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Samstag, 21. Oktober 2017

Auswahlsysteme der Rundfunkanstalten/Sender What is Eurovision? - Love Love Peace Peace Teil 4/4

Nachdem wir nun geklärt haben wer am Eurovision Song Contest teilnehmen darf, wie das Regelwerk entstanden ist und verändert wird und was im Laufe eines ESC-Jahres passiert, bleibt nur noch übrig zu erklären wie die Beiträge für den ESC ausgewählt und produziert werden.

Wie du bereits im ersten Teil dieser Serie gelernt hast, sind es nicht Länder, sondern Rundfunkanstalten, die gegeneinander antreten. Wenn eine Rundfunkanstalt entscheidet am nächsten Eurovision Song Contest teilnehmen zu wollen, setzen sich die höchstgestellten der Rundfunkanstalt zusammen und überlegen sich wie sie zu dem Beitrag kommen wollen. Dabei gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten: einen Vorentscheid zu veranstalten, oder eine interne Auswahl durchzuführen. Man kann auch beide Versionen vermischen. Zu einem ESC-Beitrag gehören vor allem drei Aspekte; der Interpret (Sänger), der Komponist und der Song selbst. Bei der Auswahl des Beitrags kann man den Fokus auf eine dieser drei Komponente legen. Es ist auch möglich alles zu kombinieren und nur nach "Gesamtpaketen" auszuwählen.

Natürlich müssen auch andere Entscheidungen über den Beitrag gefallen werden, wie zum Beispiel wer Stage Designer, Kostüm Designer/Schneider, Hair Designer/Friseur, Choreograph, Delegationsleiter, Tänzer, Backgroundsänger u.ä. wird. Dies wird aber immer intern entscheiden nachdem der Beitrag in seiner endgültigen Fassung feststeht. Als Außenstehender bekommt man von der Wahl weiterer Personen um den Beitrag nichts mit. Schauen wir uns also die einzelnen Möglichkeiten einen Beitrag auszuwählen genauer an:

Vorentscheid:

Wenn man sich dazu entscheidet einen Vorentscheid zu veranstalten braucht man zunächst Teilnehmer. Dazu startet man als Rundfunkanstalt einen Aufruf sich zu bewerben. Ebenfalls muss festgelegt werden nach welchem System, sprich wie viele Runden/Shows/Teilnehmer/Anzahl der Weiterkommenden, der Vorentscheid abgehalten werden soll. Da sind der Kreativität und Anzahl an Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Auch die Art des Votings muss bestimmt werden.

Im Allgemeinen gibt es dabei zwei große Möglichkeiten; Televoting und Juryvoting. Es gibt auch die Möglichkeit andere Votingformen, wie zum Beispiel Online-Voting, Radiovoting, oder demoskopischem Voting, mit zu verwenden. Dies kommt allerdings eher selten und meist bei Festivals vor. Auch über das Gewicht des Votings muss entscheiden werden. Sollen die Zuschauer alleine entscheiden? Soll eine Jury alleine entscheiden? Haben beide Seiten jeweils gleich starkes Stimmrecht, oder soll das eine Voting dem anderen überwiegen? Wie stark soll das Voting gegenüber dem anderen überwiegen? Wie vergleicht man die Ergebnisse verschieder Votings? Wie soll die Jury abstimmen? Vergebe ich einfach Punkte? und für wie viele Punkte bekommt wer? Vergebe ich die Punkte nach den Platzierungen, oder sollen die Punkte verhältnismäßig entsprechend der erhaltenen Stimmen vergeben werden? Diesen und vielen weiteren Fragen muss man sich vor einem Vorentscheid stellen.

Logos von Vorentscheiden

Nun muss man nur noch entscheiden welche der Bewerbungen beim Vorentscheid antreten dürfen. Man kann beim Vorentscheid "Gesamtpakete", also fertige Songs inklusive dazugehörige Interpreten gegeneinander antreten zu lassen. Dann hat man mit dem Ende des Vorentscheides bereits den Beitrag fertig. Es gibt aber auch die Möglichkeit lediglich den Sänger auswählen zu lassen und anschließend einen passenden Song für diesen Interpreten intern auszuwählen oder zu produzieren, womit wir schon bei den internen Auswahlen angelangt sind.

Interne Auswahl:

Man kann auch einfach als Rundfunkanstalt komplett nach eigener Macht entscheiden welcher der Bewerber zum ESC fahren soll. Dabei kann man entweder Komponisten zum Bewerben aufrufen, oder einen Komponisten anheuern und dafür bezahlen dass dieser einen möglichst erfolgreichen Song komponiert. Dies wird meistens gemacht wenn zudem ein Vorentscheid durchgeführt wird, bei dem lediglich der Interpret ermittelt wird. Einen erfolgreichen Komponisten zu haben der sein Handwerk kennt ist sicherer um einen qualitativ hochwertigen Song zu haben, die Chance einen Glückstreffer unter zu landen, mit dem man den Wettbewerb gewinnen kann, ist aber viel geringer, als wenn hunderte oder tausende Songs eingereicht werden.

Natürlich kann man auch einen Interpreten auswählen und bitten das Land beim Eurovision Song Contest zu vertreten. Die meisten Sänger lassen sich die Chance nicht entgehen vor 200 Millionen Menschen drei Minuten lang Werbung für sich zu machen. Dann wird zu meist kombiniert, dass ein Komponist einen Song für diesen Interpreten schreiben soll, man kann aber auch nach Komponisten fragen die einen Song für diesen Interpreten schreiben und sich dann damit bewerben. Dies ist wiederum in Verbindung mit einem Vorentscheid möglich, bei dem der Interpret dann schon feststeht und nur noch der Song ausgewählt wird.

Es besteht ebenfalls die Möglichkeit dazu aufzufordern, dass Sänger sich als Sänger und Komponisten sich mit Songs bewerben und dann eine möglichst gute Kombination daraus zu finden. Die einfachste Form der internen Auswahl ist es nach fertigen Beiträgen zu suchen und dann den vermeintlich besten auszufischen und ihn zum ESC schicken. Du siehst, es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Wegen einen Beitrag für den Eurovision Song Contest auszuwählen oder zu produzieren. Viele Rundfunkanstalten haben ihr festes System nach dem sie jedes Jahr gleich auswählen. Andere denken sich jedes Jahr etwas neues aus und gehen dabei manchmal neue Wege, die man noch nicht gesehen hat, so ist zum Beispiel seit ein paar Jahren das Online-Voting zur Auswahl der Beiträge, oder eines Beitrages, für den Vorentscheid populär geworden, hat sich aber als technisch problematisch erwiesen und wurde nach und nach wieder verworfen. Am Ende kann man nur mit einem Glückstreffer gewinnen. Wie wahrscheinlich ein solcher Glückstreffer ist, hängt jedoch vor allem vom Auswahlsystem ab.

Auch wenn Vorentscheide lieber gesehen werden als eine Auswahl/Produktion hinter verschlossenen Türen, ohne Mitspracherecht der Bevölkerung, sind interne Auswahlen tendenziell erfolgreicher auf der ESC-Bühne, allerdings handelt es sich wirklich nur um eine Tendenz. Man kann mit beidem "ganz einfach" gewinnen oder letzter werden.

Was ein Beitrag haben muss um zu gewinnen verraten Måns Zelmerlöw und Petra Mede uns in dem zweiten der beiden namensgebenden Intervalacts dieser Serie. Im Jahr darauf hat aber ein Beitrag gewonnen, der keinen einzigen dieser Ratschläge befolgt hat... Ich hoffe du verstehst jetzt alles ganz genau was worüber ich hier auf dieser Seite schreibe und kannst genau so eine Passion für den Eurovision Song Contest entwickeln, wie ich es getan habe. Viel Spaß beim gucken des Videos und hoffentlich langem und intensivem Verfolgen dieser Website.

Love Love Peace Peace - Måns Zelmerlöw & Petra Mede

Samstag, 1. Juli 2017

Das ESC-Jahr What is Eurovision? - Love Love Peace Peace Teil 3/4

Nachdem wir nun geklärt haben wer überhaupt teilnehmen darf und welche Regeln diese Teilnehmer alle beachten müssen, kommen wir nun zum Wesentlichen Part, der den Alltag eines jeden großen ESC-Fan begleitet und hoffentlich auch dich begeistert. Heute schauen wir uns an was alles an aufregenden Sachen im Laufe eines ESC-Jahres passiert, bevor wir uns dann im letzten Teil auf die Songauswahlsysteme der Rundfunkanstalten stürzen und anschließend jedes ESC-Land einmal kurz vorstellen. Wenn du ESC-Fan bist und du gefragt wirst was du denn die ganze Zeit machst, wenn es doch nur ein mal im Jahr eine 3 1/2-stündige Show gibt, kannst du ihm gerne diesen Post zeigen.

