Posts mit dem Label 10-Jahres-Ranking werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 10-Jahres-Ranking werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 5. Mai 2025

ESC 2014-2024 (27/45): Vereinigtes Königreich

 Die Ergebnisse des Vereinigten Königreichs beim ESC 2014-2024 sind insgesamt nicht besonders gut. Ich empfinde die legendäre Rundfunkanstalt BBC subjektiv auch nicht als ein gutes Land beim ESC. Und dennoch ist das, was die Insel uns liefert, insgesamt gesehen gar nicht so schlecht, sodass es in meinem 10-Jahres-Ranking für die Inselnation für Platz 19 reicht.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 19. (24./18./20.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 6. (2024)

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 36. (2015 und 2016)

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 2. mit 466 Punkten 2022

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 26. mit 0 Punkten 2021

Es ist eine sehr knappe Entscheidung für mich zwischen Platz eins und zwei, weil ich gerne beiden Beiträgen den Preis für den besten britischen ESC-Beitrag 2014-2024 geben möchte. Ich habe mich für "Children of the Universe" von Molly entschieden. Dieses musikalische Meisterwerk spricht für sich. Die Power von allem daran muss erstmal jemand nachmachen. Damals war ich noch zu jung, als dass dieser Beitrag bei mir klick gemacht hat. Das kam aber kurze Zeit später. Seitdem bin ich immer wieder aufs Neue geflasht. Hätte der ESC 2014 zehn Jahre später stattgefunden, wäre das Vereinigte Köngireich womöglich mein Sieger gewesen. "Power to the People!"


Wer nicht in der schwulen Kultur unterwegs ist, versteht vermutlich nicht wie sehr dieser ESC-Beitrag so vieles aus der schwulen Kulturszene verkörpert. Olly Alexander ist durch Years & Years eine der größten Gay-Ikonen unserer Zeit. Alleine die Nachricht dass er zum ESC fährt hat die Briten auf Platz eins der Wettquoten gebracht! Die "Nill Points" Briten! Das Staging beim ESC ist nicht nur technisch durch die Perspektivwechsel beeindruckend und ein Stück weit showinnovativ. Der noch viel größere Wert darin liegt für mich in den zahlreichen Elementen der Gay-Szene, die darin verarbeitet sind. Es ist eine Hommage an schwule Kultur - und das in besser als meine Fantasie es sich hätte ausmalen können. Das Lied musikalisiert einen ganz spezifischen Gefühlszustand, für den es in der deutschen Sprache nicht einmal Wörter gibt. Es geht darum, wenn jemand anderes dich durch Berührungen und dessen Art als Person in einen Zustand versetzt, in dem das Gehirn ausschaltet, weil es zu einem scheinbar übermenschlichen Gefühl kommt, das es unbedingt beibehalten möchte und alles andere vergisst. Eine hypnotische Faszination in Kombination mit dem "Betteln" die andere Person(en) solle nicht aufhören zu tun was sie tut und zu sein was sie ist, damit dieser Zustand anhält. Dieses "Dizzy"-Gefühl wird nicht nur im Text und der ganzen Verkörperung des Beitrages, sondern auch musikalisch gut umgesetzt. Allerdings ist die musikalische Umsetzung für mich nicht perfekt, sonst müsste ich drüber nachdenken den Beitrag in meine Allzeit-Top 5 mit aufzunehmen. Und das ist auch die einzige Kritik die ich hieran äußern kann, die aber schwer ins Gewicht fällt im diesem hochkarätigen Wettbewerb von Kompositionen. Der Song läuft bei mir immer wieder auf Dauerschleife. Es ist wahnsinnig guter Eskarpismus.

Die Melodie von "Never give up on you" ist eine der größten Ohrwurmmelodien vom ESC für mich. Das Staging ist mit Worten kaum zu beschreiben: Magnificent! Die eigenartige Mimik und Körperhaltung von Lucie Jones während der Performance spiegeln sich bei mir automatisch wenn ich das Lied höre. Es ist ein Paradebeispiel von ESC-Beiträgen, die ich erst nach Ende des Wettbewerbs so richtig lieben gelernt habe, dafür dann aber besonders doll.

What a Man! Das was Sam Ryder mit "Space Man" auf die ESC-Bühne gebracht hat, zeigt wozu die britische Musikszene fähig ist. Und sie ist es jedes Jahr. Dafür muss die BBC nur das nutzen was da ist. 2022 wurde das mit der Silbermedaille belohnt. Ich habe den Eindruck dass die Briten seitdem Blut geleckt haben und jetzt alles in Schale legen um tatsächlich jedes Jahr eine gute Repräsentation britischer Musik zum ESC zu bringen. Dabei fallen sie derzeit noch ein wenig über Stolpersteine, aber an sich ist die BBC auf dem richtigen Weg. Für mich müsste das Lied an sich, ohne den strahlenden Space Man, noch etwas besser sein, damit es ganz nach oben ginge.

"Bigger than Us" und "Storm" sind ESC-Beiträge die am Tag nach dem ESC-Finale auf ihrem Gipfel ihrer Gunst bei mir waren, und deshalb in meinen letztlichen Rankings bessere Platzierungen erreicht haben, als sie sie vorher in der Saison hatten und auch als ich sie später einordnen würde. Beides sind kraftvolle Lieder mit ordentlich Wumms der mitreißt, denen aber doch das Besondere fehlt, damit es ganz nach oben gehen kann. Den ESC-Fan Running Gag "BIGGER" praktiziere ich weiterhin gerne XD

"Still in Love with you" ist meine vielleicht größte Live-Enttäuschung beim ESC. In der Studioversion hatte ich diesen Song, der so viel Spaß macht, in meinen Top 10. Nach dem Live-Auftritt im ESC-Finale musste ich ihn leider auf Platz 36 herabsetzen.



Sonntag, 4. Mai 2025

ESC 2014-2024 (26/45): Deutschland

 Mein Land, Deutschland, belegt in meinem 10-Jahres-Ranking "nur" Platz 20. Es gibt viele Gründe warum man beim ESC nicht über sein eigenes Land abstimmt. Ein Grund davon ist, dass es schwierig ist, den Beitrag seines eigenen Landes mit denen der anderen Länder in einen fairen Vergleich zu setzen. Dadurch, dass es das eigene Land ist, sind die Emotionen zu diesem Beitrag intensiver. Deshalb bin ich mir selber immer unsicher, wie ich Deutschland in meinem Ranking einordnen soll. Letztlich gehe ich nach meinem Gefühl und ich glaube dass ich Deutschland deshalb besser bewerte, als ich es tun würde, wenn ich nicht aus Deutschland stammen würde. Angesichts dessen ist der 20. Platz ein eher schlechtes Ergebnis. Aber Deutschland hat in den letzten 10 Jahren sieben mal den letzten oder vorletzten Platz als automatischer Finalist im Finale belegt. Wenn ich Deutschland schlecht bewerte, liege ich damit vielleicht einfach nur im europäischen Trend und es könnte an der tatsächlichen Qualität der Beiträge liegen.

Der 20. Platz setzt sich zusammen aus dem 14. Platz in der Wertung der Durchschnittsplatzierung pro Teilnahme der 45 Länder, dem 10. Platz in der Wertung der Durchschnittsplatzierung pro Jahr (inklusive Nichtteilnahmen) der 45 Länder, und dem 38. Platz in der Punktewertung für Top 10 Platzierungen der einzelnen Jahrgänge. Dabei kommt Deutschland mit einem 9. und einem 10. Platz nur auf drei Punkte. Deutschland habe ich in fünf von 10 Fällen auf den Plätzen 9-16. Vielleicht ist es auch so, dass ich Deutschland nicht auf eine höhere Top 10 Platzierung setzen möchte, auch wenn ich den Beitrag eigentlich entsprechend doll mag, denn wie anfangs erwähnt, ist es schwierig das eigene Land fair zu bewerten. Die fehlenden absoluten Top-Platzierungen machen das Ergebnis der sonst starken Durchschnittsplatzierungen kaputt. Denn auch wenn Deutschland wahrlich nicht erfolgreich ist, und es viele berechtigte Gründe gibt, Kritik an der deutschen Vorauswahl der letzten 10 Jahre auszuüben, finde ich die deutschen Beiträge beim ESC wirklich stark und teile die Kritik an den deutschen Beiträgen meistens nicht.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 20. (14./10./38.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 9. (2018)

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 29. (2017)

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 4. mit 340 Punkten 2018

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 27. mit 0 Punkten 2015

Die deutschen Beiträge sind in ihrer Gunst bei mir ganz eng beieinander, viele davon quasi gleichauf. Sich für ein Ranking zu entscheiden war schwierig und eine solche Differenzierung wird des Beiträgen nicht unbedingt gerecht. Eine kleine Lücke zum ersten Platz gibt es aber trotzdem. Der geht an die einzige Top 10 Platzierung Deutschlands in diesem Zeitraum. Immer wieder denke ich, dass das doch einfach nur ein normales, nettes und trauriges Lied ist, doch wenn ich mir dann wieder den Auftritt anschaue, erinnere ich mich wieder was diesen Beitrag so erfolgreich gemacht hat. Insbesondere die Details in der Komposition lassen das Lied stark wirken. Am endtscheidendsten aber: Michael Schulte hat mit dieser Inszenierung und dieser persönlichen Performance einen dieser magischen Momente beim ESC geschaffen, der 200 Millionen Menschen gleichzeitig emotional berührt. Das ist etwas, das nur der ESC schaffen kann und das auch dort nicht leicht zu erreichen ist. Michael Schulte hat es gemeistert, sich damit den 4. Platz beim ESC, und meinen Preis als besten deutschen Beitrag beim ESC 2014-2024 verdient.


2019 dürfte das Jahr sein, für das es am meisten Kritik am deutschen Vorentscheid und deutschen ESC-Beitrag gibt. Vieles der Kritik am Vorentscheid ist berechtigt, aber die am ESC-Beitrag kann ich kaum verstehen. Es ist eine wundervolle Komposition mit so vielen Elementen, die das Hörerlebnis besonders macht. Darunter auch die wiederkehrende Melodie der Spieluhr, die ich genauso stark finde, wie die Flöten-Melodie im ESC-Siegertitel von 2013 "Only Teardrops" aus Dänemark. Beide Songelemente stammen vom selben Komponisten. Die Übergänge im Lied und die Harmonien, die Intensität der Performance, die die Komposition den Sängerinnen ermöglicht, all das macht das Lied überaus mitreißend und berührend für mich. Ich habe schon oft darüber geweint. Hinzu kommt die Sängerin Laurita Spinelli als Teil des Duos S!sters. Sie ist meiner Meinung nach die beste Backgroundsängerin, die Lena Meyer-Landrut mit auf ihre Konzerte genommen hat, wo ich magische Momente mit ihr geteilt habe. Die beiden Sängerinnen sind tolle Musikkünstlerinnen und verbessern den Beitrag dadurch weiter. "Sister" wird für mich über die Jahre auch immer besser und besser.

Genauso emotional mitreißend und zu Tränen rührend ist für mich "Rockstars" von Malik Harris. Bereits in seiner Studio Version und dem Musikvideo. Alles wirkt wie aus den US-Amerikanischen Top-Charts. Auch hier brillieren die Übergänge, die das Lied besonders mitreißend und immer intensiver werden lassen. Die private und schutzlose Inszenierung auf der ESC-Bühne mit Maliks persönlichen Möbeln, auf denen das Lied und dessen besungenen Erinnerungen entstanden sind, macht es für mich noch mal um einiges besser. Die Message der vergehenden schönen Momente und Zeiten, und dass wir sie genießen, die richtigen Entscheidungen treffen sollten, solange wir es noch können, sollten sich viel mehr Menschen verinnerlichen. Es ist eine wichtige Message zum Nachdenken die da Europa präsentiert wurde. Umso überraschender und enttäuschender ist der letzte Platz im Finale für mich.

