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Samstag, 1. März 2025

Chefsache ESC 2025 Finale - Die beste Wahl für Deutschland?

 Heute Abend um 20:15 Uhr wird das Finale des deutschen Vorentscheides zum 69. Eurovision Song Contest 2025 in den EMG Studios in Hürth ausgetragen. Übertragen wird die Show im Ersten Deutschen Fernsehen, auf One, und online auf Eurovision.de, in der ARD Mediathek und für internationale Zuschauende auf dem YouTube Kanal vom ESC. In diesem Blogbeitrag möchte ich auf die Chancen der neun Finalbeiträge eingehen - in diesem Vorentscheid und beim ESC. Dabei berücksichtige ich vor allem Reaktionen aus dem Ausland, auf die bisherigen drei Chefsache Shows. Vorweg möchte ich klarstellen dass es beim ESC um das Feiern und Wertschätzen von Kunst geht und das auch für diese Finalisten gilt. Der ESC ist aber ein Wettbewerb und wenn Stefan Raab das Ziel gesetzt hat den ESC zu gewinnen, müssen wir die Beiträge mit anderen in den Vergleich setzen und dabei ehrlich sein. Ich freue mich bei allen Beiträgen über den künstlicherischen Wert, doch nicht alle haben gute Aussichten auf Erfolg beim ESC.

Das sind die neun Finalisten im Schnelldurchlauf:


Starten wir mit "Lovers on Mars" von Lyza. Viele sehen darin einen Wettbewerbsbeitrag, der genauso gut bei den schwedischen Melodifestivalen laufen könnte, dem wohl stärksten ESC-Vorentscheid. Das ist erstmal ein großes Kompliment, allerdings ist man sich auch einig, dass dieser Titel wohl eher auf den hinteren Rängen des Melfests landen würde. Er verkörpert leider auch genau das, was seit vielen Jahren am stärksten am deutschen Vorentscheid kritisiert wird: Radiotauglicher Massenpop, den man schon viel zu oft in viel besser gehört hat. Damit lässt sich beim ESC Heutzutage nicht mehr viel holen. Ich bin kein Freund davon, musikalisch ähnliche Beiträge miteinander zu vergleichen und zu behaupten dass ähnliches auch ähnlich abschneiden würde, denn von jeder musikalischen Art gibt es Beiträge beim ESC die großen Erfolg feierten und andere, die komplett abschmierten. Trotzdem möchte ich in diesem Artikel ein paar Vergleiche zu vorherigen ESC-Titeln ziehen, bei denen ich mir ein ähnliches Szenario vorstellen kann. Bei "Lovers on Mars" ist mein Vergleichsbeitrag "Ghost" von Jamie-Lee, Deutschland 2016. Ein solider Popsong mit einer individuellen Performance, den niemand schlecht findet. Die Sängerin hat eine gute Stimme und eine professionelle Bühnenausstrahlung mit Persönlichkeit. Aber letzten Endes ist es nur ein uninnovativer, belangloser Popsong, der auf dem letzten Platz mit 11 Punkten endete und um den kaum jemand traurig ist, dass die Rote Laterne diesen Song getroffen hat, weil es einfach nur ein Song ist - nichts Besonderes. All das trifft auch auf "Lovers on Mars" zu und ich fürchte dass es beim ESC in der Masse untergehen und vergessen werden würde. Beim deutschen Vorentscheid ist diese Masse nicht so groß und angesichts der Konkurrenz würde der Titel sicherlich einige Anruferstimmen einbringen, sofern er denn ins Super-Finale kommt. So halte ich es für durchaus möglich, dass "Lovers on Mars" heute Abend gewinnt.

Im wohl größten internationalen Fan-Voting auf MyEurovisionScoreboard liegt "Lovers on Mars" unter den neun Finalisten auf Platz 3. Bei mir persönlich ist es die #6 der neun. Meine Prognose des Beitrags beim ESC: Platz 18 bis 26.

Die Band The Great Leslie galt als einer der Top-Favoriten, als die 24 Acts verkündet wurden, die beim deutschen Vorentscheid live performen dürfen. Mit interessanten Persönlichkeiten auf der Bühne und einer Stimmfarbe mit Wiedererkennungswert, gibt die Band sowohl einen sympathischen, geerdeten Eindruck, als auch einen mit Superstar Potential ab. Nachdem aber klar wurde mit welchem Song The Great Leslie antritt, fielen die Chancen in den Keller. Manchmal ist es so einfach wie in diesem Beispiel: Der Song ist schlichtergreifend viel zu schwach. In internationalen Reaktionen darauf würdigen ESC-Fans die Band und ihren Auftritt, sind sich aber einig dass dem Song alles fehlt, was ein ESC-Titel braucht. Vielleicht würde die Band als Solche noch von wenigen, einzelnen Jurymitgliedern mit Trostpunkten für das Potential beschenkt werden. Im Vereinigten Königreich, Irland und Australien könnten sogar ein paar Leute dafür anrufen. Außerhalb davon haut das aber niemanden so sehr vom Hocker, dass es in Basel als der eine persönliche Favorit auserkoren wird. Vielleicht tritt The Great Leslie in einem anderen Jahr mit einem besseren Song an. In diesen Tagen wird "These Days" wohl kaum genügend Anrufe erhalten, um bei Chefsache ESC am Ende ganz vorne zu landen.

Das internationale Fan-Voting spiegelt Dies mit dem 8. Platz. Ich habe den 7. Platz dafür übrig. Meine ESC-Prognose: Platz 23-26.

Cosby erfüllt in etwa das, was sich von The Great Leslie erhofft wurde. Die Band bringt optisch einen interessanten Auftritt, auch wenn das Staging des Halbfinals von einigen noch kritisiert wird; Die Bandmitglieder wirkten nicht wie eine Einheit. Der Song "I´m still here" wirft musikalisch einen etwas anderen Ton an, als das was beim ESC übrlicherweise läuft und kann damit zunächst das Interesse der Zuschauer gewinnen. Der Song ist stimmlich sehr gut performt und hat eine interessante Struktur mit vielen verschiedenen Phasen und Momenten. Ein Höhepunkt reiht sich an den anderen, es kommt immer ein wenig etwas Neues und wird bis zum Ende nicht langweilig. Hinzu kommt eine überdurchschnittlich starke Message mit relativ leicht zu verstehendem Text. Es ist ein Auftritt mit dem Deutschland in Basel keinesfalls schlecht aussehen würde. Für den ganz großen Wurf ist das Gesamtpaket aber dann doch zu wenig. Da hat es in der Vergangenheit schon sträkere Band-Auftritte mit ähnlicher Musik beim ESC gegeben. Heute Abend sehe ich gute Chancen auf einen Sieg von Cosby.