Fangen wir einfach mal am Tag nach dem Finale an. Da die Delegationen schon zwei Wochen am Veranstaltungsort verbracht haben, fliegen sie spätestens zwei drei Tage nach dem Finale wieder zurück in die Heimat. Sehr erfolgreiche Teilnehmer werden dabei am Flughafen von Menschenmassen empfangen und für ihren Verdienst geehrt. Was eine sehr erfolgreiche Teilnahme ist, hängt sehr von der Nation ab. Während eine Top 5-Platzierung in Schweden als normal angesehen wird, bricht in San Marino das Chaos aus, wenn sie das Finale erreichen.

Nach einigen Tagen verfliegt der Hype der Gesellschaft über das große Kulturereignis ganz Europas. Dann ist es Zeit für die ersten Nationen zu entscheiden, ob sie im kommenden Jahr dabei sind. Zu Anfang gibt es dabei meist eher erwartete Ergebnisse, die spannenden Entscheidungen fallen dann später. Die EBU schickt an jeden teilnahmeberechtigten Sender eine Einladung zum kommenden ESC. Diese muss bis zu einem festgelegten Termin entweder mit einer Zusage, oder einer Absage offiziell beantwortet werden. Bis etwa Anfang Oktober beantworten nach und nach immer mehr Länder diese Einladung. Bei den meisten weiß man schon vorheer fast sicher wie diese Antwort ausfallen wird, bei manchen ist es aber ein Hoffen und Bangen, bis man dann endlich dass Ergebnis erfährt. Die höchste Teilnehmerzahl beträgt übrigens 43, die 2008 in Belgrad, Serbien und 2011 in Düsseldorf, Deutschland erreicht wurde (Stand 2017).

Die ESC-Länder mit ihrer Debutzeit

Gründe warum Wackelkandidaten nicht teilnehmen sind vor allem finanzielle, dass die Teilnahme nicht im Budget des Senders liegt. Es gibt aber auch protestbedingte Absager, die mit den Regeln oder ähnlichem nicht zufrieden sind. In manchen Fällen ist ein Land mit dem Gastgeber so verfeindet, dass sie nicht gewollt sind dort teilzunehmen, wie zum Beispiel Armenien 2012 in Aserbaidschan und Russland 2017 in der Ukraine. Manchmal ist das Interesse eines Senders auch einfach generell zu gering, wie es lange Zeit bei Tschechien und momentan bei der Slowakei der Fall war bzw. ist. Als ESC-Fan hofft man natürlich dass möglichst viele teilnehmen, besonders die Länder, die man aus eurovisionärer Sicht liebgewonnen hat und dessen Auswahlmodus, oder Musik man unbedingt dabei haben möchte.

Im Juni oder Juli wird dann meistens auch die Stadt und die Halle ausgewählt, in der der ESC im folgenden Jahr stattfinden soll. Der Name der Stadt ist ein Teil des offiziellen Namens des ESCs. Mit etwas Glück werden ab August sehr vereinzelt die ersten Sänger ausgewählt, die im Mai auf der ESC-Bühne für ihr Land performen werden.

Mit dem 1.September bricht für viele die neue ESC-Saison an. Ab diesem Tag können alle Songs, die veröffentlicht werden, rein theoretisch beim ESC antreten. Die meisten Länder rufen etwa zu dieser Zeit auch dazu auf sich für den ESC des nächsten Jahres zu bewerben. Meist gibt es dann irgendwann im Oktober oder November die endgültige offizielle Teilnehmerliste der EBU. Kurz vorher fallen noch ein paar spannende Entscheidungen über die Teilnahmen.

Bühne vom Festivali i Këngës für 2017

Dann wird es auch richtig spannend und viel mehr geschieht. Spätestens um Weihnachten herum gibt es mit dem "Festivali i Këngës" den ersten Vorentscheid. Damit gibt es dann auch den ersten Song, der im Mai antreten wird, obwohl dieser in der Regel noch umkomponiert wird, aber dazu mehr im nächsten Teil.

Im Januar merkt man dann, dass der ESC nicht mehr weit weg ist. Der Slogan des diesjährigen ESCs wird kurz nach der Jahreswende veröffentlicht. Somit hat man nun endlich den vollständigen offiziellen Namen. Mitte Januar, wenn die ersten Songs und einige Künstler schon feststehen, werden die Halbfinals ausgelost. Wer kommt in welches Halbfinale und tritt dort in welcher Hälfte an? Näheres zu dieser Auslosung habe ich bereits im letzten Teil geschrieben. Dies muss zu diesem Zeitpunkt festgelegt werden, weil es den gesamten Probenplan im Mai bestimmt. Erst wenn man den im Groben weiß, kann man sämtliche Sachen planen und durchführen. Dazu später mehr.

Ab Ende Januar bis Anfang oder Mitte März (je nach Termin vom ESC) ist die Hauptvorentscheidungszeit. Herzlichen Glückwunsch an jeden, der es schafft immerhin jedes Finale der Vorentscheide zu sehen. Zu dieser Zeit ist so viel in der ESC-Welt los, wenn du nicht allzu viel verpassen möchtest, wirst du dazu gezwungen sein fast deine komplette Freizeit mit dem ESC-Geschehen zu verbringen. Da ich nun auch erstmals darüber Bericht erstatten werde, habe ich noch keine Ahnung wie gut das alles klappen wird, ich gebe aber mein Bestes, um dich jeder Zeit über alles, lückenlos, auf dem Laufenden zu halten.

Der geschichtsträchtige Vorentscheidungsmoment mit Andreas Kümmert

Die Vorentscheide der Länder sind so unterschiedlich und vielseitig, dass man eigentlich unbedingt alles sehen möchte. Auch wenn das alles schnell in zeitlichen Stress ausartet, ist es doch eine wunderschöne Zeit im Jahr, in der die eurovisionäre Seele aufgeht und glitzert. Dann weiß man wofür man lebt und was Leben bedeutet. Emotionen und unerkäufliches Glück. Alles dank einer Idee, die 1956 entstand. Auch wenn du jetzt vielleicht noch neu bist in der ESC-Welt und dir überlegst, wie man bloß die Vorentscheide anderer Länder gucken kann, wenn du es einfach auprobierst und dich für neues und anderes öffnest, wirst du schon bald merken wie mitreißend und emotional das alles ist. Es gibt nicht ohne Grund eine sechsstellige Zahl an ESC-Fans, die genau das machen und es mit aller Passion lieben.

Mitte März gibt es dann ein großes Delegationstreffen, bei dem jedes Land seinen Beitrag in endgültiger Version, mit Preview Video bei der EBU abgeben muss. Zu diesem Zeitpunkt, seit wenigen Jahren noch ein paar Tage später, haben wir Fans dann auch alle Songs und können uns auf das uneingeschränkte Hören,, Ranglisten, Prognosen und allem möglichem weiteren stürzen.

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, an dem etwa 2/3 der Interpreten völlig überrascht sind welche Ausmaße der ESC hat. Die meisten Sänger kommen auf "Pre-Partys" zusammen. Das ist schwer zu erklären. Wer sich einfach mal Videos davon anschaut wird in etwa verstehen was das ist, wobei ich damit vor allem alles außerhalb der Auftritte meine. ESC-Journalisten reisen von einer Pre-Party zur nächsten und führen mit den Sängern Interviews. Bei diesen Pre-Partys lernt man die Persönlichkeiten der Interpreten super gut kennen und die ist bei den meisten total liebenswürdig. Ob man will oder nicht, die Persönlichkeiten der Sänger beeinflussen das eigene Ranking maßgeblich. Bei manchen mehr, bei anderen weniger. All die Sänger aus unterschiedlichen Ländern, mit unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlichen Sprachen zusammen zu sehen, wie sie Freundschaften über die Grenzen hinweg schließen, zusammen Spaß haben, feiern und die Zeit ihres Lebens haben, ist für uns Beobachter sehr ergreifend. Dabei kommt dieses unbeschreibliche ESC-Gefühl immer wieder auf. Wer das kennt weiß wovon ich rede, wer nicht sollte es unbedingt mal erleben. Sehr viele ESC-Fans sehen das als Highlight des ESC-Jahres und gar nicht den ESC an sich, weil es dauerhaft so glücklich macht. Man kann schwer beschreiben warum man ESC-Fan ist, oder was daran so toll ist, nur wenn man es selber alles ausprobiert wird man das verstehen und wenn man nicht der falsche "Typ" dafür ist wird man es lieben und nicht wieder von wegkommen. Es ist fast wie eine Droge, nur ohne Entzugserscheinungen und ohne die ganzen Probleme.