Die Performance von "I don't feel Hate" hat so viele Elemente die mich unendlich glücklich machen. Es steckt so viel Herzblut, Liebe zu vielem und so viel Freude in diesem ESC-Beitrag. Die vielen Nörgler, die den Auftritt peinlich oder was auch immer finden kann ich nicht verstehen. Es gibt nichts Negatives an diesem Beitrag und genau darum geht es in ihm. Es wundert mich, dass gerade ein Lied das einfach nur fröhlich zeigt wie man ohne "Hate" leben kann, besonders viel "Hate" auslöst. Durch Jendrik habe ich außerdem angefangen Ukulele zu spielen. Seine Musik höre ich immernoch regelmäßig und erfreue mich daran. Er zeigt auch nach seiner Teilnahme seine Passion für den ESC und ist ein toller Mensch. Ein rundum toller ESC-Beitrag! Warum ich ihn im Wettbewerb nur auf Platz 21 gesetzt habe, verstehe ich nicht.

"Blood and Glitter" habe ich vor dem ESC 2023 als den deutschen Befreiungsschlag und auch persönlich vielleicht besten ESC-Beitrag empfunden. Das ernüchternde Ergebnis vom letzten Platz hat sicherlich dazu beigetragen, aber auch das Lied an sich ist eines, das bei häufigem Hören irgendwann einfach nicht mehr so kickt wie es bei anderen Liedern der Fall ist. Deshalb hat der Beitrag seit dem ESC bei mir an Gunst ein kleines bisschen verloren. Ich bin aber stolz darauf, dass mein Land mit so einer Message beim ESC vertreten wurde. Ich glaube, die vielen Leute, die den Text kritisieren verstehen ihn nicht. Die Message, das gesamte Auftreten der Band, auch auf der ESC-Bühne und die wundervollen Menschen dieser Band bringen mir ab und an immernoch Gänsehaut.

"Ghost" ist ein Beitrag der für mich mehr von seiner optischen Ästhetik und dem Sound der Sängerin, als vom Song selber lebt. Ich liebe den Style den Jamie-Lee Kriewitz der Welt präsentiert hat. Endlich mal jemand, der nicht etwas langweiliges und schon oft gesehenes macht - und dann sieht es auch noch so gut aus! Die deutsche Delegation war damals besonders glücklich wie der Auftritt letztlich geworden ist und das kann ich vollständig nachvollziehen! Die Atmosphäre ist mit den Laser strahlenen Bäumen, dem Mond, der Dunkelheit, selbst mit den schlichten Outfits der Backgroundsänger*innen fantastisch! Das Lied an sich ist auch gut, es ist halt nur nichts besonderes, was das Problem des Beitrags war. Ich habe mich richtig erschrocken, als ich bei der Erstellung dieses Posts gesehen habe, dass ich 2016 nur Platz 22 dafür übrig hatte. Ich hätte geschätzt den Beitrag etwa auf Platz 9 gesetzt zu haben.

Auch "Always on the Run" ist für mich nicht nah an deutschlands Top-Beitrag dran. Die unglaublich kraftvolle Stimme von Isaak, bildet gemeinsam mit der energetischen Inszenierung und dem intensiven Song eine Harmonie die genial gut funktioniert. Das wurde mit Platz 12 beim ESC belohnt. Und dennoch, wenn ich mir einen deutschen Beitrag aussuchen könnte, der anstatt des letzten/vorletzten Platzes, Platz 12 belegt, hätte ich andere Beiträge lieber gewählt. Angesichts dessen, dass all die anderen Sachen so schlecht funktioniert haben, frage ich mich, warum ausgerechnet dieser deutsche Beitrag erfolgreich war. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich weniger über diesen Erfolg freue!

"Black Smoke" und "Is it right" sind schöne, nette ESC-Beiträge. Das reicht aber leider nicht für ein wirklich gutes Ergebnis. 2017 ist das Jahr an dem ich am meisten Kritik gegenüber dem deutschen Vorentscheid und ESC-Beitrag ausübe. Levina hat ihren Job beim ESC gut gemacht! Leider hat man ihr ein gar nicht so gutes Lied und ein Staging gegeben, das für mich zum Haareraufen ist. Der Opening Shot hat allerdings einen positiven Sonderpreis verdient.

Es gab in den letzten 10 Jahren schönere "Heimat"länder als ESC-Fan mit mehr zum Freuen und jubeln als Deutschland. Es ist nicht immer leicht ESC-Fan aus Deutschland zu sein. "Wir werden doch eh immer Letzter" habe ich schon zu oft gehört. Vor ein paar Jahren habe ich noch selbstbewusst dagegen verteidigt, aber sieben mal letzter oder vorletzter Platz im Finale in den letzten neun ESC-Ausgaben ist ein niederschmetterndes Gesamtresultat. Umso dankbarer bin ich um den Lichtblick des 4. Platzes von Michael Schulte, der zeigt, dass auch für Deutschland alles möglich ist. Ich frage mich auch warum Deutschland zuletzt so schlecht geworden ist. Bevor ich Hardcore-ESC-Fan wurde waren die deutschen Ergebnisse besser. Es gibt an den deutschen Vorentscheiden viel zu kritisieren, aber einiges läuft auch gut und der NDR versucht ja ernsthaft gute Ergebnisse zu erzielen. Vielleicht ändert sich strukturell etwas, wenn 2026 der SWR den ESC vom NDR übernimmt. Vielleicht auch nicht, aber "Hope never dies" und auch deshalb liebe ich den ESC. Jedes Jahr darf jedes Land aufs Neue darauf hoffen den ESC zu gewinnen. Auch Deutschland.



ESC 2014-2024 (25/45): Russland

 Am Morgen vom 24. Mai 2008 habe ich erstmals von der Existenz des ESCs erfahren. Bereits unaufgeregte Erklärungen haben mich völlig begeistert. Am gleichen Abend sah ich mir das ESC-Finale mit meiner Familie an. Ich war 7 Jahre alt. Der Auftritt Russlands am Ende des Abends, mit der Startnummer 24, hat mich so begeistert, dass es mein ganz klarer Sieger war. Am meisten war das Kind vom Eiskunstläufer fasziniert, aber auch der übrige Teil des Auftritts hat für große Begeisterungen gesorgt. Hinzu kommt das herausragende Lied. Zwar habe ich erst am nächsten Morgen erfahren dass Russland gewonnen hat, weil ich vor der Punktevergabe schlafen gehen musste, aber dieser Auftritt und dieses Lied haben einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und rühren mich auch Heute noch zu Tränen. Die Leute können über den Kitsch dieses Auftritts sagen was sie wollen und Russland kann ein noch so problematisches Land (beim ESC) sein, das ändert nichts daran, wie dankbar ich Russland für diesen - meinen - ersten ESC-Sieger bin. Damit fing dieser riesengroße Teil meines Lebens an - meine Eurovision Passion.

In diesem 10-Jahre-ESC-Fan-Ranking, geht es aber nur um die Jahre, in denen ich als Hardcore-ESC-Fan, quasi alles was in der ESC-Bubble passiert, verfolge. Deshalb ist "Believe" raus. Russland ist ein ESC-Land, dessen Beiträge für mich unweigerlich immer einen Beigeschmack haben. Wenn Russland am ESC teilnimmt, schicken sie keinen Beitrag, von dem sie nicht glauben dass er realistische Chancen hat zu gewinnen (ignorieren wir 2018) - und das ist eine Bereicherung für den ESC. Was aus Russland kommt ist immer stark. Aber es ist auch immer dieser unbedingte Wille gewinnen zu wollen erkennbar; Der Versuch die Triggerboxen zu treffen, die den Sieg bringen, das unglaublich viele Geld das dahinter steht, die Perfektion in der Produktion. Dadurch wirken russische ESC-Beiträge auf mich oft zu künstlich, als dass ich sie ganz vorne an der Spitze sehe. Und vielen anderen geht es auch so. Im Zeitraum der letzten 10 Jahre ist Russland beim ESC zusätzlich mehr durch politische Aktionen, als durch anderes aufgefallen. Deshalb stellt sich für mich bei russischen Beiträgen immer die Frage, wie sehr ich darüber hinwegsehen kann, dass auf diesem Beitrag "Russland" steht.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 21. (11./36./17.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 3. (2021)

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 42. (2018)

Teilnahmen 2014-2024: 6

Bestes Ergebnis beim ESC: 2. mit 303 Punkten 2015

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 15. im Semi mit 65 Punkten 2018

Mein 1. Platz Russlands geht an einen Beitrag der untypischer nicht sein könnte für dieses ESC-Land. 2021 gewann Manizha etwas überraschend die russische Vorauswahl mit der queerfeministischen Revolutionshymne "Russian Woman". Überraschend nicht weil es musikalisch nicht gut genug gewesen sei, sondern weil des kaum denkbar war, dass die russische Führung so einen Landesbeitrag beim ESC zulässt. Außerdem war es interessant, dass sich das russische Volk nicht für den vorgegebenen Favoriten, sondern für diesen politisch speziellen Beitrag entschieden hat. Ich habe nach dieser Entscheidung eine große Siegeschance für Russland beim ESC gesehen. Mir ist keine Rap-Gospel-Nummer bekannt, die mit der musikalischen Power dieses Auftritts auch nur ansatzweise mithalten kann. Die Umsetzung auf der ESC-Bühne ist großartig! Ich habe es für realistisch gehalten, dass dieser ESC-Auftritt eine russische Revolution auslösen könnte - es wäre nicht der erste ESC-Beitrag gewesen, der den Startschuss einer Revolution bildet - und wie wir wissen ist dafür auch kein gutes Ergebnis beim ESC von Nöten. Dieser besondere Auftritt hat 2021 meine persönliche Bronzemedaille erhalten, hinter Bulgarien und Rumänien. Nun kommt der erste Platz russlands der letzten 10 Jahre dazu.


"You are the only One" von Sergey Lazarev ist der Beitrag Russlands, der den Charakter dieses ESC-Landes am eindrucksvollsten zeigt. Ich glaube dass kein ESC-Beitrag der Geschichte so teuer war wie dieser. Das Geld hat sich gelohnt. Der Auftritt ist nichts geringeres als Showgeschichte. Der Song ist zwar gängiger Pop, aber die Komposition letztlich so stark, dass sie 2016 die anderen Teilnehmenden in ihren Schatten gestellt hat. Würde das alles nicht so gekünstelt und zu sehr gewollt wirken, wäre das ganz klar mein 1. Platz, aber dann geht es beim ESC doch irgendwie um mehr als das, was dieser Beitrag mitbringt. Am Ende ist Musik dann doch Kunst und die lebt von etwas, das sich nicht kaufen lässt. Wie ironisch, dass ausgerechnet in diesem Jahr die Ukraine gewann, mit einem Song dessen politische Botschaft an Russland nicht abzustreiten ist... Es war der Anfang vom (vorübergehenden?) Ende Russlands beim ESC.

Mit den Tolmachevy Zwillingen hat Russland das Phänomen der Zwillings-Performances beim ESC auf die Spitze getrieben - und ich liebe es! Für solche Dinge lieben wir doch den ESC. Dort kann man das machen, was anderswo nicht möglich wäre. Auch die Entscheidung, dafür den, beim ESC viel zu oft verwendeten, Songtitel "Shine" zu wählen - es ist alles so übertrieben ESC an diesem Beitrag! Herrlich! Wie oft ich in den letzten 10 Jahren diese Performance schon "getanzt" habe, wie oft ich mir diesen Ohrwurm, den ich sehr gerne habe, angehört habe. Alles an diesem Beitrag ist etwas komisch, aber das macht dessen Faszination für mich aus. Ja, es ist das Jahr, kurz nach russlands Annektion der Krim. Ich kann nicht völlig darüber hinweg sehen, dass es sich hierbei um Russland handelt, aber dieser übersteigerte Zwillings-Kitsch fasziniert mich seit nunmehr über 10 Jahren. Warum ich damals dafür nur Platz 20 übrig hatte ist mir Heute ein Rätsel.

