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Sonntag, 4. Mai 2025

ESC 2014-2024 (26/45): Deutschland

 Mein Land, Deutschland, belegt in meinem 10-Jahres-Ranking "nur" Platz 20. Es gibt viele Gründe warum man beim ESC nicht über sein eigenes Land abstimmt. Ein Grund davon ist, dass es schwierig ist, den Beitrag seines eigenen Landes mit denen der anderen Länder in einen fairen Vergleich zu setzen. Dadurch, dass es das eigene Land ist, sind die Emotionen zu diesem Beitrag intensiver. Deshalb bin ich mir selber immer unsicher, wie ich Deutschland in meinem Ranking einordnen soll. Letztlich gehe ich nach meinem Gefühl und ich glaube dass ich Deutschland deshalb besser bewerte, als ich es tun würde, wenn ich nicht aus Deutschland stammen würde. Angesichts dessen ist der 20. Platz ein eher schlechtes Ergebnis. Aber Deutschland hat in den letzten 10 Jahren sieben mal den letzten oder vorletzten Platz als automatischer Finalist im Finale belegt. Wenn ich Deutschland schlecht bewerte, liege ich damit vielleicht einfach nur im europäischen Trend und es könnte an der tatsächlichen Qualität der Beiträge liegen.

Der 20. Platz setzt sich zusammen aus dem 14. Platz in der Wertung der Durchschnittsplatzierung pro Teilnahme der 45 Länder, dem 10. Platz in der Wertung der Durchschnittsplatzierung pro Jahr (inklusive Nichtteilnahmen) der 45 Länder, und dem 38. Platz in der Punktewertung für Top 10 Platzierungen der einzelnen Jahrgänge. Dabei kommt Deutschland mit einem 9. und einem 10. Platz nur auf drei Punkte. Deutschland habe ich in fünf von 10 Fällen auf den Plätzen 9-16. Vielleicht ist es auch so, dass ich Deutschland nicht auf eine höhere Top 10 Platzierung setzen möchte, auch wenn ich den Beitrag eigentlich entsprechend doll mag, denn wie anfangs erwähnt, ist es schwierig das eigene Land fair zu bewerten. Die fehlenden absoluten Top-Platzierungen machen das Ergebnis der sonst starken Durchschnittsplatzierungen kaputt. Denn auch wenn Deutschland wahrlich nicht erfolgreich ist, und es viele berechtigte Gründe gibt, Kritik an der deutschen Vorauswahl der letzten 10 Jahre auszuüben, finde ich die deutschen Beiträge beim ESC wirklich stark und teile die Kritik an den deutschen Beiträgen meistens nicht.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 20. (14./10./38.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 9. (2018)

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 29. (2017)

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 4. mit 340 Punkten 2018

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 27. mit 0 Punkten 2015

Die deutschen Beiträge sind in ihrer Gunst bei mir ganz eng beieinander, viele davon quasi gleichauf. Sich für ein Ranking zu entscheiden war schwierig und eine solche Differenzierung wird des Beiträgen nicht unbedingt gerecht. Eine kleine Lücke zum ersten Platz gibt es aber trotzdem. Der geht an die einzige Top 10 Platzierung Deutschlands in diesem Zeitraum. Immer wieder denke ich, dass das doch einfach nur ein normales, nettes und trauriges Lied ist, doch wenn ich mir dann wieder den Auftritt anschaue, erinnere ich mich wieder was diesen Beitrag so erfolgreich gemacht hat. Insbesondere die Details in der Komposition lassen das Lied stark wirken. Am endtscheidendsten aber: Michael Schulte hat mit dieser Inszenierung und dieser persönlichen Performance einen dieser magischen Momente beim ESC geschaffen, der 200 Millionen Menschen gleichzeitig emotional berührt. Das ist etwas, das nur der ESC schaffen kann und das auch dort nicht leicht zu erreichen ist. Michael Schulte hat es gemeistert, sich damit den 4. Platz beim ESC, und meinen Preis als besten deutschen Beitrag beim ESC 2014-2024 verdient.


2019 dürfte das Jahr sein, für das es am meisten Kritik am deutschen Vorentscheid und deutschen ESC-Beitrag gibt. Vieles der Kritik am Vorentscheid ist berechtigt, aber die am ESC-Beitrag kann ich kaum verstehen. Es ist eine wundervolle Komposition mit so vielen Elementen, die das Hörerlebnis besonders macht. Darunter auch die wiederkehrende Melodie der Spieluhr, die ich genauso stark finde, wie die Flöten-Melodie im ESC-Siegertitel von 2013 "Only Teardrops" aus Dänemark. Beide Songelemente stammen vom selben Komponisten. Die Übergänge im Lied und die Harmonien, die Intensität der Performance, die die Komposition den Sängerinnen ermöglicht, all das macht das Lied überaus mitreißend und berührend für mich. Ich habe schon oft darüber geweint. Hinzu kommt die Sängerin Laurita Spinelli als Teil des Duos S!sters. Sie ist meiner Meinung nach die beste Backgroundsängerin, die Lena Meyer-Landrut mit auf ihre Konzerte genommen hat, wo ich magische Momente mit ihr geteilt habe. Die beiden Sängerinnen sind tolle Musikkünstlerinnen und verbessern den Beitrag dadurch weiter. "Sister" wird für mich über die Jahre auch immer besser und besser.

Genauso emotional mitreißend und zu Tränen rührend ist für mich "Rockstars" von Malik Harris. Bereits in seiner Studio Version und dem Musikvideo. Alles wirkt wie aus den US-Amerikanischen Top-Charts. Auch hier brillieren die Übergänge, die das Lied besonders mitreißend und immer intensiver werden lassen. Die private und schutzlose Inszenierung auf der ESC-Bühne mit Maliks persönlichen Möbeln, auf denen das Lied und dessen besungenen Erinnerungen entstanden sind, macht es für mich noch mal um einiges besser. Die Message der vergehenden schönen Momente und Zeiten, und dass wir sie genießen, die richtigen Entscheidungen treffen sollten, solange wir es noch können, sollten sich viel mehr Menschen verinnerlichen. Es ist eine wichtige Message zum Nachdenken die da Europa präsentiert wurde. Umso überraschender und enttäuschender ist der letzte Platz im Finale für mich.

Die Performance von "I don't feel Hate" hat so viele Elemente die mich unendlich glücklich machen. Es steckt so viel Herzblut, Liebe zu vielem und so viel Freude in diesem ESC-Beitrag. Die vielen Nörgler, die den Auftritt peinlich oder was auch immer finden kann ich nicht verstehen. Es gibt nichts Negatives an diesem Beitrag und genau darum geht es in ihm. Es wundert mich, dass gerade ein Lied das einfach nur fröhlich zeigt wie man ohne "Hate" leben kann, besonders viel "Hate" auslöst. Durch Jendrik habe ich außerdem angefangen Ukulele zu spielen. Seine Musik höre ich immernoch regelmäßig und erfreue mich daran. Er zeigt auch nach seiner Teilnahme seine Passion für den ESC und ist ein toller Mensch. Ein rundum toller ESC-Beitrag! Warum ich ihn im Wettbewerb nur auf Platz 21 gesetzt habe, verstehe ich nicht.

"Blood and Glitter" habe ich vor dem ESC 2023 als den deutschen Befreiungsschlag und auch persönlich vielleicht besten ESC-Beitrag empfunden. Das ernüchternde Ergebnis vom letzten Platz hat sicherlich dazu beigetragen, aber auch das Lied an sich ist eines, das bei häufigem Hören irgendwann einfach nicht mehr so kickt wie es bei anderen Liedern der Fall ist. Deshalb hat der Beitrag seit dem ESC bei mir an Gunst ein kleines bisschen verloren. Ich bin aber stolz darauf, dass mein Land mit so einer Message beim ESC vertreten wurde. Ich glaube, die vielen Leute, die den Text kritisieren verstehen ihn nicht. Die Message, das gesamte Auftreten der Band, auch auf der ESC-Bühne und die wundervollen Menschen dieser Band bringen mir ab und an immernoch Gänsehaut.

"Ghost" ist ein Beitrag der für mich mehr von seiner optischen Ästhetik und dem Sound der Sängerin, als vom Song selber lebt. Ich liebe den Style den Jamie-Lee Kriewitz der Welt präsentiert hat. Endlich mal jemand, der nicht etwas langweiliges und schon oft gesehenes macht - und dann sieht es auch noch so gut aus! Die deutsche Delegation war damals besonders glücklich wie der Auftritt letztlich geworden ist und das kann ich vollständig nachvollziehen! Die Atmosphäre ist mit den Laser strahlenen Bäumen, dem Mond, der Dunkelheit, selbst mit den schlichten Outfits der Backgroundsänger*innen fantastisch! Das Lied an sich ist auch gut, es ist halt nur nichts besonderes, was das Problem des Beitrags war. Ich habe mich richtig erschrocken, als ich bei der Erstellung dieses Posts gesehen habe, dass ich 2016 nur Platz 22 dafür übrig hatte. Ich hätte geschätzt den Beitrag etwa auf Platz 9 gesetzt zu haben.

Auch "Always on the Run" ist für mich nicht nah an deutschlands Top-Beitrag dran. Die unglaublich kraftvolle Stimme von Isaak, bildet gemeinsam mit der energetischen Inszenierung und dem intensiven Song eine Harmonie die genial gut funktioniert. Das wurde mit Platz 12 beim ESC belohnt. Und dennoch, wenn ich mir einen deutschen Beitrag aussuchen könnte, der anstatt des letzten/vorletzten Platzes, Platz 12 belegt, hätte ich andere Beiträge lieber gewählt. Angesichts dessen, dass all die anderen Sachen so schlecht funktioniert haben, frage ich mich, warum ausgerechnet dieser deutsche Beitrag erfolgreich war. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich weniger über diesen Erfolg freue!

"Black Smoke" und "Is it right" sind schöne, nette ESC-Beiträge. Das reicht aber leider nicht für ein wirklich gutes Ergebnis. 2017 ist das Jahr an dem ich am meisten Kritik gegenüber dem deutschen Vorentscheid und ESC-Beitrag ausübe. Levina hat ihren Job beim ESC gut gemacht! Leider hat man ihr ein gar nicht so gutes Lied und ein Staging gegeben, das für mich zum Haareraufen ist. Der Opening Shot hat allerdings einen positiven Sonderpreis verdient.

Es gab in den letzten 10 Jahren schönere "Heimat"länder als ESC-Fan mit mehr zum Freuen und jubeln als Deutschland. Es ist nicht immer leicht ESC-Fan aus Deutschland zu sein. "Wir werden doch eh immer Letzter" habe ich schon zu oft gehört. Vor ein paar Jahren habe ich noch selbstbewusst dagegen verteidigt, aber sieben mal letzter oder vorletzter Platz im Finale in den letzten neun ESC-Ausgaben ist ein niederschmetterndes Gesamtresultat. Umso dankbarer bin ich um den Lichtblick des 4. Platzes von Michael Schulte, der zeigt, dass auch für Deutschland alles möglich ist. Ich frage mich auch warum Deutschland zuletzt so schlecht geworden ist. Bevor ich Hardcore-ESC-Fan wurde waren die deutschen Ergebnisse besser. Es gibt an den deutschen Vorentscheiden viel zu kritisieren, aber einiges läuft auch gut und der NDR versucht ja ernsthaft gute Ergebnisse zu erzielen. Vielleicht ändert sich strukturell etwas, wenn 2026 der SWR den ESC vom NDR übernimmt. Vielleicht auch nicht, aber "Hope never dies" und auch deshalb liebe ich den ESC. Jedes Jahr darf jedes Land aufs Neue darauf hoffen den ESC zu gewinnen. Auch Deutschland.