Im internationalen Fan-Voting liegt Cosby auf Platz 2. Auch von mir gibt es den 2. Platz unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: Platz 13-22, mehr Punkte von der Jury als vom Publikum.

Benjamin Braatz erinnert mit seinem Auftritt zu "Like you love me", ähnlich wie The Great Leslie, auch an die britische Musikszene vor einigen Jahrzehnten. Aserbaidschan hat vor zwei Jahren ähnliches beim ESC versucht, wie es nun Benjamin tut. Die Zwillinge Tural und Turan haben mit einem gewissen Niedlichkeitsfaktor in Liverpool, auf den Spuren der Beatles, mit ihrem Liedchen über ein spezielles Liebesgefühl jedoch nur Platz 14 im Halbfinale (4 Punkte) erreicht und damit das Finale verpasst. Leider müssen wir bei Benjamin Braatz ähnliches erwarten, auch wenn die Jury vielleicht noch ein wenig nachhelfen könnte, die im Halbfinale 2023 nach den Regeländerungen nicht abstimmen durfte. "Like you love me" hat nur ganz wenige Fans. Für die meisten ist das Lied einfach zu langweilig. Sollte es heute Abend das Televoting erreichen gehe ich dort von einem letzten Platz aus. Auch wenn der große weiße Stuhl an die "Liebe ist für alle da" Performance von Leonora aus Dänemark 2019 erinnert, hatte Leonora einen anderen Charme und eine packendere Melodie zum Schunkeln, die deutlich mehr Herzen erreichen konnte. "Love is Forever" belegte in Tel Aviv Platz 12. Mein erster Gedanke ging beim Halbfinalauftritt an "Me and My Guitar", Belgien 2010. Allerdings kommt Benjamin leider bei Weitem nicht an dieses Meisterwerk heran, das beim ESC mit Platz 6 belohnt wurde. Und auch die vielen Vergleiche mit dem unschuldigen Finnen, der 2011 vor einem überdimensionalen Planeten "Da da dam" trellerte hinken im Niedlichkeitsfaktor. Auch Dieser erreichte beim ESC nur Platz 21, obwohl er vielen bis Heute gut in Erinnerung bleibt.

Im internationalen Fan-Voting liegt "Like you love me" unter den Finalisten auf dem 9., also letzten Platz. Ich mag das Lied und den Auftritt und vergebe Platz 3 im Finale. Meine ESC-Prognose: null Punkte vom Publikum, maximal ein paar wenige Punkte von der Jury. Vielleicht letzter Platz.

Der Song "Empress" von Julika klingt im Schnelldurchlauf zwar wie eine solide ESC-Nummer, hat aber keinerlei Höhepunkt, keine "Hook-Line", wie es in der Show schon hieß. Es fehlt der Grund dafür anzurufen und wenn wir ehrlich sind, fehlt auch das Gewisse Etwas. Das Staging wird von manchen als hochwertig bewertet. Andere sagen dass dort nichts zusammenpasst und auch nicht zum Song. Ich schätze in Basel würde sich niemand für diesen Beitrag interessieren. Auch schätze ich die Chancen für heute Abend eher gering ein, mit dem Sieg herauszugehen. Ich sehe was dieser Beitrag eigentlich sein soll, was die Künstlerische Vision war, die ist aber leider auf ganzer Linie nicht erreicht wurden.

Im internationalen Fan-Voting ist "Empress" auf Platz 5. Bei mir reicht es nur für Platz 8 der Finalisten. Meine ESC-Prognose: 25.-26. Platz.

"This Bliss" von Leonora schreit nach der Kombination aus Black Smoke (Deutschland) und The Makemakes (Österreich). Beides endete 2015 mit null Punkten. Der Song mag künstlerisch wertvoll sein, aber dafür ruft beim ESC Heute niemand mehr an. Auch fünfköpfige nationale Jurygruppen bewerten das nur mit Platz 15-20 = null Punkten. Mit diesem Auftritt würden wir uns sicherlich nicht blamieren, aber er wäre aus meiner Sicht ganz eindeutig die schlechteste Wahl, wenn es um das Ergebnis geht. Ich glaube dass Stefan Raab darin etwas von seinem ESC-Beitrag mit Max Mutzke, "Can`t wait until tonight" sieht. Aber das was den Appeal von Max' Auftritt in Istanbul 2004 ausmacht, fehlt hier. Außerdem hat sich der ESC in diesen 21 Jahren verändert. Den 8. Platz von Max können wir damit nicht wiederholen. In einem möglichen Televoting heute Abend sehe ich den Titel auch weitestgehend chancenlos. Ich glaube hier verhält es sich ähnlich wie mit "Empress"; Die künstlerische Vision ist erkennbar, wurde aber nicht erreicht.

Im internationalen Fan-Voting belegt "This Bliss" Platz 7 unter den Finalisten. Bei mir ist es der letzte Platz. Meine ESC-Prognose: "I'm sorry Germany, zero points overall"

Moss Kena hat als Einziger im Halbfinale bei mir einen richtig magischen Moment erzeugen können. Drei Minuten das Publikum zu fesseln und es dann mit Begeisterung zurücklassen, wer das schafft landet beim ESC weit vorne, denn dann haben Zuschauende den Impuls dafür anzurufen und auch die Jury lässt das nicht kalt. Auch viele andere schildern, diesen Effekt bei dieser Ballade zu haben. Andere finden den Titel einfach nur langweilig, aber das ist der Normalfall bei Balladen, auch bei denen, die den ESC gewinnen. Derzeit stehen 23 der 37 Teilnahmebeiträge für Basel öffentlich fest. Bislang haben wir ungefähr drei Balladen im Jahrgang, von denen womöglich nicht alle ins Finale kommen werden. Die Zuschauer, die den ganzen Abend auf schöne Balladen warten, würden mit "Nothing can stop Love" endlich erlöst und verzaubert werden. Außerdem könnte es sein, dass sich Jurypunkte, die tendenziell eher an Balladen, als an Uptempo-Songs gehen, dieses Jahr auf weniger Beiträge verteilen und mehr für Moss Kena rausspringt. Es könnte vielleicht gar nicht so verkehrt sein, diese Nummer nach Basel zu schicken. Vielleicht würden wir damit am meisten Punkte einsammeln. Ich denke dass dieser Titel heute in einem Televoting realistische Chancen auf einen Sieg hätte, obwohl sich scheinbar viele Deutsche daran stören, dass Moss Kena nicht gut deutsch spricht.

Im internationalen Fan-Voting belegt "Nothing can stop Love" Platz 6. Es ist mein persönlicher Favorit unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: Bei den Jurys: Platz 5-16, insgesamt: Platz 10-20.

