jahr beim beseten Willen einfach nicht verstehen kann. ITALIEN gilt (auch nach den Proben) als größter Favorit auf die Trophäe (was uns übrigens ebenfalls aus den Top 10 der vorhin angesprochenen Ewigen Liste werfen würde). Als der italienische Beitrag feststand, habe ich gedacht dass es sich wieder nur um ein weiteres typsches San Remo-Festival Liedchen handelt. Ich dachte Italien wird schlecht abschneiden, wie gewohnt. Den Hype, den es um das Lied gab habe ich viele Tage lang gar nicht wahrgenommen. Voller Unverständnis bin ich aber davon ausgegangen dass es einen anderen Sieger geben wird. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Musikalisch gesehen ist dieses Lied nichts. Es herrscht keine Harmonie der Instrumente, die Stimme passt nicht dazu, es ist viel zu "leicht" produziert, für den ESC, so dass es wie ein Do it for your Lover völlig untergeht (ja, ich sehe kaum Unterschiede zwischen diesen beiden Songs), die Melodie - welche Melodie? Man brauchte noch eine Melodie, deswegen hat der Komponist versucht sich krampfhaft irgendwas aus den Fingern zu saugen, genau so klingt es. Der Text ist auch keine Offenbarung der Weltgeschichte. Besser als über eine Taschenlampe (Polen), Papier (Island) oder einen schwarzen Vogel der endlich aufhören soll zu singen (Finnland) zu singen, ist es schon, aber die meisten Songs haben eine deutlich bessere Botschaft, viel tiefgründigere Texte und kein Thema das in der Politik diskutiert werden könnte, aber bei einem Fest in dem alles unter dem Motto Celebrate Diversity steht, völlig fehl am Platz ist. Seine Bewegungen auf der Bühne erinnern mich an Portugal, allerdings passt es bei Salvador Sobral zum Song und er bewegt sich so wie er gerade durch die Musik fühlt. Francesco Gabbani wirkt mit seinen random Zuckungen aber eher wie jemand, der die Favoritenrolle hat und jetzt auf Teufel komm raus eine gute Performance braucht. Es wirkt schon fast lächerlich was er da tut und sympathisch kommt er nun wirklich nicht rüber, ganz im Gegenteil. Der komische Dancemove, der den Auftritt prägt ist einfach nur langweilig und in dem Anzug, den er trägt schlecht umsetzbar. Dann taucht da plötzlich dieser Affe auf, was kein Zuschauer verstehen wird, da niemand den Text versteht und sich duch das schlicht-langweilige Staging auch nicht erahnen lässt wörüber der Herr dort singen könnte. Ein Affe ohne ersichtlichen Grund oder Bedeutung. Beim Staging von Aserbaidschan würde das sogar noch gut wirken weil es zu diesem verständnislosen, aber dann doch interessanten und begeisternden Beautiful Mess passt, bei Italien denkt der Zuschauer aber eher darüber nach wie sehr der Mann im Affenkostüm schwitzt, als welche Nummer die von Italien war um sie zu wählen und anzurufen. Ich kann kein noch so kleines Detail erkennen, das mir erklärt warum so viele diesen Beitrag so lieben. Ich hoffe einfach nur dass Europa sich am Samstag nicht verwählt, gute Musik damit ehrt dafür zu stimmen und schlechte Musik im Televoting und im Juryvoting nicht dominiert. Gleichzeitig denke ich dass Europa das nicht hinbekommen wird und des am Ende heißen könnte "The winner is... ITALY!"