Samstag, 1. März 2025

Chefsache ESC 2025 Finale - Die beste Wahl für Deutschland?

 Heute Abend um 20:15 Uhr wird das Finale des deutschen Vorentscheides zum 69. Eurovision Song Contest 2025 in den EMG Studios in Hürth ausgetragen. Übertragen wird die Show im Ersten Deutschen Fernsehen, auf One, und online auf Eurovision.de, in der ARD Mediathek und für internationale Zuschauende auf dem YouTube Kanal vom ESC. In diesem Blogbeitrag möchte ich auf die Chancen der neun Finalbeiträge eingehen - in diesem Vorentscheid und beim ESC. Dabei berücksichtige ich vor allem Reaktionen aus dem Ausland, auf die bisherigen drei Chefsache Shows. Vorweg möchte ich klarstellen dass es beim ESC um das Feiern und Wertschätzen von Kunst geht und das auch für diese Finalisten gilt. Der ESC ist aber ein Wettbewerb und wenn Stefan Raab das Ziel gesetzt hat den ESC zu gewinnen, müssen wir die Beiträge mit anderen in den Vergleich setzen und dabei ehrlich sein. Ich freue mich bei allen Beiträgen über den künstlicherischen Wert, doch nicht alle haben gute Aussichten auf Erfolg beim ESC.

Das sind die neun Finalisten im Schnelldurchlauf:


Starten wir mit "Lovers on Mars" von Lyza. Viele sehen darin einen Wettbewerbsbeitrag, der genauso gut bei den schwedischen Melodifestivalen laufen könnte, dem wohl stärksten ESC-Vorentscheid. Das ist erstmal ein großes Kompliment, allerdings ist man sich auch einig, dass dieser Titel wohl eher auf den hinteren Rängen des Melfests landen würde. Er verkörpert leider auch genau das, was seit vielen Jahren am stärksten am deutschen Vorentscheid kritisiert wird: Radiotauglicher Massenpop, den man schon viel zu oft in viel besser gehört hat. Damit lässt sich beim ESC Heutzutage nicht mehr viel holen. Ich bin kein Freund davon, musikalisch ähnliche Beiträge miteinander zu vergleichen und zu behaupten dass ähnliches auch ähnlich abschneiden würde, denn von jeder musikalischen Art gibt es Beiträge beim ESC die großen Erfolg feierten und andere, die komplett abschmierten. Trotzdem möchte ich in diesem Artikel ein paar Vergleiche zu vorherigen ESC-Titeln ziehen, bei denen ich mir ein ähnliches Szenario vorstellen kann. Bei "Lovers on Mars" ist mein Vergleichsbeitrag "Ghost" von Jamie-Lee, Deutschland 2016. Ein solider Popsong mit einer individuellen Performance, den niemand schlecht findet. Die Sängerin hat eine gute Stimme und eine professionelle Bühnenausstrahlung mit Persönlichkeit. Aber letzten Endes ist es nur ein uninnovativer, belangloser Popsong, der auf dem letzten Platz mit 11 Punkten endete und um den kaum jemand traurig ist, dass die Rote Laterne diesen Song getroffen hat, weil es einfach nur ein Song ist - nichts Besonderes. All das trifft auch auf "Lovers on Mars" zu und ich fürchte dass es beim ESC in der Masse untergehen und vergessen werden würde. Beim deutschen Vorentscheid ist diese Masse nicht so groß und angesichts der Konkurrenz würde der Titel sicherlich einige Anruferstimmen einbringen, sofern er denn ins Super-Finale kommt. So halte ich es für durchaus möglich, dass "Lovers on Mars" heute Abend gewinnt.

Im wohl größten internationalen Fan-Voting auf MyEurovisionScoreboard liegt "Lovers on Mars" unter den neun Finalisten auf Platz 3. Bei mir persönlich ist es die #6 der neun. Meine Prognose des Beitrags beim ESC: Platz 18 bis 26.

Die Band The Great Leslie galt als einer der Top-Favoriten, als die 24 Acts verkündet wurden, die beim deutschen Vorentscheid live performen dürfen. Mit interessanten Persönlichkeiten auf der Bühne und einer Stimmfarbe mit Wiedererkennungswert, gibt die Band sowohl einen sympathischen, geerdeten Eindruck, als auch einen mit Superstar Potential ab. Nachdem aber klar wurde mit welchem Song The Great Leslie antritt, fielen die Chancen in den Keller. Manchmal ist es so einfach wie in diesem Beispiel: Der Song ist schlichtergreifend viel zu schwach. In internationalen Reaktionen darauf würdigen ESC-Fans die Band und ihren Auftritt, sind sich aber einig dass dem Song alles fehlt, was ein ESC-Titel braucht. Vielleicht würde die Band als Solche noch von wenigen, einzelnen Jurymitgliedern mit Trostpunkten für das Potential beschenkt werden. Im Vereinigten Königreich, Irland und Australien könnten sogar ein paar Leute dafür anrufen. Außerhalb davon haut das aber niemanden so sehr vom Hocker, dass es in Basel als der eine persönliche Favorit auserkoren wird. Vielleicht tritt The Great Leslie in einem anderen Jahr mit einem besseren Song an. In diesen Tagen wird "These Days" wohl kaum genügend Anrufe erhalten, um bei Chefsache ESC am Ende ganz vorne zu landen.

Das internationale Fan-Voting spiegelt Dies mit dem 8. Platz. Ich habe den 7. Platz dafür übrig. Meine ESC-Prognose: Platz 23-26.

Cosby erfüllt in etwa das, was sich von The Great Leslie erhofft wurde. Die Band bringt optisch einen interessanten Auftritt, auch wenn das Staging des Halbfinals von einigen noch kritisiert wird; Die Bandmitglieder wirkten nicht wie eine Einheit. Der Song "I´m still here" wirft musikalisch einen etwas anderen Ton an, als das was beim ESC übrlicherweise läuft und kann damit zunächst das Interesse der Zuschauer gewinnen. Der Song ist stimmlich sehr gut performt und hat eine interessante Struktur mit vielen verschiedenen Phasen und Momenten. Ein Höhepunkt reiht sich an den anderen, es kommt immer ein wenig etwas Neues und wird bis zum Ende nicht langweilig. Hinzu kommt eine überdurchschnittlich starke Message mit relativ leicht zu verstehendem Text. Es ist ein Auftritt mit dem Deutschland in Basel keinesfalls schlecht aussehen würde. Für den ganz großen Wurf ist das Gesamtpaket aber dann doch zu wenig. Da hat es in der Vergangenheit schon sträkere Band-Auftritte mit ähnlicher Musik beim ESC gegeben. Heute Abend sehe ich gute Chancen auf einen Sieg von Cosby.

Im internationalen Fan-Voting liegt Cosby auf Platz 2. Auch von mir gibt es den 2. Platz unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: Platz 13-22, mehr Punkte von der Jury als vom Publikum.

Benjamin Braatz erinnert mit seinem Auftritt zu "Like you love me", ähnlich wie The Great Leslie, auch an die britische Musikszene vor einigen Jahrzehnten. Aserbaidschan hat vor zwei Jahren ähnliches beim ESC versucht, wie es nun Benjamin tut. Die Zwillinge Tural und Turan haben mit einem gewissen Niedlichkeitsfaktor in Liverpool, auf den Spuren der Beatles, mit ihrem Liedchen über ein spezielles Liebesgefühl jedoch nur Platz 14 im Halbfinale (4 Punkte) erreicht und damit das Finale verpasst. Leider müssen wir bei Benjamin Braatz ähnliches erwarten, auch wenn die Jury vielleicht noch ein wenig nachhelfen könnte, die im Halbfinale 2023 nach den Regeländerungen nicht abstimmen durfte. "Like you love me" hat nur ganz wenige Fans. Für die meisten ist das Lied einfach zu langweilig. Sollte es heute Abend das Televoting erreichen gehe ich dort von einem letzten Platz aus. Auch wenn der große weiße Stuhl an die "Liebe ist für alle da" Performance von Leonora aus Dänemark 2019 erinnert, hatte Leonora einen anderen Charme und eine packendere Melodie zum Schunkeln, die deutlich mehr Herzen erreichen konnte. "Love is Forever" belegte in Tel Aviv Platz 12. Mein erster Gedanke ging beim Halbfinalauftritt an "Me and My Guitar", Belgien 2010. Allerdings kommt Benjamin leider bei Weitem nicht an dieses Meisterwerk heran, das beim ESC mit Platz 6 belohnt wurde. Und auch die vielen Vergleiche mit dem unschuldigen Finnen, der 2011 vor einem überdimensionalen Planeten "Da da dam" trellerte hinken im Niedlichkeitsfaktor. Auch Dieser erreichte beim ESC nur Platz 21, obwohl er vielen bis Heute gut in Erinnerung bleibt.

Im internationalen Fan-Voting liegt "Like you love me" unter den Finalisten auf dem 9., also letzten Platz. Ich mag das Lied und den Auftritt und vergebe Platz 3 im Finale. Meine ESC-Prognose: null Punkte vom Publikum, maximal ein paar wenige Punkte von der Jury. Vielleicht letzter Platz.

Der Song "Empress" von Julika klingt im Schnelldurchlauf zwar wie eine solide ESC-Nummer, hat aber keinerlei Höhepunkt, keine "Hook-Line", wie es in der Show schon hieß. Es fehlt der Grund dafür anzurufen und wenn wir ehrlich sind, fehlt auch das Gewisse Etwas. Das Staging wird von manchen als hochwertig bewertet. Andere sagen dass dort nichts zusammenpasst und auch nicht zum Song. Ich schätze in Basel würde sich niemand für diesen Beitrag interessieren. Auch schätze ich die Chancen für heute Abend eher gering ein, mit dem Sieg herauszugehen. Ich sehe was dieser Beitrag eigentlich sein soll, was die Künstlerische Vision war, die ist aber leider auf ganzer Linie nicht erreicht wurden.

Im internationalen Fan-Voting ist "Empress" auf Platz 5. Bei mir reicht es nur für Platz 8 der Finalisten. Meine ESC-Prognose: 25.-26. Platz.

"This Bliss" von Leonora schreit nach der Kombination aus Black Smoke (Deutschland) und The Makemakes (Österreich). Beides endete 2015 mit null Punkten. Der Song mag künstlerisch wertvoll sein, aber dafür ruft beim ESC Heute niemand mehr an. Auch fünfköpfige nationale Jurygruppen bewerten das nur mit Platz 15-20 = null Punkten. Mit diesem Auftritt würden wir uns sicherlich nicht blamieren, aber er wäre aus meiner Sicht ganz eindeutig die schlechteste Wahl, wenn es um das Ergebnis geht. Ich glaube dass Stefan Raab darin etwas von seinem ESC-Beitrag mit Max Mutzke, "Can`t wait until tonight" sieht. Aber das was den Appeal von Max' Auftritt in Istanbul 2004 ausmacht, fehlt hier. Außerdem hat sich der ESC in diesen 21 Jahren verändert. Den 8. Platz von Max können wir damit nicht wiederholen. In einem möglichen Televoting heute Abend sehe ich den Titel auch weitestgehend chancenlos. Ich glaube hier verhält es sich ähnlich wie mit "Empress"; Die künstlerische Vision ist erkennbar, wurde aber nicht erreicht.