Obwohl "Scream" eine dramatische Ballade ist, ploppt dessen Songmelodie immer wieder mal in meinem Kopf auf. Die Melodie ist wirklich gut, wie vieles anderes an diesem gelungenen ESC-Auftritt. An Sergeys ersten Beitrag von 2016 kommt das aber bei Weitem nicht heran.

Seitdem sich Polina Gagarina wiederholt bereitwillig als Unterstützerin Putins Kriegspolitik und -propaganda zeigt, hat die Friedenshymne "A million Voices" von 2015 einen großen Teil seines Appeals für mich verloren. Auch damals war es bereits kontrovers, dass Russland mit so etwas auftritt, während Russland die Krim angreift, aber Polinas Auftreten war so authentisch, dass ich ihr den Wunsch nach Frieden vollständig abgekauft habe. Auftritte bei Militärparaden passen allerdings weniger gut in dieses Bild. Die Komposition an sich bleibt dennoch stark.

Die nicht ernst gemeinte Protest-Teilnahme Russlands 2018 brauchen wir hier nicht weiter thematisieren.

2021 war die bislang letzte Teilnahme Russlands. Politische Spielchen des nationalen Rundfunks und der Angriffskrieg auf die Ukraine verhinderten weitere Teilnahmen. Ob oder wann Russland künftig wieder dabei ist, lässt sich derzeit nicht voraussagen. Fest steht auf jeden Fall dass Russland auf verschiedene Weisen beim ESC wieder für Aufmerksamkeit sorgen würde.



Sonntag, 20. April 2025

ESC 2014-2024 (24/45): Schweden

 Richtig gelesen. Schweden, das eindeutig erfolgreichste ESC-Land seit der Aufhebung der Sprachregelung 1999 kommt in meinem persönlichen Länder-Ranking der Jahre 2014-2024 nur auf Platz 22. Bei etwa jedem zweiten bis dritten ESC-Fan dürfte es eher Platz eins sein. Doch mir mundet der immergleiche, blankgewischte, gefühllose Profi-Pop aus Schweden nicht so wie manch anderem. Auch eine gewisse Arroganz und Attitüde wie "wir brauchen nicht so viel proben wie die anderen Wettbewerber" trägt nicht gerade dazu bei, dass schwedische Beiträge mir sympathischer werden. Der Vorentscheid "Melodifestivalen" ist natürlich mit keinem anderen vergleichbar und jedes Jahr ein Highlight der ESC-Saison. Mein größtes Problem mit Schweden liegt vielleicht darin, dass meistens ein Beitrag gewinnt, den ich innerhalb des Melfests eher weiter hinten in meinem Ranking habe. Ich werde Schweden niemals verzeihen, dass sie das Meisterwerk "En värld full av strider" von Jon Henrik Fjällgren und Aninia 2017 nicht zum ESC geschickt haben. Der 2. Platz des Melfests vom Folgejahr 2018: "Every single Day" von Felix Sandman ist wohl eines der von mir am häufigsten gehörten Lieder mit ESC-Bezug überhaupt. Ich habe es schon oft für viele Stunden am Stück gehört. Es hat mir bei großem Liebeskummer und Depressionen geholfen. Anstelle dieser ESC-Siegersongs gab es in den beiden Jahren für Schweden schleimige, gefühllose Pop-Nummern, die mich auf Dauer noch mehr nerven, als sie mich langweilen. Wenigstens habe ich seitdem nicht mehr die Hoffnung dass ein Beitrag, den ich mag, den schwedischen Vorentscheid gewinnt, und kann so nicht mehr enttäuscht werden (außer 2023). Ehrlich gesagt, rede ich mir nur ein diese Hoffnung nicht mehr zu haben, denn wie Tschechien 2015 richtig festgestellt hat: "Hope never dies". Looking at you Schweden 👀 Trotzdem sind in diesen 10 Jahren einige Perlen aus Schweden beim ESC angetreten:

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 22. (32./23./12.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 2. (2014)

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 40. (2018)

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 1. mit 583 Punkten 2023

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 14. mit 109 Punkten 2021

Die Musik von Marcus & Martinus habe ich schon gehört, bevor die eineiigen Zwillinge 2017 beim ESC die Punkte für Norwegen verkünden durften. Die beiden irgendwann beim ESC als Wettbewerbskünstler zu sehen war da noch ein Wunschtraum. Tatsächlich haben sie damit gewartet, bis sie einen Song hatten, der vorher dagewesenes übertrifft. Mit "Air" wollten sie nicht nur irgendwie zum ESC fahren, sondern gleich den prestigeträchtigen Vorentscheid im Nachbarland Schweden, bei dem alle Stars vertreten sind, gewinnen. In nahezu jedem anderen Jahr wäre das auch gelungen. Ich glaube dass Schweden auch mit "Air" 2023 den ESC gewonnen hätte, doch Marcus & Martinus hatten das Pech im gleichen Jahr wie "Tattoo" von Loreen anzutreten. Platz 2, natürlich wird mein großer Favorit wieder 2. beim Melfest... Den Zwillingen war nach dem Moment der Entscheidung anzusehen wie sehr sie am Boden zerstört waren, mit diesem Megaknaller nicht zum ESC fahren zu können. Im Folgejahr hauten sie den nächsten Kracher raus. Nicht ganz so stark wie "Air", aber immernoch ein absoluter Wahnsinnstrack. Mit "Unforgettable" war beim ESC nicht das möglich, was sie mit ihrem Vorjahrestitel hätten reißen können, aber es reicht für mich aus, sogar "Undo" von 2014 zu schlagen und dafür die schwedische Goldmedaille zu verleihen. Zwar sind Marcus & Martinus 2024 nur mein 5. Platz beim ESC, aber in diesem Jahr habe ich mit der Schweiz, Australien, Irland und Finnland fünf Sieger. In anderen Jahren gibt es nur einen, oder gar keinen Beitrag, dem ich meine persönliche Krone aufsetzen möchte.


"Undo" ist ein schlichtes Lied, das schlicht für sich selbst spricht. Mir ist noch nie jemand untergekommen, der*die nicht den Appeal an diesem Song verstanden hat. Für mich fehlt es ein bisschen an echt anfühlender Emotion in dem Song, damit er ganz an die Spitze der Allzeit-Favoriten treten kann, aber sonst gibt es hier nichts zu meckern. Ein wenig frage ich mich warum das Lied so stark ist. Ich kann es rational nicht erklären. Ist es die Melodie? Es ist einfach so. Entsprechend hat es für 2014 von mir die Silbermedaille hinter Slowenien "Round and round" und vor Lettland "Cake to bake" erhalten und wurde im Contest verdient mit Bronze belohnt.

Der Strahlebub John Lundvik hat mit "Too late for Love" eine Nummer auf die ESC-Bühne gezaubert die überraschend gut fetzt. Daran tragen The Mamas "im Hintergrund" ihren erheblichen Anteil. Das Lied bringt ein fröhlich-empowerndes Gefühl und die Message, dass es nie zu spät für Liebe (und generell nie jemand zu alt für irgendwas) ist, ist wertvoll.

Der Preis für die größte Fashion-Queen (der letzten 10 Jahre beim ESC) geht an Tusse. Der liebenswerte Sänger wertet mit seiner ganzen Person den ohnehin schon herausragend starken Popsong noch weiter auf.

"If I were sorry" ist ein Song, den ich mir scheinbar über die Jahre so richtig schön gehört habe. Inzwischen macht er bei mir richtig gute Laune. Damals zum Wettbewerb war er nicht viel mehr als ein nettes Lied, das ich gerne höre.

Ja, "Tattoo" ist ein guter Popsong, aber für meine Ohren nicht so besonders oder gar innovativ, wie es von vielen anderen gesehen wird. Der Titel spricht mich durchaus an. Andere Musik (beim ESC) spricht mich aber deutlich mehr an.

Mit "Heroes" verhält es sich bei mir ganz ähnlich wie mit "Tattoo", wobei ich Loreens Song noch ein Stück besser finde. Beides sind Lieder die ich nicht schlecht finde, die allerdings auch absolut nichts besonderes für mich sind. Hätten sie bei ESC nicht solche Ergebnisse erzielt, hätte ich beide Nummern wohl fast wieder vergessen. Da "Heroes" ein ESC-Sieger-Song ist, muss ich an dieser Stelle meine Kritik an dessen Staging äußern. Immer wieder höre ich, dass Schweden 2015 auch wegen dem "innovativen" und "starken" Staging gewonnen haben soll. Solche Aussagen kann ich nicht nachvollziehen. Sich vor einen LED Screen zu stellen und so zu tun, als würde man mit diesem in eine Interaktion treten, war 2015 nicht innovativ, sondern ein ausgenudeltes Konzept. Wenn man das nun auf der ESC-Bühne machen möchte, sollte das in einer besonders gut ausgearbeiteten Form geschehen, damit ein überraschender und unterhaltender Effekt erzielt werden kann. Beim Auftritt von Mans Zerlmerlöw ist aber das absolute Gegenteil der Fall. Die Bewegungen von ihm sind nicht synchron mit denen des LED-Screens, wenn er die Ghetto-Faust zur Strichmännchen-Figur macht, bewegt er seinen Arm zu weit, so dass die Illusion zerstört wird. Bei den Schmetterlingsflügeln steht er nicht mittig. Zwischen dem Regenschwall den er mit seinem Arm wegwischen soll, und seinem Arm selbst ist eine große Lücke. An diesen und einigen weiteren Punkten sind seine Bewegungen mit dem LED-Screen schlecht abgestimmt. Das Timing und die Positionierung stimmt fast nie. Wenn ich diesen Auftritt sehe, denke ich mir nicht "ach, wie niedlich, das mit dem Strichmännchen", sondern rege mich die ganze Zeit darüber auf, wie schlecht die Bewegungen ausgeführt sind und dass da nichts zueinander passt. Das hält davon ab, das Lied genießen zu können. Wenn das der Effekt eines Stagings ist, ist es ein schlechtes Staging und entsprechend lautete von Anfang an auch 2015 schon mein Urteil über diesen Auftritt. Wenn man sich für ein solch riskantes Staging entscheidet, bei dem so vieles schief gehen kann, muss man alles bis zur Perfektion proben, damit es später nicht schief geht. Schweden hat hier alles falsch gemacht, was es hätte falsch machen können. Auch deshalb ist es (ähnlich wie "Tattoo") ein Siegerbeitrag, dessen Sieg ich mit nicht mehr als einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen kann.



ESC 2014-2024 (23/45): Österreich

 Unsere deutschsprachigen Nachbarn landen in meinem Ranking der ESC-Nationen 2014-2024 genau in der Mitte auf Platz 23 von 45. Es ist eine Nation die sich bei mir manchmal im Mittelfeld, manchmal etwas weiter unten und manchmal etwas weiter oben platziert. Ein richtiger Charakter Österreichs bildet sich für mich nicht heraus. Jedes Jahr wird etwas anderes zum ESC geschickt. Alles ist möglich in Österreich.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 23. (19./12./37.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 9. (2016)

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 35. (2015)

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 1. mit 290 Punkten 2014

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 17. im Semi mit 21 Punkten 2019

Im Falle Österreichs ist es eine knappe Entscheidung zwischen fünf Beiträgen, welcher meine Nummer eins des Landes ist. Letztlich ist "Limits" von Paenda ganz vorne. Ausgerechnet dieser Beitrag hat in den letzten 10 Jahren das schlechteste Ergebnis Österreichs eingefahren (wenn wir von den null Punkten als automatischer Finalist 2015 absehen). Bis Heute liegt mir diese wahrliche "Voting Crime" schwer im Magen. Was für ein Unrecht Europa Paenda dort angetan hat! Das Lied ist einzigartig. Der gehauchte Gesang von Paenda, die ganze Zeit an der Kante zu den Tränen, die wunderschön-schmerzhafte Inszenierung auf der Bühne, wie kann man da nicht weinen und dafür anrufen? Es bleibt für mich weiterhin unglaublich wie Paenda es schafft so viel Schmerz in die Stimme zu legen. Ein bedrückender Schmerz, der einen nicht loslässt . genau darum geht es in dem Lied. Es ist eine großartige Verkörperung von lang anhaltendem Schmerz, der auf beeindruckende Weise an die Zuhörenden weitergetragen wird. Eines der für mich wichtigsten Kriterien eines ESC-Beitrages (oder von Musik generell) ist es, wie intensiv die Emotion ist, die dieser in mir auslöst. Dieses Kriterium kann bei diesem Beispiel kaum übertroffen werden. Mit "Limits" habe ich schon viele Tränen vergossen und weitere werden folgen.