Feuerschwanz ist seit Jahren im Gespräch für Deutschland zum ESC zu fahren. Nun sind sie endlich im deutschen Vorentscheid. Nur sind die meisten Feuerschwanz-Fans sehr enttäuscht, denn der Song "Knightclub" wird als einer der schwächsten im langjährigen Repairtoire der Mittelalter-Band gesehen. Deshalb wünsche ich mir für Feuerschwanz, dass sie in einem anderen Jahr mit einem besseren Song zum ESC fahren. Ob die vielen Feuerschwanz-Fans heute Abend trotzdem für ihre Band abstimmen werden ist unklar. Nach der Prognose vieler, wird Feuerschwanz heute Abend gewinnen, alleine schon aufgrund der viel größeren Fanbase, als die aller anderen Finalisten. Hinzu dürften eine Menge Anrufe kommen, von "Casual Viewern", die das für einen guten Versuch beim ESC halten, wegen der auffälligen Outfits und weil es kein typischer Radiopop ist, wie sonst beim deutschen Vorentscheid. Andere fühlen sich mit Blick auf den letzten Platz von Lord of the Lost vor zwei Jahren abgeschreckt, für Feuerschwanz anzurufen. Doch ich denke dass diese beiden Beiträge sehr unterschiedlich sind und auch anders funktionieren. Nur funktioniert "Knightclub" aus meiner Sicht nicht wirklich. Es gibt eine wirklich gute "Hook-Line" ("Fight me in the Knightclub"), aber leider bietet der Song nicht mehr und der Ohrwurmfaktor von anderen Feuerschwanz-Titeln ist auch deutlich höher. Insgesamt ist das Musikalische einfach zu schwach um in Europa einzuschlagen. Aus diesem Grund (nicht wegen Ähnlichkeiten zu Lord of the Lost), fürchte ich, wird es kein gutes Ergebnis hierfür in Basel geben.

Stefan Raab hat zwischen dem Halbfinale und Finale kurzfristig die Regeln geändert. Im Finale wird die Jury zunächst noch einmal vier Beiträge aussortieren, nachdem alle neun Songs, sowie neun Coversongs performt wurden. Erst danach kann das Publikum über die übrigen fünf Beiträge abstimmen. Es ist eindeutig, dass dies ursprünglich anders geplant war. Ich folge der populären These, dass Stefan Raab die Regeln entsprechen änderte, um Feuerschwanz für die Einschalt-Quote mit ins Finale nehmen zu können, dort dann aber rausschmeißen kann, damit sie nicht gewinnen, weil er merkt, dass der Song doch zu schwach ist. Ich wünsche mir auch dieses Szenario. Für Deutschland beim ESC und für Feuerschwanz - damit sie in einem anderen Jahr mit einem viel besseren Song den ESC rocken.

Im internationalen Fan-Voting wird der Song auf den 4. Platz gewählt. Bei mir ist es Platz 5 unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: Platz 22-26, vielleicht null Punkte von der Jury.

Der große Favorit heute Abend ist "Baller" von Abor & Tynna. Es ist der einzige Song der international nennenswert Anklang findet, auch wenn dieser begrenzt ist. Deutsche ESC-Fans betteln in den Sozialen Medien andere ESC-Fans an für "Baller" abzustimmen um Deutschland zu retten, denn man darf auch aus dem Ausland abstimmen. Wie das geht, wird wohl erst in der Show selbst erklärt. Ich halte es auch für das wahrscheinlichste Szenario dass "Baller" heute das Televoting gewinnt, sogar wenn Feuerschwanz ins Televoting gelassen wird. Ich glaube auch dass wir damit die größten Chancen beim ESC haben, würde mir aber SEHR wünschen, dass Stefan Raab den Song noch einmal einem Revamp unterzieht, das live auf der Bühne funktioniert. Sonst könnte es uns so gehen wie Österreich 2022, die mit "Halo" vom DJ LUM!X als einer der Favoriten auf den Sieg galten - bis der Song erstmals live performt wurde. Schlussendlich reichte es nicht einmal fürs Finale. Auch das Staging von "Baller" muss komplett neu gestaltet werden, aber dafür ist ja noch Zeit. Wie der überarbeitete Beitrag dann in Basel abschneiden würde, finde ich schwierig vorherzusagen. Aber eine Chance auf viele Punkte haben wir wohl am ehesten hiermit.

Im internationalen Fan-Voting ist "Baller" mit deutlichem Abstand auf Platz 1. Bei mir persönlich ist es der 4. Platz unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: 8.-26. Platz (genauer kann ich`s derzeit nicht machen)

Stefan Raab wird sicherlich scheitern mit seinem Ziel den ESC dieses Jahr zu gewinnen. In den Wettquoten um den Sieg ist Deutschland seit der ersten Show von Chefsache ESC von Platz 10 auf Platz 23 gefallen, mit inzwischen nur noch 1% Wahrscheinlichkeit auf den Sieg. Das spiegelt auch die internationalen Reaktionen auf die Shows wider. Ich bin enttäuscht von Stefan Raab. Nicht weil er nicht gewinnen wird, sondern weil er nicht an den Songs mitwirkt. Dass wir wahrscheinlich nicht den ESC-Siegersong unter 3.800 Bewerbungen haben werden war doch klar. Raab kann Songs produzieren - und das sehr erfolgreich - in vielen verschiedenen Musikrichtungen. Warum hat er nicht selbst Hand angelegt? Das hatte ich mir unter "Chefsache ESC" vorgestellt. War es die falsche Entscheidung vom NDR sich das Diktat von Stefan Raab heran zu holen? Nein. Es ist das letzte Jahr des NDR und seit mehreren Jahren bettelt der NDR förmlich darum, den ESC endlich an eine andere Rundfunkanstalt abgeben zu dürfen. Wir hätten nicht viel zu erwarten gehabt vom NDR in diesem Jahr, also war es den Versuch wert an Stefan Raab abzugeben. Dieser hat sich aber in den bisherigen drei Shows mit seinen Kommentaren und Entscheidungen so präsentiert, dass er nicht viel Ahnung vom ESC und dem heutigen ESC hat. Ich hoffe dass dieses Format nächstes Jahr nicht wiederholt wird. Und ich hoffe dass From Fall to Spring endlich eine verdiente Chance bekommt zum ESC zu fahren. Für heute Abend wünsche ich allen Acts gutes Gelingen.

Sonntag, 17. November 2019

Junior Eurovision Song Contest 2019

Heute in einer Woche wird der 17. Junior Eurovision Song Contest 2019 Share the Joy in Gliwice ausgetragen. Höchste Zeit alles Wichtige darüber zusammenzutragen. Wenn der JESC über die Bühne gegangen ist, widme ich mich privat und hier auf dem Blog dem ESC 2020.