Logo der Pre-Party von Tel Aviv

Sobald die Bühne steht, proben Musikstudenten stellvertretend für die eigentlichen Sänger auf der ESC-Bühne, damit alles fertig vorbereitet ist, wenn die tatsächlichen Interpreten proben wollen. DIe wird "Stand-in rehearsals" genannt. Die Öffentlichkeit interessiert sich dafür eher weniger. Zwei Wochen vor dem Finale beginnt dann die Hauptprobenzeit. Diese wird auch hier zu einem der großen Kerne der Berichterstattung. Zwei Wochen lang wird auf der ESC-Bühne von morgens bis Abends geprobt bis zum Umfallen und es ist fantastisch! Proben klingt erstmal zwar langweilig und nicht sehenswert, wer sie aber schon einmal verfolgt hat, wird wissen dass es zwei Wochen sind, auf die man sich das ganze Jahr über freut.

Alle teilnehmenen Nationen schicken dann eine etwa 10-20 Personen starke Delegation zum ESC. Diese besteht aus folgenden Leuten: die an der Bühnenshow beteiligten Personen, wie zum Beispiel Sänger und Tänzer, oder was auch immer sich so ausgedacht wird und einem Delegationsleiter, der über alles einen Überblick haben muss und dafür sorgt, dass alle anderen Delegationsmitglieder nicht gestresst sind und sich auf die Proben konzentrieren können. Der Stagedesigner, der sich die Bühnenshow ausgedacht hat, wobei andere selbstverständlich Mitspracherecht haben. Meistens sind auch der Kostümdesigner und Schneider, Frisör, Make-Up-Artist und Menschen die ähnliche Aufgaben erfüllen dabei. Oft gibt es auch eine Begleitperson (für den Hauptinterpreten), der einfach im Allgemeinen für gute Stimmung sorgt, die für produktive Proben wichtig sind. Im Falle Deutschlands nimmt seit ein paar Jahren Bürger Lars Dietrich diese Rolle ein. Neben diesen Aufgabenträgern sind oft auch noch andere Personen, mit unterschiedlichem Wirken in den Delegationen vertreten.

Selbstverständlich haben die Delegationen in ihrer Heimat alles vorher schon fertig geprobt, dass man es nur noch aufführen müsste, wenn sie dann aber auf der Bühne proben, wird doch wieder ganz viel umgeworfen und verändert, weil es nicht perfekt oder eindrucksvoll genug ist. Dafür stehen jeder Delegation zwei Proben auf der echten ESC-Bühne zur Verfügung. Die erste beträgt 30 Minuten, die zweite 20 Minuten. Bei beiden Proben ist angesetzt den Auftritt drei mal durchzuspielen. Das klappt nicht immer so ganz, aber dafür hat man ja auch die Proben. Nach einer Probe geht es mit der gesamten Delegation dann in den Viewing Room. Dort schaut man sich erstmals an, wie alles am Fernsehbild wirkt. Dabei stellt man auch fest, was den hohen Ansprüchen nicht genügt und ändert in den meisten Fällen noch mal viel. Es kann auch an technischen Entscheidungen, wie zum Beispiel Kameraeinstellungen gefeilt werden. Anschließend gibt es noch eine sehenswerte Pressekonferenz beim Pressezentrum, von dem aus zahlreiche Journalisten unter Hochdruck arbeiten, um möglichst alles aufzufangen und an ESC-Fans weiterzugeben. Nach der zweiten Probe muss im Viewing Room auch über die beiden Ausschnitte für die Schnelldurchläufe (unterschiedlicher Länge) entschieden werden. Diese Entscheidung liegt also einzig und allein bei den Delegationen.

Schnappschuss einer Stand-in rehearsal

Bis jede Nation dieses Programm zwei mal durchlaufen ist, dauert es einige Tage. In der Zwischenzeit Proben die Delegationen die Bühnenshows noch mal intensiv in den Hotels. Wie du siehst ist jedes noch so kleine Detail bei einer ESC-Performance auf das Genaueste bestimmt. Das ist Show.

Es gibt auch jeden Abend ein paar Partys in der Stadt, bei denen die Sänger auftreten. Besonders bekannt sind der (offizielle) Euroclub und das Wiwijam von Wiwibloggs. Am Sonntag Nachmittag, vor den Shows gibt es den Delegationsempfang. Dabei laufen alle Sänger mit außergewöhnlicher Abendgarderobe über einen elendig langen Roten Teppich und geben unzählbar viele Interviews. Anschließend gibt es eine weniger sehenswerte Eröffnungszeremonie. Darunter ist allerdings keineswegs etwas ähnliches wie bei den Olympischen Spielen zu verstehen, sondern ein paar Reden, die gehalten werden müssen und un geprobte musikalische Gigs.

Montag bis Samstag gibt es dann jeden Tag zwei Shows, für die man Karten kaufen kann. Bei der ersten hält es sich immer um eine Generalprobe und bei der zweiten entweder um eine Juryshow, oder um eine der drei Liveshows, die im Fernsehen ausgestrahlt werden. Am Samstagabend kommt dann das Finale, auf das ein Jahr lang hingearbeitet wurde. Am Ende steht der Sieger und somit das Gastgeberland fest, welches schon auf der Pressekonferenz nach dem Finale von Jon Ola Sand mit den Vorbereitungen für das nächste Jahr konfrontiert wird. Die Delegationen fliegen wieder nach Hause und alles fängt von vorne an, nur unter anderen Bedingungen, Begenbenheiten, veränderten Vorgeschichten und ganz viel Vorfreude.

Die ESC-Jahresuhr

Das sind die wichtigsten Ereignisse in einem ESC-Jahr. So ganz nebenbei geschehen dann noch viele andere interessante Sachen. Wie schon erwähnt, kann man nicht wirklich erklären was daran alles so toll ist, aber es begeistert und erfüllt einen mit Lebensfreude. Es gibt viel mehr ESC-Fans als alle denken und du wirst dankbar sein, wenn auch du die Welt hinter der Show entdeckst und etwas neues Lebensbegleitendes findest, was du liebst und dich glücklich macht. Hab keine Angst vor Neuem, sondern sei bereit dafür dein Leben zu bereichern und schöner zu machen.

Zum Abschluss habe ich noch einen der beiden namensgebenden Intervalacts dieser Serie, in dem Måns Zelmerlöw und Petra Mede versuchen zu erklären was der Eurovision Song Contest ist, aber das sieht etwas anders aus, als bei mir. Viel Spaß beim gucken und Zurückerinnern.

What is Eurovision? - Måns Zelmerlöw & Petra Mede

Dienstag, 27. Juni 2017

Die Regeln vom ESC What is Eurovision? - Love Love Peace Peace Teil 2/4

Im letzten Teil wurde erklärt wer am Eurovision Song Contest teilnehmen darf. Im zweiten Teil schauen wir uns an was für Regeln diese Nationen bei einer Teilnahme beachten müssen. Danach wird dir einiges klar sein, warum die Dinge so sind, wie sie sind.

Fast alle Regeln haben einen geschichtlichen Hintergrund und sind im Laufe der Jahre aus den Problemen des Wettbewerbs entstanden. 1956, als alles in Lugano anfing, gab es nur 7 teilnehmende Länder. Um eine abendfüllende Sendung gestalten zu können, sollte jede teilnehmende Rundfunkanstalt zwei Beiträge stellen. Wie der Sieger ermittelt wurde ist unklar. Eine Jury hat nach einem unbekannten Votingsystem ihren Favoriten bestimmt. Die Stimmzettel wurden direkt nach der Auswertung verbrannt. Nur der Gewinner ("Refrain", Schweiz) wurde verkündet. Wie die anderen Plätze aussahen weiß keiner. Beim zweiten Grand Prix in Frankfurt am Main wurde das öffentliche Voting eingeführt, welches später das Herz der Sendung wurde. In jedem Land gab es zehn Jurymitglieder. Jeder vergab einen Punkt an seinen persönlichen Favoriten. Diese wurden dann gesammelt telefonisch abgegeben. Da man bereits zehn Teilnehmerländer hatte, gab es aus jedem Land nur noch einen Beitrag. Eine weitere, noch Heute elementare, Regel wurde eingeführt; das Siegerland muss den kommenden ESC austragen. Es ist möglich dieser Regel auszuweichen, aber jede Nation hat den Stolz dass sie es auf jeden Fall versuchen möchten, um Europa und der Welt zu zeigen was sie schaffen können.