Nathan Trent ist die lebensfroheste Person von dessen Existenz ich weiß. Sein Grad an guter Laune in jeder medialen Aufnahme die ich von ihm kenne ist beeindruckend. Und er schafft es auch alle um sich herum damit anzustecken. Welch größere Gabe kann man sich wünschen? Das Lied "Running on Air" ist darauf zugeschnitten. Die Freude in Nathans Auftritt ist Grenzenlos. Das einzige was ihn zurückhält ist scheinbar die festgelegte Choreographie, an die er sich halten muss. Vielleicht wäre hier mehr Freiheit - wie bei Lena 2010 - die bessere Wahl gewesen. Normalerweise bin ich am Tag nach einem ESC-Finale froh, dass ich die immergleiche Musik nicht mehr hören "muss", weil es nach mehreren Monaten irgendwann einfach zu viel wird. Im Falle von Nathan, habe ich ihn und seine Musik nach Ende des ESCs immer mehr schätzen gelernt, weshalb seine Platzierung in meinem Ranking von damals noch nicht so gut war, wie es das Heute sein würde. Wenn ich glücklich sein möchte, es aber nicht bin, brauche ich einfach nur "Running on Air" einschalten und das Glücksgefühl ist da. 😃

"0,003", "Poe poe poe poe poe", und "Edgar cannot pay Rent for me" sind nur wenige, ausgewählte Beispiele von Evergreen-Running-Gags, die Teya & Salena mit "Who the Hell is Edgar?" in der ESC-Bubble geschaffen haben. Dieser ESC-Beitrag ist episch, wie kaum ein anderer. Nicht zuletzt, weil er eigentlich nur ein kleiner Scherz fürs abendliche Lagerfeuer auf einem Songwriting-Camp sein sollte, sich aber zurecht als eine echte Perle herausgestellt hat. Nun sind sich zumindest in der ESC-Bubble alle darüber bewusst wie Streaming-Dienste mit den Künstler*innen umgehen. Damit haben Teya & Salena die Wertschätzung musikalischer Kunst noch ein weiteres Stück gesteigert. Das Vermächtnis dieses ESC-Beitrages ist enorm! Ich höre und singe ihn immernoch häufig. Nur leider ist das Staging eine reine Vollkatastrophe geworden und auch der Live-Gesang ist nicht optimal. Was hier mit einer anderen Live-Performance möglich gewesen wäre...

Powerballaden könnte ich als mein Lieblingsgenre beim ESC bezeichnen. Wenn ein Auftritt es schafft emotional in die Tiefe zu gehen, ein Gefühl ganz nah erlebbar zu machen und dies durch eine gute Melodie und Leidenschaftliche Performance intensiviert, ist alles da, was ich mir von einem ESC-Beitrag wünsche. "Amen" ist eine solche Powerballade. Besonders herausragend finde ich in diesem Fall die Struktur des Liedes: Die verschiedenen musikalischen Phasen, die durchlaufen werden und die gelungenen Übergänge dazwischen. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der man einsteigt, zwischendurch nicht denken kann, und wenn man wieder aussteigt wundert man sich dass es schon vorbei ist, hat aber kein schlechtes Gefühl, sondern ruft erfüllt: "Jawoll, ist das toll!"

Französisch klingt bereits in gesprochener Form wie Musik für mich, umso schöner wird die Sprache, wenn sie sogar gesungen wird. So haben es französischsprachige Beiträge in meiner Gunst deutlich leichter als andere. Zudem ist es ein zauberhafter Auftritt den Zoe auf die ESC-Bühne gebracht hat. Jedes Mal, wenn ich mir "Loin d'ici" anschaue, fühle ich mich wie eine Elfe, die durch eine malerisch bunte Blumenlandschaft fliegt, in der alle Lebewesen magisch sind und überall Süßigkeiten wachsen.

"Halo" ist so eine fetzige Nummer! Als ich es zum ersten Mal hörte, konnte ich meinen Ohren kaum glauben! Leider hat hier die Live-Version, die ich schließlich bewerten muss, vieles kaputt gemacht. Und erneut muss ich bei Österreich schreiben: "Was hier mit einer anderen Live-Performance möglich gewesen wäre...", aber das wissen bei diesem Beitrag alle Beteiligten schon selber.

Der Auftritt und Sieg von Conchita Wurst hat die Welt ein gehöriges Stück weit verändert. Ich bin mir über die Wirkungen, die der ESC-Finalabend 2014 für queere Menschen hatte bewusst. Ich weiß, dass auch ich dadurch profitiere, weiß, dass Europa und auch der übrige Teil der Welt dadurch zu einem weniger diskriminierenden Ort für queere Menschen geworden ist. All das kann man gar nicht genug wertschätzen. Dieser 13-minütige Kurzfilm mit dem Titel "12 Points", um Conchitas ESC-Sieg, den ich mir schon oft angesehen habe, portraitiert einen Teil der Wirkung dieses ESC-Sieges gut. Allerdings ist der Hauptaspekt eines ESC-Beitrages das Lied, die Komposition. Und die finde ich gar nicht so toll wie die meisten anderen Menschen. Ich halte "Rise like a Phoenix" nicht für einen schlechten Song. Bei mir kommt musikalisch aber bei weitem nicht so viel an, wie bei vielen anderen ESC-Beiträgen. Mein 13-jähriges Ich mochte die Drag Queen Conchita Wurst, aber das Lied hat mir viel zu wenig gebracht und so hat es - trotz allem - damals in meinem Ranking nur für Platz 26 gereicht. Mir war es also egal, ob "Rise like a Phoenix" knapp im Halbfinale ausscheidet, oder im Finale letzter wird. Ohne Conchita in diesem Beitrag wären es noch einige Plätze weiter unten gewesen. Und doch war ich froh über diesen Sieg. Weil er den Sieg der Niederlande verhindert hat, und weil es etwas mit mir gemacht hat, zu sehen, dass so eine Person europaweit von so vielen Menschen gefeiert wird. Dass es vielleicht doch an irgendeinem Ort möglich ist, schöne Kleider zu tragen, auch wenn man das Pech hat, ein Junge oder Mann sein zu müssen. Um näheres über mich zu begreifen, war ich damals noch zu jung, in einer heteronormativen Welt. Es ist nicht in Worten zu beschreiben, wie sehr ich Tom Neuwirth/Conchita Wurst und sein handeln und wirken wertschätze. Und dennoch kommt Conchita in der Wirkung auf mich nicht ansatzweise an die Wirkung von Nemos ESC-Sieg heran. Letztlich fühle ich in der Regel gar nicht so viel, wenn ich mir Conchitas Auftritt anschaue und deshalb würde ich den Beitrag auch Heute vermutlich nicht viel höher ranken als damals. Tom Neuwirth als Künstler soll das aber nicht schmälern.



Samstag, 19. April 2025

ESC 2014-2024 (22/45): Norwegen

 Nun habe ich mich doch noch dazu entschieden, dieses Projekt nach einer langen Pause fortzuführen. Ich möchte es bis zum ESC 2025 abschließen. Norwegen ist als nächstes an der Reihe - ein Land, auf das immer zu zählen ist, wenn es um die Produktionsqualität der Beiträge geht.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 24. (21./14./34.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 7. (2023)

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 33. (2022)

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 5. mit 268 Punkten 2023

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 13. im Semi mit 63 Punkten 2016

Mit "Queen of Kings" hat Norwegen sich in seiner Produktionsqualität selbst übertroffen. Alles an diesem Beitrag, Alessandras Ausstrahlung, die Kostüme, die Kameraführung, der Einsatz der Technik, die Choreographie und allen voran natürlich die Musik, ist auf einem Produktionsniveau das für sich spricht und das Top-Ergebnis für diesen Beitrag beim ESC verdient macht. Denjenigen, die sich den ESC nicht anschauen und sagen das sei alles nur Trash dort, braucht man nur diesen Auftritt zeigen und sie verstummen. Selbst diejenigen, denen diese Musik nicht gefällt, erkennen die Qualität dieses Beitrags an. Für mich intensiviert der queere Empowerment-Hintergrund des Songs das Hör- uns Seh-Erlebnis noch weiter. Es ist das Beste was Norwegen in den letzten 10 Jahren zum ESC geschickt hat.


"A Monster like me" ist eines der ESC-Lieder die ich nach mehreren Jahren noch am häufigsten höre. Erst einige Zeit nach dem ESC 2015 habe ich entdeckt, wie sehr ich dieses Lied mag. Es ist eines der Songs, die ich am liebsten selber als Cover singe - von allen mir bekannten Nummern, auch außerhalb des ESCs. Das liegt u.a. daran, dass es ganz gut zu meiner Stimmlage passt und ein Duett ist. Aber auch das musikalische packt mich mit der Zeit immer mehr. Zur Zeit des Wettbewerbs habe ich noch nicht den Schmerz verstanden, den dieses Lied trägt. Mir gefällt auch, dass es ein spezifischeres Gefühl ist, als der oft besungene einfache Liebeskummer. Vielleicht war ich mit 14 zu jung dafür. Das ziehe ich als einen von mehreren möglichen Gründen in meiner Erklärung heran, warum ich das Lied zur Wettbewerbszeit noch nicht so sehr genoss, wie ich es inszwischen tue.

"Silent Storm" ist eine wundervolle Ballade, wie man sie hören und sehen will beim ESC. Auch, weil es eine Ballade ist, wie man sie noch nicht gehört hat - musikalisch und inhaltlich. Dieser Auftritt hat meiner Meinung nach die beste Geigeninszenierung in der ESC-Geschichte. Es ist insgesamt ein Auftritt, der meiner Erfahrung nach auch Casual Viewern über Jahre gut in Erinnerung geblieben ist und das wundert mich nicht.

Ein einzigartiges Gesamtkunstwerk hat Norwegen mit "Ulveham" an 200 Millionen Zuschauende gebracht. Doch das Beste daran ist kein künstlerischer Aspekt, sondern wie mitreißend dieser absolute Banger ist. Nach dem Hören brauche ich immer erstmal einen Moment um mich davon zu erholen.

Ich liebe die geniale Melodie von "Fallen Angel"! Hinzu kommt eine Augenweide an Inszenierung auf der Bühne. Auch die liebenswerte Art von Tix macht den Beitrag sympathisch.

An "Spitir in the Sky" mag ich am meisten den Sami-Gesang, er ist ein schwacher Trost für mich, dass Jon Henrik Fjällgren aus Schweden bis heute nicht auf der ESC-Bühne stand.

"Grab the Moment" hat sich ein wenig als ein Ohrwurm bei mir festgesetzt. Häufig habe ich Momente, in denen ich mir sage "genieße das, was jetzt ist. Es wird vergehen". Seit 2017 ist mein nächster Gedanke darauf "Grab the Moment".