Im internationalen Fan-Voting belegt "This Bliss" Platz 7 unter den Finalisten. Bei mir ist es der letzte Platz. Meine ESC-Prognose: "I'm sorry Germany, zero points overall"

Moss Kena hat als Einziger im Halbfinale bei mir einen richtig magischen Moment erzeugen können. Drei Minuten das Publikum zu fesseln und es dann mit Begeisterung zurücklassen, wer das schafft landet beim ESC weit vorne, denn dann haben Zuschauende den Impuls dafür anzurufen und auch die Jury lässt das nicht kalt. Auch viele andere schildern, diesen Effekt bei dieser Ballade zu haben. Andere finden den Titel einfach nur langweilig, aber das ist der Normalfall bei Balladen, auch bei denen, die den ESC gewinnen. Derzeit stehen 23 der 37 Teilnahmebeiträge für Basel öffentlich fest. Bislang haben wir ungefähr drei Balladen im Jahrgang, von denen womöglich nicht alle ins Finale kommen werden. Die Zuschauer, die den ganzen Abend auf schöne Balladen warten, würden mit "Nothing can stop Love" endlich erlöst und verzaubert werden. Außerdem könnte es sein, dass sich Jurypunkte, die tendenziell eher an Balladen, als an Uptempo-Songs gehen, dieses Jahr auf weniger Beiträge verteilen und mehr für Moss Kena rausspringt. Es könnte vielleicht gar nicht so verkehrt sein, diese Nummer nach Basel zu schicken. Vielleicht würden wir damit am meisten Punkte einsammeln. Ich denke dass dieser Titel heute in einem Televoting realistische Chancen auf einen Sieg hätte, obwohl sich scheinbar viele Deutsche daran stören, dass Moss Kena nicht gut deutsch spricht.

Im internationalen Fan-Voting belegt "Nothing can stop Love" Platz 6. Es ist mein persönlicher Favorit unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: Bei den Jurys: Platz 5-16, insgesamt: Platz 10-20.

Feuerschwanz ist seit Jahren im Gespräch für Deutschland zum ESC zu fahren. Nun sind sie endlich im deutschen Vorentscheid. Nur sind die meisten Feuerschwanz-Fans sehr enttäuscht, denn der Song "Knightclub" wird als einer der schwächsten im langjährigen Repairtoire der Mittelalter-Band gesehen. Deshalb wünsche ich mir für Feuerschwanz, dass sie in einem anderen Jahr mit einem besseren Song zum ESC fahren. Ob die vielen Feuerschwanz-Fans heute Abend trotzdem für ihre Band abstimmen werden ist unklar. Nach der Prognose vieler, wird Feuerschwanz heute Abend gewinnen, alleine schon aufgrund der viel größeren Fanbase, als die aller anderen Finalisten. Hinzu dürften eine Menge Anrufe kommen, von "Casual Viewern", die das für einen guten Versuch beim ESC halten, wegen der auffälligen Outfits und weil es kein typischer Radiopop ist, wie sonst beim deutschen Vorentscheid. Andere fühlen sich mit Blick auf den letzten Platz von Lord of the Lost vor zwei Jahren abgeschreckt, für Feuerschwanz anzurufen. Doch ich denke dass diese beiden Beiträge sehr unterschiedlich sind und auch anders funktionieren. Nur funktioniert "Knightclub" aus meiner Sicht nicht wirklich. Es gibt eine wirklich gute "Hook-Line" ("Fight me in the Knightclub"), aber leider bietet der Song nicht mehr und der Ohrwurmfaktor von anderen Feuerschwanz-Titeln ist auch deutlich höher. Insgesamt ist das Musikalische einfach zu schwach um in Europa einzuschlagen. Aus diesem Grund (nicht wegen Ähnlichkeiten zu Lord of the Lost), fürchte ich, wird es kein gutes Ergebnis hierfür in Basel geben.

Stefan Raab hat zwischen dem Halbfinale und Finale kurzfristig die Regeln geändert. Im Finale wird die Jury zunächst noch einmal vier Beiträge aussortieren, nachdem alle neun Songs, sowie neun Coversongs performt wurden. Erst danach kann das Publikum über die übrigen fünf Beiträge abstimmen. Es ist eindeutig, dass dies ursprünglich anders geplant war. Ich folge der populären These, dass Stefan Raab die Regeln entsprechen änderte, um Feuerschwanz für die Einschalt-Quote mit ins Finale nehmen zu können, dort dann aber rausschmeißen kann, damit sie nicht gewinnen, weil er merkt, dass der Song doch zu schwach ist. Ich wünsche mir auch dieses Szenario. Für Deutschland beim ESC und für Feuerschwanz - damit sie in einem anderen Jahr mit einem viel besseren Song den ESC rocken.

Im internationalen Fan-Voting wird der Song auf den 4. Platz gewählt. Bei mir ist es Platz 5 unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: Platz 22-26, vielleicht null Punkte von der Jury.

Der große Favorit heute Abend ist "Baller" von Abor & Tynna. Es ist der einzige Song der international nennenswert Anklang findet, auch wenn dieser begrenzt ist. Deutsche ESC-Fans betteln in den Sozialen Medien andere ESC-Fans an für "Baller" abzustimmen um Deutschland zu retten, denn man darf auch aus dem Ausland abstimmen. Wie das geht, wird wohl erst in der Show selbst erklärt. Ich halte es auch für das wahrscheinlichste Szenario dass "Baller" heute das Televoting gewinnt, sogar wenn Feuerschwanz ins Televoting gelassen wird. Ich glaube auch dass wir damit die größten Chancen beim ESC haben, würde mir aber SEHR wünschen, dass Stefan Raab den Song noch einmal einem Revamp unterzieht, das live auf der Bühne funktioniert. Sonst könnte es uns so gehen wie Österreich 2022, die mit "Halo" vom DJ LUM!X als einer der Favoriten auf den Sieg galten - bis der Song erstmals live performt wurde. Schlussendlich reichte es nicht einmal fürs Finale. Auch das Staging von "Baller" muss komplett neu gestaltet werden, aber dafür ist ja noch Zeit. Wie der überarbeitete Beitrag dann in Basel abschneiden würde, finde ich schwierig vorherzusagen. Aber eine Chance auf viele Punkte haben wir wohl am ehesten hiermit.

Im internationalen Fan-Voting ist "Baller" mit deutlichem Abstand auf Platz 1. Bei mir persönlich ist es der 4. Platz unter den Finalisten. Meine ESC-Prognose: 8.-26. Platz (genauer kann ich`s derzeit nicht machen)

Stefan Raab wird sicherlich scheitern mit seinem Ziel den ESC dieses Jahr zu gewinnen. In den Wettquoten um den Sieg ist Deutschland seit der ersten Show von Chefsache ESC von Platz 10 auf Platz 23 gefallen, mit inzwischen nur noch 1% Wahrscheinlichkeit auf den Sieg. Das spiegelt auch die internationalen Reaktionen auf die Shows wider. Ich bin enttäuscht von Stefan Raab. Nicht weil er nicht gewinnen wird, sondern weil er nicht an den Songs mitwirkt. Dass wir wahrscheinlich nicht den ESC-Siegersong unter 3.800 Bewerbungen haben werden war doch klar. Raab kann Songs produzieren - und das sehr erfolgreich - in vielen verschiedenen Musikrichtungen. Warum hat er nicht selbst Hand angelegt? Das hatte ich mir unter "Chefsache ESC" vorgestellt. War es die falsche Entscheidung vom NDR sich das Diktat von Stefan Raab heran zu holen? Nein. Es ist das letzte Jahr des NDR und seit mehreren Jahren bettelt der NDR förmlich darum, den ESC endlich an eine andere Rundfunkanstalt abgeben zu dürfen. Wir hätten nicht viel zu erwarten gehabt vom NDR in diesem Jahr, also war es den Versuch wert an Stefan Raab abzugeben. Dieser hat sich aber in den bisherigen drei Shows mit seinen Kommentaren und Entscheidungen so präsentiert, dass er nicht viel Ahnung vom ESC und dem heutigen ESC hat. Ich hoffe dass dieses Format nächstes Jahr nicht wiederholt wird. Und ich hoffe dass From Fall to Spring endlich eine verdiente Chance bekommt zum ESC zu fahren. Für heute Abend wünsche ich allen Acts gutes Gelingen.

Mittwoch, 15. Mai 2024

Meine Top 45 ESC-Nationen 2014 - 2024

Bis zuletzt war ich mit den Feierlichkeiten zum Sieg der Schweiz beschäftigt, weshalb es einige Zeit dauerte, bis ich mein Ranking für den diesjährigen ESC fertigstellen konnte. Damit im Gepäck, konnte ich die untenstehenden Statistiken berechnen, welches Land seit meinem Hardcore ESC-Fan-Dasein seit 2014 wie sehr in meiner Gunst stand. Dies ist der zweite Blog-Beitrag einer Serie. Im ersten Teil findest du weitere Erklärungen dazu.

Zum Verständnis: Das Pandemie-Jahr 2020 habe ich hierfür rausgelassen. Das gilt auch für die darauf folgende Serie, in der ich jeden Tag die Beiträge eines Landes aus meiner heutigen Sicht bewerte und mein Empfinden zu dem jeweiligen ESC-Land kundtue. Die Beiträge des abgesagten Jahrgangs sind nie auf der ESC-Bühne präsentiert wurden. Der EuroVISION Song Contest ist nicht nur ein Musikwettbewerb, sondern auch die größte TeleVISION-SHOW der Welt. Der Auftritt an sich und wie er bei den Zuschauenden vor dem Bildschirm ankommt, ist ein wesentlicher Bestandteil der Beiträge. Alleine schon deshalb, sind die Beiträge von 2020 für mich - nicht abstrichfrei - mit anderen vergleichbar. Außerdem erinnere ich mich nicht gerne an die Pandemie Zeit zurück und schließlich möchte ich an der ganzen Geschichte auch Spaß haben. Der Beitrag der Niederlande dieses Jahr wurde auf der ESC-Bühne in einer Live TV-Show mit Voting aufgeführt und ist deshalb (trotz seiner umstrittenen Disqualifikation zwischen Halbfinale und Finale) Teil dieser 398 Beiträge der zehn wertbaren Jahre von 2014 bis 2024. Ich warne schon einmal vor, dass Länder mit insgesamt starken Ergebnissen, bei mir persönlich teilweise nicht so gut ankommen. Dafür treffen manche Länder, die beim ESC eher als Daueraußenseiter gelten, häufig voll meinen Nerv.

Um anhand von nackten Zahlen ausfindig zu machen, welches Land ich über diese zehn ESC-Ausgaben hinweg wie sehr mag, habe ich drei verschiedene Berechnungsmethoden zur Hand genommen, und diese schließlich zusammengefügt.