Dass dieses Votingsystem nicht besonders gut ausgefeilt war, merkte man früh. Es gab immer lautere Kritik, auch weil immer nur die gleichen Länder gewannen. 1962 führ man ein neues Votingsystem ein. Es gab immernoch zehn Jurymitglieder pro Land. Diese stimmten weiterhin für ihren Favoriten ab. Das Land, dass die meisten Stimmen erhielt, bekam schlussendlich 3 Punkte. Das Land mit den zweitmeisten Stimmen 2 Punkte und das mit den drittmeisten Stimmen 1 Punkt. Bei Gleichstand wurden Stichwahlen durchgeführt. So war es nicht mehr möglich dass teilweise 9 oder alle 10 Punkte an das gleiche Land gingen, was eben dieses im Gesamtfeld auf eine völlig andere Platzierung gebracht hat.

Die erste Siegerin der Eurovision - mit unbekannter Punktzahl

Im Jahr darauf warf man dieses System wieder teilweise um. Die Top 5 jedes internen Ländervotings bekamen nun Punkte. 5 für den #1. Platz, 4 für den #2. und so weiter bis zu 1 Punkt für den #5. Platz. Auch das überlebte nicht lange. Im Folgejahr gab es wieder nur noch für die Top 3 Punkte; 5 für den #1. Platz, 3 für den #2. Platz und 1 für den #3. Platz. Wenn die zehn Jurymitglieder nur an zwei verschiedene Songs abgestimmt haben, gab es für den #1. Platz 6 Punkte und für den #2. Platz 3 Punkte. Wenn alle zehn Stimmen an das gleiche Land gingen, bekam dieses alle 9 Punkte gesammelt. 1967 kehrte man wieder zum ursprünglichen System zurück. Zehn Jurymitglieder pro Nation vergaben jeweils einen Punkt. Neue Regel: Mindestens fünf Jurymitglieder mussten jünger als 30 sein. Dadurch wollte man den Wettbewerb modernisieren.

1969 und 1970 folgten die großen Boykottjahre. Es gab immer mehr Kritik an dem Wettbewerb. Zu viele Punktgleichstände und somit Platzierungsteilungen waren ein Hauptproblem. Ebenfalls wurde stark kritisiert dass der Wettbewerb nicht mit der Zeit geht und sich dringend modernisieren muss. Der stärkste Kritikpunkt war, dass immer die gleichen Länder gut abgeschnitten haben und immer die gleichen hinten landeten. Dass 1969 vier Nationen (Großbritannien und Nordirland, Frankreich, die Niederlande und Spanien) mit einem Punktegleichstand von 18 Punkten, sich den Sieg teilten, brachte das Fass zum überlaufen. Der Eurovision Song Contest musste revolutioniert werden. Auch wenn diese beiden Jahre zu den dunkelsten Zeiten vom ESC gehören, müssen wir dem Ganzen Heute sehr dankbar sein, denn durch diesen krassen Boykott haben wir heutige, grundlegende, wichtige Regeln. Während 1968 noch 17 Länder teilnahmen, waren es 1970 nur zwölf. Damals feierte Irland, das bisher sehr erfolglos war, seinen ersten Sieg. Niemand hat geahnt zu was für einer Großmacht diese Nation später aufsteigen wird.

Das Votingsystem wurde aufgrund des Boykotts grundlegend geändert. Die Jurys saßen nun vor Ort in der Veranstaltungshalle und haben direkt nach jedem Auftritt eine Wertung für dieses Land abgegeben. Diese Wertungen wurden später einzeln dem Zuschauer präsentiert. Jedes Land hatte nur noch zwei Jurymitglieder. Eines musste jünger als 25 sein, eines älter. Außerdem mussten beide einen Altersunterschied von mindestens fünf Jahren haben. Wichtig war, dass ganz normale Leute aus der Bevölkerung abstimmen sollten. Ob Klempner. Lehrer oder Rentner, das Volk sollte entscheiden, nicht irgendwelche Musikprofessoren. Als Jurymitglied musste man jedem Land mindestes 1 und höchstens 5 Punkte vergeben. Dadurch gab es viel mehr Punkte und Platzierungsteilungen wurden vermieden. Hauptproblem von diesem System war, dass nicht festgelegt wurde, wie oft man wie viele Punkte vergeben musste. So kam es dazu dass einige Jurymitglieder fast immer nur 1 Punkt vergaben, um das eigene Land weiter nach vorne zu bringen. Zum Folgejahr änderte man nur, dass die Jury in einem abgesonderten Raum saß. Es war das erste Jahr, in dem es keinen Punktegleichstand gab.

Das Scoreboard während des Votings von 1970

Wer sich Videomaterial von damals anschaut wird schnell merken, dass dieses Abstimmungsverfahren nicht lange überleben konnte. Nach langen Diskussionen entschied man sich 1974, zwei Tage vor dem Wettbewerb, dafür zum alten System zurückzukehren. In jedem Land saßen wieder zehn Jurymitgleider, von denen jedes eine Stimme hatte. Die Diskussionen darum wurden immer lauter. Schließlich entwickelte man 1975 das geniale Votingsystem, das den Eurovision Song Contest zu der erfolgreichen Show gemacht hat, die sie heute ist. "Douze points" oder "twelve points" wurde zum Markenzeichen der Sendung. In jedem Land saßen nunmehr elf Jurymitgleider, die demokratisch die zehn besten Acts wählten. Anschließend setzten sie sich zusammen und entschieden im gemeinsamen Einvernehmen, wer denn wie viele Punkte erhalten soll. Es galt das 12 - 10 - 8 ... 1-Prinzip. Alle waren nun endlich zufrieden. Dass ein Land mit null Punkten endet geschah nun auch nur noch in Ausnahmefällen, aber damit kennen wir Deutschen uns ja aus...

Der Wettbewerb wurde immer beliebter. Immer mehr Länder wollten teilnehmen. Da zu viele Songs den Rahmen der Abendsendung sprengen würden, legte man die Teilnehmerzahl zunächst auf 25 fest. Die Länder mit den schlechtesten Ergebnissen in den letzten Jahren mussten immer aussetzen. Später verkürzte man das Feld auf 24. 1996 führte man die Vorqualifikation ein. Jedes Land das teilnehmen wollte, sollte auch einen Beitrag stellen dürfen. In einer Qualifikationsrunde, die selber nicht wirklich zum ESC gehörte, mussten sich die 22 Teilnehmerländer mit ihren Beiträgen qualifizieren. Der Gastgeber war als Teilnehmer gesetzt. Weil man 24 Songs als zu lange empfand, reduzierte man die Zahl erneut um 1. Eines der 7 Länder, das die Qualifikation nicht schafft, war Deutschland. 1996 ist das einzige Jahr, in dem wir keinen Beitrag beim ESC hatten. Dass Deutschland nicht teilgenommen hat, hat den ESC wirtschaftlich fast in die Ruinen getrieben. So etwas durfte nicht noch mal geschehen., sonst ist es aus mit dem Fest für Frieden in Europa.

Daraufhin beschloss man die Big 4 bzw. Big 5-Regel. Die vier wichtigsten Länder für den weiteren Bestand vom ESC; Deutschland,Großbritannien und Nordirland, Frankreich und Spanien, waren jedes Jahr als Teilnehmer gesetzt und mussten sich nicht erst qualifizieren. Ohne die Big 5-Regel würde der ESC nicht mehr existieren! Natürlich ist das nicht ganz gerecht, aber besser so, als gar nicht. Der Gastgeber war ebenfalls immer als Finalist gesetzt.

Die Big 5 - immer im Finale dabei

1997 gab es schon den nächsten Meilenstein im Regelwerk vom ESC. Man hat aus den Boykottjahren gelernt und möchte so etwas nicht wiederholen. Jedes Jahr wenn sich die EBU zusammensetzt und das gesamte Regelwerk überarbeitet, stehen dabei die 1956 festgelegten Grundsätze im Vordergrund. Diese habe ich im ersten Teil näher erläutert. Seit 1971 steht jedoch auch der Mut zu Veränderungen im Fokus. Weil man 1 1/2 Jahrzehnte nicht viel geändert hat, ist die Show veraltert. Damit dies nicht noch mal passiert, achtet man im Regelwerk darauf modern zu bleiben/werden. So wurde z. B. auch das Orchester abgeschafft, da es einfach nicht mehr in eine moderne Musikshow passte.