Was Norwegen zum ESC schickt hat Qualität, keine Frage. Mir fehlt bei all dieser Professionalität aber oft das gewisse Etwas, weshalb es in meinen persönlichen Rankings nicht für bessere Platzierungen reicht. Wenn Norwegen so weiter macht, und auf weitere große Experimente beim Norge Melodi Grand Prix verzichtet, ist dem Land ein dauerhaft gutes Abschneiden fast sicher und die Chance da, in den nächsten Jahren immer wieder ein Top-Ergebnis beim ESC abzustauben - vielleicht sogar einen Sieg. Es wäre nicht ganz unverdient.



Sonntag, 2. Juni 2024

ESC 2014-2024 (21/45): Finnland

Finnland landet bei mir entweder weit unten, oder weit oben. Ein Dazwischen scheint es nicht zu geben. Entsprechend gespalten ist auch mein Gefühl zu diesem ESC-Land.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 25. (37./27./9.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 3. 2018

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 40. 2015

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 2. mit 526 Punkten 2023

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 17. im Semi mit 23 Punkten 2019

Als "No Rules!" den Vorentscheid gewann - obwohl es nicht als Favorit galt - habe ich mich riesig gefreut, denn ich wusste dass es damit in dem Jahr einen Beitrag geben wird, der für mich ein würdiger (persönlicher) ESC-Sieger ist, egal was die anderen Länder machen. Dieser Song ist für mich in erster Linie eine ultra starke Komposition. Mir fällt kein Stimmungsmacher ein, der mehr Stimmung macht, als dieser. Kein Stimmungsmachersong versetzt mich so sehr in Ekstase wie dieser. Diese Komposition hat aus meiner Sicht einen ESC-Sieg, oder einen zweiten Platz, verdient. Nebenbei liefert das Duo eine originelle Bühnenshow ab, mit der sie die Hütte abreißen. Es ist ein epischer Beitrag der ESC-Geschichte. Obwohl der Song vor allem ein Stimmungsmacher ist (und was für einer!), hat er eine berührende Message, die auch optisch umgesetzt ist. Widersetze dich dem, was die Gesellschaft von dir erwartet. Mache das, was du möchtest, was dich glücklich macht, egal ob andere das komisch finden, denn nur dann kannst du frei und glücklich leben. Wie der Text im Detail geschrieben ist, ist für mich besonders berührend und kraftschenkend. Der Jahrgang 2024 wurde so stark, dass ich "No Rules!" am Ende nur auf Platz vier setzen konnte, aber es wäre ein würdiger ESC-Sieger, mit allem was einen Solchen ausmacht. Es ist mein Lieblingsbeitrag aus Finnland.


Ich liebe Saara Aalto als Sängerin. Als ich erfuhr, dass YLE einen Vorentscheid, ausschließlich mit Liedern von Saara Aalto plante, ging für mich ein Wunschtraum in Erfüllung. Ich liebe auch alles an dem Song "Monsters" an sich. Die Monster unter dem Bett haben eine symbolische Bedeutung, in die alle ihre eigenen "Monster unter dem Bett", die einem Angst machen, hineininterpretieren könnnen, die sie nun überwunden haben. Auch das Staging ist phänomenal geworden. Am Ende reichte der Beitrag für meine Bronzemedaille des Jahres, ganz nah an der Silbermedaille, aber nicht für meine #1 aus Finnland.

Außerhalb des ESCs höre ich keinen Rock, und doch punkten einige Rocksongs beim ESC in meiner Gunst ganz besonders gut. Wenn ich "Dark Side" höre, fühle ich mich für drei Minuten ein bisschen wie ein eingefleischter Rock-Fan. Es geht beim ESC nicht um das Genre, sondern darum, wie gut das, was es sein soll, umgesetzt ist - und das ist es bei diesem Beitrag ganz hervorragend.

Ein wunderschöner Herzschmerzsong ist "Blackbird". Am Fenster des Lyrischen Ichs sitzt seit jeher ein schwarzer Vogel, der singt. Er singt auch, wenn der Geliebte des Lyrischen Ichs an dessen Seite in dessen Bett liegt und das Herz des Lyrischen Ichs singt. Doch nun ist der Geliebte weg. Er kommt nie wieder. Das Lyrische Ich wird nie wieder das haben, was so schön war. Der schwarze Vogel ist geblieben und sein Gesang erinnert das Lyrische Ich immer wieder und wieder an diese schmerzhaft-schönen Erinnerungen, nach denen es sich sehnt, die es aber nie wieder erreichen kann. Dieser Pianosong mit modernen Klängen vermittelt dieses spezifische Gefühl so, dass mir die Tränen in die Augen schießen. Warum mich das zum Zeitpunkt des Wettbewerbs noch weitgehend kalt gelassen hat, ist mir Heute ein Rätsel.

Die Weltstars The Rasmus treten für den ESC an. Nicht mit dem Besten, aber mit einem der besten Songs aus ihrem Repertoire. Es ist ein Song über die auffällige Frau "Jezebel", die mit ihrem Auftreten alle Blicke in ihren Bann zieht. Die Inszenierung auf der Bühne ist besonders gut gelungen und bleibt im Kopf. Ich wundere mich immernoch darüber, wie The Rasmus mit so einem Banger ein verhältnismäßig schwaches Ergebnis erhalten konnte.

Kürzlich hat sich Finnland einen Vorentscheid erarbeitet, der zu Recht als einer der Vorzeigevorentscheide betrachtet wird. Das ist YLE durch viel gezielte Arbeit gelungen. Ich freue mich darauf, was für hochwertige Musikstücke uns dieser Vorentscheid in Zukunft bringen wird, denn bei Uuden Musiikin Kilpailu werden nicht nur die Siegertitel zu Fanfavouriten, sondern auch viele weitere Beiträge. So konnte aus dem fünften und dem letzten Platz(!) des letztjährigen Vorentscheids die aus meiner Sicht beste und epischste Eröffnungsnummer einer Show der diesjährigen Vorentscheidssaison gebastelt werden. Das unterstreicht die neue Qualität des finnischen Vorentscheides.

Mein Ranking der finnischen Beiträge 2014-2024:


Samstag, 1. Juni 2024

ESC 2014-2024 (20/45): Nordmazedonien

Nordmazedonien wird beim ESC mit Montenegro in einem Atemzug genannt. Beide Länder haben ganz ähnliche Umstände um ihre Beiträge für den ESC. Dennoch finde ich, dass Nordmazedonien aus seinen Möglichkeiten viel mehr macht, als Montenegro. Erst recht unter Anbetracht der geringen Möglichkeiten von Nordmazedonien, ist der 26. Platz in meinem Ranking beachtlich.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 26. (17./25./32.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 6. 2019

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 34. 2014

Teilnahmen 2014-2024: 8

Bestes Ergebnis beim ESC: 7. mit 305 Punkten 2019

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 18. im Semi mit 24 Punkten 2018

"Proud" war 2019 schon die ganze Saison über einer meiner Favoriten. Ich freue mich sehr, dass andere diesen Beitrag zu den Proben auch entdeckt haben. Noch mehr freue ich mich über den verdienten Sieg des Juryvotings. Nordmazedonien gewinnt das Juryvoting! Nordmazedonien, das Land, das seit 2012 nicht mehr im Finale war. Nordmazedonien, das Land, das noch nie die Top 10 erreichen konnte. Dieses Nordmazedonien gewinnt mit einer simpel, aber genial inszenierten Ballade das Juryvoting! Selbst fünf Jahre später finde ich das noch unglaublich. Das war für mich damals der beste Beweis dafür, dass jedes Land den ESC gewinnen kann, auch mit wenig Geld, es braucht dafür nur gute Kunst.

Tamara Todevska singt darüber, wie Mädchen immerzu erzählt wird, wie sie sich zu benehmen hätten, wie sie schließlich dazu gebracht werden sich einzuschränken und von anderen abhängig zu werden. Der Fokus des Liedes liegt auf dem Stolz, den Tamara den Zuhörenden geben möchte, das zu überwinden. Selbstbewusst und stark zu werden und zu sein. Anderen zu zeigen, dass sie mit diesen Geschlechterzuordnungen falsch liegen. Dieser Stolz wird von diesem Auftritt verkörpert, wie kein anderer. Ich spüre ihn bei jedem Hören des Liedes, er ist so kraftvoll. Dazu trägt Tamara auf der Bühne die Farben des Feminismus. Es ist ein Beitrag der nichts Geringeres, als zu Recht ESC-Geschichte geschrieben hat, und obwohl ich nichts mit Nordmazedonien zu tun habe, bin ich sehr stolz darauf.


Mit "Dance alone" wurde Nordmazedonien 2017 erstmals die Chance auf eine Top 10-Platzierung zugemutet. Es ist einer dieser vielen Songs, darüber, was Musik emotional in einem alles auslösen kann, wenn man sie alleine hört. Das ist nichts Neues, aber trotzdem sehr gut und im Musikvideo mit einer neuen, berührenden Komponente umgesetzt. Letztlich scheiterte der Erfolg vor allem am schlechten Staging, was wiederum vor allem am fehlenden Geld lag. Und so mag auch ich den Beitrag sehr, aber für was richtig Großes fehlt einiges.

Am 12. November 2014 sah ich mit dem "Skopje Fest" meinen ersten nationalen Vorentscheid außerhalb Deutschlands. Ich schaute ausländisches Fernsehen, dessen Sprache ich kein bisschen verstand. Es war kein hochwertiger Vorentscheid, aber ich hatte Gefallen daran. Es gab mir das Gefühl, etwas zu tun, was mich mit anderen Kulturen verbindet, und dass ich diese Kulturen zelebriere. Aus diesem Vorentscheid ging der ESC-Beitrag "Autumn Leaves" hervor. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich diesen Beitrag bis Heute vor allen verteidige, die ihn als schlecht abtun. Vielleicht ist es auch wirklich der instrumentelle Teil des Songs, den ich gut finde. Auf jeden Fall denke ich bei diesem Beitrag immer an die Erfahrung meinen ersten Vorentscheid im ausländischen Fernsehen gesehen zu haben. Etwas, das Außenstehende bestimmt verrückt finden, zu mindest denke ich das immer. Ich habe mich dabei auch verrückt gefühlt. Ich fühle mich das auch immernoch, wenn ich an einem Samstagabend versuche, zahlreiche Streams in unterschiedlichen Fremdsprachen, die ich nicht verstehe, gleichzeitig zu verfolgen. Aber es macht mich glücklich. 💜

Immer wieder denke ich über ESC-Beiträge, dass sie eigentlich gut sind und man nichts gegen sie sagen kann, nur dass ihnen das entscheidende Gewisse Etwas fehlt. Bei "Dona" von Kaliopi ist das umgekehrt. Das Gewisse Etwas ist voll da, nur am Rest fehlt es leider. "Here I stand" ist musikalisch etwas anderes, als das, woran unsere Ohren gewöhnt sind. Das finde ich erfrischend. Es gefällt mir. Nur sind meine Ohren zu sehr an anderes gewöhnt, als dass ich diesen Song herausagend mögen kann.

"Circles" ist einer dieser vielen Beiträge, die eigentlich gut sind, denen aber das Gewisse Etwas fehlt. "To the Sky" ist zwar ein Qualitätsbeitrag, der auch von den Melodifestivalen stammen könnte, nur wirkt er auf mich auch so kalt, herzlos, kunstlos, glattgebügelt, wie viele Beiträge der schwedischen Melodifestivalen.

Ich hoffe dass ganz bald wieder das Geld reicht, damit Nordmazedonien am ESC teilnehmen kann.