Die simpelste Form nach der Frage wie gut ich die Beiträge der Länder in ihrer Gesamtheit finde, ist es, ihre Durchschnittsplatzierung in meinem Ranking auszurechnen, das ich jeweils ("direkt") nach dem Finale sorgfältig erstellt habe. Allerdings ist dieses Verfahren nicht ganz fair und aussagekräftig, weshalb es nur eine von drei Komponenten meiner Berechnung ausmacht. Für alle Tabellen gilt übrigens, dass bei Punkt- und Zahlengleichheit die beste Einzelplatzierung als Stichwert für die Platzierung ausschlaggebend war. Hier das Ergebnis der Durchschnittsplatzierungen der einzelnen Länder in meinen Ranglisten von 2014-2024:


Demnach ist Australien mein Lieblingsland beim ESC und das könnte auch meinem subjektiven Empfinden nach so sein. Aktuell bin ich nicht ganz auf ein Lieblings-ESC-Land festgelegt. In der Vergangenheit waren das phasenweise Slowenien (4. in dieser Statistik), Lettland (5.) und Bulgarien (3.).

Das eigene Land berwertet man üblicherweise besser, als wenn es nicht das eigene Land wäre. So hat Deutschland nur selten Platzierungen ganz weit unten, was zu einer vergleichsweise guten Durchschnittsplatzierung von 17,7 führt. In dieser Liste bringt das Platz 14 ein. Es ist "nur" Platz 14, da die deutschen Beiträge seit 2014 bekanntermaßen nicht gerade die beste Ära einer Nation beim ESC bilden. Dennoch mag ich die deutschen Beiträge in der Regel. Lediglich reicht es in meinen Rankings nicht für ganz vorne.

Ganz hinten im Tableau befindet sich Italien. Das überrascht vielleicht andere, mich aber überhaupt nicht. Italien empfinde ich persönlich subjektiv als das schwächste ESC-Land (der letzten zehn Jahre). Fast jedes Jahr kann ich mit dem italienischen Beitrag nur wenig anfangen. Der Durchschnitt von Platz 31 entspricht auch meinem Empfinden der italienischen Beiträge. Das bedeutet natürlich dass Italien oft noch weit niedriger als Platz 31 gerankt ist. Die meiste Musik des San Remo Festivals ist einfach nicht "My Cup of Tea" wie der Brite es sagt. In den meisten Jahren gibt es zwar ein bis drei Beiträge die mir wirklich gefallen, diese gewinnen dann aber nicht. Lediglich in einem Jahr hat mich der italienische Song sehr berührt. Ich höre ihn immernoch gerne, allerdings nicht den Live Auftritt im ESC-Finale. Mehr dazu, wenn ich in dieser Serie über Italien schreibe.

Zypern befindet sich in dieser Wertung direkt über Italien. Auch hier gilt das Prinzip "not my Cup of Tea". Zypern scheint sich darauf festgelegt zu haben jedes Jahr einen Girlbop zum ESC zu schicken. Damit ist es schwierig mich zu überzeugen. Aber auch hierzu mehr im Serienbeitrag von Zypern.

Dass Estland so weit unten gelandet ist, überrascht mich ein klein wenig. Es gab zwar eine lange Phase in der ich alle Beiträge aus Estland schwach fand, doch manchmal waren estnische Beiträge bei mir ganz vorne dabei. Im Durchschnitt ist es trotzdem der drittletzte Platz.

Ein großes Problem dieser Berechnungsmethode wird schon ganz oben in der Liste deutlich. Bosnien-Herzegowina war seit 2014 nur ein mal beim ESC dabei. Der Beitrag hat in meinem Ranking schließlich Platz zehn belegt. Damit hat das Land eine Durchschnittsplatzierung von genau zehn (wie auch Australien mit seinen neun Teilnahmen). Ich würde aber keinesfalls sagen dass Bosnien-Herzegowina in diesem Zeitraum mein Lieblings oder Zweitlieblings-ESC-Land ist. Schließlich gibt es nur einen Beitrag aus diesem Land den ich mag, und dieser ist zwar knapp in meine Top 10 gekommen, aber doch weit von einem Sieg entfernt gewesen. Länder die weniger Teilnahmen haben, tendieren aus rein mathematischen Gründen zu einer extremeren (also hohen oder niedrigen) Durchschnittsplatzierung, als das bei Ländern der Fall ist, die immer dabei sind. Deshalb ist diese Berechnungsmethode allein, aus meiner Sicht, nicht geeignet um die Performance von ESC-Ländern über einen längeren Zeitraum hinweg zu bewerten und zu ranken.

Außerdem sehe ich beim Wettbewerb ESC ein Stück weit das Leistungsprinzip, ähnlich wie im Sport. Wer ein bisschen Leistung erbracht hat, die für den vorletzten, oder auch nur letzten Platz gereicht hat, hat mehr Leistung erbracht als diejenigen, die gar nicht teilgenommen, also gar keine Leistung erbracht haben. Deshalb habe ich ein zweites Ranking mit Durchschnittsplatzierungen berechnet. Dabei hat jedes Land für die Jahre, in denen es nicht teilgenommen hat, als Platzierung einen Platz schlechter als den letzten Platz erhalten. Ein Beispiel: Im Jahr 2014 waren 37 Länder dabei. Das heißt alle Länder dieser 45, die in dem Jahr nicht dabei waren, haben für das entsprechende Jahr die Platzierung 38 als Grundlage zur Berechnung der Durchschnittsplatzierung erhalten. Das ist natürlich auch nicht ganz fair, deshalb wird dieses Ergebnis noch mit den anderen kombiniert. Schauen wir aber zuerst auf dieses zweite Ergebnis von Durchschnittsplatzierungen mit der Berücksichtigung von Nicht-Teilnahmen:


Nach dieser Berechnung sind meine üblichen Verdächtigen Slowenien und Lettland auf Platz eins und zwei. An die beiden habe ich jedes Jahr sehr große Erwartungen und werde nur manchmal enttäuscht. Den dritten Platz macht die Schweiz, was mich ein bisschen überrascht. Zwar empfinde ich die Schweiz subjektiv als überdurchschnittlich starkes Land, aber eigentlich nicht als so gut, dass ich überlegen würde, es auf Platz drei zu ranken. Beim genaueren Hinsehen auf die nackten Zahlen fällt mir aber auf, dass die Schweiz es in sechs der zehn Jahre in meine Top 10 geschafft hat. In der Mehrheit der Jahre fiebere ich also sehr mit den schweizer Beiträgen mit. Deutschland erreicht als Dauerteilnehmer ohne ganz schlechte Ausreißerplatzierungen hier Platz 10.

Ganz unten stehen Luxemburg und Bosnien-Herzegowina, welche nur ein mal in den zehn Jahren dabei waren. Selbst wenn sie mit ihrer Teilnahme meine Sieger gewesen wären, können sie damit nicht gegen diejenigen ankommen, die regelmäßig teilnehmen. Bei nur einem Beitrag sind beides aber auch nicht Länder die mir früh in den Sinn kommen, wenn ich an meine Lieblings-ESC-Nationen denke. Belarus hat in diesem Zeitraum sechs mal teilgenommen und dabei etwas unterdurchschnittliche Platzierungen bei mir erreicht. Von einem Sieg war Belarus bei mir jedes Jahr weit entfernt.

Emotional machen die eigenen ESC-Lieblingsnationen vor allem aus, dass es Beiträge aus diesen Ländern gibt, die man abgöttisch liebt und für die man besonders stark in den einzelnen Jahren mitgefiebert hat. Dabei gilt auch dass ein persönlicher Siegersong, oder zweiter bzw. dritter Platz eine viel stärkere Emotionalität erzeugt, als beispielsweise eine untere Top 10 Platzierung. Ob ein Song bei einem selbst Platz 15 oder Platz 35 erreicht hat, macht in der langfristigen emotionalen Bindung zu diesem ESC-Land kaum einen Unterschied. Deshalb habe ich eine dritte Methode zur mathematischen Berechnung der Emotionalität verwendet. Hierbei habe ich ganz simpel jedes Jahr an meine persönlichen Top 10 von nach den Shows Punkte von 1 bis 12 im ESC-Stil vergeben. Das Land das 2014 meinen Sieger stellte, erhält dafür also 12 Punkte. Das Land meines zweiten Platzes 10 Punkte u.s.w. Das gleiche erfolgt mit 2015, 2016 u.s.w. Mit dieser Methode wirkt sich eine Nicht-Teilnahme nicht allzu stark aus, wie bei der letzten Tabelle, da die große Mehrheit der Länder im einzelnen Jahr alle keine Punkte bekommen, egal ob sie auf Platz 11 gelandet sind, oder gar nicht teilgenommen haben. Hier ist das Ergebnis dieser Punktevergabe:


An der Spitze sind die einzelnen Länder ganz eng beeinander. Knapp geht der erste Platz an Australien. Punktgleich dahinter ist (zu meiner Überraschung) die Schweiz. Wer jedoch fast Dauergast in den Top 10 ist, sammelt hier natürlich ordentlich Punkte ein. Mit nur einem Punkt weniger steht Bulgarien auf Platz drei. Das Land hat zwar nur in fünf von zehn Jahren teilgenommen, dabei aber beeindruckende drei Mal(!) meinen persönlichen Sieger gestellt. Man kann sich vorstellen wie traurig ich bin, dass Bulgarien derzeit nicht beim ESC dabei ist. Obwohl ich mein eigenes Land Deutschland unvermeidbar besser bewerte, erhält es in dieser Wertung nur drei Punkte und den 38. Platz. ESC-Fan aus Deutschland zu sein ist das Jahrzehnt 2014-2024 etwas deprimierend...

Belarus und Bosnien-Herzegowina haben mit einem einmaligen zehnten Platz gerade so einen Punkt erhalten. Kroatien, Dänemark, Luxemburg und Zypern waren in zehn Jahren nicht ein einziges Mal in meiner persönlichen Top 10. Kroatien und Dänemark waren mit Platz 12 immerhin nah dran. Dennoch stehe ich entsprechend eher emotionslos diesen Ländern gegenüber. Luxemburg war nur ein mal dabei und ist mit Platz 23 im Mittelfeld gelandet. Zypern hat bei seinen zehn Teilnahmen als beste Platzierung nur die #24 geschafft. Es gab seit meinem Hardcore-ESC-Fan-Dasein noch nie einen Beitrag aus Zypern mit dem ich so richtig mitgefiebert habe. Zypern ist mir ausnahmslos(!) jedes Jahr mehr oder weniger egal.