1997 wollte man nun die Völker Europas entscheiden lassen. Alle sollten abstimmen und nicht nur eine vorweg ausgewählte Minderheit. Inzwischen gab es entsprechende technische Möglichkeiten, also fuhr man das Televoting ein. Jedes Land konnte für sich selber entscheiden, ob sie eine elfköpfige Jury, oder das ganze Volk per Televoting abstimmen lassen. Nur Deutschland, Großbritannien und Nordirland, Österreich, Schweden und die Schweiz entschieden sich für die Demokratie. In den anderen 20 Ländern wurden die 12-1 Punkte weiterhin mit einer Jury ermittelt. 1998 sah das schon ganz anders aus. Nur Irland, Rumänien, die Türkei und Ungarn wendeten noch eine Jury an. Alle anderen 21 Nationen führten ein Televoting durch. Seit Einführung des Televotings sehen die Platzierungen der Länder ganz anders aus. Es ist viel abwechlungsreicher, wer vorne mit dabei ist und wer sich mal unten blamiert. Tendenziell sind es aber ganz andere Nationen, als vorher, die den Wettbewerb dominieren. 1999 waren es Bosnien-Herzegowina, Irland, Litauen und die Türkei, die eine Jury über die Punkte entscheiden ließen. 19 Länder stimmten mit einem Televoting ab.

1999 wurde ebenfalls eine entscheidende Regel abgeschafft; jedes Land konnte nun in einer beliebigen Sprache singen. Man musste nicht mehr bei der Amtssprache des Landes bleiben. Wenn man den ESC in Epochen einteilt, sehen viele dies als den Start der aktuellen Epoche an. Die Qualität der Musik hat sich durch die Aufhebung dieser Regel stark verbessert. Dabei hat man sich gegen die Grundsätze und für die Modernisierung entschieden. Bis heute gibt es durchaus geteilte Meinungen über diese Regeländerung.

Auch das Scoreboard wird immer moderner hier von 1999

Ab 2000 war das Televoting dann für alle Länder Pflicht. Nur wenn dies technisch nicht möglich war, musste eine Jury als Ersatz her. Dies geschah in der ehemals jugoslawischen Republik Mazedonien, Rumänien, Russland und der Türkei. In der Niederlande wurde die Ausstrahlung abgebrochen. Breaking News aufgrund eines Großbrandes waren wichtiger. Spontan stellte der niederländische Rundfunk elf Angestellte als Jury, die die gesamte Sendung sahen.

Die Jury gab es schon seit Anfang an. Man wollte sie nicht komplett verbannen. Deswegen entschied man sich 2001 für ein jeweils 50%iges Jury- und Televoting. Dabei wurden zwei individuelle Ranglisten aller Länder (Platz 1-22) erstellt. Die Platzierungen der beiden Ranglisten wurden addiert. Die zehn Länder mit den niedrigsten Summen bekamen die Punkte 12-1. Bei gleicher Summenzahl überwog die Platzierung im Televoting. Man konnte sich als Nation optional auch für ein 100%iges Televoting entscheiden. Dies sollte eigentlich Ausnahme sein, wurde jedoch von 17 Ländern praktiziert. Nur Griechenland, Kroatien und Malta führten das kombinierte Voting durch. Bosnien-Herzegowina, Russland und der Türkei fehlten die technischen Möglichkeiten. Dort gab es reines Juryvoting.

2002 führten 12 Länder ein reines Televoting. Fünf Länder mussten aufgrund fehlender technischer Mittel ein Juryvoting durchführen. Nur 7 entschieden sich für das eigentlich angedachte geteilte Voting. Was nicht funktioniert wird wieder abgeschafft. 2003 sollten alle, bei denen es möglich ist, nur noch mit Televoting abstimmen. 23 Länder taten dies. Bosnien-Herzegowina, Irland und Russland mussten auf eine Jury zurückgreifen. Um die Punkte aus Irland gab es lange Diskussionen. Das Televoting wurde nicht gewertet, weil nicht genügend Zeit in der Auswertung zur Verfügung stand. Zur Sicherheit gab es in jedem Land eine Jury, dessen Voting als Ersatz dienen sollte, falls das Televoting, aus welchem Grund auch immer, nicht gewertet werden kann. Die entscheidung der irischen Rundfunkanstalt war regelkonform, dennoch beschwerte sich Russland, welches an Stelle von Belgien #2. geworden wäre, wenn das Televoting gewertet worden wäre. Die Regeln sind so wie sie sind, entsprechend gilt Russland 2003 "nur" als Drittplatzierter, mit einem Punkt weniger als Belgien und drei Punkten weniger, als die Türkei. Am Sieg hätte das Irische Televoting nichts geändert.

San Marino hat kein eigenes Telefonnetz und bis 2016 immer 100%iges Juryvoting

Ab 2004 gab es nur noch reines Televoting. Die Regeln für einen Punktgleichstand wurden ebenfalls geändert. Das Land, das aus mehr verschiedenen Ländern Punkte erhalten hat, sollte die bessere Platzierung bekommen. Wenn dieses Kriterium gleich war, galt das Land als besser, welches öfter 12 Punkte erhalten hat. Dann wer öfter 10 Punkte bekam u.s.w.. Wenn totaler Gleichstand herrschte, gab es eine geteilte Platzierung. Weil immer so viele interessierte Länder aussetzen mussten, führte man das Halbfinale ein. Die ersten 10 Länder zogen zu den anderen 14 gesetzten Ländern, mit besseren Ergebnissen in den letzten Jahren, ins Finale ein. Die Plätze 11-22 wurden inklusive Punktzahl direkt im Halbfinale verkündet. Die ersten zehn Platzierungen wurden nach dem Finale veröffentlicht, um die Spannung zu halten und das Ergebnis nicht zu beeinflussen.

2008 erweiterte man das Feld auf 2 Halbfinals. In jedem Halbfinale waren nur die teilnehmenden Länder und die Hälfte der Pre-qualifizierten Länder stimmberechtigt. Die 9 bestplatzierten Länder zogen in das Finale ein. Ein weiterer Platz wurde in beiden Halbfinals an das in Juryvoting bestplatzierte, noch nicht weitergekommene, Land vergeben. Alle Ergebnisse der Halbfinals wurden erst nach dem Finale veröffentlicht.

Das sogenannte Freundschaftsvoting geriet außer Kontrolle und dominierte zu stark. Um das wieder zu mindern, führte man ab 2009 die Jurys wieder ein. Jedes Land musste das 2002 und 2003 angesetzte, geteilte Voting durchführen. Großer Unterschied war, dass es nur noch fünf Jurymitglieder pro Nation gibt, die nur zur Hälfte nach persönlichem Geschmack und zur Hälfte nach vorgegebenen Kriterien abstimmen müssen. Außerdem gibt es sämtliche Ansprüche, die die Jurymitglieder erfüllen müssen. U.a. dass sie eine musikalische Profession haben müssen und in Alter, Geschlecht u.ä. sehr unterschiedlich sein müssen, um ein gesamtes Volk repräsentieren zu können. Jedes Jurymitglied macht seine eigene Rangliste aller Nationen. Dabei darf sich nicht abgesprochen werden. Als Jurymitglied darf man sich auch nicht äußern, wie man zu einem Beitrag steht. Andernfalls folgt eine Suspendierung des Amtes. Die Platzierungen der Ranglisten werden addiert. Je kleiner die Summe, desto höher die Platzierung. Bei Gleichstand entscheidet die Wertung des zuvor festgelegten Jurykopfes. Anschließend werden, wie schon 2002 und 2003 das Juryvoting und Televoting kombiniert. 2010 wurde nur geändert, dass die 10 Bestplatzierten aus den Halbfinals weiterkommen (und nicht mehr 9+1 von der Jury).

Lena bei ihrem Versprecher 2013

Seit 2014 werden die "split Votings" direkt nach dem Finale veröffentlicht. Jeder kann nun bis auf's kleinste Detail die Wertung jeden Jurymitgliedes einsehen und auch alle Platzierungen im Televoting aus jedem Land nachschauen. Hauptgrund dafür waren Gerüchte über Bestechungen mancher Jurymitglieder. Wer also behauptet dass Stimmen erkauft werden, braucht nur einmal in die Listen gucken und sieht dass es nicht so ist. 2016 gab es dann die größte Änderung am Votingsystem seit 1971. Das Tele- und Juryvoting werden nun nicht mehr kombiniert, sondern einzeln gezählt. Jedes Land vergibt somit zwei mal die 12-1 Punkte. Ein mal für die Top Ten der nationalen Jury und ein mal für die Top Ten des nationalen Televotings. Damit kann ein Land bis zu 24 Punkte an ein anderes geben. Hauptgrund dafür dürfte sein dass Schweden Gastgeber war und Jon Ola Sand die letzte 3/4 Stunde der Show "unterhaltsamer" machen wollte. Er hat es geschafft, dass das Votingprinzip des Schwedischen Vorentscheides "Melodifestivalen" auch bei der Eurovision angewendet wird. Diese Änderung des Systems ist durchaus sehr umstritten. Viele sehen es als den größten Fehler in der Geschichte der Eurovision an. Warum sollte man auch etwas ändern was seit fast einem halben Jahrhundert wunderbar funktioniert und den ESC zu der größten Fernsehshow der Welt gemacht hat?