19 Nationen werden in der brandneuen Gliwice Arena, im polnischen Süden, der 180.000 Einwohner Stadt auftreten. Nicht mehr dabei sind Aserbaidschan und Israel. Dafür ist die sehr erfolgreiche JESC-Nation Spanien nach 13 Jahren zum Wettbewerb zurückgekehrt. Deutschland ist weiterhin am Überlegen dem JESC beizuwohnen, konnte sich dieses Jahr aber wieder nicht dazu durchringen. Die Show beginnt am Sonntag, dem 24. November, um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, was auch der Ortszeit in Polen entspricht. Unter diesem Link und auf dem YouTube-Kanal vom JESC kannst du die Show streamen.

Wer schon länger diesen Blog verfolgt weiß was ich vom Votingsystem beim JESC halte. Die Abstimmung läuft dieses Jahr online, mit 50%igem Jury-Voting. Für mich zählt nur das Voting auf My Eurovision Scoreboard, wo inzwischen über 850 ESC-Fans ihren Top 10 Punkte vergeben haben. Wer sich in den letzten Wochen in der ESC-Bubble umgehört hat, bekommt den Eindruck dass alles auf ein hartes Battle zwischen Frankreich und Polen um den Sieg hinaus läuft. Eventuell kann Spanien dabei noch ein Wörtchen mitreden. Alle anderen Länder dürften keine Chance auf die Krone haben. Hier habe ich aufgeschlüsselt, wie die Länder bei den ESC-Fans stehen. Die Daten beziehen sich auf den Stand vom 17.11., 14:05 Uhr bei My Eurovision Scoreboard. Außerdem habe ich meine aktuelle, persönliche, Rangliste angeführt.

Dazu muss ich erwähnen dass ich alle Songs mit politischer Botschaft hart dafür abstrafen muss. Eine der wichtigsten Regeln bei der Eurovision ist das nicht politisch sein. Nach meinem Verständnis des Regelwerks dürfte der Song von Serbien nicht zum Wettbewerb zugelassen werden, da er den gleichen Wortlaut verwendet wie die politische Bewegung "Fridays for Future". Einige andere Beiträge sind meiner Meinung nach hart an der Grenze zur Disqualifikation. Verstehe mich nicht falsch, ich stehe selber bei Fridays for Future auf der Straße, sorge dort für Lärm und Stimmung. Das Unpolitische beim (J)ESC zu bewahren ist aber ganz wesentlich entscheidend für den Erhalt der Veranstaltung. Entsprechend habe ich alle Songs mit klar erkennbarer politischer Botschaft in meiner Rangliste dafür abgestraft.

Rang Community Punkte My Top
1. Frankreich 6.314    Nordmazedonien
2. Polen 5.897    Kasachstan
3. Spanien 5.158    Armenien
4. Nordmazedonien 4.752    Frankreich
5. Armenien 4.228    Australien
6. Serbien 3.228    Ukraine
7. Irland 2.700    Russland
8. Ukraine 2.634    Weißrussland
9. Albanien 2.477    Niederlande
10. Malta 2.040    Wales
11. Weißrussland 1.966    Malta
12. Niederlande 1.825    Albanien
13. Australien 1.615    Polen
14. Kasachstan 961    Portugal
15. Italien 896    Spanien
16. Russland 693    Irland
17. Georgien 652    Italien
18. Wales 591    Georgien
19. Portugal 441    Serbien

Hier gibt es alle Songs im Schnelldurchlauf:


Dienstag, 3. September 2019

Rotterdam 2020 und mein neues Leben

Nun habe ich verstanden dass ich nach der ESC-Überdosis im Februar bis Mai einfach eine Erholungskur brauche, um anschließend wieder eine entsprechende Euphorie für die nächste Saison entwickeln zu können. Treue Leser*innen von Eurovision Passion können sich also darauf einstellen dass auch zukünftig der Sommer hier von Stille geprägt sein wird. Momentan bin ich dabei mich wieder ein bisschen in Eurovision-Stimmung zu bringen. Das geht bei mir sehr schnell, wenn ich auch nur ein einziges Eurovision-related-Video auf YouTube sehe. Vermutlich wird es hier bald mit Posts weitergehen.

Vor wenigen Tagen fiel die schwere Entscheidung zwischen zwei starken Bewerbungen, wo der 65. Eurovision Song Contest 2020 stattfinden wird. Maastricht musste dabei leider enttäuscht werden. Die Welt wird am 03. bis 16. Mai nach Rotterdam blicken (in vielen Ländern auch am 17. Mai, je nach Zeitzone 😉).

Im Laufe dieses Sommers habe auch ich zwischen 60 verschiedenen Standorten entschieden, wo ich mein Leben fortsetzen werde. Die Wahl fiel auf Bielefeld. Nächste Woche werde ich erstmals in meinem Leben umziehen. Ich verlasse eine Vorstadt von Hamburg, in Schleswig-Holstein, in der ich geboren wurde und seit meinem ersten Lebenstag mein gesamtes bisheriges Leben verbracht habe. Hier bin ich aufgewachsen. Hier bin ich meine ersten Schritte gelaufen. Hier bin ich in die Schule gekommen. Hier habe ich drei Schulabschlüsse, darunter mein Abitur, gemacht und alle meine sozialen Kontakte geknüpft. In den Straßen dieser Stadt liegen so viele Erinnerungen, die ich nun verlasse, um in ein neues Leben zu ziehen. Ein Leben in einer Stadt, die fast zwölf mal so groß ist wie meine Heimatstadt. Ein Leben an einer Universität, die mehr Studenten hat, als meine Heimat Einwohner. An ein so anderes Umfeld werde ich mich erst einmal gewöhnen müssen.

Ich ziehe aber auch in ein freies, selbst bestimmtes Leben. Das ist für mich der größte Wert des wohl größten Lebensumbruches. In Zukunft kann ich in totaler Selbstbestimmung leben. Bisher war vorgegeben was ich zu tun hatte. Meine Haupttätigkeit war mit der Schule vorgegeben. Mein Wohnort war durch den meiner Familie vorgegeben. Was auf den Tisch kam wurde gegessen. Nun konnte ich mir aus tausenden Möglichkeiten frei aussuchen was und wo ich studiere. Ich konnte mir frei aussuchen dass ich studiere. Ich konnte mir meine Wohnung frei aussuchen (auch wenn die Auswahl durch den Mietpreis stark eingeschränkt ist). Ich kann mir meine Einrichtung frei aussuchen. Ich kann mir frei aussuchen was ich kaufe (auch wenn ich als Student nicht viel Geld habe). Ich kann mir sogar frei aussuchen ob ich zu den Veranstaltungen in der Uni gehe. Ich kann mir frei aussuchen wann ich was erledige. Mir ist schon bewusst dass mit der Eigenständigkeit noch viel mehr Pflichten auf mich zukommen, aber auf die freue ich mich. Ich möchte endlich ein richtiges Leben führen. Dafür Schüler zu sein, habe ich mich schon lange zu alt gefühlt.