Zusammengefügt ergeben diese drei Wertungen das ultimative Endergebnis meiner Top 45 ESC-Länder der letzten 10 Jahre:


Zahlen lügen nicht und die Zahlen sagen dass Australien mein ESC-Lieblingsland ist. Herzlichen Glückwunsch an Australien und alle australischen Fans! Mit diesem ersten Platz bin ich sehr zufrieden und einverstanden. Slowenien und Lettland haben über die Zeit ein klein wenig an Appeal für mich verloren. Bulgarien ist auf lange Sicht einfach zu selten dabei, als dass es meine Nummer eins sei. Ohne nachzudenken hätte ich vermutlich geantwortet dass ich Slowenien derzeit am ehesten als mein Favoritenland sehen würde. Deshalb passt der zweite Platz hier sehr gut. Der überraschende dritte Platz mit beeindruckend vielen Top 10 Platzierungen und neulichst auch einem persönlichen Siegerbeitrag ist die Schweiz. Für Lettland gibt es nur den vierten Platz. Eine dicke Überraschung ist für mich Israel auf Platz fünf. Subjektiv, ohne Nachdenken, hätte ich das Land als durchschnittlich, vielleicht leicht überdurchschnittlich bezeichnet. Mit Litauen auf Platz sechs bin ich auch glücklich. Frankreich hat den Bonus dass ich den Klang der französischen Sprache Liebe. Albanien schickt mit seinen Powerballaden ein Genre zum ESC auf das ich gerne anspringe. Der neunte Platz von Bulgarien, das immerhin drei der zehn Sieger stellt, enttäuscht, ist aber den wenigen Teilnahmen zu Schulden. Ungarn war in einem drei-Jahres-Streak fantastisch. Drei Jahre reichen insgesamt aber gerechtfertigter Weise nur für Platz 10. San Marino sehe ich als einen meiner Lieblinge und hätte ich mir gerne rund um Platz 5 gewünscht. Die Jahre in denen ich ihren Beitrag nicht mochte verdränge ich leicht. So ist es dann doch nur Platz 11.

Deutschland landet mit Platz 20 in der Mitte. Das passt soweit. Mich überrascht dass Portugal nur auf Platz 32 steht. Ganz unten befindet sich zu meiner Überraschung nicht Italien, sondern Zypern, dem ich gänzlich leidenschaftslos begegne. Italien wurde dann doch von seinem einen Top Beitrag gerettet. Luxemburg hat mit einer Teilnahme, die insgesamt okay war, über die zehn Jahre hinweg zu wenig geboten und ist verständlicher Weise auf dem vorletzten Platz. Ich freue mich aber sehr, dass Luxemburg wieder dabei ist und bin gespannt auf die nächsten Jahre. Belarus hat in den zehn Jahren zu selten Freudensprünge bei mir ausgelöst, um andere Nationen hinter sich zu lassen.

Nun folgt täglich ein Blog-Beitrag zu jedem der 45 Länder. Darin enthalten ist u.a. mein persönliches Ranking der bis zu zehn Beiträge des Landes, wie ich sie Heute bewerte. Teilweise hat sich an meinen damaligen Bewertungen einiger Beiträge viel geändert. Garniert wird das Ganze von einer Einschätzung zu dem jeweiligen Land in den letzten zehn Jahren. Die Beiträge starten mit dem letzten Platz Zypern und gehen dann hoch bis Platz 1 Australien.

Sonntag, 19. Mai 2019

65. Eurovision Song Contest 2020 in der Niederlande - Was steht schon fest?

Die Niederlande hat den ESC 2019 gewonnen. Laut Regelwerk soll alles daran gesetzt werden, dass die Rundfunkanstalt, die im Vorjahr siegte, den aktuellen ESC austrägt. Aus der Niederlande gab es selbstverständlich auch schon die Bestätigung, das man den ESC 2020 in der Heimat veranstalten möchte, doch das ist nicht alles. Bereits wenige Stunden nach dem Finale gaben mehrere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten unseres Nachbarlandes bekannt, dass sie gemeinsam den ESC austragen wollen und verschiedene Kompetenzen bezüglich der Austragung untereinander aufteilen wollen. Die angesprochenen Sendergruppen sind AVROTROS, NPO und NOS. Letzterer Sender war ganz lange der niederländische Sender für den ESC. Nachdem der Wettbewerb im Land nachhaltig an Beliebtheit verlor, wurde ab der ESC-Saison 2010/2011, die Aufgabe den ESC-Beitrag zu stellen, an den Rentner-Sender TROS übertragen. Die Austragung des Wettbewerbs möchte sich NOS aber anscheinend nicht entgehen lassen. Auch NPO möchte sich in diese ehrenvolle Aufgabe einmischen. Vergessen sollte man aber nicht, dass die Leistung für diesen Sieg ganz allein von TROS erbracht wurde.

Auch unter den Städten zeichnet sich ein harter Kampf um den Gastgeberstatus ab. Es haben bereits Amsterdam, Rotterdam, Den Haag, Maastricht, Arnheim und Zwolle angekündigt, sich auf den ESC 2020 als Gastgeberstadt zu bewerben. Mit weiteren Bewerberstädten ist zu rechnen. Bis wir wissen wo genau der ESC stattfinden wird, müssen wir uns noch einige Zeit gedulden.

Mögliche Termine für den ESC 2020 sind der 02., 09., 16., 23. und 30. Mai. Der Termin richtet sich immer nach den Terminen von anderen europäischen Großereignissen, damit es keine Überschneidungen gibt, denn das würde der Aufmerksamkeit aller dieser Ereignisse schaden. Die UEFA Champions League hat ihre Termine auf den 28./29.04. und 05./06.05. gelegt. Somit dürfte der Finaltermin des 09.05. für den ESC herausfallen. Die UEFA Europa League gibt es am 30.04. und 07. 05.. Damit sind die ESC-Finaltermine vom 02.05. und 09.05. blockiert. Der German Football Cup hat seinen großen Tag am 23.05., womit auch dieser Termin für den ESC sehr unwahrscheinlich wird. Nächstes Jahr soll ein Formel 1-Grand Prix in der Niederlande stattfinden. Dessen Termin wurde noch nicht festgelegt, wäre aber auch ein fast-Ausschluss-Kriterium für die EBU, an diesem Wochenende das ESC-Finale abzuhalten. Somit bleiben derzeit nur der 16. und 30.05. übrig. Angesichts dessen, dass wir dieses Jahr den 18.05. als Termin hatten, gilt der 16.05. also sehr wahrscheinlicher Termin für den ESC 2020.

Ein Phänomen, das erst sehr neu in der ESC-Bubble ist, ist dass reihenweise Nationen ihre Teilnahmen am ESC schon vor dem Ende des Vorjahreswettbewerbs bekunden. Derzeit sind es bereits 16 Nationen, die ankündigten am ESC 2020 teilzunehmen. In manchen von ihnen läuft schon seit einiger Zeit die Bewerbungsfrist für den Vorentscheid, oder ist sogar schon vorbei. Diese 16 Länder werden nächstes Jahr wieder dabei sein:

Australien
Belgien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Montenegro
Niederlande
Norwegen
Österreich
Portugal
Rumänien
Schweden
Tschechien
Ukraine
Weißrussland

Die Tickets gehen natürlich erst in den Verkauf, wenn die Halle ausgewählt und die Bühne designt worden ist. Die erste Ticketrunde gibt es in der Regel im November, oder Dezember.

Sonntag, 12. Mai 2019

Deutschland: Illegale Fotos

Es kam heraus, dass die Bilder, die auf der LED-Screen-Show zu sehen sind, Stock Photos, aus dem Internet, sind, die unter dem Suchbegriff "lesbische Paare" gefunden worden sind. Daraufhin warf die deutsche Delegation alle Internetbilder aus der LED-Screen-Show heraus und ersetzte sie durch Fotos von Carlotta und Laurita. Dadurch geht der Mehrwert, den Deutschland mit der ersten Probe geschaffen hatte, komplett verloren und das gute Staging wird zu einem schlechten Staging. Deutschland könnte auf einem unumstrittenen Weg Bilder von lesbischen Paaren bekommen. Zum Beispiel, so wie es Ungarn getan hat, mit einem öffentlichen Aufruf um solche Bilder bitten, sie einzuschicken. Ich bin mir sicher, viele würden das machen. Mit diesem Staging hat Deutschland eine Platzierung unter den letzten drei Plätzen im Finale sicher. Meine Euphorie, die durch unsere erste Probe entstanden ist, schlägt sich nun in Trauer um. Bis Freitag Nachmittag ist noch Zeit das Staging auf das Niveau zu bringen, auf dem es mal war. Hoffen wir, dass es bis dahin noch wird.





Samstag, 11. Mai 2019

Deutschland: Mehr als nur Schwestern

Deutschland hatte schon zuvor angekündigt, dass die Drehscheibe vom Vorentscheid nicht mit nach Tel Aviv auf die Bühne gebracht wird. Das Staging sollte ganz anders werden, als beim Vorentscheid. Das Geheimnis wie es werden soll, wurde nun endlich gelüftet. Carlotta und Laurita tragen zwei komplett unterschiedliche Outfits. Das wird allgemein positiv aufgenommen, denn dadurch kommt ihre Individualität zum Tragen. An der LED-Wand sind Bilder von Frauenpaaren zu sehen. Die "Diashow" sieht übrigens hochprofessionell und teuer produziert aus, es ist richtig gut geworden. Damit erweitert Deutschland die Message des Songs, denn es sind nicht nur Schwestern, sondern Frauen, die in irgendeiner Weise in einer Beziehung zueinander stehen, wie zum Beispiel Mutter und Tochter, gleichgeschlechtliche, weibliche Liebespaare, oder Freundinnen. Die Wörter "Sorry" und "Respect" leuchten auf dem LED-Screen auf. So kommt jeder Zuschauer hinter die Message des Songs und kann das fühlen was S!sters dort singen. Die vier Backgroundsängerinnen stehen hinter der Bühne.

Das Licht, die Choreographie und die Kameraeinstellungen und -schnitte, sind so umgesetzt, dass noch viel mehr Drama in den Song kommt. Gegen Ende des Songs gehen S!isters (im Streit) auseinander, auf die beiden Catwalks, seitlich der Bühne. Mit dem Refrain treffen sie sich wieder vorne, an der Spitze, auf der Vorbühne. Das alleine zeigt schon die gesamte Message des Songs, dass Frauenpaare sich untereinander nicht so sehr streiten und mehr mit gemeinsamer Kraft, zusammen, kämpfen sollen, weil sie so viel mehr erreichen. Deutschland hat ein ziemlich gutes Staging, es gibt aber auch viele Nationen, die ein besseres Staging auf die Bühne bringen.





Samstag, 4. Mai 2019

Neue Punktepräsentation, Postdards und deutsche Jury: Was geschah in der pre-Party-Saison?

Hier ein Post zu allen wirklich wichtigen Nachrichten, die während der Pre-Party-Saison durch die ESC-Bubble geisterten. Es sind nicht sehr viele.

Die einzige richtig große Meldung ist es, dass die EBU die Art in der die Punkte bei der Bekanntgabe im Voting, im Finale, verändert hat. Die Änderung ist nicht groß, aber durchaus erwähnenswert. Bisher wurden die Punkte der Jurys detailliert bekanntgegeben, anschließend die Punkte aus dem Televoting zusammengefasst ausgerufen. Das bleibt auch so. Es ändert sich lediglich die Reihenfolge, in der die Televoting Punkte verkündet werden.

Bislang wurde zunächst die Punktzahl des Landes verraten, das im Televoting die wenigsten Punkte erhalten hat. Darauf folgte das Land mit den zweit wenigsten Punkten, und so weiter, bis zu dem Land, das insgesamt am meisten Punkte aus allen Ländern, im Televoting, erhalten hat. Mit der Regeländerung soll zuerst das Land sein Televoting-Gesamtergebnis erfahren, das im Juryvoting auf dem letzten Platz gelandet ist. Danach werden die Punkte des Vorletzten im Juryvoting bekanntgegeben. Dann der drittletzte Platz des Juryvotings u.s.w.. Am Ende der Votingphase warten also die Länder immer noch auf ihr Ergebnis, die die Jury ganz weit vorne gesehen hat. Dies soll "noch mehr Spannung" in die Schlussphase des Votings bringen. Achtung, am Wertungssystem an sich ändert sich nichts! Die Punkte werden nach dem gleichen System verteilt, wie auch in den letzten drei Jahren. Falls du die Regeländerung noch nicht so ganz verstanden hast, kannst du dir dieses Video anschauen. In der Montage siehst du, wie die Votingpräsentation, nach dem neuen Format, im letzten Jahr ausgesehen hätte.