Neben dem Votingsystem gab es auch viele andere Regeln die sich verändert und angepasst haben. Ein kleiner Überblick über ds wichtigste, was man als ESC-Fan wissen sollte, folgen hier. Teilweise waren diese Regeln vor wenigen Jahren noch anders. Alles beruht auf dem Stand vom 62. Eurovision Song Contest 2017 Celebrate Diversity in Kiew. Trotz aller Bemühungen auf Richtigkeit, sind alle Angaben auf dieser Website ohne Gewähr.

2011 hat man es geschafft Italien zu überreden zum ESC zurückzukehren. Zuletzt waren sie 1997 dabei. Dabei stellte Italien einige Bedingungen. U.a. dass sie zu den Big 4 aufgenommen werden. Deswegen sind seit 2011 nicht nur Der Gastgeber (i.d.R. auch Titelverteidiger), Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Nordirland und Spanien, sondern auch Italien direkt für das Finale gesetzt. Diese Länder werden der Einfachheit halber auch "Big 5" genannt.

Für das eigene Land kann nicht abgestimmt werden.

Bei der Startreihenfolge der Halbfinals wird im Januar ausgelost wer in der ersten und wer in der zweiten Hälfte antreten muss. Wenn die Beiträge vollständig feststehen wird nach dramaturgischen Kriterien von Produzenten und Wissenschaftlern die genaue Reihenfolge entschieden. Anschließend wird noch von Unabhängigen überprüft, ob dies ausschließlich unparteilich geschah. Gleiches Prinzip gilt für das Finale, mit dem Unterschied dass die Auslosung(en) auf den Pressekonferenzen der Veranstaltungshalle durchgeführt wird.

Die Jury stimmt in den Juryhalbfinals und dem Juryfinale, jeweils am Abend vor der TV-Show, im eingenen Land ab. Die Show wird ihnen per verschlüsseltem Satellitensignal übermittelt. Das Televoting erfolgt in einem 15-Minütigen Zeitfenster während der Show, nach der Performance aller Länder.

Bei technischem Versagen, oder anderen Gründen, die kein Regelerfüllendes Televoting hervorbringen können, wird das Televoting durch einen Querschnitt zuvor festgelegter Länder ersetzt. Die Liste dieser Länder soll ganz Europa gut repräsentieren und wird jedes Jahr auf Grundlage der Votingergebnisse der vergangenen Jahre neu erstellt.

Wenn die unabhängigen, verantwortlichen "Schiedsrichter" Regelverstöße beim Juryvoting beobachtet haben, wird dies Ebenfalls durch einen zuvor festgelegten Querschnitt ersetzt. Seit Einführung dieser Regel (2016) kam es nie zu einem solchen Fall. In den Jahren zuvor gab es fast immer mindestens ein ungültiges Juryoting. Bis dahin zählte für das entsprechende Land zu 100% das Televoting. Gleiche Regelung galt andersherum beim Televoting.

Die Einteilung der Halbfinals wird ausgelost. Dabei werden die Länder von Wissenschaftlern in Töpfe eingeteilt, entsprechend ihrem Votingverhalten der vergangenen Jahre. Dies wird getan um "Freundschaftspunkte" möglichst zu meiden. Entgegen "Freundschaftspunkten" gibt es seit 2009 immer mehr Regeln. Viele sehen es als eines der Hauptprobleme des ESC's an.

Alle die direkt an der Bühnenshow beteiligt sind, sprich auf der Bühne stehen, oder live hinter der Bühne singen, müssen am Tag ihres Halbfinals mindestens 16 Jahre alt sein. Andere Mitglieder der Delegationen dürfen auch jünger sein. In der Praxis kommt dies aber nicht vor.

Jeder der direkt an der Bühnenshow, oder dem Playback beteiligt ist, darf nur für ein Land antreten. Alle anderen dürfen in mehreren Delegationen vertreten sein. Dies kommt vor allem bei Komponisten und Stage Designern vor.

Es dürfen höchstens sechs Personen direkt an der Bühnenshow beteiligt sein. Diese Regel hat historisch gesehen sehr große Bedeutung. Anfangs waren nur Solokünstler erlaubt. Bis heute ist die Personenbegrenzung eine der meistdiskutierten Regeln. Die Zahl von sechs Personen wird in fast jedem Fall komplett ausgenutzt, wobei davon oft nicht alle auf der Bühne stehen.

Lebende Tiere sind nicht erlaubt.

Der Auftritt muss mit Halbplayback vollzogen werden.

Die Länge des Musikstücks ist auf 3 Minuten und (gerundet) 3 Sekunden begrenzt.

Der Song mit dem angetreten wird, darf nicht vor dem 01.09. des Vorjahres veröffentlicht worden sein. Diese Regel führt jedes Jahr zu sämtlichen Disqualifikationen in den Vorentscheiden. Sie ist auch deutlich genauer definiert. Für Streitfälle bitte in das offizielle Regelwerk der EBU schauen.

Bis zu einem festgelegten Termin (im März) muss der Song in seiner endgültigen Fassung, inklusive Preview Video und Bühnenshowkonzept bei der EBU auf einem Delegationstreffen eingereicht werden. Für die gesamte Konkurrenz muss das Material ab diesem Zeitpunkt einsehbar sein.

Die Sprache in der gesungen wird darf frei entschieden werden. Es dürfen auch mehrere Sprachen oder eine Fantasiesprache gesungen werden. Gesang muss nicht zwingend enthalten sein. Im Falle von keinem Gesang muss mindestens ein Instrument live gespielt werden.

Jegliche Gesten, Symbole, Songtexte u.ä., die Werbung für Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen machen, sind im Rahmen der gesamten Veranstaltung untersagt.

Jegliche Gesten, Symbole, Songtexte u.ä., die eine politische Aussage oder Botschaft enthalten, sind im Rahmen der gesamten Veranstaltung strengstens untersagt und werden mit hohen Strafen belegt.

Wenn eine Rundfunkanstalt einen Regelverstoß sieht, der von der EBU nicht geahndet wird, kann dieser Klage einlegen. Die EBU überprüft dann den eventuellen Regelverstoß und handelt entsprechend.

Offizieller Gewinner des Eurovision Song Contests ist der Komponist bzw. die Komponisten des Gewinnersongs.

Jede Rundfunkanstalt, die teilnehmen möchte, muss eine Teilnahmegebühr bezahlen, um den ESC finanzieren zu können. Die EBU ist ein non-Profit-Untrnehmen. Am Jahresende machen sie weder Gewinne noch Verluste. Die Startgelder decken lediglich die benötigten Kosten ab. Die Kosten zur Erstellung des Beitrages, muss jede Rundfunkanstalt eigenständig bezahlen. Dazu gehören u.a. auch Flug- und Hotelkosten und das Erstellen der Kostüme und Bühnenbild. Diese "Nebenkosten" sind in den meisten Ländern höher, als die Teilnahmegebühr. Welches Land wie viel bezahlen muss hängt davon ab wie intensiv die Rundfunkanstalt die Angebote der EBU nutzt. Dazu gehören vor allem Nachrichtenmaterial und die Rechte für Sportübertragungen. Die Wirtschaft des Landes spielt auch eine Rolle. Für alles gibt es Punkte, die die Länder im Laufe des Jahres ansammeln. Der benötigte Betrag wird prozentual auf die Punkte verteilt. So kommen teilweise sehr unterschiedliche Kosten zustande. In seltenen Fällen geben die Rundfunkanstalten ihre Teilnahmegebühr bekannt.

So musste z.B. Montenegro 2012 nur 23.000 € Startgeld bezahlen, die Niederlande 2016 hingegen 250.00 €. Für die Big 5-Mitglieder gibt es einen großen Aufschlag. Dafür sind sie jedes Jahr sicher im Finale. Deutschland bezahlte, bis Australien dazu kam, immer am meisten. 2015 waren es 363.500 €. 2017 380.000 €. Für den höchsten Betrag muss jedoch die gastgebende Rundfunkunion aufkommen. Dieser ist immer siebenstellig.