Gleichzeitig bin ich auch unbeschreiblich dankbar dafür dass ich auf einem Fleckchen Erde lebe, auf dem ich all das in totaler, freier, Selbstbestimmung tun kann. Das ist nicht selbstverständlich. Darüber bin ich mir bewusst, umso mehr wertschätze ich diese Freiheit. Sie ist es die mich glücklich macht. Die ersten 17 bis 18 Jahre meines Lebens habe ich gebraucht um endlich zu meinem Lebensglück zu finden. Den habe ich dadurch dass ich zu 100% genau das mache wozu ich lustig bin. Von niemandem auf dieser Welt lasse ich mir reinreden, wie ich mich zu stylen oder verhalten, wie ich zu leben, was ich zu machen habe. Den Druck der Gesellschaft, sich dessen Ideal eines Individuums anzugleichen, weise ich einfach ab. Das ist eine der schwersten Aufgaben für einen Menschen, doch ich habe es geschafft sie zu bewältigen und genau das ist es was mich glücklich macht - individuell zu sein, das zu machen wozu ich jetzt gerade einfach Lust habe. Das ist mir diesen Sommer klar geworden. Ich bin so glücklich! Fast mein ganzes bisheriges Leben war ich das nicht, doch jetzt habe ich das wichtigste erreicht was es im Leben gibt - glücklich zu sein. Ich weiß auch dass ich das bleiben werde, weil mir niemand meine Lebenseinstellung nehmen kann. Leute auf der Straße glotzen mich an. Manche sind verwirrt und werden innerlich wütend, die meisten bewundern mich und wären gerne auch so. Mach es doch einfach :) Lass dir von niemandem sagen, ob das was du gerade tust gut ist, oder nicht. Es ist gut wenn es dich glücklich macht.

By the way, ich studiere Politikwissenschaft (Hauptfach, zwei Drittel des Studiums), mit Soziologie (Nebenfach, ein Drittel des Studiums). Das studiere ich, weil ich glaube dass es mich voll erfüllt und glücklich macht. Ich möchte das worauf es im Leben ankommt besser verstehen. Ich möchte verstehen warum Gesellschaften so komisch sind und ich sie nicht verstehe. Ich möchte die Welt neu verstehen, um vielleicht zu noch mehr Lebensglück zu bekommen. Deshalb habe ich mich für dieses Studium entschieden. Ich möchte mich weiterbilden. Aus diesem Grund studiere ich. Karrierechancen, berufliche Ausbildung und ähnliches sind mir dabei egal. Mit diesem Ansatz sollten viel mehr Menschen studieren. Dann wären sie glücklicher. Rein zufällig verschaffe ich mir mit diesem Studium allerdings eine sehr große akademische und berufliche Auswahl für das weitergehende Leben.

Ich hoffe du hattest auch einen schönen Sommer und hast die Eurovision Post Depression überlebt. Schon übernächsten Monat steht der Junior Eurovision Song Contest an. Die Vorbereitungen in den einzelnen Ländern dazu laufen auf Hochtouren. Einen Monat später wird das Festivali i Kenges wohl wieder die Vorentscheidungssaison einläuten. Wie intensiv ich diesen Blog während meines Studiums weiterführe weiß ich noch nicht. Anders als das Klischee es vermittelt, haben Studenten immer viel zu tun. Ohne den ESC werde ich aber auf keinen Fall leben. Vielleicht schaffe ich es ja der schönsten Nebensache der Welt weiterhin so viel Aufmerksamkeit zu widmen wie in meiner Schulzeit. Das soll`s für erstmal von mir gewesen sein. Merke dir: Loving Yourself Is A Winning Game!


Sonntag, 12. Mai 2019

Tel Aviv 2019 Tag 8: Gewinner und Verlierer

Hier das Press Poll Ergebnis von Probentag 8 beim ESC 2019:

1. Frankreich 99
2. Italien 75
3. Spanien 66
4. Israel 43
5. Großbritannien und Nordirland 23
6. Deutschland 9

Frankreich hat sein Staging ein paar kleinen, aber feinen Änderungen unterzogen, die eine große Wirkung haben. So gibt es den Tagessieg von den Journalisten, für den größten Fortschritt. Für Italien gilt das Gleiche, nur dass es hier nicht ganz für den Tagessieg gereicht hat. Spanien hat aus seiner Vollkatastrophe ein akzeptables Staging gemacht. Das muss man auch erst einmal hinkriegen. Dies wird von 66 Journalisten aus dem Pressezentrum in Tel Aviv als größter Fortschritt anerkannt.

Israel hat sein Staging auch weiterentwickelt, aber nicht so gut wie die anderen Nationen. Warum Großbritannien nur auf Platz fünf landet kann ich nicht verstehen, die Verbesserungen schienen mir doch größer gewesen zu sein, als bei Israel. Deutschland hat mit der zweiten Probe einen riesengroßen Schritt zurück gemacht. Weder die Sängerinnen, noch der Song, sind so beeindruckend gut, dass es ein Selbstläufer wäre, so ziemlich gar nichts auf der Bühne zu machen und Als LED-Screen-Show selbstverliebte Projektionen von sich selber - und nichts anderes - zu zeigen.

Mein Verlierer des Tages ist deshalb auch Deutschland. Ich bin ehrlich, nach der ersten Probe habe ich große Chancen auf eine tolle Platzierung gesehen, nach der zweiten Probe sehe ich unsere Chancen Letzter zu werden aber größer, als bei jedem anderen, schließlich stehen alle pre-qualifizierten Länder in den Wettquoten vor uns und haben ein viel besseres Staging, als wir. Ich sehe keinen Grund dazu, warum es einen Beitrag geben sollte, der im Finale hinter uns landet. Das tut mir sehr weh, am meisten weil Laurita eine großartige Persönlichkeit ist, der ich etwas besseres wünsche, aber irgendwer muss ja den letzten Platz belegen und derzeit ist dazu keiner prädestinierter, als wir.

Mein Platz 3 geht an Italien. Das Staging ist deutlich besser geworden. So gefällt mir dieser Beitrag.

Mein Platz 2 geht an Spanien. Aus Müll immerhin Blech zu machen ist ein großartiger Fortschritt, den ich sehr honoriere.