Wer meinen Blog schon etwas länger verfolgt dürfte sich denken wie meine Meinung zu dieser Änderung ist. Ich habe mich schon viel zu sehr darüber aufgeregt, möchte deshalb hier nur kurz erwähnen dass die EBU anscheinend alles versucht um ESC-Fans von ihrem Hobby abzubringen. Die Änderung macht das Voting noch unübersichtlicher als es eh schon ist. Nun kann man nicht mal mehr einschätzen wer auf welchem Platz im Televoting gelandet ist, was für mich der einzige Vorteil des neuen Voting Systems (seit 2016) war. Ich war ernsthaft am Überlegen, ob ich den Fernseher vor dem Voting einfach ausschalte und mir das detaillierte Ergebnis nachträglich Online anschaue. Das ist für mich spannender und interessanter. So langsam macht es echt keinen Spaß mehr das Voting vom ESC Finale zu sehen. Genug schlechte Laune gewonnen, ich möchte mich freuen, denn morgen früh geht es mit den Proben los. Die sind mir viel wichtiger als das Voting und die nimmt uns die EBU nicht.

Die Postcards für den diesjährigen ESC stehen unter dem Motto "Everybody Dance", darin werden die Interpreten dazu gezwungen ...äh gebeten, zu tanzen. Die Postcards sind die 45-sekündigen Videos, die vor dem Auftritt eines ESC-Beitrages, in der Liveshow, laufen. Diese wurden nicht in umstrittenen Gebieten Israels gedreht. Eine Ausnahme bildet hierbei die Postcard vom Gastgeber Israel. Diese wurde zeigt Kobi vor der weltbekannten Klagemauer. Grund für die eingeschränkte Drehortwahl ist das unbedingte Vermeiden einer Politisierung des Wettbewerbs, das sich die EBU und KAN selbst auferlegt haben.

Ganz unpolitisch kann der ESC im politisch aufgeladenstem Land der Welt nicht sein. So gibt es Drohungen muslimischer Streitkräfte, den ESC zu bombardieren, da es angesichts der humanitären Lage für viele Einwohner der Region in und um Israel, nichts zu feiern gäbe. Entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wurden getroffen, sodass ein möglicher Angriff durch die "Eiserne Kuppel" abgewehrt werden sollte. Ein weiteres politisches Problem waren immer wiederkehrende Streitigkeiten um Finanzzahlungen des israelischen Staates für den ESC.

Derweil haben Frankreich und Deutschland ihre Teilnahmen für den ESC 2020 bereits bestätigt. Beide Nationen möchten ihr diesjähriges Konzept der Beitragsfindung auch im nächsten Jahr wiederholen. Eventuell zurückkehren könnte 2020 Andorra. Dort gibt es Gespräche mit dem katalanischen Sender TV3, die Beitragsfindung und Teilnahme am ESC gemeinsam im Namen Andorras zu stemmen, wie es auch bei den bisherigen Teilnahmen des Kleinstaates der Fall war.

Ob Andorra 2020 wirklich zum ESC zurückkehren wird, stellt sich wohl im Sommer heraus. Dann entscheidet die EBU auch über die Bewerbung von TV3 zur Vollmitgliedschaft. Eine Teilnahmeberechtigung am ESC hätte Katalonien damit trotzdem nicht, da es immer noch ein Teil Spaniens ist und für jede Nation nur eine Rundfunkanstalt antreten darf. Außerdem gelang an die Öffentlichkeit dass die EBU 2015 Verhandlungen mit Andorra führte, um es für den ESC zurückzugewinnen. Man hat Andorra gefragt, was sie dafür haben möchten, wenn sie wieder beim ESC teilnehmen. Leider ging der Vorstand des andorranischen Rundfunks auf kein Angebot ein. Die EBU versucht also doch ESC-Fans glücklich zu machen.

Bei Bulgarien gibt es hingegen Gerüchte, dass es in den nächsten Jahren gar nicht das Interesse hätte teilzunehmen. Von offizieller Seite gibt es diesbezüglich keine Äußerungen. Hoffen wir, dass es bei einem Gerücht bleibt. Nach den beeindruckend erfolgreichen Teilnahmen in den letzten drei Jahren wäre ein erneutes, dauerhaftes, Fernbleiben Bulgariens doch sehr bedauerlich.

Die deutsche Jury für den ESC 2019 besteht aus Vorjahresviertplatziertem Michael Schulte ("You let me walk alone"), dem Singer-Songwriter Nico Santos, der Sängerin Anett Louisan, der Leadsängerin von Laing ("Ich bin morgens immer müde"), die beim deutschen Vorentscheid 2015 den 3. Platz, hinter Ann Sophie ("Black Smoke"), mit "Zeig deine Muskeln" belegte, Nicola Rost und Joe Chialo, von der Musikproduktionsfirma "AIRFORCE1". Seit langer Zeit bin ich endlich mal glücklich über unsere Jury. Ich glaube an eine gute Wertung von ihnen. Dieses Jahr gibt es den seltenen Fall, dass ich mich von der Jury meines Landes vertreten fühle. Diese fünf werden durch 200 andere Jurymitglieder, aus den anderen 40 Nationen ergänzt.

Für die drei Live-Shows dürfen wir uns auf ein richtig tolles Interval-Act Programm freuen - und das nicht (nur) weil US-Star Madonna dabei ist. Eine letzte Meldung gibt es noch, die man zwar nicht unbedingt wissen muss, ich hier aber unbedingt anbringen möchte. Serhat hat verraten, dass er seinen Song "Say na na na" innerhalb von fünf Minuten auf den Straßen von Köln geschrieben hat, nachdem er einen Anruf von SMRTV erhielt. Ich muss sagen dass der Track auch genau danach klingt, was ich selbstverständlich negativ meine.

Für die Startreihenfolge der Länder in den Halbfinals, sowie meine persönliche Rangliste vor den Proben, folgen noch separate Posts. Um 09:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit beginnen dann die Proben in Tel Aviv.

Freitag, 22. Februar 2019

S!sters fahren für Deutschland zum ESC!

Deutschland hat Unser Lied für Israel gewählt! S!isters repräsentieren mit dem Song "Sister" Deutschland beim 64. Eurovision Song Contest 2019 Dare to Dream in Tel Aviv! Das Duo gewann das Jury- und Televoting. Nur beim Europanel reichte es lediglich für den 5. Platz. Insgesamt sind es dennoch 4 Punkte Vorsprung vor "The Day I loved you most" von Makeda, und damit eine klare Entscheidung.

Zu aller erst möchte ich sagen dass ich mich sehr für Laurita freue. Sie macht Musik um Menschen zu berühren. Am 17.12.2017 gelang ihr das bei mir sehr gut. Es war der wohl emotionalste Abend meines Lebens. Da ich in der ersten Reihe, genau im Blickfeld von Laurita, stand, hat sie das sehr gut mitbekommen und sich immer wieder mit mir darüber gefreut. Auch die vielen Blickkontakte mit ihr machten diesen Abend auf der kleinen "Abschiedstour" von Lena, bevor sie ein neues Kapitel in ihrem Leben begann, zum einem so besonderen und unvergesslichen Erlebnis. Als ich sie heute beim Vorentscheid sah kamen mir wieder mehrmals die Tränen. Ich habe es noch nicht realisiert dass sie das Lebensabenteuer Eurovision Song Contest nun erfahren darf.

Rein vom Song her war "Sister", nachdem alle live auf der Bühne performt haben, mein 3. Platz, dicht hinter "Surprise" von Lilly Among Clouds. Ich glaube dass wir mit "Surprise" noch deutlich besser beim ESC abschneiden würden, mit "Sister" haben wir aber einen starken Beitrag im Gepäck, der auf der großen ESC-Bühne noch mal ganz anders wirken wird, als beim deutschen Vorentscheid. Zudem bin ich heilfroh, dass "Wear your Love" von Aly Ryan nicht gewonnen hat!

Hier kannst du dir das detaillierte Ergebnis noch einmal in Ruhe anschauen. In der Tabelle ist ebenfalls das Ergebnis vom internationalen Fan-Voting auf My Eurovision Scoreboard (Stand: 22.02./23:33) und meine veränderte Rangliste nach der Show enthalten. Bei Punktgleichheit überwiegt das Televoting:

Platzierung Punkte (Jury/Panel/Televoting) Ranking im Fanvoting Punkte im Fanvoting My Ranking Songtitel Interpret
1. 30 (12/6/12) 6. 4.   537    3. Sister S!sters
2. 26 (10/10/6) 4. 4.   762    4. The Day I loved you most Makeda
3. 25 (7/8/10) 2. 5.   681    2. Surprise Lilly Among Clouds
4. 25 (6/12/7) 1. 7.   018    5. Wear your Love Aly Ryan
5. 23 (8/7/8) 3. 4.   924    1. Our City Linus Bruhn
6. 14 (4/5/5) 7. 4.   302    6. Let me go Gregor Hägele
7. 13 (5/4/4) 5. 4.   760    7. Demons
BB Thomaz

Carlotta Truman und Laurita sind Deutschlands große Hoffnung auf möglichst viele Punkte beim ESC. Ich hoffe dass alle wenigstens einigermaßen zufrieden mit dieser Entscheidung sind und Deutschland hinter seinem Beitrag steht. Ich bin auf jedem Fall glücklich mit unserem Beitrag und schaue dahingehend gerne auf den weiteren Verlauf der Saison. In den Wettquoten ist Deutschland übrigens vom Mittelfeld auf Platz 5 gestiegen! Unsere Chancen werden von den Buchmachern also recht gut eingeschätzt.

Ich persönlich sortiere Deutschland folgendermaßen in meine ESC-Rangliste ein:

...
2. Australien
3. Albanien
4. Großbritannien und Nordirland
5. Deutschland
6. Kroatien
7. Slowenien
8. Rumänien
...

Bei den Fans war "Sister" nicht so beliebt. Das hat mich schon vor der Show überrascht. Deshalb liegt Deutschland im Fan-Voting nicht so weit vorne. Hier der aktuelle Stand (22.02./23:45) von My Eurovision Scoreboard:

...
6. Großbritannien und Nordirland 9.597
7. Rumänien 8.834
8. Slowenien 8.608
9. Deutschland 7.820
10. Australien 7.357
11. Tschechien 5.826
12. Lettland 4.293
...

Carlotta Truman und Laurita sind Deutschlands große Hoffnung auf möglichst viele Punkte beim ESC. Ich hoffe dass alle wenigstens einigermaßen zufrieden mit dieser Entscheidung sind und Deutschland hinter seinem Beitrag steht. Ich bin auf jeden Fall glücklich mit unserem Beitrag und schaue dahingehend gerne auf den weiteren Verlauf der Saison. In den Wettquoten ist Deutschland übrigens vom Mittelfeld auf Platz 5 gestiegen! Unsere Chancen werden von den Buchmachern also recht gut eingeschätzt. Hier kannst du dir Unser Lied für Israel anhören:


Heute: Unser Lied für Israel!