Mein Ranking der nordmazedonischen Beiträge 2014-2024:


Freitag, 31. Mai 2024

ESC 2014-2024 (19/45): Malta

Beim Erstellen dieses Posts ist mir aufgefallen, dass ich die Beiträge von Malta Heute oft deutlich besser oder schlechter bewerte, als ich es damals jeweils anscheinend tat. Insgesamt ist das Niveau Maltas aus meiner Sicht durchmischt.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 27. (29./21./26.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 4. 2018

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 36. 2017

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 7. mit 255 Punkten 2021

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 16. im Semi mit 13 Punkten 2024

Meine #1 aus Malta ist "Taboo". Der Song hat so viel Feuer und mitreißenden musikalischen Tiefgang! Dazu ein zur Stimmung passender Text; Wir müssen Tabus brechen, damit wir nicht zu Tieren werden und alles den Bach runter geht. Habt die Power und durchbricht Tabus! Das ist vor allem in der Komposition so stark umgesetzt, dass "Taboo" 2018 sehr nah an meiner Silber- und Bronzemedaille dran war. Heute bin ich froh, dass ich mich so rum entschieden habe, denn ich würde "Taboo" Heute nicht aufs Podest setzen. Der Beitrag hat ein klein wenig an Intensität für mich verloren, bleibt aber das Beste Maltas.


"Warrior" ist super kraftvoll und einfach eine High Quality Produktion, die bei mir voll und ganz ankommt - wennauch ich Heute den Beitrag vielleicht nicht mehr in meine Top 10 setzen würde. Etwas Besonderes ist er nicht wirklich.

Ein riesen Stimmungsmacher mit einem anderen Sound als das Übliche ist "Chameleon". Dieses besonders gelungene Staging strahlt drei Minuten lang pure Lebensfreude, Sympathie, Farbe und alles Schöne auf dieser Welt aus. Der Song ist für mich ein Jahre andauernder Ohrwurm. Ich wundere mich darüber, dass ich den Beitrag damals nur auf Platz 30 setzte. Ganz ähnlich strotzen The Busker mit ihrem originellen Auftritt von "Dance (Our own Party)" nur so vor Lebensfreude. Es sind zwei Beiträge, die mit mehr musikalischem Pfeffer, ganz weit vorne hätten landen können.

Mit "Je me casse" und Destiny hatte Malta einen Beitrag in der Tasche, dessen Devise nichts anderes als der ESC-Sieg war. Dafür war der Beitrag auf den meisten Ebenen schlicht zu wenig von allem. Eine Eurovision-Ikone ist Destiny natürlich trotzdem. Sie war die erste Sängerin, dessen Junior-ESC-Sieg ich live gesehen habe. Sie als Person gibt dem Beitrag ein ganz anderes Niveau. Auch wenn Malta enttäuscht ist, damit nicht gewonnen zu haben, sehe ich es eher so, dass der Beitrag mit einer anderen Front-Person überhaupt nichts geworden wäre und Destiny ihn zu dem gemacht hat, was er ist.

Malta fährt in den letzten Jahren mit seinem Vorentscheid die Strategie der Masse statt Klasse. Ich habe meine Bedenken, dass das der beste Weg ist, um einen qualitativ hochwertigen ESC-Beitrag auf die Bühne zu bringen, der Europa begeistert. Gerade als kleines Land lässt sich mit dem gezielten Erarbeiten eines Projektes vielleicht mehr erreichen. In Malta hat der ESC einen so hohen Stellenwert wie in vielleicht keinem anderen Land. Dort wird das gelebt, was ich mir in jedem Land zum ESC wünschen würde. Deshalb wünsche ich mir für Malta, dass sie in Zukunft konstanter starke Beiträge auf die Bühne bringen können. Einem Sieg waren sie mehrmals nahe. Wir wissen also dass Malta es kann...

Mein Ranking der maltesischen Beiträge 2014-2024:


Donnerstag, 30. Mai 2024

ESC 2014-2024 (18/45): Aserbaidschan

Aserbaidschan hat in seiner zweiten bis sechsten Teilnahme 2009 bis 2013 im Wettbewerb die beeindruckenden Plätze 1, 2, 3, 4, und 5 belegt. Pünktlich zu meinem ESC-Hardcore-Fan-Dasein 2014 verschlechterten sich die Ergebnisse. Trotzdem halte ich die aserbaidschanischen Beiträge für solide. Keiner davon ist in meinen Augen ein Totalausfall. Das können nicht viele Länder von sich behaupten.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 28. (31./22./27.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 5. 2022

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 34. 2019

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 8. mit 302 Punkten 2019

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 14. im Semi mit 4 Punkten 2023

Der beste Beitrag ist für mich "Fade to Black". Es lässt sich gar nicht so viel dazu sagen. Der Beitrag spricht für sich. Es ist eine dieser Powerballaden die das übersteigen, was ich mir von einer idealen Powerballade wünsche. Die Komposition ist so mitreißend wie kaum etwas anderes. Die stimmliche Performance der absolute Wahnsinn. Dazu ein gutes Staging und ein sehr guter Text, der mit künstlerischen Kontrasten spielt. Was will man mehr? Als ich diesen Song zum ersten Mal hörte, dachte ich "Aserbaidschan ist zurück als sicherer Top 10-Kandidat". Schade, dass nicht so viele Leute diese Meinung teilten.


Eine weitere Ballade, die Heraussticht, ist "Start a Fire". Mich überzeugt vor allem das stimmige Gesamtpaket aus allen Komponenten die einen guten ESC-Beitrag ausmachen. Am meisten mag ich den instrumentellen und stimmlichen Sound des Auftritts. Dieses Lied habe ich zu einem besonderen Lied für mein Leben ausgewählt. Ich hörte es, um mich für Veränderungen von mir selbst zu motivieren, als ich versuchte alles an mir zu ändern und die ehemalige Person hinter mir zu lassen, um in ein neues, anderes Leben zu starten. Deshalb hat dieses Lied für mich eine noch größere, tiefergehende Bedeutung gewonnen. Es trägt diese Bedeutung, weil ich es dafür auswahl - und das tat ich nicht ohne Grund. Start a Fire. Das singe ich mir auch zehn Jahre nach diesem Auftritt immer wieder.

Ich liebe "Skeletons"! Es ist eine der ESC-Melodien, die am häufigsten in meinem Kopf aufploppen. Die ganze Attitude des Beitrags ist das was überzeugt. Den tief durchdachten Bühnenauftritt finde ich ganz nebenbei genial! Heute würde ich den Beitrag wohl höher ranken als damals.

Tural und Turan ist so schnuckig süß zusammen. Das löst gliternde Freude in mir aus und ich bin einfach nur glücklich. Die gute Melodie des Liedes ist dafür entscheidend. Durch das extrem langsame Singtempo in Teilen des Liedes, entschleunigt und beruhigt es noch obendrein. Ein Lied zum Wohlfühlen. 😊

"Hour of the Wolf" hat eine der schönsten Choreographien, die wir jemals auf der ESC-Bühne gesehen haben. Diese tänzerischen Ausführungen heben auch die Schönheit des Liedes für mich ein großes Stück an. Es ist ein echter ESC-Qualitätsbeitrag. Dieser Satz trifft auch auf "Özünla Apar" zu. Wie viele Songs aus Aserbaidschan brilliert auch er vor allem mit einer mitreißenden Melodie, aber auch mit anderen Elementen.

"X my Heart" ist ein schöner Song zum Glücklichsein. Mit "Mata Hari" haben wir natürlich ein Kunstwerk das im Kopf bleibt. Anders als der Song von 2020, ist er mir musikalisch aber viel zu dünn und letztlich auch zu dünn performt. Das hätte mehr Ausstrahlung und Spannung in jeder Haarspitze jeden Moments gebraucht, um was richtig Großes zu sein.

Alle wissen, dass die Teilnahme von Aserbaidschan am ESC ein White-Washing-Programm des Staates ist. Aber auch wenn es das auf Aserbaidschan mehr, als auf andere Länder zutreffen mag, hat letztlich jedes Land durch seine ESC-Teilnahmen diesen Imageeffekt. Deshalb finde ich es legitim, dass dieses Land den ESC mit seinen Beiträgen bereichert.

Mein Ranking der aserbaidschanischen Beiträge 2014-2024:


Mittwoch, 29. Mai 2024

ESC 2014-2024 (17/45): Griechenland

Griechenland schickt oft Beiträge mit denen ich gar nichts anfangen kann, aber auch immer wieder ganz große Sachen.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 29. (33./24./25.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 4. 2023

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 37. 2018

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 8. mit 215 Punkten 2022

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 16. im Semi mit 44 Punkten 2016

Am meisten hat mich Griechenland mit Victor Vernico' "What they say" umgehauen. Schon nachdem der Sänger bekanntgegeben wurde, war ich begeistert und fing sofort an seine Musik rauf und runter zu hören. Ich liebe seine Musik und noch mehr seine Stimme! Der ESC-Song war für mich dann eine kleine Enttäuschung weil ich sein Repertoir kannte und es darin Besseres gab. Meine Erwartungen waren riesig. Für Platz vier in meinem Ranking von 2023 reicht es aber trotzdem. Ganz entgegen der allgemeinen Meinung dass der Song "superbland Radiopop" sei, würde ich nie auf die Idee kommen, ihn als radiotauglich zu bezeichnen. Viel zu tiefgründig ist der geniale Text über die Schmerzen des Lebens. In den richtigen Momenten folgen auf die schmerzhaftesten Wörter musikalische Einlässe, die deren Wirkung enorm verstärken. Eine wirklich besondere Komposition, kombiniert mit einer noch besondereren Stimme. Mir egal was andere sagen. Mich bringt der Song zum weinen, mitfiebern, Schmerz und Einsamkeit spüren. Er macht mich euphorisch und traurig, beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Das ist ganz große Musik!


Über "Die together" könnte ich stundenlang schwärmen. Der Text ist ein Meisterwerk! So viele verschiedene Emotionen werden innerhalb von Sekunden dadurch hervorgerufen. Ich interpretiere den Text so, dass die beiden Figuren des Liedes überlegen, ob sie zusammen Selbstmord begehen. Die Lebensumstände sind schwierig, aber so wären sie auf ewig vereint. Auch die Inszenierung auf der Bühne, mit den verlaufenden Stühlen unterstützt das Gefühlschaos dieser tollen Musik. Auch über dieses Lied habe ich schon viel geweint.

Das Beste an "Better Love" ist natürlich die Inszenierung auf der Bühne. Sie beinhaltet fast so viele Hidden Meanings wie die Musikvideos von Katy Perry. Doch diese Analyse zu schreiben, wäre viel zu lang für diesen Post. "Last Dance" ist ein sehr solider Vorzeigepopsong. Auch hier ist das Staging wieder herausragend. Auch wenn die Idee an sich nichts Neues ist, ist diese Bühnenshow mit dieser Umsetzung in meinen Augen ein kleines Stück Showgeschichte beim ESC.

"This is Love" ist schlicht gute Musik. Allerdings muss ich sie 2017 noch deutlich besser gefunden haben, als Heute. "Utopian Land" hält den Rekord des schlechtesten Ergebnisses in der Geschichte Griechenlands. Ich kann aber nicht nachvollziehen, warum so schlecht über diesen Beitrag gesprochen wird. Das ist Ethno-Musik mit dem Gewissen Etwas. Durch die eingebauten (Trommel-)Beats, ist es auch nicht zu schwierig mit westeuropäischem Ohr da reinzufinden. Abwechslungsreich ist das Lied auch, es wird nie langweilig. Die Inszenierung auf der Bühne ist toll und zelebriert die griechische Kultur. Manchmal erinnert mich das Lied an meine "Hase Felix"-CD, die ich als Kind gehört habe.