Der Tagesssieg für den größten Hinzugewinn bei mir persönlich geht an Frankreich. Mit dieser Probe ist Frankreich bei mir erneut unbeschreiblich stark gewachsen. Ich bin am Überlegen was ich mit Frankreich machen soll, wenn ich meine persönliche Rangliste nun (ein letztes Mal vor den Shows) überarbeite. Momentan möchte ich dass Frankreich gewinnt und niemand sonst, ich bin mir aber unsicher, ob ich das wirklich auf Platz eins setzen soll. Vor den Proben war Frankreich bei mir nur auf Platz 24. Hier gibt es noch einen Schnelldurchlauf von Tag 6:


Estland, Portugal und Moldawien haben sich übrigens eine zusätzliche Einzelprobe erklagt. Das zu tun ist in den letzten, wenigen Jahren beim ESC zur Mode geworden. Die Gründe für eine weitere Probe können vielfältig sein. Zum Beispiel durch einen technischen Fehler, an dem oftmals niemand eine Schuld dran hat(te), oder weil das Produzententeam eine Anordnung zur Änderung des Stagings bis zur zweiten Probe nicht durchgeführt hat. Das könnte falsches Material, aus dem der Kunstschnee besteht, nicht geänderte Kameraführung, fehlende Pyrotechnik, oder Windmaschine, oder was auch immer, sein. Im Falle von Portugal und Estland sind zusätzliche Proben auch dringend notwendig, wenn man einen ESC-würdigen Auftritt auf die Bühne bringen möchte. Die Zusatzproben sind immer nicht öffentlich, da diese Nationen keinen Vorteil, durch eine automatisch erhöhte Berichterstattung, ohne eigens verdienten Grund, bekommen sollen.

Am Abend fanden heute das Orange Carpet Event und die offizielle Eröffnungsfeier statt. Die letztere war deutlich unterhaltsamer, als in den letzten Jahren. Alle Reden wurden sehr kurz gehalten, oder mit einem Looper im Netta Style vorgetragen. Das musikalische Programm war sehr hochwertig. Die fünf Stunden Roter Teppich und Eröffnungsfeier haben sich dieses Jahr richtig gelohnt. Die Eröffnungsfeier ist übrigens die einzige Veranstaltung, bei der alle 41 Teilnehmer des Jahres zur gleichen Zeit, am gleichen Ort sind. Auf dem Roten Teppich, der aufgrund des Hauptsponsors "My Heritage" dieses Jahr orange war, tummelten sich die Mainstream Medien, um mit den Künstlern Interviews zu führen und sie abzulichten. Hier gibt es ein paar Fotos der besten Outfits auf dem orangenen Teppich:


















Ein paar interessante Dinge wurden aber auch für alle öffentlich, in der Liveübertragung, ausgeplaudert. Zala und Gasper aus Slowenien haben erstmals zugegeben, dass sie wirklich ein Liebespaar sind. Hatari aus Island hat mal wieder keine Gelegenheit ausgelassen, um gegen Kapitalismus und Israel zu hetzen. Kobi Merimi war nur zwei Meter von seinem Zuhause entfernt. Momentan kommt er aber, zusammen mit der israelischen Delegation, in einem Hotel unter und konnte deshalb trotzdem nicht zu Fuß anreisen. Die Fahrt in der Limousine war aber bestimmt nicht so schlimm. Wer sich die Veranstaltungen des heutigen Abends, im Herzen Tel Avivs, nachträglich anschauen möchte, kann das auf dem YouTube-Kanal vom Eurovision Song Contest, oder auf Eurovision.tv tun.

Morgen Abend findet schon das erste Juryhalbfinale statt, schon in sechs Tagen wissen wir wer der Gewinner des 64. ESCs ist, das bedeutet aber auch, dass alles in sehr kurzer Zeit wieder vorbei sein wird und wir lange warten müssen, bis es so richtig wieder losgeht. Genieße deshalb bitte jede Sekunde mit Passion, von der schönsten Nebensache der Welt - dem Eurovision Song Contest.

Deutschland: Illegale Fotos

Es kam heraus, dass die Bilder, die auf der LED-Screen-Show zu sehen sind, Stock Photos, aus dem Internet, sind, die unter dem Suchbegriff "lesbische Paare" gefunden worden sind. Daraufhin warf die deutsche Delegation alle Internetbilder aus der LED-Screen-Show heraus und ersetzte sie durch Fotos von Carlotta und Laurita. Dadurch geht der Mehrwert, den Deutschland mit der ersten Probe geschaffen hatte, komplett verloren und das gute Staging wird zu einem schlechten Staging. Deutschland könnte auf einem unumstrittenen Weg Bilder von lesbischen Paaren bekommen. Zum Beispiel, so wie es Ungarn getan hat, mit einem öffentlichen Aufruf um solche Bilder bitten, sie einzuschicken. Ich bin mir sicher, viele würden das machen. Mit diesem Staging hat Deutschland eine Platzierung unter den letzten drei Plätzen im Finale sicher. Meine Euphorie, die durch unsere erste Probe entstanden ist, schlägt sich nun in Trauer um. Bis Freitag Nachmittag ist noch Zeit das Staging auf das Niveau zu bringen, auf dem es mal war. Hoffen wir, dass es bis dahin noch wird.





Großbritannien und Nordirland: Spiel mit dem Publikum

Die britische Delegation hat gemerkt, dass ein bisschen zu wenig auf der Bühne passiert. Deshalb haben sie nun Pyrotechnik mit eingebaut. Das bereichert das Staging stark. Großes Lob gibt es für Kameraeinstellungen und -schnitt, allerdings liegt an dieser Stelle auch das größte Manko des Stagings. Michael spielt viel zu sehr mit dem Publikum in der Halle und viel zu wenig mit dem Publikum an den Fernsehgeräten. Oft guckt er in die falsche Kamera. Diese Dinge müssen bis zum Juryfinale am Freitag unbedingt noch behoben werden! Wenn Großbritannien das so hinbekommt, wie es sein sollte, ist das britische Staging insgesamt aber ganz gut geworden.





Italien: Zurück im Spiel?