Ein Sieg ist teuer - Die Bühne von Düsseldorf

Viele Länder sehen den ESC gar nicht als finanzielle Belastung an. Oft bringt er mehr Geld durch mehr Touristen ins Land, als er gekostet hat. Es ist eine tolle Möglichkeit sein Land für die Öffentlichkeit zu präsentieren. In Deutschland freut man sich weniger über das Touristenaufkommen und mehr über den günstigen Unterhaltungsabend mit Rekordeinschaltquoten. Das Geld das die ARD für den ESC ausgibt ist weniger, als sie für manch eine andere Show ausgeben müssen. Es füllt sieben Stunden Live-Unterhaltung an einem Samstagabend und beschert einen Marktanteil, den nur Fußballspiele toppen können. Kritik daran dass es zu viel kostet kann die ARD nicht nachvollziehen. Anderes kostet mehr und hat einen viel kleineren Effekt. Außerdem stärkt es das Identitätsgefühl der Deutschen, was eine der Hauptaufgaben von öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten ist. Durch das zusammenarbeiten so vieler Rundfunkanstalten erzeugt man eine Show mit unschlagbarem Unterhaltungsgrad. Dazu möchte und muss man ebenfalls beitragen. Egal welche Ergebnisse Deutschland erzielt, sich vom ESC zurückzuziehen ist keine Option.

Ich hoffe dass du Entscheidungen beim Eurovision Song Contest nun besser verstehst, weißt warum das Votingsystem so ist, wie es ist, und immer im Auge hast, dass Regeln und Entscheidungen auf den Grundsätzen des Wettbewerbs aufbauen. Im nächsten Teil erkläre ich was für Phasen das ESC-Jahr hat und was alles passiert. Das ist viel mehr als du dir jetzt vielleicht noch denkst. Dann kannst du dich darauf freuen wenn der leere Sommer vorbei ist und es haufenweise neue Nachrichten gibt, über die ich selbstverständlich mit Passion berichten werde.

Zum Abschluss habe ich noch passend zum Punktesystem den "12 Point Song", der beim ESC 2014 eingespielt wurde und von den damaligen Moderatoren Nikolaj Koppel, Pilou Asbæk und Lise Rønne gesungen wird.

12 Point Song - Nikolaj Koppel, Pilou Asbæk & Lise Rønne

Samstag, 17. Juni 2017

Wer darf am ESC teilnehmen? What is Eurovision? - Love Love Peace Peace Teil 1/4

Wie mehrfach angekündigt, werde ich in der ersten "Eurovision Post Depression" auf diesem Blog in Detail genaustens erklären was der Eurovision Song Contest ist und wie alles funktioniert, damit jeder die Berichterstattung versteht und sich daran erfreuen kann. Du wirst merken dass alles einen viel größeren Umfang hat, als du denkst. Vielleicht entdeckst du dabei ja auch deine Passion zu diesem wundervollen Fest.

Im ersten von 4 Teilen erkläre ich wie der ESC entstanden ist, wer die Entscheidungen über Regelwerk und Ähnliches trifft und wer teilnehmen darf. Dass Länder wie Israel, Georgien und Australien dabei sind, hat keinerlei politische Gründe. Überhaupt hat Politik mit dem Eurovision Song Contest wenig bis gar nichts zu tun, aber eins nach dem anderen.

Wir schreiben den 12. Februar 1950 in Torquay, England. 23 Rundfunkanstalten schließen sich zur "European Braodcasting Union" zusammen, kurz EBU. Das Ziel dieser "Europäischen Rundfunkunion" war es den Nachrichtenaustausch in Europa zu vereinfachen und technische Entwicklungen zu fördern. Außerdem wollte man eine Stadardisierung der technischen Mittel herstellen. Heute ist ebenfalls das Vergeben von Übertragungsrechten v.a. bei Sportveranstaltungen in der Hand der EBU. Wer Olympische Spiele, Fußball-WM und co. zeigen darf und wer nicht, wird am "Runden Tisch" in Genf entschieden, wo der Sitz der EBU ist.

Logo der EBU

Drei Jahre später gab es weltweit die erste internationale Livesendung; die Krönung von Elisabeth II., nur ermöglicht durch die EBU. 1956 wollte die EBU, die unter ständigem Mitgliederzuwachs stand, eine Sendung produzieren, die den Frieden in Europa fördern sollte. Wichtigstes Kriterium dieser Sendung war, dass sie vollkommen unpolitisch sein soll. Außerdem war es wichtig, dass Länder sich repräsentieren sollten, mit denen die Zuschauer der Sendung sich identifizieren können. Wie bei den Olympischen Spielen sollte es einen friedlichen Wettkampf geben, der zeigen soll, dass man sich auch gänzlich ohne Krieg miteinander messen und feiern kann. Die Vielfalt Europas sollte in glänzendem Licht präsentiert werden.

Man entwickelte den Grand Prix de la Chanson, der später in den Eurovision Song Contest umbenannt wurde. Der Name setzt sich übrigens aus den Wörtern "Europe" - Europa und "Television" - Fernsehen zusammen. Es war ein riesiger Erfolg. Keiner hätte ahnen können welche Beliebtheit und Bedeutung dieser Wettstreit des Friedens bekommen konnte.

Hauptaufgabe der EBU ist immernoch der Nachrichtenaustausch und die Förderung der technischen Entwicklung bezüglich des Rundfunks. Ohne die EBU würden Tagesschau und die Qualität des Fernsehens auf der ganzen Welt heute völlig anders sein. Es ist eine der wichtigsten Organisationen der Welt, aber dennoch unbekannt, da sie im Hintergrund arbeitet und ihre Erfolge als Gewinn der Allgemeinheit angesehen werden. Wir schauen uns nun aber den dritten großen Bereich der EBU an - den Eurovision Song Contest.

Mit diesem Bild fing alles an

Bei der ersten Ausgabe von 1956 gab es nur 7 Teilnehmerländer. Kaum vorstellbar, wenn man den Wettbewerb schon mit 43 Ländern erlebt hat. Doch wer durfte damals teilnehmen und warum? Die EBU hat beschlossen, dass aus jedem Land eine Rundfunkanstalt, die Mitglied in der EBU ist, teilnehmen darf. Deutschland wurde 1952 Mitglied der EBU. Die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, trat der Union mit BR, hr, MDR, NDR, RB, rbb, SR, SWR, WDR, DW und DLR bei. Heute ist der NDR für den ESC zuständig. 1953 folgte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), welches bis heute keine Befugnis zum ESC hat. Es kann nicht jeder Fernsehsender einfach so Mitglied werden. Nicht nur dass eine Mitgliedsschaft dauerhaft laufende Kosten beinhaltet, die nur schwer zu bewältigen sind, eine Rundfunkanstalt muss auch alle harten Kriterien erfüllen, die die EBU vorsieht. Genau hier kommen wir zum Knackpunkt dessen, warum Aserbaidschan beim ESC ist, aber Liechtenstein nicht teilnehmen darf.

Einer der Grundvorraussetzungen für die Mitgliedsschaft, ist es innerhalb der europäischen Grenzen zu liegen. Diese hat die EBU bei der Gründung 1950 nach ganz eigenen Maßstäben festgelegt. Im Norden zählt das Europäische Nordmeer als Grenze, im Westen der Altlantische Ozean. Soweit so gut. Im Osten sind die Grenzen Europas umstritten. Alleine schon das Gebirge Ural als geographische Grenze zu zählen, macht eine genaue Linie zu ziehen unmöglich. Man hat sich darauf geeinigt 40° östliche Länge als Grenze zu nehmen. Der Ural verläuft bei etwa 50-60° östlicher Länge. Im Westen geht die geographische Grenze zwischen den türkischen und griechischen Inseln bis zu etwa 25° östlicher Länge. Die südliche Grenze der EBU muss man weiter erläutern.

1950, als die Grenzen festgelegt wurden, waren Algerien, Marokko und Tunesien noch Kolonien Frankreichs und gehörten somit zum Staatsgebiet der wichtigen EBU-Nation. Die Rundfunkanstalten ENTV, ENRS und TDA aus Algerien, sowie SNRT aus Marokko, gehören zu den Gründungsanstalten der EBU, somit war man bei der Entstehung doppelt gezwungen die südliche Grenze südlich genung zu legen. Man entschied sich für 30° nördliche Breite.

ehemaliges Staatsgebiet Frankreichs

Somit liegen Marokko und Tunesien, die zwei Monate vor dem ersten ESC unabhängig wurden, Algerien, das 1962 unabhängig wurde, Ägypten und Libyen innerhalb der EBU-Grenzen und sind Vollmitglieder, obwohl es sich eigentlich um afrikanische Staaten handelt. Sie alle sind beim ESC somit startberechtigt. Lediglich Marokko nahm dieses Angebot an. Mehr dazu gibt es in einem extra Post zu Marokko.