Mein Ranking der griechischen Beiträge 2014-2024:


Dienstag, 28. Mai 2024

ESC 2014-2024 (16/45): Spanien

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 30. (27./20./39.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 9. 2021

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 39. 2017

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 3. mit 459 Punkten 2022

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 26. mit 5 Punkten 2017

Mein Favorit aus Spanien ist "Tu Canción" von Amaia und Alfred. Ich liebe diese Melodie so abgöttisch! Die beiden frisch und Hals über Kopf Verliebten auf der Bühne zu sehen, wie sie diesen Moment zusammen genießen, mit all den Gefühlen die sie überströmen. Jedes Mal schmelze ich vollends dahin! Zusammen mit dieser wunderschönen Melodie ist dieses Gesamtpaket so unendlich schön. Einfach zum genießen und Glücklichsein 💞


"Zorra" macht einfach unglaublich viel Spaß. Noch viel wichtiger als das, ist aber die Message, das Gefühl von Selbstbewusstsein und Freiheit, das dieser Song verbreitet. Eine Dame im gereiften Körper singt darüber dass andere ihr vorschrieben wie, wann und mit wem sie Sex zu haben hat. Davon hat sie sich aber befreit und lebt nun in sexueller Selbstbestimmung. Ganz egal, ob es den gesellschaftlichen Konventionen entspricht, sie bezeichnet sich als "Zorra" (in etwa "Schlampe") und ist stolz darauf. Damit hat sie ein negativ konnotiertes Wort zu einem positiv konnotierten umgeformt, so wie es die queere Community mit dem Wort "queer" tat - Ursprünglich eine Beleidigung, heute Ausdruck von Stolz. Diesen Stolz über die gewonnene Freiheit verkörpert Nebulossa auf der Bühne und küsst ganz nebenher zwei Männer, die ihr rezessiv zu Füßen liegen, Korsett tragen und ihr Sitzfleisch zeigen. Es sind drei Minuten volller Zelebrierung sexueller Selbstbestimmung. Dazu ihr Ehemann in einem Outfit das so bescheuert und uncool aussieht, dass es wieder cool ist. Außerdem bringt es so viel Spaß und Selbstbewusstsein auf Spanisch zu schreien: "Ich bin jetzt eine größere Schlampe als je zuvor!" Das kann man doch nur lieben! Solange alle Beteiligten damit einverstanden sind, lebe so wie es dich glücklich macht.

Es ist keine Frage, dass "Dancing in the Rain" ein großer ESC-Song ist. Mit "La Venda" hat Spanien eine weitere Stimmungskanone. Was ich an diesem Beitrag am meisten mag, ist die Stimmung im Pressezentrum während dieses Auftritts. "Voy a quedarme" ist aus meiner Sicht eine wirklich starke Ballade. Seit Kurzem hat Spanien es geschafft aus der Asche einen Vorentscheid aufzubauen der es in Sich hat. Ich freue mich darauf, was Dieser uns in den nächsten Jahren bieten wird.

Mein Ranking der spanischen Beiträge 2014-2024:


Montag, 27. Mai 2024

ESC 2014-2024 (15/45): Bosnien-Herzegowina

Bosnien-Herzegowina hat in den zehn Jahren seit meinem Hardcore-ESC-Fan-Dasein nur ein mal am ESC teilnehmen können. Der Rundfunk BHRT ist dauerhaft unterfinanziert, kann kaum seine Mitgliedschaft in der EBU stemmen. So kann eine ESC-Teilnahme kaum bezahlt werden.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 31. (2./44./41.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 10. 2016

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 10. 2016

Teilnahmen 2014-2024: 1

Bestes Ergebnis beim ESC: 11. im Semi mit 104 Punkten

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 11. im Semi mit 104 Punkten

Der eine Beitrag, den Bosnien-Herzegowina finanzieren konnte, ist in meinem damaligen Jahresranking auf Platz zehn gelandet. "Ljubav je" ist für mich eine richtig gute Powerballade als Duett. Sie ist musikalisch einfach gelungen. Viel mehr kann ich dazu nicht sagen, außer vielleicht, dass ich unironisch Fan von Fake-Streichinstrumenten auf der ESC-Bühne bin, was sich auch in dieser Post-Serie erkennen lässt. Die Inszenierung auf der Bühne nimmt zwar eindeutig eine Position zu der Fluchtpolitik in Europa zur damaligen Zeit ein, obwohl politische Statements auf der ESC-Bühne verboten sind. Das sei Bosnien-Herzegowina aber verziehen. Schließlich geht es bei Kunst darum, Dinge nicht direkt, sondern verschlüsselt zu sagen. Das kann dann auch immer auf unterschiedliche Weisen interpretiert werden. Wann ein ESC-Beitrag die Grenze des Politisch-Seins überschreitet ist sowieso nicht so eindeutig festzumachen. Vollkommen unpolitisch ist in der Kunst sowieso nichts.


Ich wünsche mir, dass sich die Finanzierungslage des Rundfunks in Bosnien-Herzegowina bessert und das Land wieder regelmäßig beim ESC dabei sein kann, denn in der weiter zurückliegenden Vergangenheit hat es viele bemerkenswerte Beiträge zum ESC geleistet. Bosnien-Herzegowina gehört zu Europa wie andere Länder auch und sollte beim ESC dabei sein.

Mein Ranking der bosnisch-herzegowinischen Beiträge 2014-2024:


Sonntag, 26. Mai 2024

ESC 2014-2024 (14/45): Portugal

Mit dem Festival da Cancao hat Portugal einen Vorentscheid, der von einem ganz speziellen musikalischen Klang geziert ist. Es ist ein Klang der die portugiesische Kultur trägt, insbesondere das so fest in der portugiesischen Seele verankerte Fado. Mit dieser Musik war Portugal bis vor wenigen Jahren beim ESC großer Außenseiter. Doch Portugal lebt das, wofür der ESC da ist. Es zelebritert seine Kultur und Musik, die so einzigartig und es wert ist, der Welt gezeigt zu werden. Auch ich habe Portugal eine große ESC-Tradition zu verdanken. Seit dem ESC 2018 in Portugal backe ich zu jedem ESC (und anderen besonderen Anlässen) das portugiesische Nationalessen Pasteis de Nata. Es ist eines von vielen kulturellen Dingen, die Fest im Leben und Alltag der Portugiesen verankert sind. Das ist der Hauptgrund, warum ich Portugal so sehr mag; es hat eine besonders stark ausgeprägte eigene Kultur und ist sehr stolz darauf. Vielleicht schreibe ich hier mal einen eigenen Post über die Pasteis de Nata. Mein über Jahre optimiertes Geheimrezept gebe ich aber nicht so schnell heraus.

Ich wundere mich darüber, warum ich die portugiesischen Beiträge in den einzelnen Jahren so niedrig gerankt habe. In der Retrospektive sind sie es, die besondere Momente beim ESC kreieren und damit unvergesslich bleiben. Künftig sollte ich zwei mal darüber nachdenken, bevor ich einen portugiesischen Beitrag so schwach bewerte, wie ich es in der Vergangenheit oft getan habe. Dann steigt vielleicht auch Portugal in meinem Länderranking in eine Region, in der ich es viel eher verorten würde. Denn ich sehe unter diesen Beiträgen große Kunstwerke mit einem Mehrwert, den bei weitem nicht alle zum ESC bringen. Ich mag Portugal als ESC-Nation sehr und bin froh darüber, dass sie an ihrem Konzept festhalten.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 32. (28./30./30.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 6. 2014

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 35. 2018

Teilnahmen 2014-2024: 9

Bestes Ergebnis beim ESC: 1. mit 758 Punkten 2017

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 15. im Semi mit 51 Punkten 2019

Mein Top Beitrag aus Portugal ist "Grito". Es ist ein fantastisches Kunstwerk von Musik. Der stetige Aufbau des Liedes, mit seinen unterschiedlichen Phasen, bis er in dem großen Schrei (Grito) mündet. Ein Schrei der schwierigen Emotionen, von denen der Song handelt. Die Inszenierung auf der Bühne dazu ist genau passend verstärkend zu dem Gesungenen. Es ist gar nicht so leicht in Worten zu beschreiben wo ich den Unterschied zwischen den portugiesischen Kunstwerken mache. Dieses hier ist einfach noch intensiver, kleverer, besser als die anderen. Was keinesfalls bedeutet dass die anderen schlecht sind.


Den zweiten Platz macht "Love is on my Side". Das Lied basiert auf einer Begegnung von Bandmitgliedern in einer Bar in Amsterdam. Dort trafen sie eine Sexarbeiterin die von ihrem Leben erzählte. Ein Leben geplagt von Ungerechtigkeiten und Einsamkeit. In der Erzählung versicherte sie aber immer wieder "Love is on my Side". Diese Begegnug beeindruckte The Black Mamba so sehr, dass sie daraus ein Lied schrieben, welches schließlich bis ins ESC-Finale kam. Drei Minuten lang hat Europa gemeinsam an diese Frau gedacht, die stellvertretend für viele stehen kann, an die die Gesellschaft nie denkt. Dieser magische Moment bringt mich immer wieder zum weinen. Bis Heute frage ich mich ob sie das gesehen hat, ob sie das mitbekommen hat, ob sie weiß dass hunterte Millionen Menschen ihrer Geschichte zugehört haben. Ich würde es mir wünschen und ich frage mich wie sie darauf reagierte. Das was "Love is on my Side" geschaffen hat, geht nur beim ESC.

"Ai Coracao" ist drei Minuten voller Freude zu kulturell wertvollen portugiesischen Klängen. Ein Lied das zehn Jahre lang in der Schublade lag und erst zu etwas ganz Besonderem herausgeholt werden sollte, ist auch etwas ganz Besonderes. "Saudade, Saudade" ist ein weiteres großes portugiesisches Kunstwerk. Es ist eine beeindruckende musiklische Verkörperung des großen portugisischen Wortes "Saudade", das nur unzureichend mit "Weltschmerz", "Heimweh", oder "Liebeskummer" übersetzt werden kann. Das Lied transportiert mit seiner ungewöhnlichen Machart genau dieses große Gefühl Saudade, dessen Wort wohl eines der größten sprachlichen Errungenschaften der Menschheit ist.

"Hár um mar que nos Separa" hat eine wundervolle Melodie. Suzy ist mit ihrem "Quero ser Tua" ein ESC-Klassiker und hat mein dreizehnjähriges Ich perfekt angesprochen. Auch "Telemóveis" und "O Jardim" sind tolle Werke mit einem künstlerischen Mehrwert.

Salvador Sobral ist der wohl respektloseste ESC-Sieger aller Zeiten. Alle, die musikalische Kunst nicht genauso machen wie er es tut, werden oder wurden von ihm aufs Schärfste abgewertet. Er hat immer wieder gesagt und gezeigt, dass er den ESC gar nicht mag, und seine Regeln und Konventionen bewusst, wiederholt gebrochen. Schon als ich noch nichts über ihn wusste, fand ich sein Lied mehr langweilig als alles andere. Er als Person nimmt mir aber auch den letzten Rest Freude daran. Auch wenn Salvador Jahre später mit seinen Haltungsweisen wieder etwas zurückgerudert ist, bleibt der fade Geschmack seiner Respektlosigkeit über den ESC und andere Künstler*innen - einfach nur weil sie eine andere Form von Musik machen, als er es tut. Bei diesem kleinen Absatz meiner Meinung zu dieser Sache, soll es dann aber auch bleiben. Denn anders als Salvador es lebt, geht es mir beim ESC darum, Leute ihre Musik, Kultur und anderes zu feiern.

Portugal ist ein Land das Kunstwerke zum ESC schickt, die die portugiesische Kultur und Musik feiern und der Welt näher bringen. Das ist eine echte Bereicherung für den ESC. Es freut mich sehr, dass Europa anscheinend vor wenigen Jahren damit angefangen hat, Portugal dafür zu belohnen. Es ist aber auch ein erarbeiteter Verdienst Portugals, denn die Beitrage sind in ihrer Qualität gestiegen. Ich freue mich drauf, was für Momente dieses Land in Zukunft kreieren wird.

Mein Ranking der portugiesischen Beiträge 2014-2024:


Samstag, 25. Mai 2024

ESC 2014-2024 (13/45): Georgien

Georgien hat sich einen Namen gemacht, als das Land, das Beiträge zum ESC schickt, die ganz anders sind als alle anderen. Oft führt das zu einem schlechten Abschneiden. Aber so wird es mit Georgien nie langweilig.