Italien hat auf die Kritik von der ersten Probe gehört und sein Staging immens verbessert. Die Tänzer lenken nun nicht mehr von Mahmood ab, sondern wirken wie ein Teil des Songs. Das liegt an den besseren Kameraeinstellungen, der überarbeiteten Choreographie und den anderen Kostümen. Auch das Kostüm von Mahmood selbst ist neu. Das der zweiten Probe ist viel mehr Mainstream. Da man beim ESC viele Menschen ansprechen muss, um ein gutes Ergebnis einzufahren, oder sogar zu gewinnen, ist es vielleicht geeigneter, als der Style den Mahmood bei der ersten Probe trug. Allerdings sollte man sich auf der Bühne aber auch so zeigen wie man ist. Ein Zwiespalt, über den die Delegation eine Entscheidung treffen muss. Das zweite Kostüm passt aber auch gut zu Mahmood. Auch darin wird er sich wohlfühlen. Die LED-Screen-Show wurde dahingehend erweitert, dass nun brennendes Geld zu sehen ist. Das ist so gut umgesetzt, dass es hilft die Message zum Zuschauer zu bringen, ohne von Mahmood, oder vom Song abzulenken. Italien hat aus dem letzten Jahr gelernt. Das Licht auf der Bühne ist weniger blau und mehr rot, als noch bei der ersten Probe. Dafür gibt es viel Lob. Im Refrain wurden sehr schnelle Kameraschnitte eingeführt. Das trägt den Song wunderbar. Aus der Enttäuschung bei der ersten Probe hat Italien ein richtig gutes Staging gemacht.





Spanien: Nur mit Augenbinde ertragbar?

Spanien ist ein anschauliches Beispiel dafür, warum jede Delegation beim ESC zwei Einzelproben auf der großen Bühne hat. Für die erste wurde Spanien noch mit Kritik überhäuft. Daraufhin hat die Delegation die meisten Dinge geändert, die eine Vollkatastrophe waren, und siehe da, es kommt ein akzeptables Staging dabei heraus. Miki ist nun mit Freude dabei, die Tänzer und Miki interagieren miteinander, die Kameraeinstellungen und -Schnitte sind in Ordnung u.s.w.. Natürlich hätte man es sich auch viel einfacher machen können. Für diesen Song hätte ein ganz einfaches Staging genügt, Spanien wollte es sich mit dem Haus und der überdimensionalen Figur, aber komplizierter gestalten. Bei der zweiten Probe lief es im Großen und Ganzen dann auch so, wie es mal gedacht war. Das Gimmick mit dem Haus sieht jetzt nicht mehr danach aus, dass man unbedingt irgendetwas großes auf der Bühne machen wollte und deswegen dieses Haus und dazu noch eine Figur, die am Haus rüttelt, auf die Bühne stellt, sondern dass es eine freundlich, nett, durchdachte Sache ist, die den Beitrag noch weiter aufheitert. Was auch aufheitern würde, wären strahlende Kostüme. Deshalb bleibt der riesengroße Kritikpunkt dennoch, die Kostüme sind die gleichen wie zuvor. Damit zerstört sich Spanien so viel. Echt schade.





Frankreich: Geht die Krone der Eurovision nach Frankreich?

Frankreich hat zwischen der ersten und zweiten Probe Stellen ausgebessert, die noch nicht ganz rund liefen. Zudem wurde der Kameraschnitt verändert, was im Allgemeinen als Rückschritt betrachtet wird. Ausgenommen ist davon der neue "Ending Shot", dieser habe viele im Pressezentrum endgültig zum weinen gebracht. Ein neu hinzugefügtes Element, das für besonders viel Aufsehen sorgt, ist, dass die übergewichtige Tänzerin der taub-stummen Tänzerin den Rhythmus zeigt, wenn sie auf die Bühne kommt, indem sie ihr auf die Schulter klopft. An Ende bildet das Trio in der Choreographie ein schlagendes Herz, das nur Funktioniert, wenn alle mit ihren Besonderheiten dabei sind. Wenn man über dieses Staging redet, klingt alles ziemlich aufgesetzt, aber das ist es nicht. Das Staging ist so gut umgesetzt, dass es auf die meisten natürlich wirkt und sie berührt. Als ich das Probenvideo von der EBU, der zweiten Probe gesehen habe, dachte ich, dass ich das den ESC gewinnen sehen möchte. Ich bin nicht die einzige Person, die das denkt.





Israel: Macht Kobi seine Heimat stolz?

Bei der ersten Probe von Israel war alles auf der Bühne, die meiste Zeit über, sehr dunkel. Erst am Ende des Songs kam so viel Licht auf, dass es am TV-Bildschirm richtig blendete. Das Ende hat Israel dunkler geschaltet, sodass es nicht mehr blendet. Den restlichen Song über ist es jetzt auch richtig hell auf der Bühne, was Sem Beitrag sehr gut tut. Außerdem wurden die Kameraeinstellungen beim Auftritt der Backgroundsänger geändert. Nun wirkt es so, dass sie rasend schnell auf Kobi zulaufen. Die Journalisten im Pressezentrum machen deutlich, dass sie die alte Version bevorzugen. Israel bringt ein schönes Staging auf die Bühne, beim ESC in der Heimat. Unter anderem über die Heimat geht es auch in dem Song. Israel wird zu Recht stolz auf sich sein, wenn die ganze Nation diesen Auftritt sieht.





Tel Aviv 2019 Tag 7: Gewinner und Verlierer

Hier das Press Poll Ergebnis von Probentag 7 beim ESC 2019:

1. Russland 75
2. Aserbaidschan 66
3. Niederlande 50
4. Malta 44
5. Norwegen 35
6. Nordmazedonien 26
7. Kroatien 11
8. Litauen 3
9. Albanien 2

Albanien hat echt ein Problem mit dem Staging und deshalb heute viel verloren. Litauen hat einfach ein schlechtes Staging. Es wurden ein paar Dinge mit der zweiten Probe verbessert, aber die machen so wenig aus, dass es nur für drei Journalisten im Pressezentrum der größte Fortschritt des Tages war. Bei Kroatien hatten sich viele so sehr an dem Aufsetzen der Flügel gestört, dass es für sie nun eine große Verbesserung ist, das Aufsetzen mit den Flügeln der Tänzer zu verdecken.

Nordmazedonien hat nichts verändert, aber das richtig gute Staging an sich, hat wieder genügend Journalisten überzeugt, sodass Platz sechs in der Press Poll herausspringt. Dass Norwegen nur auf Platz 5 landet, wundert mich, schließlich haben sie erst jetzt ihr richtiges Staging gezeigt, was eigentlich bei vielen dann große Pluspunkte auslösen sollte. Die vielen Versionen, mit denen Malta auftreten könnte, haben wohl vielen gefallen, sodass es 44 Stimmen und Platz 4 gab.

Die Niederlande hat mit der Leuchte auf dem Klavier, und dem Scheinwerfer am linken Bühnenrand, der auf Duncan gerichtet ist, für einige einen Rückschritt gemacht. Außerdem war dieses Staging schon bei der ersten Probe auf so hohem Niveau, das es schwer war, mit der zweiten Probe noch viele zu beeindrucken. Aserbaidschan hat nichts an seinem Staging verändert, nur das viele Lob über das Staging an sich, hinterlässt bei vielen einen so großen Eindruck, dass sie heute für Aserbaidschan, als das Land mit dem größten Fortschritt gestimmt haben. Russland gewinnt die Press Poll, obwohl das Staging von der ersten Probe, laut der Allgemeinheit, besser geklappt hat. Das zeigt, wie eindrucksvoll das Staging von Russland ist.