Es ist so weit! vor einem Jahr haben wir mit "You let me walk alone" von Michael Schulte unser Lied für Lissabon gewählt und damit einen riesigen Volltreffer gelandet. Das Erlebnis des 4. Platzes kann uns keiner mehr nehmen und wir dürfen auf Ewig stolz darauf sein. Doch jedes Jahr gibt es eine neue Chance ein gutes Ergebnis beim ESC einzufahren. Deshalb wählen wir heute Abend unser Lied für Israel.

Nach dem gleichen Votingsystem wie im letzten Jahr, haben die internationale Jury, das Europanel und die Zuschauer per Televoting, zu jeweils einem Drittel Einfluss auf das Endergebnis. Um Mitternacht hat der NDR die 7 Lieder veröffentlicht die der Republik zur Auswahl stehen. Unter diesem Link kannst du dir alle Songs anhören.

Das habe ich natürlich auch getan. Mein Gesamteindruck ist in Ordnung. Eventuell könnten 2 bis 3 Songs aus dem Repertoire einen Erfolg beim ESC bringen. Meine Angst dass es so schlimm wird wie 2017 ist ausgeblieben. Gewinnen werden wir den 64. Eurovision Song Contest 2019 Dare to Dream in Tel Aviv aber nicht.

Am größten schätze ich unsere Chancen mit "Surprise" von Lilly Among Clouds ein, aber auch nur wenn wir in Tel Aviv dazu ein sehr gutes Staging auf die Bühne bringen. Mir persönlich gefallen aber die Lieder "Our City" von Linus Bruhn und "The Day I loved you most" von Makeda am besten. "Let me go" von Gregor Hägele, "Wear your Love" von Aly Ryan und "Demons" von BB Thomaz sollten wir besser nicht zum ESC schicken, wenn wir nicht als Außenseiter gelten wollen.

Unter den internationalen ESC-Fans gilt Wear your Love von Aly Ryan als Favorit. Hier ist eine Liste aller Kandidaten, inklusive dem Ergebnis des Fan-Votings auf My Eurovision Scoreboard (Stand 22.02./14:52), meiner persönlichen Rangliste und der Auftrittsreihenfolge der Beiträge in der Show:

Ranking im Fanvoting Punkte im Fanvoting My Ranking Startnummer Songtitel Interpret
1. 3.704    6. 2    Wear your Love Aly Ryan
2. 2.947    3. 5    Surprise Lilly Among Clouds
3. 2.620    7. 4    Demons BB Thomaz
4. 2.606    1. 6    Our City Linus Bruhn
5. 2.452    2. 3    The Day I loved you most Makeda
6. 2.348    5. 1    Let me go Gregor Hägele
7. 2.147    4. 7    Sister S!sters

Die Moderation übernehmen Barbara Schöneberger und und Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis. Peter Urban kommentiert. Als Interval-Acts treten Michael Schulte, Lena Meyer-Landrut, Revolverheld, Udo Lindenberg und Andreas Bourani auf. Für viel Prominenz ist also gesorgt.

Im Ersten Deutschen Fernsehen wird "Unser Lied für Israel" ab 20:15 Uhr live aus der Hauptstadt Berlin übertragen. Zusätzlich wird die Sendung auch auf ONE ausgestrahlt. Wer keinen funktionierenden Fernseher, aber eine ausreichende Internetverbindung hat, kann den deutschen Vorentscheid über diesen Link im Livestream der ARD-Website Eurovision.de verfolgen.

Erstmals bietet die ARD auch Übertragungen für Menschen mit Seh- und Hörschwäche an. Über diesen Link kann die Show online mit Audiodeskription, oder in Gebärdensprache verfolgt werden. Die Ausgabe mit Audiodeskription ist auch am Fernsehgerät empfangbar. Nähere Informationen dazu gibt es im Teletext auf Seite 150.

Ich wünsche allen deutschen und ausländischen Leser meines Blogs einen wundervollen Abend und dass wir die beste Wahl mit unserem Lied für Israel treffen!

Samstag, 16. Februar 2019

News Kompakt (36)

Es ist wieder Samstag im Februar. Das bedeutet für ESC-Fans, das wir uns wieder ganz intensiv der schönsten Nebensache der Welt widmen können; dem Eurovision Song Contest. Die zweite Februar Hälfte hat begonnen. Wir wissen inzwischen zwar 21 der 42 Interpreten, also genau die Hälfte, aber erst 8 Songs! Es fühlt sich so an als stehe die gesamte Vorentscheidungssaison noch bevor und käme gerade erst ins Rollen, wir sind aber schon mitten drin. Ich glaube nicht dass es schon einmal so lange gedauert hat, bis wir ESC-Fans eine gewissen Anzahl an Songs in unsere ESC-Playlist des Jahres aufnehmen konnten. Besonders bei den internen Auswahlen hakt es dieses Jahr. Bisher gab es keinen einzigen Song Release von diesen Ländern. Die meisten haben ihren Termin dafür erst wenige Tage vor dem Ablauf der Frist am 11.03. angesetzt.

Heute Abend kommen aber garantiert vier Songs dazu. Denn so viele Nationen wählen heute ihren Song durch den Vorentscheid. In sechs weiteren Ländern findet ein Halbfinale statt. Morgen folgt dann noch das Finale in Rumänien und damit einhergehend ein weiterer Song. Hier gibt es einen Überblick über die Shows von heute Abend (alle Zeiten sind auf die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) gerechnet:

17:45 Uhr: Estland - Finale - Eesti Laul
18:00 Uhr: Ukraine - 2. Halbfinale - Vidbir
19:00 Uhr: Georgien - Top 6 Liveshow - Sakartvelos varksvlavi
19:30 Uhr: Ungarn - 2. Halbfinale - A Dal
20:00 Uhr: Slowenien - Vorentscheid - EMA
20:00 Uhr: Kroatien - Vorentscheid - Dora
20:00 Uhr: Schweden - 3. Halbfinale - Melodifestivalen
20:00 Uhr: Litauen - 2. Halbfinale - Eurovizijos
20:25 Uhr: Lettland - Finale - Supernova
20:45 Uhr: Island - 2. Halbfinale - Söngvakeppnin
22:09 Uhr: Portugal - 1. Halbfinale - Festival da Cancao

Zu den Finals in Estland und Lettland, sowie den Vorentscheiden von Slowenien und Kroatien folgt hier noch ein eigener Post mit allen wichtigen Informationen für die Show. Wer eine der anderen Shows im freien Fernsehen nicht empfängt, sie aber trotzdem sehen möchte, schaut am Besten auf dieser Website vorbei, die Links für Livestreams der Sendungen sammelt.

Hier gibt es noch einige Meldungen, die sich im Laufe der Woche angesammelt haben, aber zu klein sind, als dass sich, nach meinem Ermessen, ein eigener Post dafür lohnen würde.

Montenegro - Der Song "Heaven" wird überarbeitet werden. Wann wir den Revamp zu hören bekommen, ist noch nicht bekannt.

Italien - Wenige Stunden nach der Pressekonferenz, im Anschluss an Mahmoods Sieg des San-Remo Festivals, kündigte er den Medien an sich doch noch nicht sicher zu sein, ob er zum ESC fahren möchte. Ihm war vorher nicht bewusst wie groß der Aufwand ist, an der Eurovision teilzunehmen. Die meisten Menschen denken halt dass man mal eben für ein paar Tage zur austragenden Stadt fliegt und es das dann war. Die zwei Monate lange Vorbereitung auf den Wettbewerb hat Mahmood erschlagen und zurückschrecken lassen. Am Dienstag Nachmittag hat er aber endgültig entschieden, sich nicht die Chance nehmen zu lassen, mit "Soldi" am Eurovision Song Contest teilzunehmen.

Matteo Salvini, der Innenminister von Italien, zeigt sich auf Twitter bestürzt darüber dass Mahmood das San-Remo Festival gewonnen hat. Ihn stört es vor allem, dass Mahmood einen ägyptischen Vater hat. Um den geht es übrigens in dem Song "Soldi". Er hat mehrere Frauen auf der ganzen Welt geschwängert und mit ihren Kindern im Stich gelassen. Deshalb fühlt sich Mahmood auch zu 100% als Italiener. Salvini ist zwar nur eine Person, allerdings muss man davon ausgehen, dass sehr viele Menschen in Italien so denken. In Frankreich gibt es bereits ähnliche Probleme, weil Bilal Hassani schwul ist und marokkanische Wurzeln hat.

Deutschland - Peter Urban wird 2019 zum 22. Mal den Eurovision Song Contest für die ARD kommentieren. Babsi alias Barbara Schöneberger wird wieder das größte ESC-Public-Viewing von der hamburger Reeperbahn moderieren. Die dortige Party wird ab 20:15 Uhr und nach Ende der Show aus Israel wie gewohnt in der ARD am Finalabend live übertragen.

Finnland - Wie geplant wurde der zweite der drei Songs des Vorentscheides Uuden Musikiin Kilpailu vorgestellt. Er heißt "Superman" und wird natürlich von Sebastian Rejman gesungen. Darude ist der DJ, von dem drei Songs beim Vorentscheid zur Auswahl gestellt werden. Ich äußere mich hier zu den Songs wenn alle drei veröffentlicht wurden.

Litauen - Monika Marija startet heute Abend im 2. Halbfinale von Eurovizijos mit ihrem Song "Criminal". Letzte Woche ist sie bereits souverän mit "Light on" ins Finale eingezogen. Diesen Titel mag sie offensichtlich mehr als "Criminal". Monika bittet die Jury heute darum, ihr keine Punkte zu geben. Auch die Zuschauer sollen ihr Geld sparen und heute nicht für sie anrufen. Sofern "Criminal" ins Finale kommt, wird sie den Song dort nicht singen! Stattdessen möchte sie versuchen mit "Light on" zum ESC zu fahren. Damit ist "Criminal" quasi ausgeschieden, was ich sehr bedaure. Diesen Song finde ich noch viel besser als "Light on". Letzterer hat in der ersten Runde aber ein besseres Ergebnis eingebracht. Man muss Monika für diese Entscheidung nicht verstehen, es reicht zu versuchen sie zu akzeptieren. Trotz allem wird sie "Criminal" heute mit aller Leidenschaft singen.

Freitag, 1. Februar 2019

News Kompakt (32)

Um die Zeit schnell aufzuholen folgt schon der nächste News Kompakt Post:

22.01. Norwegen hält am 25.01. eine Pressekonferenz zur Bekanntgabe der Teilnehmer am Vorentscheid "Melodi Grand Prix" ab.

22.01. Zwei Nationen sind schon komplett fertig mit ihren Vorentscheiden, da fängt Weißrussland gerade einmal an. BTRC kündigt an dass der Vorentscheid am 8.03. stattfinden soll. Außerdem wird dazu aufgerufen sich bis Ende des Monats zu bewerben. Wie immer, wird nach den Live Auditions ausgewählt welche 10 Songs in die Show dürfen. Das Ergebnis der Auswahl wird am 04.02. verkündet. Zur Teilnahme am Vorentscheid ist die weißrussische Staatsbürgerschaft notwendig. Jeder darf nur einen Song einreichen. Eine Überraschung stellt das Votingsystem dar. BTRC stellt auf reines Juryvoting um! Jedes Jurymitlgied gibt direkt nach den jeweiligen Auftritten eine Wertung von 1-10 ab. Wer am Ende die meisten Punkte hat gewinnt. Für die Dramaturgie der Show ist die Startreihenfolge also viel entscheidender denn je. Bei einem Gleichstand auf Platz eins gibt es eine erneute Wertungsrunde der Jury am Ende der Show.