Asiatische Länder, die innerhalb der Grenzen liegen und nicht immer eindeutig zu Europa gezählt werden, sind Georgien, Jordanien, Libanon, Russland, die Türkei und Zypern. Jordanien hat nicht das Interesse dazu am ESC teilzunehmen. Libanon möchte eigentlich teilnehmen, im Grundgesetz des Landes ist es jedoch fest verankert, dass sie die Existenz von Israel nicht beachten. Somit möchten sie nicht an einem Wettbewerb teilnehmen, in dem auch Israel vertreten ist. Dazu gab es 2015 auf einer Pressekonferenz der israelischen Delegation in Wien eine herzerwärmende Szenerie mit einem libanesischen ESC-Fan und dem israelischen Sänger Nadav Guedj. Es endete damit, dass die beiden sich, mit ihren Nationalflaggen, weinend in den Armen lagen. Mehr Symbolik für Frieden gibt es kaum. Georgien, Russland, die Türkei und Zypern sind bzw. waren beim ESC dabei.

Palästina liegt ebenfalls innerhalb der Grenzen. Die Rundfunkanstalt PBC erfüllt jedoch nicht alle EBU-Normen. Früher war es assoziiertes Mitglied. Bis heute führt PBC eine der sechs Dauerbewerbungen, in die EBU als Vollmitglied aufgenommen zu werden. Ein weiteres asiatisches Land innerhalb der Grenzen ist Syrien. Sie sind mit der ORTAS als assoziiertes Mitglied in der EBU vertreten. Der Sender hat kein Interesse an einer Vollmitgliedsschaft. Auch der Irak und Saudi-Arabien liegen innerhalb der Grenzen. In beiden Nationen hat keine Rundfunkanstalt Interesse an der EBU. Israel hatte seit 1957 bis zum Finaltag des ESCs 2017, mit der IBA eine Vollmitgliedsschaft in der EBU. Der Sender wurde eingestellt. Als "Ersatz" gibt es Beitrittsverhandlungen von IPBC, das momentan nicht alle vorrausgesetzten Kriterien erfüllt. Kasachstan liegt zwar teilweise innerhalb der geographischen Grenzen Europas, allerdings außerhalb der EBU-Grenzen. Die Manschen im Land lieben den ESC und es gibt große Bemühungen am ESC teilnehmen zu dürfen. Ein kasachischer Beitrag in naher Zukunft gilt als durchaus möglich. Somit sind der Irak, Israel, Kasachstan, Palästina, Saudi-Arabien und Syrien, trotz ihrer geographischen Lage, beim ESC nicht teilnahmeberechtigt. (Stand Juni 2017)

Ihm haben Armenien und Aserbaidschan den ESC zu verdanken - der Europarat

Armenien und Aserbaidschan liegen jenseits des 40. östlichen Längengrades, sind aber trotzdem Vollmitglieder der EBU. Armenien ist mit AMPTV seit 2005 dabei. Aserbaidschan mit iCTI bzw. iTV seit 2007. 2001 wurden sie Mitglieder des Europarates und bekamen somit eine große politische Bedeutung für Europa. Da der Nachrichtenaustausch das Wichtigste in der EBU ist, gibt es eine Sonderregelung; wenn ein Land außerhalb der EBU-Grenzen Liegt, jedoch Mitglied im Europarat ist, kann es auch Mitglied der EBU werden. Dies ist für einen qualitativ hochwertigen Nachrichtenaustausch von elemantarer Bedeutung und schon fast notwendige Pflicht geworden. Eine Vollmitgliedsschaft bedeutet eine Teilnahmeberechtigung am Eurovision Song Contest. Somit sind auch Armenien und Aserbaidschan startberechtigt.

Wir verlassen die europäisch-asiatischen Grenzen und gehen nach Mitteleuropa. Genauer gesagt ins kleine Liechtenstein. Auch dieser Staat hat eine Rundfunkanstalt, die am ESC teilnehmen möchte. Sie erfüllt sogar alle vorgegebenen Auflagen der EBU und kann eine Teilnahme durchaus finanzieren. Das Problem liegt hier darin, dass 1FLTV die dauerhaft laufenden Kosten einer EBU-Vollmitgliedsschaft nicht bezahlen kann. Eben diese ist notwendig, um beim ESC dabei sein zu dürfen. Liechtenstein gilt damit als nicht startberechtigt. Der Vatikanstadt ist mit CTV und RV Gründungsmitglied der EBU, wobei CTV die Mitgliedsschaft 2012 gekündigt hat. Am Ende ist es immer die zuständige Rundfunkanstalt jeder Nation, die jährlich darüber entscheidet, ob das Land einen Beitrag zum ESC beisteuert. RV hat sich immer dagegen entschieden, somit war der Vatikanstadt nie beim ESC vertreten.

Das umstrittene Land Kosovo hat mit RTK seit 2008 eine Rundfunkanstalt, die sich sehr um eine EBU-Vollmitgliedsschaft bemüht, insbesondere die Teilnahme am ESC steht als großes Ziel dar. Serbien sieht den Kosovo als Region des eigenen Landes an. Deswegen legt der serbische EBU-Sender RTS bei jeder erneuten Beitrittsverhandlung sein Vetorecht ein und verhindert den EBU-Eintritt von RTK und gleichzeitig die Teilnahme am ESC. Unterm Strich ist die EBU somit eine der wenigen internationalen Organisationen, die Kosovo nicht als eigenständigen Staat ansehen, obwohl fast alle Mitglieder ebendies tun.

Australien - ein Land in Europa?

Fehlt nur noch Australien... Selbstverständlich liegt dies außerhalb der europäischen EBU-Grenzen und ist auch kein Mitglied im Europarat. Neben einer Vollmitgliedsschaft kann man auch Assoziiertes Mitglied der EBU werden. Mit diesem Status bezahlt man deutlich weniger Beitragsgelder, hat aber auch nur stark eingeschränkte Berechtigungen, zum Beispiel fehlt die Erlaubnis für eine ESC-Teilnahme. 34 Rundfunkanstalten aus 22 verschiedenen Ländern, aus der ganzen Welt, sind Assoziierte Mitglieder der EBU. Darunter auch ABC, Free und SBS aus Australien. SBS überträgt seit den 70er Jahren den Eurovision Song Contest. Die Australier sind so verrückt nach dem ESC, wie kaum ein anderes Land. Mitten in der Nacht stehen sie alle auf, um sich einen Musikwettbewerb in Europa anzuschauen - seit Jahrzehnten. SBS würde fast alles dafür tun, um am ESC teilnehmen zu dürfen.

2015, lange Zeit nach Fertigstellung der endgültigen Teilnehmerliste, verkündet die EBU, dass SBS unter australischer Flagge einmalig einen Beitrag für den ESC entsenden darf. Als Hauptgrund dafür wurde der Anlass des 60. Jubiläums genannt. Völlig überraschend folgte 2016 eine erneute Einladung, unter der Bedingung die eigenen hohen Teilnahmegebühren und die von drei weiteren Ländern zu bezahlen. Ohne Australien hätten diese nicht teilnehmen können. Man hätte damit nach 2009 und 2011 eigentlich zum dritten Mal die Rekordteilnehmerzahl von 43 erreicht, wenn Rumänien nicht kurzfristig disqualifiziert worden wäre. SBS nahm das Angebot selbstverständlich an und war auch 2016 dabei. Seit 2017 entscheidet die EBU Jahr für Jahr, ob Australien teilnehmen darf. Hauptfaktor, von dem dies abhängt, sind die Ergebnisse, die Australien beim ESC erzielt. Es gibt Bemühungen und Verhandlungen um einen dauerhaften Startplatz für Australien.

Love Love Peace Peace - Motto vom ESC?

Der Eurovision Song Contest ist schon längst kein rein europäischer Wettbewerb mehr. Auf der ganzen Welt wird er im Fernsehen ausgestrahlt und gesehen. Überall gibt es zahlreiche ESC-Fans. Die EBU sollte ihre Pforten weiter lockern und Ländern, wie Kasachstan, China und co., die liebendgern beim ESC dabei wären eine Chance geben. Der ESC ist dazu da um Vielfalt zu zelebrieren und den Frieden zu fördern, nicht um andere auszuschließen und kriegerische Teilnahmeverhandlungen zu führen. Der Name dieser Post-Reihe stammt aus zwei Intervalacts vom ESC 2016. What is Eurovision? - Love Love Peace Peace, also lasst uns dies auch leben. Nun regst du dich vielleicht nicht mehr über Teilnahmen von nicht europäischen Ländern auf und feierst einfach mit, ganz im Sinne von "Love Love Peace Peace".

Im zweiten Teil werfen wir einen Blick in das Regelwerk und schauen uns an, ob der ESC wirklich so viel kostet, wie es Kritiker behaupten.