Mein Verlierer des Tages ist Albanien. Das Staging hat kaum etwas damit zu tun, was ich mir für diesen Song gewünscht habe. Ich bin davon ausgegangen, dass Albanien mit der zweiten Probe einen großen Fortschritt machen wird, deshalb ist dieser Rückschritt für mich eine Enttäuschung.

Mein Platz 3 geht an Litauen. Alleine schon, dass Jurij die hässliche Militärjacke ausgezogen hat, ist eine riesengroße Verbesserung für mich. So kann ich den Auftritt genießen, ohne dabei die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl zu haben, dazu kommen noch wenige weitere, kleine, Verbesserungen.

Mein Platz 2 geht an Norwegen. Da uns dieses Land erst heute sein Staging so richtig gezeigt hat, und die Stagings der anderen Länder, im Großen und Ganzen, bereits bekannt waren, war diese Probe für mich der zweitgrößte Fortschritt des Jahres.

Mein Tagessieger ist die Niederlande. Nicht, weil es mein persönlicher Gesamtsieger beim ESC ist, sondern wegen den Veränderungen, von der ersten bis zur zweiten Probe. Insbesondere die super helle Beleuchtung von Duncan selbst, gefällt mir irgendwie richtig gut. Damit strahlt er in diesem dunkelblauen Ozean richtig hell. Das sieht voll schön aus.

Hier gibt es noch einen Schnelldurchlauf von Tag 7:



Niederlande, Norwegen, Litauen

Aserbaidschan: Der Überraschungsgewinner?

Das Staging von Aserbaidschan wird so sehr gelobt, dass sich niemand traut, dagegen etwas zu sagen. Völlig Kritikfrei macht Aserbaidschan sein Staging unbeirrt so weiter, wie es das auch bei der ersten Probe getan hat. Mit diesem Staging fragen sich alle nur noch; "kann Aserbaidschan die Sensation von 2011 wiederholen?" Die Antwort darauf werden wir erst in einer Woche bekommen.





Nordmazedonien: Frauenpower pur

Nordmazedonien hat zwischen der ersten und zweiten Probe nichts an seinem Staging verändert, was auch so genau richtig ist. Trotzdem gab es wohl große Probleme mit irgendetwas, denn die Delegation hat nach der Probe alle weiteren Termine für den Tag abgesagt. Warum weiß keiner. Hoffen wir, dass nichts schlimmes passiert ist und wir in der Show alles genauso sehen, wie es alle so sehr beeindruckt hat.





Niederlande: Ein Piano im blauen Ozean

Die Niederlande hat an den Kritikpunkten aus der ersten Probe erfolgreich gearbeitet. Zudem wurde die LED-Screen-Show überarbeitet. Das blaue Etwas, das wir nun zu sehen bekommen, ist noch viel schöner geworden. Dazu erinnert es sehr an Wasser, an einen tiefen, blauen Ozean, in dem man sich gerade treiben lässt, allerdings ohne dabei wie Wasser auszusehen und das ist ziemlich hohe Kunst, die die niederländische Delegation da geschaffen hat. Zusätzlich wurde ein Licht auf das Piano integriert. Mal wird es voll beleuchtet, mal gar nicht, mal nur die eine Seite, mal nur die andere. Über diesen zusätzlichen Effekt teilen sich die Meinungen. Wir müssen abwarten, um zu erfahren, ob die Niederlande das beibehalten wird. Ebenfalls wurden ein paar "Special Effects" ergänzt, die zusammen mit der Musik, das Gänsehaut- und Tränenpotenzial noch weiter, enorm erhöhen. Damit bleibt die Niederlande weiterhin der größte Favorit darauf, den 64. Eurovision Song Contest 2019 Dare to Dream in Tel Aviv zu gewinnen!





Norwegen: Ein Ausflug nach Skandinavien

Nach der ersten Probe gab die norwegische Delegation bekannt, dass man das eigentliche Staging noch gar nicht ausgepackt habe. Vielleicht haben wir heute das gesehen, was wir auch in der Show zu sehen bekommen, vielleicht packt Norwegen aber auch noch einen drauf. Es gab eine neue, vielfältigere, LED-Screen-Show. Auf dieser sind jetzt nicht nur Berge und das Nordlicht, sondern auch verschiedene skandinavische Tiere und andere Dinge, die Skandinavien repräsentieren, zu sehen. Die Pyrotechnik wird viel mehr genutzt und das ist richtig, richtig gut geworden, die Kameraschnitte wurden perfektioniert. Norwegen feuert die Stimmung in der Halle so richtig an und bringt dem Zuschauer dabei drei Minuten lang die Kultur des Landes näher. Wir wissen, so etwas zieht beim ESC. Norwegen hat für diesen Beitrag ein ziemlich gutes Staging geschaffen.





Samstag, 11. Mai 2019

Albanien: Der Adler ist verflogen

Die albanische Delegation war nach der ersten Probe total unzufrieden und wollte vieles ändern. Gesehen hat man davon in der zweiten Probe nicht viel. Der mysteriöse Adler, von dem alle sprachen, war bei der ersten Probe nur für die Öffentlichkeit unsichtbar, nun ist er vollkommen verschwunden. Es heißt, dass er in der ersten Probe nicht richtig funktioniert hat. Ohne ihn fehlt ein gewisses Highlight in diesem Staging. Es wird immer noch viel zu wenig Pyrotechnik verwendet. Man merkt, dass die albanische Delegation einen Plan hatte, der nicht aufging. Jetzt stehen sie ohne Plan B da. Das Staging ist zu leer, es passiert für diesen kraftvollen Song zu wenig. Da hat es auch nicht viel geholfen die Backgroundsänger von den Seitenbühnen, auf die Hauptbühne zu stellen. Die hochgesteckten Haare finde ich übrigens richtig bescheuert, da war die Frisur aus der ersten Probe viel besser. Es fehlt Albanien an einer guten Idee und dem Beitrag an dem gewissen Etwas, das auch eine große Anzahl an Menschen, außerhalb der albanischen Diaspora anspricht. Das Staging aus dem Vorentscheid, mit der einprägsamen Choreographie, fand ich da um einiges besser. Ich bedaure es sehr, dass es danach aussieht, dass Albanien es nicht schafft, die Power des Songs auch mit dem Staging auszudrücken.