22.01. Jeden Tag (außer Samstag) veröffentlicht CT die Wertungen von zwei Jurymitgliedern des digitalen tschechischen Vorentscheides "Eurovision Song CZ" in Tschechien. Zusätzlich fließt das Online-Voting in das Ergebnis ein. Den Anfang machen Cesár Sampson, der 2018 für Österreich den 3. Platz geholt hat und Rasmussen, der 2018 für Dänemark 9. wurde:

Cesár Sampson:

12 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
10 Punkte: Space Sushi - Jakub Ondra
8 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
6 Punkte: On my Knees - Jara Vymer
4 Punkte: Don't know why - Thomás Bocek
3 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
2 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
1 Punkt: Easy to believe - Pam Rabbit

Rasmussen:

12 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
10 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
8 Punkte: Don't know why - Thomás Bocek
6 Punkte: On my Knees - Jara Vymer
4 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
3 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
2 Punkte: Easy to believe - Pam Rabbit
1 Punkt: Space Sushi - Jakub Ondra

Gesamt:

1. True Colors - Barbara Mochowa 24 Punkte
2. Friend of a Friend - Lake Malawi 18 Punkte
3. Don't know why - Thomás Bocek 12 Punkte
4. On my Knees - Jara Vymer 12 Punkte
5. Space Sushi - Jakub Ondra 11 Punkte
6. Give me a Hint - Andrea Holá 6 Punkte
7. Poslední slova tobe - Hana Barbara 6 Punkte
8. Easy to believe - Pam Rabbit 3 Punkte

23.01. Bei der Präsentation der Songs des britischen Vorentscheides wurde bekannt dass Lise Cabble den Song "Sweet lies" geschrieben hat. Er wird von Kerrie-Ann und Anisa gesungen. Lise Cabble gewann 2013 den Eurovision Song Contest für Dänemark mit "Only Teardrops". Die drei bzw. sechs Songs kannst du dir unter diesem Link anhören.

23.01. Besser spät als nie verkündet nun auch Polen seine Pläne für den ESC 2019. Es wird keinen Vorentscheid, sondern eine interne Auswahl geben. Dafür ruft TVP dazu auf, sich bis zum 05.02. zu bewerben. Neben dem Regelwerk vom ESC ist die einzige Bedingung für eine Bewerbung auch ein Foto des Sängers mit einzusenden.

23.01. In Tschechien wurden die Jurywertungen von ZiBBZ und Ira Losco präsentiert. ZiBBZ holten 2018 für die Schweiz beim ESC den 31. Platz. Ira Losco wurde 2002 2. und 2016 12. für Malta.

ZiBBZ:

12 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
10 Punkte: Easy to believe - Pam Rabbit
8 Punkte: On my Knees - Jara Vymer
6 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
4 Punkte: Don't know why - Thomás Bocek
3 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
2 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
1 Punkt: Space Sushi - Jakub Ondra

Ira Losco:

12 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
10 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
8 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
6 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
4 Punkte: Space Sushi - Jakub Ondra
3 Punkte: Easy to believe - Pam Rabbit
2 Punkte: Don't know why - Thomás Bocek
1 Punkt: On my Knees - Jara Vymer

Gesamt:

1. True Colors - Barbara Mochowa 44 Punkte
2. Friend of a Friend - Lake Malawi 36 Punkte
3. On my Knees - Jara Vymer 21 Punkte
4. Give me a Hint - Andrea Holá 18 Punkte
5. Don't know why - Thomás Bocek 18 Punkte
6. Space Sushi - Jakub Ondra 16 Punkte
7. Easy to believe - Pam Rabbit 16 Punkte
8. Poslední slova tobe - Hana Barbara 15 Punkte

23.01. Sasha Song zieht seine Teilnahme am litauischen Vorentscheid Eurovizijos zurück. Er ist im vierten Viertelfinale dran. Das Regelwerk ermöglichte es nicht, dass noch jemand nachrückt, so werden im vierten Viertelfinale nur 11 Songs antreten.

24.01. Der aserbaidschanische Rundfunk ictimaiTV ruft dazu auf sich bis zum 07.02. für die interne Auswahl als Sänger zu bewerben oder einen Song einzureichen.

24.01. Der deutsche Vorentscheid "Unser Lied für Israel" wird erstmals in Gebärdensprache für Gehörlose und Gehörgeschädigte auf Eurovision.de gestreamt werden.

24.01. Griechenland möchte bis Ende des Monats entschieden haben wer nach Tel Aviv fahren darf.

24.01. Armenien meldet dass etwa 300 Songs für Srbuk eingereicht wurden. Daraus wählt sie jetzt, in Zusammenarbeit mit ArmTV, einen aus, den sie beim ESC singen wird.

24.01. Heute gab es in Tschechien die Jurywertungen von Elina Netsajeva, die 2018 beim ESC für Estland 8. wurde und von AWS, die im vergangenen Jahr den 21. Platz für Ungarn holten.

Elina Netsajeva:

12 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
10 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
8 Punkte: On my Knees - Jara Vymer
6 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
4 Punkte: Space Sushi - Jakub Ondra
3 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
2 Punkte: Don't know why - Thomás Bocek
1 Punkt: Easy to believe - Pam Rabbit

AWS:

12 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
10 Punkte: Easy to believe - Pam Rabbit
8 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
6 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
4 Punkte: On my Knees - Jara Vymer
3 Punkte: Space Sushi - Jakub Ondra
2 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
1 Punkt: Don't know why - Thomás Bocek

Gesamt:

1. True Colors - Barbara Mochowa 60 Punkte
2. Friend of a Friend - Lake Malawi 56 Punkte
3. Give me a Hint - Andrea Holá 33 Punkte
4. On my Knees - Jara Vymer 33 Punkte
5. Easy to believe - Pam Rabbit 27 Punkte
6. Space Sushi - Jakub Ondra 23 Punkte
7. Poslední slova tobe - Hana Barbara 23 Punkte
8. Don't know why - Thomás Bocek 21 Punkte

24.01. Island ändert das Votingsystem des Vorentscheides. In den Halbfinals stimmen zu jeweils 50% eine internationale Jury und das Televoting darüber ab welche zwei Beiträge ins Finale kommen. RÜV vergibt zusätzlich eine WildCard fürs Finale. Im Finale wird die internationale Jury größer sein, aus zehn Mitgliedern bestehen. Dort kommen die Top 2 des kombinierten Votings in Superfinale. Die Stimmen aus der ersten Voting Runde werden ins Superfinale mitgenommen, dort entscheidet dann das Televoting allein wer Island in Israel repräsentieren soll. Am 26.01. werden die Kandidaten bekanntgegeben.

25.01. Norwegen hat die 10 Songs des Vorentscheides "Melodi Grand Prix" veröffentlicht. Unter den Kandidaten sind viele bereits bekannte ESC-Künstler. Kjetil Mörland schrieb den Song von Norwegen beim ESC 2015 und sang ihn dort gemeinsam mit Debrah Scarlett. Sie erreichten den 8. Platz. Den Auftritt kannst du dir unten anschauen. Nun tritt er mit seinem selbst komponierten Song "En livredd mann" erneut beim NMGP an. Er komponierte zusammen mit Jowst, der beim ESC 2017 10. für Norwegen als Komponist und Live-Bühnen-DJ wurde, den Song "The Bubble", der von Adrian Jörgenden gesungen wird und ebenfalls im Teilnehmerfeld des NMGP 2019 steckt. Den Auftritt von Norwegen beim ESC 2017 gibt es unten zu sehen.

Sennek wurde beim ESC 2018 29. für Belgien mit ihrem selbst geschriebenen Song "A Matter of Time". Ihren Auftritt kannst du dir unten anschauen. Nun hat sie den Song "Hold me down" geschrieben, der von Carina Dahl gesungen wird und am norwegischen Vorentscheid teilnimmt. Erlend Bratland verpasste 2015 ganz knapp den Sieg beim NMGP und wäre fast zum ESC gefahren. Mit "Thunderstruck" erhielt er 85.373 Stimmen im Televoting des Superfinales. Seinen Auftritt gibt es unten zu sehen. Mörland und Debrah Scarlett kamen auf 88.869 Stimmen. Es könnte sich dieses Szenario 2019 wiederholen, denn Erlend Bratland ist mit dem Song "Sing for you" ebenfalls beim NMGP 2019 dabei.





25.01. Ich verstehe zwar nicht warum jede non-eurovisionäre Zeitung einen riesigen Artikel darüber geschrieben hat wer den 64. Eurovision Song Contest 2019 Dare to Dream moderieren wird, einmal kurz erwähnen werde ich es aber trotzdem, auch wenn die Moderation meiner Ansicht nach von allem der unbedeutendste Anteil an der Show ist. Als Hauptmoderatoren werden Schauspielerin und Model Bar Rafaeli und Moderator, sowie der israelische ESC-Kommentator vom letzten Jahr, Erez Tal, fungieren. Bar Rafaeli sorgte vor ein paar Wochen in Israel für Schlagzeilen, weil ihr Steuerhinterzug vorgeworfen wurde. Mit mini-Interviews aus dem Greenroom melden sich Assi Azar und Lucy Ayoub.

25.01. Aus Tschechien gibt es die nächsten Jurywertungen. Heute waren Alma, die 2017 für Frankreich beim ESC den 12. Platz holte und Ari Ólafsson, der beim letzten ESC für Island nur 15 Punkte im Halbfinale erhielt und damit 43., also Letzter wurde, an der Reihe:

Alma:

12 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
10 Punkte: Space Sushi - Jakub Ondra
8 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
6 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
4 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
3 Punkte: On my Knees - Jara Vymer
2 Punkte: Don't know why - Thomás Bocek
1 Punkt: Easy to believe - Pam Rabbit

Ari Ólafsson:

12 Punkte: Friend of a Friend - Lake Malawi
10 Punkte: Don't know why - Thomás Bocek
8 Punkte: Easy to believe - Pam Rabbit
6 Punkte: True Colors - Barbara Mochowa
4 Punkte: Poslední slova tobe - Hana Barbara
3 Punkte: Space Sushi - Jakub Ondra
2 Punkte: Give me a Hint - Andrea Holá
1 Punkt: On my Knees - Jara Vymer

Gesamt:

1. True Colors - Barbara Mochowa 78 Punkte
2. Friend of a Friend - Lake Malawi 74 Punkte
3. Give me a Hint - Andrea Holá 43 Punkte
4. On my Knees - Jara Vymer 37 Punkte
5. Easy to believe - Pam Rabbit 36 Punkte
6. Space Sushi - Jakub Ondra 36 Punkte
7. Don't know why - Thomás Bocek 33 Punkte
8. Poslední slova tobe - Hana Barbara 31 Punkte

Damit ist ein weiterer Post von News Kompakt voll. In Kürze geht es weiter mit dem Vorentscheidungs-Wochenende von letzter Woche.