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 33. (38./31./21.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 2. 2015

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 41. 2016, 2018

Teilnahmen 2014-2024: 10

Bestes Ergebnis beim ESC: 11. mit 51 Punkten 2015

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 18. im Semi mit 22 Punkten 2022

"Warrior" ist ein Song zu dem ich auch neun Jahre später immernoch voll abgehe. Ich habe keine richtige Erklärung dafür, warum er so gut ist. Was ich daran liebe, ist die düstere Energie, die der Song versprüht und von Nina auf der Bühne noch mal verstärkt wird. Es ist meine Silbermedaille von 2015.


"Keep on going" ist eine sehr gelungene Powerballade der etwas anderen Art. Sie trägt georgische Musikkultur in sich, ohne dadurch langweilig oder altbacken zu werden, wie das bei anderen Beiträgen passiert ist. "Three Minutes to Earth" ist in meinen Augen - ganz ohne Ironie (das muss man bei diesem Beitrag ja dazu sagen) - richtig gute Musik. Ich habe viel Spaß daran das zu hören. Es ist mitreißend und auffrischend zwischen all der Popmusik beim ESC.

Bei "Firefighter" wird ein (achtung Metapher) Feuer auf die Bühne gebracht, dass es nur so brennt. "Echo" Ist eigentlich ein ganz guter ESC-Song, nur ist der Text so schlecht, dass bei mir keinerlei Emotionen dazu aufkommen. Deshalb reicht es nur fürs hintere Mittelfeld. Nachdem Georgien in den letzten zwei Jahren wieder typischere ESC-Beiträge entsendet hat, bin ich gespannt wie es mit dem Land in der Zukunft weitergeht. Eins ist sicher: wir dürfen immer gespannt sein, womit uns Georgien als nächstes überrascht.

Mein Ranking der georgischen Beiträge 2014-2024:


Freitag, 24. Mai 2024

ESC 2014-2024 (12/45): Serbien

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 34. (30./29./31.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 6. 2015

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 33. 2019

Teilnahmen 2014-2024: 9

Bestes Ergebnis beim ESC: 5. mit 312 Punkten 2022

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 11. im Semi mit 98 Punkten 2017

Der Drop von "Beauty never lies" ist einer der großen Eurovision-Momente. So ist dies mein Lieblingsbeitrag aus Serbien. Meine einzige Kritik daran ist, dass der Song zu lange braucht um aus den Puschen zu kommen. Deshalb wundere ich mich jedes Mal dass der Song schon vorbei ist, wenn er gerade erst so richtig begonnen hat.


Leider ist "Goodbye (Shelter)" einer der größten Downgrades zwischen Preview Video und ESC-Auftritt für mich. Wo ist die Leidenschaft hin, mit der Sanja im Preview Video performt hat? Mit dieser Leidenschaft wäre dieser Beitrag für mich ganz wo anders gelandet. Das ist das, woran ich die meiste Zeit denken muss, wenn ich diesen Auftritt sehe. Mit diesem Song und Sanja wäre so viel möglich gewesen, aber so nicht.

"Ramonda" hat etwas kreiert, was nur beim ESC möglich ist. Über Ländergrenzen hinweg verspüren Menschen zeitgleich ihre Verbundenheit, durch gemeinsame geschichtliche Hintergründe. "In Corpore Sano" ist zweifelsfrei ein einzigartiges Kunstwerk, das wichtige Kritik beinhaltet. "Loco Loco" ist ein toller Stimmungsmacher und eine geniale Komposition für seinen Zeitpunkt. Ich bin mit dem falschen musikalischen Hintergrund aufgewachsen, dafür dass der Song bei mir noch stärker zieht als er es tut. "Samo mi se Spava" mag ich, aber der Beitrag gibt mir offensichtlich nicht das, was er manch anderen Leuten gibt. Serbien sehe ich als ein solides Land beim ESC. Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass mich ein serbischer Beitrag so richtig begeistert hat, aber ich halte es für gut möglich, dass das bald wieder geschehen könnte.

Mein Ranking der serbischen Beiträge 2014-2024:


Donnerstag, 23. Mai 2024

ESC 2014-2024: (11/45): Rumänien

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 35. (36./37./22.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 2. 2021

Niedringste Platzierung in meinen Jahresrankings: 38. 2015

Teilnahmen 2014-2024: 8

Bestes Ergebnis beim ESC: 7. mit 282 Punkten 2017

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 16. im Semi mit 0 Punkten 2023 

Mein klarer Favorit aus Rumänien ist "Amnesia" von Roxen. Musikalisch ist der Song sehr kraftvoll und tiefgehend! Dessen Inhalt ist aber noch viel wichtiger. Es geht um die Herausforderung in dieser Welt klar zu kommen und Selbstliebe zu entwickeln, wenn du den Eindruck hast, dass alle gegen dich sind. All die anderen Menschen sind durch die Tänzer*innen auf der Bühne gekennzeichnet. Sie tragen Kostüme die einen Preis verdient haben. Roxen wird von ihnen umzingelt umhergeschoben und geschliffen. Sie ist ganz allein, hilflos, zwischen all diesen Dämonen und anderem, das sich gegen sie richtet. Wie soll sie dabei Selbstvertrauen entwickeln und aus diesem finteren Getummel hinausfinden? Zum Ende des Auftritts leuchten auf dem LED-Screen die Worte: "for every shout that went unheard" auf. Dieser Auftritt macht diese Schreie/Rufe hörbar. Die Hilferufe und die der Schmerzen, auch die stillen Schreie. So viele Leute erleben oder erlebten das, was durch dieses Kunstwerk dargestellt wird. Jede Erfahrung von Mobbing, jeder Selbstmord(-Gedanke), und so vieles mehr findet sich darin wieder. Auch beim Nachhören für diesen Post hat mich der Song wieder zu einem schmerzhaften Weinen gebracht. Das ist höchste Kunst, die besonders wertvoll ist wenn sie so etwas thematisiert.

Als Rumänien mit diesem Song im Halbfinale ausschied, war ich untröstlich am Boden zerstört. Ich bleibe trotz der vielen Gegenstimmen bei der Meinung, dass beim Staging die richtige Wahl getroffen wurde. So schlecht war der Gesang gar nicht und die körperliche Anstrengung von Roxen auf der Bühne hält sich in Grenzen. An diesen Beitrag vergab ich 2021 meine Silbermedaille. Er war nah dran an meinem persönlichen Sieger. Ein paar Monate nach dem ESC outete sich Roxen als nicht binär. Unter diesem Hintergrund des Kampfes gegen die Gesellschaft, die einem immerzu aufzeigt falsch zu sein, gewinnt dieser Song über die Schwierigkeiten der Findung von Selbstliebe noch mal mehr an Bedeutung. Danke Roxen!


"D.G.T. (Off and On)" und "On a Sunday" sind Songs mit einer intensiv-mitreißenden und ähnlichen Atmosphäre. Bei "D.G.T. (Off and On)" kommt noch ein genialer Text mit zahlreichen Wortspielen über mehrere Sprachen hinweg dazu. Teile davon finden sich bereits im Titel wieder. Ja, das Staging von "D.G.T." war schlecht, das liegt aber am rumänischen Rundfunk TVR, dessen derzeitiger Umgang mit dem ESC mich nur verständnislos zurücklässt. Auch "Goodbye" finde ich einen starken Song mit guter Inszenierung und verstehe gar nicht was so viele dagegen haben. 2016 wurde der rumänische Rundfunk wenige Tage vor Probenbeginn in Stockholm von der EBU suspendiert, weil TVR durch die Unterfinanzierung seitens des Staates seine Rechnungen zu lange nicht bezahlen konnte. Damit einher ging auch ein Ausschluss vom ESC. Der damalige Beitrag "Moment of Silence" gehörte zu meinem Favoritenkreis. Wenigstens eine gute Sache hatte das zur Folge: die Regierung Rumäniens hat daraufhin die finanzielle Situation von TVR gebessert.

"Yodel it!" ist natürlich legendär, mir aber musikalisch viel zu wenig und nicht stimmungsmachend genug für eine Platzierung weit vorne. Bei diesem Beitrag wurde außerdem der große Fehler gemacht, sich für ein Bühnenkonzept zu entscheiden, gegen das sich die Künstler*innen, die auf der Bühne stehen, weigerten. Das ist nie eine gute Idee. Wer auf der ESC-Bühne steht muss auch hinter dem stehen, was dort passiert, sonst kommt es nicht gut an. Rumänien hat in Sachen ESC derzeit einige Hausaufgaben zu erledigen. Hoffentlich ist bald wieder der Weg frei für tolle rumänische Beiträge mit einem fairen Umgang mit den Künstler*innen.

Mein Ranking der rumänischen Beiträge 2014-2024:


Mittwoch, 22. Mai 2024

ESC 2014-2024 (10/45): Kroatien

Platzierung als Nation in meinen Rankings: 36. (25./35./42.)

Beste Platzierung in meinen Jahresrankings: 12. 2016

Niedrigste Platzierung in meinen Jahresrankings: 36. 2023

Teilnahmen 2014-2024: 8

Bestes Ergebnis beim ESC: 2. mit 547 Punkten 2024

Niedrigstes Ergebnis beim ESC: 17. im Semi mit 63 Punkten 2018

Kroatien ist für mich ein unauffälliges Land beim ESC, das es noch nie in meine Top 10 geschafft hat. "Lighthouse" dürfte aber der Ohrwurm sein, der seit 2016 am häufigsten in meinem Kopf aufploppt. Warum mein Gehirn so besessen davon ist, weiß ich nicht. Meistens stört es mich aber nicht. So bleibt meine Bewertung dieses Beitrages auch nach Jahren durchgehend positiv. Ich finde beide Kleider, die Nina auf der Bühne trägt übrigens richtig schön. Auch der Kostümwechsel ist toll. Dafür lieben wir doch den ESC 😁 Ich bin immernoch entsetzt, dass dieses Kostüm den Barbara-Dex-Award für das schlechteste Outfit beim ESC erhalten hat.


Jacques Houdek, das ist doch der Mann mit den zwei Stimmen. So in etwa haben die meisten den kroatischen Beitrag von 2017 in Erinnerung. Das ist aber gar nicht der Grund warum ich "My Friend" mag. Den Tonhöhenunterschied und die verschiedenen Stimmfarben, die Jacques singt, gibt es auch in anderen ESC-Liedern. Die sind nur nicht so inszeneiert wie dieser hier, weshalb es dort nicht so sehr auffällt. Für mich ist dieser Song einfach richtig gute Musik an sich. Am meisten mag ich den Instrumentalteil ohne Gesang.

Genauso gute Musik ist "Guilty Pleasure". Eine Herzzerreißende Geschichte einer Liebessituation, in der man sich nur falsch entscheiden kann. Das verpackt in schöne Musik, die leicht verdaulich daherkommt, es dann aber gar nicht ist. Das Lied reißt mich immernoch richtig mit. Die gute Inszenierung des Gesungenen auf der Bühne unterstützt das.

"The Dream", hinter dem übrigens auch Jacques Houdek steckt, ist für mich ebenfalls ein mitreißender Song. Ich verstehe nicht warum ihn viele belächeln. Engelsflügel auf der ESC-Bühne sind doch was Schönes. 😇 "Rim Tim Tagi Dim" und "Crazy" sind ebenfalls mitreißend, nur nicht so sehr wie manch andere ESC-Musik. Bei ersterem kommt natürlich noch der Bonus des Hintergrundes und guten Textes dazu. Kroatien ist für mich oft hinteres Mittelmaß beim ESC. Das ist schön und muss man erst einmal schaffen.

Mein Ranking der kroatischen Beiträge 2014-2024: