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Mittwoch, 15. Mai 2024

Meine Top 45 ESC-Nationen 2014 - 2024

Bis zuletzt war ich mit den Feierlichkeiten zum Sieg der Schweiz beschäftigt, weshalb es einige Zeit dauerte, bis ich mein Ranking für den diesjährigen ESC fertigstellen konnte. Damit im Gepäck, konnte ich die untenstehenden Statistiken berechnen, welches Land seit meinem Hardcore ESC-Fan-Dasein seit 2014 wie sehr in meiner Gunst stand. Dies ist der zweite Blog-Beitrag einer Serie. Im ersten Teil findest du weitere Erklärungen dazu.

Zum Verständnis: Das Pandemie-Jahr 2020 habe ich hierfür rausgelassen. Das gilt auch für die darauf folgende Serie, in der ich jeden Tag die Beiträge eines Landes aus meiner heutigen Sicht bewerte und mein Empfinden zu dem jeweiligen ESC-Land kundtue. Die Beiträge des abgesagten Jahrgangs sind nie auf der ESC-Bühne präsentiert wurden. Der EuroVISION Song Contest ist nicht nur ein Musikwettbewerb, sondern auch die größte TeleVISION-SHOW der Welt. Der Auftritt an sich und wie er bei den Zuschauenden vor dem Bildschirm ankommt, ist ein wesentlicher Bestandteil der Beiträge. Alleine schon deshalb, sind die Beiträge von 2020 für mich - nicht abstrichfrei - mit anderen vergleichbar. Außerdem erinnere ich mich nicht gerne an die Pandemie Zeit zurück und schließlich möchte ich an der ganzen Geschichte auch Spaß haben. Der Beitrag der Niederlande dieses Jahr wurde auf der ESC-Bühne in einer Live TV-Show mit Voting aufgeführt und ist deshalb (trotz seiner umstrittenen Disqualifikation zwischen Halbfinale und Finale) Teil dieser 398 Beiträge der zehn wertbaren Jahre von 2014 bis 2024. Ich warne schon einmal vor, dass Länder mit insgesamt starken Ergebnissen, bei mir persönlich teilweise nicht so gut ankommen. Dafür treffen manche Länder, die beim ESC eher als Daueraußenseiter gelten, häufig voll meinen Nerv.

Um anhand von nackten Zahlen ausfindig zu machen, welches Land ich über diese zehn ESC-Ausgaben hinweg wie sehr mag, habe ich drei verschiedene Berechnungsmethoden zur Hand genommen, und diese schließlich zusammengefügt.

Die simpelste Form nach der Frage wie gut ich die Beiträge der Länder in ihrer Gesamtheit finde, ist es, ihre Durchschnittsplatzierung in meinem Ranking auszurechnen, das ich jeweils ("direkt") nach dem Finale sorgfältig erstellt habe. Allerdings ist dieses Verfahren nicht ganz fair und aussagekräftig, weshalb es nur eine von drei Komponenten meiner Berechnung ausmacht. Für alle Tabellen gilt übrigens, dass bei Punkt- und Zahlengleichheit die beste Einzelplatzierung als Stichwert für die Platzierung ausschlaggebend war. Hier das Ergebnis der Durchschnittsplatzierungen der einzelnen Länder in meinen Ranglisten von 2014-2024:


Demnach ist Australien mein Lieblingsland beim ESC und das könnte auch meinem subjektiven Empfinden nach so sein. Aktuell bin ich nicht ganz auf ein Lieblings-ESC-Land festgelegt. In der Vergangenheit waren das phasenweise Slowenien (4. in dieser Statistik), Lettland (5.) und Bulgarien (3.).

Das eigene Land berwertet man üblicherweise besser, als wenn es nicht das eigene Land wäre. So hat Deutschland nur selten Platzierungen ganz weit unten, was zu einer vergleichsweise guten Durchschnittsplatzierung von 17,7 führt. In dieser Liste bringt das Platz 14 ein. Es ist "nur" Platz 14, da die deutschen Beiträge seit 2014 bekanntermaßen nicht gerade die beste Ära einer Nation beim ESC bilden. Dennoch mag ich die deutschen Beiträge in der Regel. Lediglich reicht es in meinen Rankings nicht für ganz vorne.

Ganz hinten im Tableau befindet sich Italien. Das überrascht vielleicht andere, mich aber überhaupt nicht. Italien empfinde ich persönlich subjektiv als das schwächste ESC-Land (der letzten zehn Jahre). Fast jedes Jahr kann ich mit dem italienischen Beitrag nur wenig anfangen. Der Durchschnitt von Platz 31 entspricht auch meinem Empfinden der italienischen Beiträge. Das bedeutet natürlich dass Italien oft noch weit niedriger als Platz 31 gerankt ist. Die meiste Musik des San Remo Festivals ist einfach nicht "My Cup of Tea" wie der Brite es sagt. In den meisten Jahren gibt es zwar ein bis drei Beiträge die mir wirklich gefallen, diese gewinnen dann aber nicht. Lediglich in einem Jahr hat mich der italienische Song sehr berührt. Ich höre ihn immernoch gerne, allerdings nicht den Live Auftritt im ESC-Finale. Mehr dazu, wenn ich in dieser Serie über Italien schreibe.

Zypern befindet sich in dieser Wertung direkt über Italien. Auch hier gilt das Prinzip "not my Cup of Tea". Zypern scheint sich darauf festgelegt zu haben jedes Jahr einen Girlbop zum ESC zu schicken. Damit ist es schwierig mich zu überzeugen. Aber auch hierzu mehr im Serienbeitrag von Zypern.

Dass Estland so weit unten gelandet ist, überrascht mich ein klein wenig. Es gab zwar eine lange Phase in der ich alle Beiträge aus Estland schwach fand, doch manchmal waren estnische Beiträge bei mir ganz vorne dabei. Im Durchschnitt ist es trotzdem der drittletzte Platz.

Ein großes Problem dieser Berechnungsmethode wird schon ganz oben in der Liste deutlich. Bosnien-Herzegowina war seit 2014 nur ein mal beim ESC dabei. Der Beitrag hat in meinem Ranking schließlich Platz zehn belegt. Damit hat das Land eine Durchschnittsplatzierung von genau zehn (wie auch Australien mit seinen neun Teilnahmen). Ich würde aber keinesfalls sagen dass Bosnien-Herzegowina in diesem Zeitraum mein Lieblings oder Zweitlieblings-ESC-Land ist. Schließlich gibt es nur einen Beitrag aus diesem Land den ich mag, und dieser ist zwar knapp in meine Top 10 gekommen, aber doch weit von einem Sieg entfernt gewesen. Länder die weniger Teilnahmen haben, tendieren aus rein mathematischen Gründen zu einer extremeren (also hohen oder niedrigen) Durchschnittsplatzierung, als das bei Ländern der Fall ist, die immer dabei sind. Deshalb ist diese Berechnungsmethode allein, aus meiner Sicht, nicht geeignet um die Performance von ESC-Ländern über einen längeren Zeitraum hinweg zu bewerten und zu ranken.

Außerdem sehe ich beim Wettbewerb ESC ein Stück weit das Leistungsprinzip, ähnlich wie im Sport. Wer ein bisschen Leistung erbracht hat, die für den vorletzten, oder auch nur letzten Platz gereicht hat, hat mehr Leistung erbracht als diejenigen, die gar nicht teilgenommen, also gar keine Leistung erbracht haben. Deshalb habe ich ein zweites Ranking mit Durchschnittsplatzierungen berechnet. Dabei hat jedes Land für die Jahre, in denen es nicht teilgenommen hat, als Platzierung einen Platz schlechter als den letzten Platz erhalten. Ein Beispiel: Im Jahr 2014 waren 37 Länder dabei. Das heißt alle Länder dieser 45, die in dem Jahr nicht dabei waren, haben für das entsprechende Jahr die Platzierung 38 als Grundlage zur Berechnung der Durchschnittsplatzierung erhalten. Das ist natürlich auch nicht ganz fair, deshalb wird dieses Ergebnis noch mit den anderen kombiniert. Schauen wir aber zuerst auf dieses zweite Ergebnis von Durchschnittsplatzierungen mit der Berücksichtigung von Nicht-Teilnahmen:


Nach dieser Berechnung sind meine üblichen Verdächtigen Slowenien und Lettland auf Platz eins und zwei. An die beiden habe ich jedes Jahr sehr große Erwartungen und werde nur manchmal enttäuscht. Den dritten Platz macht die Schweiz, was mich ein bisschen überrascht. Zwar empfinde ich die Schweiz subjektiv als überdurchschnittlich starkes Land, aber eigentlich nicht als so gut, dass ich überlegen würde, es auf Platz drei zu ranken. Beim genaueren Hinsehen auf die nackten Zahlen fällt mir aber auf, dass die Schweiz es in sechs der zehn Jahre in meine Top 10 geschafft hat. In der Mehrheit der Jahre fiebere ich also sehr mit den schweizer Beiträgen mit. Deutschland erreicht als Dauerteilnehmer ohne ganz schlechte Ausreißerplatzierungen hier Platz 10.

Ganz unten stehen Luxemburg und Bosnien-Herzegowina, welche nur ein mal in den zehn Jahren dabei waren. Selbst wenn sie mit ihrer Teilnahme meine Sieger gewesen wären, können sie damit nicht gegen diejenigen ankommen, die regelmäßig teilnehmen. Bei nur einem Beitrag sind beides aber auch nicht Länder die mir früh in den Sinn kommen, wenn ich an meine Lieblings-ESC-Nationen denke. Belarus hat in diesem Zeitraum sechs mal teilgenommen und dabei etwas unterdurchschnittliche Platzierungen bei mir erreicht. Von einem Sieg war Belarus bei mir jedes Jahr weit entfernt.

Emotional machen die eigenen ESC-Lieblingsnationen vor allem aus, dass es Beiträge aus diesen Ländern gibt, die man abgöttisch liebt und für die man besonders stark in den einzelnen Jahren mitgefiebert hat. Dabei gilt auch dass ein persönlicher Siegersong, oder zweiter bzw. dritter Platz eine viel stärkere Emotionalität erzeugt, als beispielsweise eine untere Top 10 Platzierung. Ob ein Song bei einem selbst Platz 15 oder Platz 35 erreicht hat, macht in der langfristigen emotionalen Bindung zu diesem ESC-Land kaum einen Unterschied. Deshalb habe ich eine dritte Methode zur mathematischen Berechnung der Emotionalität verwendet. Hierbei habe ich ganz simpel jedes Jahr an meine persönlichen Top 10 von nach den Shows Punkte von 1 bis 12 im ESC-Stil vergeben. Das Land das 2014 meinen Sieger stellte, erhält dafür also 12 Punkte. Das Land meines zweiten Platzes 10 Punkte u.s.w. Das gleiche erfolgt mit 2015, 2016 u.s.w. Mit dieser Methode wirkt sich eine Nicht-Teilnahme nicht allzu stark aus, wie bei der letzten Tabelle, da die große Mehrheit der Länder im einzelnen Jahr alle keine Punkte bekommen, egal ob sie auf Platz 11 gelandet sind, oder gar nicht teilgenommen haben. Hier ist das Ergebnis dieser Punktevergabe:


An der Spitze sind die einzelnen Länder ganz eng beeinander. Knapp geht der erste Platz an Australien. Punktgleich dahinter ist (zu meiner Überraschung) die Schweiz. Wer jedoch fast Dauergast in den Top 10 ist, sammelt hier natürlich ordentlich Punkte ein. Mit nur einem Punkt weniger steht Bulgarien auf Platz drei. Das Land hat zwar nur in fünf von zehn Jahren teilgenommen, dabei aber beeindruckende drei Mal(!) meinen persönlichen Sieger gestellt. Man kann sich vorstellen wie traurig ich bin, dass Bulgarien derzeit nicht beim ESC dabei ist. Obwohl ich mein eigenes Land Deutschland unvermeidbar besser bewerte, erhält es in dieser Wertung nur drei Punkte und den 38. Platz. ESC-Fan aus Deutschland zu sein ist das Jahrzehnt 2014-2024 etwas deprimierend...

Belarus und Bosnien-Herzegowina haben mit einem einmaligen zehnten Platz gerade so einen Punkt erhalten. Kroatien, Dänemark, Luxemburg und Zypern waren in zehn Jahren nicht ein einziges Mal in meiner persönlichen Top 10. Kroatien und Dänemark waren mit Platz 12 immerhin nah dran. Dennoch stehe ich entsprechend eher emotionslos diesen Ländern gegenüber. Luxemburg war nur ein mal dabei und ist mit Platz 23 im Mittelfeld gelandet. Zypern hat bei seinen zehn Teilnahmen als beste Platzierung nur die #24 geschafft. Es gab seit meinem Hardcore-ESC-Fan-Dasein noch nie einen Beitrag aus Zypern mit dem ich so richtig mitgefiebert habe. Zypern ist mir ausnahmslos(!) jedes Jahr mehr oder weniger egal.

Zusammengefügt ergeben diese drei Wertungen das ultimative Endergebnis meiner Top 45 ESC-Länder der letzten 10 Jahre:


Zahlen lügen nicht und die Zahlen sagen dass Australien mein ESC-Lieblingsland ist. Herzlichen Glückwunsch an Australien und alle australischen Fans! Mit diesem ersten Platz bin ich sehr zufrieden und einverstanden. Slowenien und Lettland haben über die Zeit ein klein wenig an Appeal für mich verloren. Bulgarien ist auf lange Sicht einfach zu selten dabei, als dass es meine Nummer eins sei. Ohne nachzudenken hätte ich vermutlich geantwortet dass ich Slowenien derzeit am ehesten als mein Favoritenland sehen würde. Deshalb passt der zweite Platz hier sehr gut. Der überraschende dritte Platz mit beeindruckend vielen Top 10 Platzierungen und neulichst auch einem persönlichen Siegerbeitrag ist die Schweiz. Für Lettland gibt es nur den vierten Platz. Eine dicke Überraschung ist für mich Israel auf Platz fünf. Subjektiv, ohne Nachdenken, hätte ich das Land als durchschnittlich, vielleicht leicht überdurchschnittlich bezeichnet. Mit Litauen auf Platz sechs bin ich auch glücklich. Frankreich hat den Bonus dass ich den Klang der französischen Sprache Liebe. Albanien schickt mit seinen Powerballaden ein Genre zum ESC auf das ich gerne anspringe. Der neunte Platz von Bulgarien, das immerhin drei der zehn Sieger stellt, enttäuscht, ist aber den wenigen Teilnahmen zu Schulden. Ungarn war in einem drei-Jahres-Streak fantastisch. Drei Jahre reichen insgesamt aber gerechtfertigter Weise nur für Platz 10. San Marino sehe ich als einen meiner Lieblinge und hätte ich mir gerne rund um Platz 5 gewünscht. Die Jahre in denen ich ihren Beitrag nicht mochte verdränge ich leicht. So ist es dann doch nur Platz 11.

Deutschland landet mit Platz 20 in der Mitte. Das passt soweit. Mich überrascht dass Portugal nur auf Platz 32 steht. Ganz unten befindet sich zu meiner Überraschung nicht Italien, sondern Zypern, dem ich gänzlich leidenschaftslos begegne. Italien wurde dann doch von seinem einen Top Beitrag gerettet. Luxemburg hat mit einer Teilnahme, die insgesamt okay war, über die zehn Jahre hinweg zu wenig geboten und ist verständlicher Weise auf dem vorletzten Platz. Ich freue mich aber sehr, dass Luxemburg wieder dabei ist und bin gespannt auf die nächsten Jahre. Belarus hat in den zehn Jahren zu selten Freudensprünge bei mir ausgelöst, um andere Nationen hinter sich zu lassen.

Nun folgt täglich ein Blog-Beitrag zu jedem der 45 Länder. Darin enthalten ist u.a. mein persönliches Ranking der bis zu zehn Beiträge des Landes, wie ich sie Heute bewerte. Teilweise hat sich an meinen damaligen Bewertungen einiger Beiträge viel geändert. Garniert wird das Ganze von einer Einschätzung zu dem jeweiligen Land in den letzten zehn Jahren. Die Beiträge starten mit dem letzten Platz Zypern und gehen dann hoch bis Platz 1 Australien.

Sonntag, 12. Mai 2024

Ankündigung: Tägliche Serie zum 10-jährigen Fan-Jubiläum

 Am Morgen des 24. Mais 2008 bin ich im Alter von 7 Jahren zum ersten Mal mit dem ESC in Berührung gekommen und war schon von den ersten Erklärungen was das ist begeistert. So richtig hardcore ESC-Fan bin ich jedoch erst im Herbst 2014 (im Alter von 14 Jahren), ohne einen nennbaren Auslöser geworden. Seitdem verfolge ich das ganze Jahr über die Geschehnisse in allen Ländern und verbringe meine Samstag Abende damit, mehrere Livestreams gleichzeitig in zahlreichen europäischen Fremdsprachen zu gucken. Das bedeutet, dass ich jetzt mein zehnjähriges Jubiläum als ESC-Fan feiere.🙌

Aus diesem Anlass (und weil ich diesen Gedanken seit Jahren habe) habe ich beschlossen unmittelbar nach dem ESC 2024 die 398 Beiträge der 45 Länder, die es seit dem ESC 2014 gab, nach meiner heutigen Gunst zu bewerten. Meine Kriterien, wonach ich ESC-Beiträge bewerte, haben sich im Laufe der Jahre geändert. Auch mein gestiegenes Alter führt dazu, dass ich heute anders auf ESC-Beiträge schaue, als ich es bspw. vor 10 Jahren getan habe. Manche Beiträge die zum Zeitpunkt des ESC-Finales zu meinen Top-Favoriten gehörten, betrachte ich heute neutral oder sogar negativ. Manchmal hat das Entwicklungen der Künstler*innen zum Grund, manchmal aber auch nur dass die Musik über die Jahre für mich an Glanz verloren hat. Noch mehr Beiträge gibt es jedoch, die ich damals nicht so gut bewertete, die ich aber nun, Jahre später, immer wieder höre und mich an ihnen erfreue. Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen der Gunst, die ich den 45 unterschiedlichen Nationen der letzten 10 Jahre entgegenbringe. Manche Länder haben mehrfach meinen Sieger gestellt, andere haben es nicht ein einziges Mal in meine Top Ten geschafft. Mit meiner Sympathie für die Beiträge bestimmter Länder über mehrere Jahre hinweg, bin ich übrigens recht unkonventionell unterwegs. Manche Nationen, die regelmäßig Erfolge feiern, stehen bei mir weit unten, dafür manche Außenseiterländer oben. Deshalb folgt auf diesem Blog in den nächsten 24 Stunden ein Post über ein Ranking dieser 45 Nationen in meinen persönlichen Ranglisten, die ich jedes Jahr direkt nach dem Finale erstellt oder eher überarbeitet habe. Dieses Ranking setzt sich aus mehrern Statistiken zusammen, doch dazu später mehr in einem separaten Post, wenn ich mein Ranking für den diesjährigen ESC fertig überarbeitet habe.

Ab Montag plane ich, hier jeden Tag meine persönliche Sicht auf eine dieser 45 ESC-Nationen für den Zeitraum 2014-2024 kundzutun, und zusätzlich mein Ranking der Beiträge dieses Landes in den letzten zehn Jahren zu posten. Ich erstelle also z.B. eine Top Ten der zehn deutschen Beiträge von 2014-2024 (ohne das Pandemiejahr 2020) und schreibe was ich über das Land beim ESC und die Beiträge insgesamt denke. Dabei gehe ich danach vor, wie ich die Beiträge Heute betrachte und gebe zusätzlich an, auf welchen Platz ich sie damals setzte. Eventuell erstelle ich Anschließend ein Top 200 Ranking aus diesen 398 Beiträgen. Zuerst geht es aber mit dem Ranking der Länder los.

Nemos ESC-Sieg verändert Europa für viele

Hätte mir jemand vor einem halben Jahr erzählt, dass eine nicht binäre Person mit einem Song über das Nicht-binär-sein den Eurovision Song Contest gewinnt, ich hätte wahrscheinlich herzlich gelacht und erwidert dass das vielleicht in meinen schönsten Träumen passiert, für die echte Welt in der wir leben aber viel zu unrealistisch ist. In dieser Nacht haben Nemo Mettler, Benjamin Alasu, Lasse Midtsian Nymann und Linda Dale mit "The Code" den 68. Eurovision Song Contest 2024 für die Schweiz gewonnen. Nein, nicht nur für die Schweiz, vielleicht noch mehr als das für Menschen die so sind wie Nemo, Bambie Thug und ich. Heute Nacht hat sich Europa verändert. Mit dieser Nacht leben wir in einem anderen Europa. Mit dieser Nacht, und allem was darauf folgen wird, ändert sich vieles für uns nicht binäre Menschen. Da bin ich mir sicher. Weil diese Nacht für mich - und viele andere - so bedeutsam ist, möchte ich hier meine Gedanken festhalten, für mich und für das Internet zum Nachlesen - auch in der weiter entfernten Zukunft.



Das hier sind meine Gedanken, die ich in dieser Nacht zu diesem großen Ereignis habe. Sie sind nicht gut sortiert und dieser Text nicht umfangreich ausgearbeitet. Ich möchte aber - so kurz wie es mir möglich ist - beschreiben was mir der Sieg von Nemo bedeutet und was ich denke, wie sich Europa dadurch für uns nicht binäre Menschen verändert. Dafür möchte ich ein super kurzen Blick darauf werfen, was es bedeutet in dieser Gesellschaft zu leben und Nicht eindeutig Frau oder Mann zu sein.

Seit fünf Jahren setze ich mich an der Universität mit Geschlecht auseinander. Immernoch bin ich weit davon entfernt zu verstehen was Geschlecht genau ist und wie Geschlecht sein kann. Auch habe ich (noch?) keine Worte für meine eigene Geschlechtlichkeit gefunden. Deshalb muss die Sammelkategorie "nicht binär" dafür herhalten. Sie drückt aus dass sich eine Geschlechtlichkeit nicht im Code der Nullen und Einsen, "der zwei Geschlechter" befindet. Ich habe das große Privileg mich jahrelang im Studium mit Geschlechtlichkeit auseinanderzusetzen und kann trotzdem nicht sagen ob oder was für ein Geschlecht ich habe. Derweil muss ich mich immerzu dafür rechtfertigen dass ich so bin wie ich bin und bekomme jeden Tag von der Gesellschaft gezeigt dass ich mit meinem Geschlecht ein Störfaktor bin, der für Probleme sorgt und besser einfach nicht da wäre. Wenn das Leben mit diesem Geschlecht bereits für mich in dieser Position so schwierig ist, wie muss es dann erst für andere sein? Für all diejenigen, die noch nicht einmal davon gehört haben, dass nicht alle Menschen auf dieser Welt Frau oder Mann sein müssen?

Ich denke diese Nacht an all die jungen Menschen in ganz Europa und der Welt, die im Schlafanzug auf dem Sofa mit ihren Eltern den ESC gucken, die über sich merken dass das mit dem Junge-sein, oder mit dem Mädchen-sein nicht passt, an die, die (wie ich) nicht verstehen was alle anderen an Geschlecht so wichtig finden und warum sie Menschen in diese zwei Kategorien teilen. Ich denke an all die Leute da draußen die mit Nemo eine Person mit Männerkörper sehen, die einen Rock und Strumpfhose trägt und Glitzersteine im Gesicht hat. Eine Person die mit einer völligen Selbstverständlichkeit in solcher Kleidung einen powervollen Rap und Operngesang in höchsten Tönen auf die Bühne legt - und damit von Europa (und Bamies Heiligenschein) zum Sieg gekrönt wird. Ich denke an diejenigen, die dadurch mit einer völlig neuen Welt in Berührung kommen, einer Welt die sie nicht für möglich gehalten haben und in der sie spüren dass sie sich darin frei und sicher fühlen. Eine Welt die von Europa mit einem Punkteregen überschüttet und gefeiert wird. Eine Welt die in ihrer echten Lebenswelt verboten ist. Denn wer ein "Junge" ist darf keinen Rock tragen.

Nicht binäre Menschen finden in unserer Gesellschaft und der Popkultur nicht statt. Wir sind da, ohne dass wir in der Gesellschaft existieren, Die meisten Leute wissen nicht wer wir sind, verstehen nicht wer wir sind oder wissen noch nicht einmal dass wir sind. Das hat sich heute Nacht geändert. So viele Menschen sind gerade das erste mal in ihrem Leben wissentlich mit Nicht-binarität in Berührung gekommen. Leute erfahren, dass wir existieren und lernen über uns. Selbst wenn es beim einmal hören und einem Bemerken der Problematik um Pronomen bleibt, das verbessert unsere Lebenslage in dieser Gesellschaft enorm. Heute Nacht habe ich zum ersten Mal in meinem Leben dass Gefühl dass wir "im großen Stil" in dieser Gesellschaft stattfinden. Wir haben heute Nacht ein Stück weit Existenz gewonnen. Das ist so viel größer als ein ESC-Sieg!

Nachdem Conchita Wurst vor genau zehn Jahren den ESC gewann hat, hat sich so viel in der Queerpolitik europäischer Länder verändert. Und noch viel mehr hat sich in den Köpfen der Menschen verändert. Leute haben sich erstmals mit etwas auseinandergesetzt, was ihnen bislang fremd und unverständlich war. Sie haben Verständnis, Akzeptanz und Toleranz entwickelt. Europa hat sich durch den ESC-Sieg von Conchita Wurst für queere Menschen verändert. Das kann keine Person ernsthaft leugnen, die sich intensiver damit auseinandergesetzt hat. Ich glaube durch den ESC-Sieg von Nemo wird das auch passieren - anders. Schon in den letzten Tagen sorgte ein offener Brief zur Anerkennung von nicht binären und anderen Personen in der Schweiz - geknüpft an Nemos ESC-Teilnahme - für Aufsehen. Nemo erzählt in der Pressekonferenz nach dem Sieg von einem Gespräch darüber mit einem der sieben schweizer Präsident*innen (ja, die Schweiz hat sieben gleichwertige Präsident*innen). Und das ist erst der Anfang. Auch wenn bei mir in Deutschland vor wenigen Wochen das "Selbstbestimmungsgesetz" beschlossen wurde, ist der Staat noch weit davon entfernt die Geschlechtlichkeit von mir und vielen anderen anzuerkennen. Diese Anerkennung ist zudem nur ein erster Schritt für vieles weitere was es für ein gleichberechtigtes, chancengleiches und vor allem schmerzfreies Leben braucht.



Diesen Kurzfilm über den ESC-Sieg von Conchita Wurst habe ich mir schon oft angeschaut. Er zeigt realistisch was es für viele Menschen bedeutet in dieser Gesellschaft zu leben und queer zu sein und welchen großen Einfluss Conchitas ESC-Sieg teilweilse darauf hat. Der ESC-Sieg von Nemo bedeutet aus meiner Perspektive als nicht binäre Person (hoffentlich) noch viel mehr Veränderung und Fortschritt, als der von Conchita. Deshalb hat sich Europa heute Nacht verändert. Es ist für mich nun ein anderes Europa. Ein Europa in dem wir zu mindest ein bisschen stattfinden. Ein Europa in dem Leute wissen wer wir sind. Ein Europa in dem wir ernst genommen werden. Denn nicht binäre Menschen, das sind in den Augen "der Gesellschaft" nicht mehr Teenanger die sich auf Twitter outen, ein Selfie mit einem schlecht geschminkten männlichen Gesicht posten und belächelt werden, mit Worten wie "das vergeht auch wieder". Nicht binäre Menschen, das sind nun Leute, die den Eurovision Song Contest mit einer phänomenalen Komposition und Performance ganz seriös gewinnen und von Europa dafür gefeiert werden. Vielleicht leben wir irgendwann mal in einer Gesellschaft, in der es keine Probleme darstellt und nichts aufsehenerregendes ist, nicht binär oder wie auch immer zu sein. Mit dieser Nacht ist Europa dieser Wunschvorstellung einen riesigen Schritt näher gekommen. Durch Nemos Sieg beschleunigt sich unser Prozess, dass Leute von uns erfahren und wir problemlos frei leben können - auch schon im Kindesalter - enorm. Ich bin Europa so dankbar dafür! Ich denke, diese Nacht ist eine der gößten Nächte meines Lebens, an die ich immerzu zurückdenken werde, denn diese Nacht hat nicht nur viele Herzen von Menschen im Schlafanzug auf dem Sofa zum glitzern gebracht. Diese Nacht hat Europa verändert. Weil Europa sich verändern will.


In diesem hervorragenden Interview vom schweizer Fernsehen erzählt Nemo viel erkenntnisreiches über sich und die eigene Nicht-binarität. Das macht auch den Song "The Code" und andere Musik von Nemo verständlicher.


Auch die Pressekonferenz nach Nemos Sieg ist sehenswert:

Freitag, 4. Juni 2021

News Kompakt (37)

In den ersten sieben Tagen nach dem Finale in Rotterdam haben sich einige Dinge in der ESC-Bubble getan, die ich gesammelt in aller Kürze aufarbeiten möchte.

Italien - Eines der größten Teilnehmerländer hat den ESC gewonnen. Das führt dazu dass es eine große Auswahl an geeigneten Austragungsorten gibt. So haben inzwischen an die 20 Städte ihr Interesse angekündigt 2022 als Gastgeber zu dienen. Darunter befinden sich alle halbwegs bekannten Städte Italiens, einschließlich San Remo und Venedig. Auch kleinere Städte wie Rimini sind dem Größenwahnsinn verfallen. Es ist zu erwarten dass es noch ein paar Monate dauert, bis wir wissen wo der ESC 2022 stattfinden wird. Entschieden wird dies von der EBU in einem umfassenden Bewerbungsverfahren.

Finnland - Schon am Tag nach dem Finale hat Finnland seine Teilnahme am ESC 2022 bestätigt. Außerdem ließ YLE vermelden, dass es wieder den Vorentscheid Uuden Musikiin Kilpailu geben werde. Es wurde auch schon zum Einreichen von Bewerbungen aufgerufen, was ab September möglich sein soll. Anforderungen, die über das Regelwerk der EBU hinausgehen, werden an die potentiellen Beiträge nicht gestellt.

Niederlande - Im Finale wurden die SMS Stimmen einer unbekannt großen Anzahl an Mobilfunkgeräten nicht gewertet. Der technische Fehler liege bei den Mobilfunkanbietern, die EBU hätte darauf keinen Einfluss. Es ist noch nicht endgültig entschieden, ob das niederländische Televoting für ungültig erklärt wird. Dies scheint mir aber eher unwahrscheinlich.

Andorra - Die Dänin Susanne Georgi, die seit 2008 in Andorra lebt und den Kleinstaat 2009 beim ESC als Sängerin vertrat, holte sich im August ein "Go" von der andorranischen Regierung, dass Andorra 2022 zum ESC zurückkehren könne. Entscheiden tut dies aber die zuständige Rundfunkanstalt RTVA. Dessen Generaldirektor Xavier Mujal ließ nach dem ESC Finale verlauten, dass die Rückkehr zum ESC nicht "zu den geplanten Projekten" gehöre. Auch wenn das nicht nach einem Schlusswort klingt, sieht es für mich danach aus, dass Andorra nächstes Jahr nicht teilnehmen wird.

Niederlande - Die Niederlande hat ihre Teilnahme am ESC 2022 Bestätigt. Bis zum 31. August sollen fertige Beiträge eingereicht werden. Für diese gäbe es nur den Wunsch, dass sie authentisch und zeitgemäß sein sollen. AVROTROS wird den Beitrag intern auswählen, mit dem gleichen Team, das dies bereits 2019 tat: Eric van Stade, Cornald Maas, Coen Swijnenberg, Sander Lantinga und Jan Smit dürfen über das Schicksal der Künstler*innen entscheiden.

Serbien - Auch aus Serbien erhalten wir die Verkündung einer Teilnahme von RTS am ESC 2022. Als Auswahlmodus soll der etablierte Vorentscheid Beovizija dienen.

Australien - Ende für den Eurovision Asia Song Contest! Der australische Rundfunk SBS hat fünf Jahre lang versucht einen Eurovision Asia Song Contest nach Vorbild des europäischen ESCs auf die Beine zu stellen. Dieses Projekt wird nun niedergelegt. Es scheitere an Gründen wie den vielen Zeitzonen und Sprachbarrieren. SBS ist es nicht gelungen genügend Nationen zur Teilnahme zu bewegen. Die Liste überredeter Rundfunkanstalten lautete neben Australien wie folgt: Kasachstan, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Vanuatu, Japan, China, Singapur, Korea, Hongkong. Es bestätigt sich für mich der Eindruck dass die Eurovision etwas ist, das nur in Europa funktionieren kann. Ich hatte mich sehr auf den Eurovision Asia Song Contest gefreut. Schade, aber da seit langer Zeit nichts mehr zu hören war, hatte ich das Projekt auch schon als begraben abgetan.

Irland - Der irische Sender richtet eine online Plattform ein, auf der ESC-Fans dem Rundfunk mitteilen sollen, wie Irland wieder zu einem Eurovision-Powerhouse werden könnte. Die Rückkehr zu einem Vorentscheid wird in Erwägung gezogen. Eine Teilnahmebestätigung gibt es noch nicht.

Schweden - SVT bestätigt seine Teilnahme am ESC 2022 und verkündet als Auswahlmodus wieder die Melodifestivalen zu verwenden. Einer der 28 begehrten Plätze in den Liveshows wurde seit 2012 durch den Nachwuchsradiowettbewerb P4 Nästa vergeben. Allerdings haben alle Wildcard Gewinner durch die Bank sehr schlechte Ergebnisse beim Melfest erzielt. So wird diese Wildcard für die Ausgabe 2022 gestrichen.

Norwegen - Auch die Nachbarn bestätigen ihre Teilnahme. Bis zum 15. August soll sich beworben werden. NRK sei ausdrücklich für wirklich jedes Genre offen. Der Auswahlmodus wird im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Der Melodi Grand Prix soll im Januar und Februar stattfinden.

Samstag, 29. Mai 2021

Passion Jury ESC 2021 Teil 3: Performance (Staging)

 Hier der dritte Teil der Post-Serie meiner Wertung, die ich als Jurymitglied beim ESC 2021 abgegeben hätte. Nach meiner persönlichen Rangliste (als Privatperson), erstelle ich anschließend Wertungen in den offiziellen Kriterien "composition", "voice" und "performance (staging)". Am Ende füge ich die drei Ranglisten zu einer Juryrangliste zusammen, die ich wiederum mit meiner persönlichen Top 39 kombiniere. Daraus ergibt sich dann die Wertung, die ich als Jurymitglied abgegeben hätte. Das Ganze mache ich für die gesamten Top 39, aber auch separat für die einzelnen Shows. Das kann durchaus unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen. Das wiederum liegt an mathematischen Phänomenen beim Zusammenrechnen der einzelnen Listen. Jurymitglieder bewerten ihr eigenes Land nicht. Ich binde Deutschland mit in die Bewertungen ein, errechne aber auch immer eine Version des Ergebnisses, wenn Deutschland nicht dabei wäre.

Diese Liste ist meine letzte Wertung. Der Rest ist nur noch Mathematik. Das Zusammenrechnen und Posten der Ergebnisse, wie denn meine Jurywertung aussehen würde, folgt in Kürze.


Hier also meine Wertung in der Kategorie "performance (staging)":

1. Litauen

2. Island

3. Griechenland

4. Irland

5. Russland

6. Bulgarien

7. Rumänien

8. Zypern

9. Niederlande

10. Ukraine

11. Lettland

12. Norwegen

13. Portugal

14. Israel

15. Finnland

16. Schweiz

17. Deutschland

18. (17.) Österreich

19. (18.) Frankreich

20. (19.) San Marino

21. (20.) Moldawien

22. (21.) Kroatien

23. (22.) Schweden

24. (23.) Dänemark

25. (24.) Nordmazedonien

26. (25.) Spanien

27. (26.) Tschechien

28. (27.) Australien

29. (28.) Malta

30. (29.) Serbien

31. (30.) Polen

32. (31.) Georgien

33. (32.) Großbritannien & Nordirland

34. (33.) Aserbaidschan

35. (34.) Italien

36. (35.) Slowenien

37. (36.) Albanien

38. (37.) Belgien

39. (38.) Estland


Freitag, 28. Mai 2021

Passion Jury ESC 2021 Teil 2: Voice

 Hier der zweite Teil der Post-Serie meiner Wertung, die ich als Jurymitglied beim ESC 2021 abgegeben hätte. Nach meiner persönlichen Rangliste (als Privatperson), erstelle ich anschließend Wertungen in den offiziellen Kriterien "composition", "voice" und "performance (staging)". Am Ende füge ich die drei Ranglisten zu einer Juryrangliste zusammen, die ich wiederum mit meiner persönlichen Top 39 kombiniere. Daraus ergibt sich dann die Wertung, die ich als Jurymitglied abgegeben hätte. Das Ganze mache ich für die gesamten Top 39, aber auch separat für die einzelnen Shows. Das kann durchaus unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen. Das wiederum liegt an mathematischen Phänomenen beim Zusammenrechnen der einzelnen Listen. Jurymitglieder bewerten ihr eigenes Land nicht. Ich binde Deutschland mit in die Bewertungen ein, errechne aber auch immer eine Version des Ergebnisses, wenn Deutschland nicht dabei wäre.


Hier also meine Wertung in der Kategorie "voice":

1. Schweiz

2. Israel

3. Australien

4. Slowenien

5. Ukraine

6. Lettland

7. Malta

8. Bulgarien

9. Tschechien

10. Österreich

11. Niederlande

12. Litauen

13. Nordmazedonien

14. Griechenland

15. Georgien

16. San Marino

17. Norwegen

18. Moldawien

19. Spanien

20. Frankreich

21. Albanien

22. Finnland

23. Serbien

24. Schweden

25. Portugal

26. Russland

27. Belgien

28. Aserbaidschan

29. Zypern

30. Deutschland

31. (30.) Italien

32. (31.) Island

33. (32.) Dänemark

34. (33.) Estland

35. (34.) Großbritannien & Nordirland

36. (35.) Kroatien

37. (36.) Polen

38. (37.) Irland

39. (38.) Rumänien


Donnerstag, 27. Mai 2021

Passion Jury ESC 2021 Teil 1: Composition

 Wie angekündigt, folgt eine Post-Serie meiner Wertung, die ich als Jurymitglied beim ESC 2021 abgegeben hätte. Nach meiner persönlichen Rangliste (also als Privatperson), erstelle ich anschließend Wertungen in den offiziellen Kriterien "composition", "voice" und "performance (staging)". Am Ende füge ich die drei Ranglisten zu einer Juryrangliste zusammen, die ich wiederum mit meiner persönlichen Top 39 kombiniere. Daraus ergibt sich dann die Wertung, die ich als Jurymitglied abgegeben hätte. Das ganze mache ich für die gesamten Top 39, aber auch separat für die einzelnen Shows. Das kann durchaus unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen. Das wiederum liegt an mathematischen Phänomenen beim Zusammenrechnen der einzelnen Listen. Jurymitglieder bewerten ihr eigenes Land nicht. Ich binde Deutschland mit in die Bewertungen ein, errechne aber auch immer eine Version des Ergebnisses, wenn Deutschland nicht dabei wäre.


Hier also meine Wertung in der Kategorie "composition":

1. Rumänien

2. Schweiz

3. Finnland

4. Frankreich

5. Spanien

6. Lettland

7. Ukraine

8. Aserbaidschan

9. Albanien

10. Slowenien

11. Serbien

12. Bulgarien

13. Russland

14. Österreich

15. Australien

16. Israel

17. Kroatien

18. Belgien

19. Nordmazedonien

20. Georgien

21. Deutschland

22. (21.) Malta

23. (22.) Griechenland

24. (23.) San Marino

25. (24.) Niederlande

26. (25.) Litauen

27. (26.) Portugal

28. (27.) Dänemark

29. (28.) Tschechien

30. (29.) Island

31. (30.) Italien

32. (31.) Zypern

33. (32.) Moldawien

34. (33.) Schweden

35. (34.) Großbritannien & Nordirland

36. (35.) Norwegen

37. (36.) Estland

38. (37.) Polen

39. (38.) Irland


Dienstag, 25. Mai 2021

Meine Top 39 vom 65. Eurovision Song Contest 2021 (nach den Shows)

 Nach langer Zeit gibt`s hier mal wieder einen Post von mir. Die intensive ESC-Zeit in Rotterdam hat mir wieder einmal gezeigt wie toll der ESC eigentlich ist und mich motiviert wieder mehr zu machen. Natürlich habe ich das ganze Geschehen der Bubble durchgängig verfolgt, nur eben hier nichts gepostet.

Aus gegebenem Anlass möchte ich nun meine Rangliste für den ESC 2021, nach den Shows posten. Zusätzlich plane ich diese Woche weitere Ranglisten zu erstellen, wie ich sie als Jurymitglied formen würde. Das sind konkret Ranglisten zu den offiziellen Jury-Kriterien "Composition", "Voice" und "Performance (Staging)". Anschließend möchte ich Diese Listen mit meiner persönlichen Top 39 zusammenrechnen, um so zu dem Ergebnis zu kommen, das ich als Jurymitglied als Wertung abgeben würde.

Hier aber erstmal meine persönliche Rangliste zum diesjährigen ESC. In Klammern steht wie sich die Platzierung im Vergleich zur Rangliste nach den Proben, vor den Shows verändert hat.

1. Bulgarien (+1)

2. Rumänien (-1)

3. Russland (=)

4. Finnland (=)

5. Litauen (=)

6. Schweiz (=)

7. Lettland (+2)

8. Frankreich (-1)

9. Spanien (-1)

10. Österreich (=)

11. Slowenien (=)

12. Niederlande (+1)

13. Schweden (+2)

14. Albanien (-2)

15. Australien (-1)

16. Island (+9)

17. Portugal (+9)

18. Ukraine (-2)

19. Nordmazedonien (-2)

20. Israel (=)

21. Malta (-2)

22. Norwegen (+2)

23. Moldawien (-5)

24. Deutschland (-3)

25. Tschechien (+2)

26. Griechenland (-3)

27. Serbien (+1)

28. Kroatien (-6)

29. San Marino (+1)

30. Zypern (+3)

31. Georgien (=)

32. Dänemark (+3)

33. Aserbaidschan (-4)

34. Irland (=)

35. Großbritannien & Nordirland (-3)

36. Belgien (=)

37. Polen (=)

38. Estland (=)

39. Italien (=)


Sonntag, 17. November 2019

Junior Eurovision Song Contest 2019

Heute in einer Woche wird der 17. Junior Eurovision Song Contest 2019 Share the Joy in Gliwice ausgetragen. Höchste Zeit alles Wichtige darüber zusammenzutragen. Wenn der JESC über die Bühne gegangen ist, widme ich mich privat und hier auf dem Blog dem ESC 2020.

19 Nationen werden in der brandneuen Gliwice Arena, im polnischen Süden, der 180.000 Einwohner Stadt auftreten. Nicht mehr dabei sind Aserbaidschan und Israel. Dafür ist die sehr erfolgreiche JESC-Nation Spanien nach 13 Jahren zum Wettbewerb zurückgekehrt. Deutschland ist weiterhin am Überlegen dem JESC beizuwohnen, konnte sich dieses Jahr aber wieder nicht dazu durchringen. Die Show beginnt am Sonntag, dem 24. November, um 16:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit, was auch der Ortszeit in Polen entspricht. Unter diesem Link und auf dem YouTube-Kanal vom JESC kannst du die Show streamen.

Wer schon länger diesen Blog verfolgt weiß was ich vom Votingsystem beim JESC halte. Die Abstimmung läuft dieses Jahr online, mit 50%igem Jury-Voting. Für mich zählt nur das Voting auf My Eurovision Scoreboard, wo inzwischen über 850 ESC-Fans ihren Top 10 Punkte vergeben haben. Wer sich in den letzten Wochen in der ESC-Bubble umgehört hat, bekommt den Eindruck dass alles auf ein hartes Battle zwischen Frankreich und Polen um den Sieg hinaus läuft. Eventuell kann Spanien dabei noch ein Wörtchen mitreden. Alle anderen Länder dürften keine Chance auf die Krone haben. Hier habe ich aufgeschlüsselt, wie die Länder bei den ESC-Fans stehen. Die Daten beziehen sich auf den Stand vom 17.11., 14:05 Uhr bei My Eurovision Scoreboard. Außerdem habe ich meine aktuelle, persönliche, Rangliste angeführt.

Dazu muss ich erwähnen dass ich alle Songs mit politischer Botschaft hart dafür abstrafen muss. Eine der wichtigsten Regeln bei der Eurovision ist das nicht politisch sein. Nach meinem Verständnis des Regelwerks dürfte der Song von Serbien nicht zum Wettbewerb zugelassen werden, da er den gleichen Wortlaut verwendet wie die politische Bewegung "Fridays for Future". Einige andere Beiträge sind meiner Meinung nach hart an der Grenze zur Disqualifikation. Verstehe mich nicht falsch, ich stehe selber bei Fridays for Future auf der Straße, sorge dort für Lärm und Stimmung. Das Unpolitische beim (J)ESC zu bewahren ist aber ganz wesentlich entscheidend für den Erhalt der Veranstaltung. Entsprechend habe ich alle Songs mit klar erkennbarer politischer Botschaft in meiner Rangliste dafür abgestraft.

Rang Community Punkte My Top
1. Frankreich 6.314    Nordmazedonien
2. Polen 5.897    Kasachstan
3. Spanien 5.158    Armenien
4. Nordmazedonien 4.752    Frankreich
5. Armenien 4.228    Australien
6. Serbien 3.228    Ukraine
7. Irland 2.700    Russland
8. Ukraine 2.634    Weißrussland
9. Albanien 2.477    Niederlande
10. Malta 2.040    Wales
11. Weißrussland 1.966    Malta
12. Niederlande 1.825    Albanien
13. Australien 1.615    Polen
14. Kasachstan 961    Portugal
15. Italien 896    Spanien
16. Russland 693    Irland
17. Georgien 652    Italien
18. Wales 591    Georgien
19. Portugal 441    Serbien

Hier gibt es alle Songs im Schnelldurchlauf:


Dienstag, 3. September 2019

Rotterdam 2020 und mein neues Leben

Nun habe ich verstanden dass ich nach der ESC-Überdosis im Februar bis Mai einfach eine Erholungskur brauche, um anschließend wieder eine entsprechende Euphorie für die nächste Saison entwickeln zu können. Treue Leser*innen von Eurovision Passion können sich also darauf einstellen dass auch zukünftig der Sommer hier von Stille geprägt sein wird. Momentan bin ich dabei mich wieder ein bisschen in Eurovision-Stimmung zu bringen. Das geht bei mir sehr schnell, wenn ich auch nur ein einziges Eurovision-related-Video auf YouTube sehe. Vermutlich wird es hier bald mit Posts weitergehen.

Vor wenigen Tagen fiel die schwere Entscheidung zwischen zwei starken Bewerbungen, wo der 65. Eurovision Song Contest 2020 stattfinden wird. Maastricht musste dabei leider enttäuscht werden. Die Welt wird am 03. bis 16. Mai nach Rotterdam blicken (in vielen Ländern auch am 17. Mai, je nach Zeitzone 😉).

Im Laufe dieses Sommers habe auch ich zwischen 60 verschiedenen Standorten entschieden, wo ich mein Leben fortsetzen werde. Die Wahl fiel auf Bielefeld. Nächste Woche werde ich erstmals in meinem Leben umziehen. Ich verlasse eine Vorstadt von Hamburg, in Schleswig-Holstein, in der ich geboren wurde und seit meinem ersten Lebenstag mein gesamtes bisheriges Leben verbracht habe. Hier bin ich aufgewachsen. Hier bin ich meine ersten Schritte gelaufen. Hier bin ich in die Schule gekommen. Hier habe ich drei Schulabschlüsse, darunter mein Abitur, gemacht und alle meine sozialen Kontakte geknüpft. In den Straßen dieser Stadt liegen so viele Erinnerungen, die ich nun verlasse, um in ein neues Leben zu ziehen. Ein Leben in einer Stadt, die fast zwölf mal so groß ist wie meine Heimatstadt. Ein Leben an einer Universität, die mehr Studenten hat, als meine Heimat Einwohner. An ein so anderes Umfeld werde ich mich erst einmal gewöhnen müssen.

Ich ziehe aber auch in ein freies, selbst bestimmtes Leben. Das ist für mich der größte Wert des wohl größten Lebensumbruches. In Zukunft kann ich in totaler Selbstbestimmung leben. Bisher war vorgegeben was ich zu tun hatte. Meine Haupttätigkeit war mit der Schule vorgegeben. Mein Wohnort war durch den meiner Familie vorgegeben. Was auf den Tisch kam wurde gegessen. Nun konnte ich mir aus tausenden Möglichkeiten frei aussuchen was und wo ich studiere. Ich konnte mir frei aussuchen dass ich studiere. Ich konnte mir meine Wohnung frei aussuchen (auch wenn die Auswahl durch den Mietpreis stark eingeschränkt ist). Ich kann mir meine Einrichtung frei aussuchen. Ich kann mir frei aussuchen was ich kaufe (auch wenn ich als Student nicht viel Geld habe). Ich kann mir sogar frei aussuchen ob ich zu den Veranstaltungen in der Uni gehe. Ich kann mir frei aussuchen wann ich was erledige. Mir ist schon bewusst dass mit der Eigenständigkeit noch viel mehr Pflichten auf mich zukommen, aber auf die freue ich mich. Ich möchte endlich ein richtiges Leben führen. Dafür Schüler zu sein, habe ich mich schon lange zu alt gefühlt.

Gleichzeitig bin ich auch unbeschreiblich dankbar dafür dass ich auf einem Fleckchen Erde lebe, auf dem ich all das in totaler, freier, Selbstbestimmung tun kann. Das ist nicht selbstverständlich. Darüber bin ich mir bewusst, umso mehr wertschätze ich diese Freiheit. Sie ist es die mich glücklich macht. Die ersten 17 bis 18 Jahre meines Lebens habe ich gebraucht um endlich zu meinem Lebensglück zu finden. Den habe ich dadurch dass ich zu 100% genau das mache wozu ich lustig bin. Von niemandem auf dieser Welt lasse ich mir reinreden, wie ich mich zu stylen oder verhalten, wie ich zu leben, was ich zu machen habe. Den Druck der Gesellschaft, sich dessen Ideal eines Individuums anzugleichen, weise ich einfach ab. Das ist eine der schwersten Aufgaben für einen Menschen, doch ich habe es geschafft sie zu bewältigen und genau das ist es was mich glücklich macht - individuell zu sein, das zu machen wozu ich jetzt gerade einfach Lust habe. Das ist mir diesen Sommer klar geworden. Ich bin so glücklich! Fast mein ganzes bisheriges Leben war ich das nicht, doch jetzt habe ich das wichtigste erreicht was es im Leben gibt - glücklich zu sein. Ich weiß auch dass ich das bleiben werde, weil mir niemand meine Lebenseinstellung nehmen kann. Leute auf der Straße glotzen mich an. Manche sind verwirrt und werden innerlich wütend, die meisten bewundern mich und wären gerne auch so. Mach es doch einfach :) Lass dir von niemandem sagen, ob das was du gerade tust gut ist, oder nicht. Es ist gut wenn es dich glücklich macht.

By the way, ich studiere Politikwissenschaft (Hauptfach, zwei Drittel des Studiums), mit Soziologie (Nebenfach, ein Drittel des Studiums). Das studiere ich, weil ich glaube dass es mich voll erfüllt und glücklich macht. Ich möchte das worauf es im Leben ankommt besser verstehen. Ich möchte verstehen warum Gesellschaften so komisch sind und ich sie nicht verstehe. Ich möchte die Welt neu verstehen, um vielleicht zu noch mehr Lebensglück zu bekommen. Deshalb habe ich mich für dieses Studium entschieden. Ich möchte mich weiterbilden. Aus diesem Grund studiere ich. Karrierechancen, berufliche Ausbildung und ähnliches sind mir dabei egal. Mit diesem Ansatz sollten viel mehr Menschen studieren. Dann wären sie glücklicher. Rein zufällig verschaffe ich mir mit diesem Studium allerdings eine sehr große akademische und berufliche Auswahl für das weitergehende Leben.

Ich hoffe du hattest auch einen schönen Sommer und hast die Eurovision Post Depression überlebt. Schon übernächsten Monat steht der Junior Eurovision Song Contest an. Die Vorbereitungen in den einzelnen Ländern dazu laufen auf Hochtouren. Einen Monat später wird das Festivali i Kenges wohl wieder die Vorentscheidungssaison einläuten. Wie intensiv ich diesen Blog während meines Studiums weiterführe weiß ich noch nicht. Anders als das Klischee es vermittelt, haben Studenten immer viel zu tun. Ohne den ESC werde ich aber auf keinen Fall leben. Vielleicht schaffe ich es ja der schönsten Nebensache der Welt weiterhin so viel Aufmerksamkeit zu widmen wie in meiner Schulzeit. Das soll`s für erstmal von mir gewesen sein. Merke dir: Loving Yourself Is A Winning Game!


Donnerstag, 23. Mai 2019

ESC-Ergebnis 2019 offiziell korrigiert! - Kommentar zum Juryvoting

Na endlich, es dauerte ganze vier Tage bis die EBU endlich das ESC-Ergebnis korrigiert. Die Verantwortlichen hatten die Jurypunkte von Weißrussland falsch vergeben, wie ich schon berichtete. Ebenfalls kannst du das nun neu, offizielle, Endergebnis unter dem Link einsehen. Hier möchte ich nun auf ein allgemeines Problem des ESCs eingehen, das nun heiß diskutiert wird - das Juryvoting in seiner Gesamtheit.

Neben diesem fatalen Fehler, haben dieses Jahr auch zwei Jurymitglieder ihre Wertungen falsch aufgeschrieben. 2016 trug das dänische Jurymitglied Hilda Heick bei dem Beitrag, den sie auf Platz 1 setzen wollte, die höchste Zahl ein, weil sie dachte es wäre eine Punktzahl. Zu ihrem letzten Platz schrieb sie die 1, das tat sie im Halbfinale, wie im Finale. Die Fernsehmoderatorin stellte ihre Rangliste versehentlich auf den Kopf, was das Gesamtergebnis natürlich beeinflusste, glücklicherweise nur keine Platzierungen änderte. Dieses Jahr passierte dieser Fehler gleich zwei Jurymitgliedern. Lina Hedlund aus Schweden und der tschechischen Jury-Vorsitzenden Iva Boková. Beide machten diesen Fehler nur im Halbfinale, trotzdem hatte er fatale Folgen. Die größte ist, dass Polen eigentlich ins Finale gekommen wäre, anstelle von Weißrussland. Ein Fehler beim Aufschreiben der Wertung hat der polnischen Delegation die verdiente Finalteilnahme genommen. Der Fehler der EBU bei den weißrussischen Jurypunkten hat der ganzen nordmazedonischen Nation das Erlebnis genommen, das Juryvoting gewonnen zu haben, einem Land das als bestes Ergebnis aller Zeiten zuvor einen 12. Platz erlebte und seinen ersten Finaleinzug seit 2012 schon so sehr feierte, als hätten sie den ESC gewonnen. Diese Fehler kann man zwar korrigieren, ihre Wirkung ist aber so wie Doping in Sport, wenn Athleten, die betrogen haben, nachträglich disqualifiziert werden. Was bringt einem die nachträglich, mit der Post zugeschickte, Goldmedaille, wenn man den Moment sie zu gewinnen nicht erleben durfte?

Ja, ich vergleiche die menschlichen Fehler der EBU mit Dopingsündern. Ich weiß, dass Menschen Menschen sind und dass Menschen Fehler machen, wenn aber wiederholt die gleichen Fehler passieren und diese vermeidbar wären, wenn sorgfältiger gearbeitet werden würde, sind diese Fehler mit nichts in der Welt zu entschuldigen! Man stelle sich vor diese Fehler hätten nicht nur insgesamt 18 Platzierungen und einen Finaleinzug beeinflusst, sondern den Gewinner, weil es ein knapper Sieg war, wie will die EBU das entschuldigen? Einen falschen Sieger zu küren und vier Tage später sagen "Ach sorry, ihr habt doch nicht gewonnen, wir haben die Jurymitglieder nicht gut genug informiert, dass "1" "1. Platz" bedeutet und bei der Vergabe der Punkte nicht genug gegenkontrolliert, ob auch wirklich alles stimmt, deshalb müssen wir das komplette Ergebnis nachträglich korrigieren."

Außerdem wurde mehrmals in den Liveshows betont wie sehr doch jeder einzelne Anruf zähle und wichtig sei. Im zweiten Halbfinale wurde verkündet, dass nur zwei Punkte den Unterschied, zwischen Finaleinzug und Ausscheiden ausgemacht haben. Später stellt sich heraus, dass die falschen Finalisten verkündet wurden, weil die EBU zu blöd ist, um die Jurymitglieder ausreichend zu briefen. Schon drei Mal haben Jurymitglieder ihre Listen falsch herum aufgeschrieben und das hat einen viel größeren Einfluss auf das Ergebnis, als wenn eine Großfamilie mit jedem mobilen und Festnetz-Telefonanschluss die 20 Anrufe voll ausreizt. Da fühlt man sich als ESC-Fan, als Zuschauer, verarscht und um sein Geld für die Anrufe betrogen, aber es wird weiter betont wie wichtig jeder Anruf sei.

Wegen dieser vielen Juryvoting-Fehler, wird in der ESC Bubble nun heiß diskutiert, ob das Juryvoting geändert werden müsse. Die Jury war schon immer ein großer Streitpunkt beim ESC. Warum dürfen fünf Menschen über die Hälfte der Punkte entscheiden, die eine gesamte Nation vergibt? Wieso sollen diese Menschen so viel "besser" abstimmen, als die allgemeine Bevölkerung? Warum schneiden immer die gleichen Länder bei der Jury gut/schlecht ab? Warum benachteiligt die Jury nicht-englischsprachige Songs und außergewöhnliche Kompositionen? Was legitimiert eine Person, die mal Blockflöte gespielt hat, und in San Marino lebt, dazu Jurymitglied zu sein? Sind die professionellen Jurys professionell genug, wenn sie nicht mal ihre Wertungen richtig aufschreiben können? Warum werten viele Jurymitglieder offensichtlich politisch, obwohl sie vor allem dazu da sind, genau das nicht zu tun? Wieso dürfen sich die Jurymitglieder in einem Raum aufhalten, während sie die Juryshow sehen und werten, wenn sie doch unabhängig voneinander bewerten sollen? Warum entscheidet die EBU bei manchen Jurywertungen darauf, dass sie abgesprochen seien und bei anderen nicht, obwohl sie noch viel mehr Ähnlichkeiten aufwerfen?

Ich könnte noch weiter machen. Es gibt viel, berechtigte Kritik an dem System der Jurys, wer die Jurymitglieder sind, und wie sie werten. Ich möchte nun den allgemeinen Konsens der Diskussionen widergeben und meine persönliche Meinung dazu ergänzen.

Am häufigsten wird nun von ESC-Fans gefordert, dass die EBU verdammt noch mal die Jurymitglieder besser über ihre Wertungen aufklären muss. Es muss zukünftig jedem Jurymitglied, in aller Deutlichkeit, unmissverständlich, klar gemacht werden, dass "1" nicht für einen Punkt, sondern für "Platz 1" steht. Nachdem es nun wiederholt vorgekommen ist, darf nie wieder der Fehler passieren, dass ein Jurymitglied die Wertung falsch herum abgibt. Wenn das noch ein mal passiert, sind alle in der EBU, dafür verantwortlichen sofort zu feuern! Am Besten wird noch einmal nachgefragt, wenn ein Jurymitglied die Wertung abgibt, ob das Land mit der "1", auch wirklich dessen persönlicher Sieger der Jurywertung sein soll. Es handelt sich hier um etwas so wichtiges, da muss man alles mehrmals gegen kontrollieren. Lieber einmal zu oft, als einmal zu selten kontrolliert. Da zwischen dem Ende der Juryshow und der Verkündung der Ergebnisse fast 24 Stunden liegen, sollte es auch keine temporären Probleme bereiten, noch einmal nachzufragen und zu mehrmals zu kontrollieren, ob niemand einen Fehler gemacht hat, bei so vielen Zahlen und Rechnungen.

Kaum seltener ist die Forderung nach einer Vergrößerung der Jurys zu hören. Bei fünf Mitgliedern in einer nationalen Jury, ist ein eventueller Fehler eines Mitgliedes von großer Auswirkung auf die Punkte, die vergeben werden. Bei einer höheren Anzahl, von beispielsweise zehn, oder zwanzig Jurymitgliedern für jedes Land, würde eine falsche Wertung eines Jurors nur noch sehr, sehr wenige Punkte ausmachen. Außerdem wird durch die Fehler deutlich, über wie viel ein einziges Jurymitglied entscheidet, wie viel eine einzige Person von dem Ergebnis dieser Show, mit 200 Millionen Zuschauern, entscheidet. Eine höhere Anzahl an Jurymitgliedern würde die Bevölkerung besser repräsentieren und den zu großen Einfluss des Einzelnen vermeiden. Ich möchte dazu aber anmerken, dass sich die Punkte mehr auf wenige Länder verteilen werden, weil bei einer größeren Jury die Chance kleiner ist, dass diese mal anders abstimmt, als die anderen Jurys und auch Beiträge Punkte bekommen, die sonst nicht so gut gestellt sind. Das fände ich schade, trotzdem gehöre ich ganz klar zu der großen Mehrheit, die größere Jurys fordert.

Ebenfalls wird gefordert, dass die Jurymitglieder nicht politisch abstimmen dürfen. Das dürfen sie laut Regelwerk auch gar nicht. Trotzdem tun es einige, was dem allgemeinen Zuschauer deutlich wird, wenn die griechische und zypriotische Jury untereinander zwölf Punkte austauschen, oder die Höchstwertungen von Dänemark und Norwegen nach Schweden, die von Spanien nach Portugal geht. Auffällig ist es natürlich auch, dass es kein armenisches Jurymitglied gab, das jemals Aserbaidschan nicht auf den letzten Platz gesetzt hat und genauso kein aserbaidschanisches Jurymitglied jemals Armenien nicht auf den letzten Platz gesetzt hat. Normalerweise gehört Georgien zu den sicheren Punktelieferanten für Russland. Aus aktuellen, politischen Ereignissen, haben alle fünf Georgier Russland auf den letzten Platz gesetzt. So etwas will keiner sehen und prescht gegen alles wofür der ESC steht. Ich finde das auch nicht gut, aber seien wir doch mal ehrlich, was will man dagegen tun, wenn ein Georgier neben Russland die 26 schreibt? Man kann dann doch nicht sagen "du musst den Song besser bewerten weil es Russland ist." oder zu einem Griechen "Du darfst Zypern nicht auf die eins setzen, selbst wenn es dein persönlicher Gewinner ist, die Jurykriterien am besten erfüllt und auch den gesamten ESC gewinnt." Das wäre doch noch unfairer und hätte mit einer freien Entscheidung der Jurymitglieder nichts mehr zu tun.

Ein weiterer Punkt, der stark gefordert wird, ist dass die Jurymitglieder in unterschiedlichen Räumen sitzen müssen, wenn sie werten. Jeder, der auch nur ein bisschen grundlegende Ahnung von Kommunikationstheorien hat, weiß dass der Mensch viel mehr durch alles andere, als Wörter kommuniziert. Wenn man mit den anderen Jurymitgliedern zusammen die Show sieht, merkt man was die anderen mögen und was nicht. Seit 2014 wird die Wertung jedes Jurymitgliedes veröffentlicht. Keiner möchte ein Arschloch sein und seine Kollegen enttäuschen. Dadurch wertet man, ob nun bewusst, oder unterbewusst, das ist egal, die Beiträge, die die anderen in der Jury mögen besser und die Beiträge, die die anderen nicht mögen schlechter. Deshalb sind sich die nationalen Jurys untereinander meist so einig, obwohl sie vielleicht ganz anders abgestimmt haben, als die Jury aus dem Nachbarland. Die Jurys müssen die Show in getrennten Räumen sehen und bewerten.

Doch wie wird bewertet. Auch die Kriterien stehen immer wieder zur Diskussion. Der spanische Song zum Beispiel, hat einen ganzen Kontinent zum feiern gebracht, doch dies schlägt sich in keinem Kriterium der Jurys wider. Tatsächlich wurde beim spanischen Beitrag keineswegs auf die Jurykriterien geachtet. Als Juror hat man keine andere Wahl, als das Land in den vorgegebenen Kriterien schlecht zu bewerten, da kann es natürlich nicht viele Punkte geben. Sind die Kriterien richtig gesetzt? Sollte man sie ändern? Sollte nicht einfach jedes Jurymitglied die eigene, persönliche Rangliste abgeben dürfen?

Ich finde nicht. Die Jurys machen die Hälfte des Ergebnisses aus, weil sie dadurch für Qualität sorgen. Die Delegationen müssen darauf achten, dass sie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Jurys gut abschneiden. Deshalb gibt es in fast jedem Vorentscheid auch eine Jury und wer bei der ganz schlecht abschneidet, kann nicht gewinnen und zum ESC fahren - außer er heißt Bilal Hassani. Ohne Jurys hätten wir viel mehr Trash beim ESC. Leute die nicht singen können, billig produzierte Songs und auch herzlose Stagings. Die Jury muss nach vorgegebenen Kriterien bewerten, das ist notwendig für die Existenz dieser Veranstaltung. In dem Punkt, dass die Kriterien ausbaufähig seien, stimme ich der Mehrheit teilweise zu. Die vier, de facto drei (weil der "Gesamteindruck" nicht wirklich ein Kriterium, sondern einfach nur die persönliche Rangliste, ohne irgendwelche Kriterien, ist) Kriterien, sind sehr wenige. Weitere könnte man ergänzen. Ich bin dafür, dass es einen kleinen Katalog an Kriterien gibt und jedes Kriterium seine festgesetzte Gewichtung hat. Ein Jurymitglied gibt den Beiträgen dann in jedem Kriterium eine Rangliste. Wer erfüllt das gefragte Kriterium am besten, wer am schlechtesten? Nach dem neuen Rechnungssystem, mit exponentiell ansteigenden Punktzahlen für die Platzierungen, und unter Berücksichtigung der Gewichtung der einzelnen Kriterien, soll die endgültige Rangliste jedes Jurymitgliedes dann ausgerechnet werden. Ein Jurymitglied gibt also für jedes Kriterium eine eigene Rangliste ab, aus denen dann die wertungsrelevante Rangliste des Jurymitgliedes ausgerechnet wird. Das Ganze werde ich auf Eurovision Passion, mit meiner eigenen, hypothetischen Jurywertung für 2019 auch noch veranschaulicht demonstrieren, allerdings anhand der jetzigen Kriterien.

Würde die endgültige Rangliste stumpf ausgerechnet werden, würden wir damit ein weiteres Problem der Jurys lösen. Seitdem die detaillierten Wertungen veröffentlicht werden, tendiert die Jury immer mehr dazu, die gleichen Länder und gleiche Machart der Songs, sowie Wettquoten-Favoriten, gut zu bewerten. Als Jurymitglied ist man sich bewusst, dass die Wertung veröffentlicht wird. Deshalb überlegt man sich, womit man gut aussieht. Es sieht immer gut aus Schweden auf Platz eins zu setzen. Damit wirkt man professionell. Es wird schon richtig sein diese große Musikindustrie gut zu bewerten, außerdem weiß man sicher, dass auch viele andere Jurymitglieder Schweden auf eine sehr hohe Platzierung setzen, man fällt nicht negativ auf. Wer aber Lettland, oder Moldawien an die Spitze setzt, muss mit unangenehmen Reaktionen rechnen. Des weiteren werden Songs von den Jurys stark bevorzugt, die englischsprachig und radiotauglich sind, kurzum Mainstream. Wer als Jurymitglied etwas sehr ausgefallenes besonders gut bewertet, wie in diesem Jahr Portugal, oder Island, der kann sich ebenso auf unangenehme Reaktionen einstellen. Mit einem englischsprachigen Radiosong fährt man auf einer sicheren Schiene. Außerdem ist es sehr auffällig, dass die Jurywertungen viel dichter an den Wettquoten liegen, als die Televoting Ergebnisse - und das obwohl beim Televoting doch viel mehr Menschen abstimmen. Das liegt daran, dass der Zuschauer einfach für den Beitrag anruft, den er persönlich gewinnen sehen möchte. Als Jurymitglied sieht man schlecht aus, wenn man einen Außenseiter ganz nach vorne und einen Favoriten ganz nach hinten setzt. Wer hat es in diesem Jahr schon gewagt die Niederlande unter den letzten drei Plätzen zu haben? Schließlich möchte man sich keinen Ärger einhandeln.

Eine Lösung wäre es also die Juryergebnisse nicht mehr detailliert zu veröffentlichen. Die gewonnene Transparenz seit der Veröffentlichung halte ich aber für einen sehr großen Fortschritt. Deshalb plädiere ich für das Gegenteil. Von jedem Jurymitglied die Bewertung zu jedem Kriterium veröffentlichen und mathematisch ermitteln, wie die endgültige Wertungsliste ist. Das wäre doch eine super gute Lösung. Für Jurymitglieder, die lange brauchen, um sich zu entscheiden, sollte das auch kein Problem sein, da sie ja im Prinzip fast einen ganzen Tag lang Zeit haben, um sich endgültig zu entscheiden und die Jurywertung abzugeben.

Zum Abschluss möchte ich noch den Denkanstoß geben, dass schärfere Regularien, bezüglich der Zusammensetzung der Jurys, sinnvoll wären. Bei einer zwanzigköpfigen Jury sollte für jeden "Spot" ein Alter festgelegt werden, sodass von Minderjährigen über 16 Jahren, bis Ü80, auch wirklich alles vertreten ist. Außerdem muss die musikalische Profession genau festgelegt werden. Wie viele Produzenten müssen in jeder Jury sein? Wie viele Komponisten, wie viele Tänzer? Wie viele Sänger? Wie viele Instrumente Spieler? u.s.w.. Nur so kann eine ausgeglichene und professionelle Jurywertung garantiert werden.

Die EBU hat sich übrigens zunächst geäußert, dass sie nichts an den Jurys ändern möchte. Dies ist aber wohl auf die Beschwerden des norwegischen Trios KEiiNO bezogen gewesen, das das Televoting gewonnen hatte, im Gesamtergebnis aber nur 6. geworden ist. Wir müssen weiter über Änderungen am Juryformat diskutieren und die EBU dazu bringen, das System auszubessern. Vielleicht sehen sie es, nach so vielen Fehlern in diesem Jahr, ein, dass es nicht optimal ist und sie vieles besser machen könnten. Lasst uns Dare to Dream.

Montag, 20. Mai 2019

BREAKING NEWS: Historischer Votingskandal! Nordmazedonien wohl Jurysieger!

Es bahnt sich ein historischer Voting Skandal an. Offensichtlich hat die EBU einen fatalen Fehler gemacht und die Jury Punkte aus Weißrussland komplett falsch vergeben! Das korrigierte Ergebnis würde viele Platzierungen im Endergebnis verändern! Unter anderem wäre Nordmazedonien Sieger des Juryvotings und nicht Schweden! Die EBU hat sich zu dem entdeckten Fehler noch nicht geäußert.

Einmal von vorne erklärt, was ist schief gelaufen? Die weißrussische Jury hat nach dem Halbfinale in einem Interview ausgeplaudert, wen die einzelnen Jurymitglieder jeweils auf den ersten Platz gesetzt haben. Da dies das Voting Verhalten im Finale beeinflussen könnte, sieht das Regelwerk vor, dass diese Jury im Finale nicht mehr mit abstimmen darf. Stattdessen wird natürlich ein Ersatz für das Jury Voting aus dem betroffenen Land benötigt. Wie dieser ermittelt wird, steht zwar im Regelwerk des ESCs, allerdings in den Seiten, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Da für das weißrussische Juryergebnis aber fast ausschließlich Nationen Punkte erhielten, die auf der rechten Seite des Scoreboards endeten, haben sich viele mit der Frage auseinandergesetzt, wie dieses äußerst merkwürdige Ergebnis zustande kommt. Nach langem tüfteln, ist der Besitzer des Twitter-Accounts @euro_bruno auf eine sehr plausibel erscheinende Lösung gekommen.

So wurde anscheinend ein Querschnitt der Jurywertungen, aus den Nationen, die bei der Halbfinalauslosung im gleichen Topf wie Weißrussland lagen, für die Berechnung verwendet. Daraus lässt sich auch erschließen, dass dieses Prinzip für die Errechnung der Televoting Punkte von San Marino verwendet wird, womit dieses Geheimnis auch endlich einmal gelüftet wäre. San Marino hat kein eigenes Telefonnetz und kann deshalb kein Televoting abhalten.

Jetzt geht es aber um die künstlich geschaffene Jurywertung aus Weißrussland. Für jeden Beitrag im Finale wurden die Durchschnittsplatzierungen der vier Jurywertungen, der Länder Russland, Aserbaidschan, Armenien und Georgien, errechnet. Ein Beispiel: Malta wurde in der Jury von Aserbaidschan auf Platz zwei gevotet, in Russland gab es Platz fünf, in Armenien Platz sieben und in Georgien Platz 12. Das ergibt eine Durchschnittsplatzierung von 6,5. Damit hat Malta in diesen vier Ländern bei den Jurys die beste Durchschnittsplatzierung, gefolgt von Nordmazedonien (7,25) und Zypern (7,5). Am Ende der Liste stehen Deutschland (19,75), Estland (20,25) und Israel (21,25).

Nun müssten eigentlich, stellvertretend für die weißrussische Jurywertung, zwölf Punkte an Malta vergeben werden, zehn Punkte an Nordmazedonien, acht Punkte an Zypern u.s.w.. In Wirklichkeit hat die EBU aber zwölf Punkte für Israel, zehn Punkte für Estland, acht Punkte für Deutschland u.s.w. angerechnet, die Liste wurde also ein mal komplett umgedreht und die Punkte falsch vergeben. Hier siehst du die gesamte "Wertung der weißrussischen Jury":

Quelle: Twitter-Account @euro_bruno

Die EBU hat offensichtlich einen fatalen Fehler gemacht, der große Folgen für das Endergebnis bedeutet. Nordmazedonien ist eigentlich der Sieger des Juryvotings! Außerdem müsste das (noch) offizielle Endergebnis so korrigiert werden; anscheinend haben 14 der 26 Länder eigentlich eine andere Platzierung belegt, als ihnen aktuell zugeschrieben wird. Diese Liste gibt das nachträglich korrigierte Ergebnis an, sollte die sehr gut nachvollziehbare Theorie, zur Erklärung des kuriosen Jury Ergebnisses aus Weißrussland, wirklich stimmen:

1. Niederlande 498 Punkte (+6 Punkte)
2. Italien 472 (+7 Punkte)
3. Russland 370 (+1 Punkt)
4. Schweiz 364 (+4 Punkte)
5. Schweden 334 (+1 Platzierung, +2 Punkte)
6. Norwegen 331 (-1 Platzierung, -7 Punkte)
7. Nordmazedonien 305 (+1 Platzierung, +10 Punkte)
8. Aserbaidschan 302 (-1 Platzierung, +5 Punkte)
9. Australien 284 (-1 Punkt)
10. Island 232 (-2 Punkte)
11. Tschechien 157
12. Dänemark 120
13. Zypern 109 (+2 Platzierungen, + 8 Punkte)
14. Malta 107 (+2 Platzierungen, +12 Punkte)
15. Slowenien 105 (-2 Platzierungen)
16. Frankreich 105 (-2 Platzierungen)
17. Albanien 90 (+1 Platzierung)
18. Serbien 89 (-1 Platzierung, -3 Punkte)
19. San Marino 77 (+1 Platzierung, -4 Punkte)
20. Estland 76 (-1 Platzierung, -10 Punkte)
21. Griechenland 74 (+3 Punkte)
22. Spanien 54 (-6 Punkte)
23. Israel 35 (-12 Punkte)
24. Weißrussland 31 (+1 Platzierung)
25. Deutschland 24 (-1 Platzierung, -8 Punkte)
26. Großbritannien und Nordirland 11 (-5 Punkte)

Die detaillierten Votingergebnisse aus Weißrussland sind die einzigen, die die EBU immer noch nicht veröffentlicht hat. ESCXTRA hat nach dieser Entdeckung die EBU darauf angeschrieben. Eine Reaktion, oder Äußerung seitens der EBU, zu diesen offensichtlichen Voting Fehler, gibt es bislang nicht. Wir müssen abwarten, ob die EBU das falsche Ergebnis als offiziell richtiges Ergebnis ausgibt, oder seinen Fehler zugibt und das offizielle Ergebnis nachträglich korrigiert. Natürlich ist es auch nicht auszuschließen, dass diese Theorie nicht der Wahrheit entspricht, es sieht aber alles ganz stark danach aus. Sobald ich etwas Neues zu diesem Skandal herausfinde, werde ich natürlich sofort darüber berichten.

Sonntag, 19. Mai 2019

65. Eurovision Song Contest 2020 in der Niederlande - Was steht schon fest?

Die Niederlande hat den ESC 2019 gewonnen. Laut Regelwerk soll alles daran gesetzt werden, dass die Rundfunkanstalt, die im Vorjahr siegte, den aktuellen ESC austrägt. Aus der Niederlande gab es selbstverständlich auch schon die Bestätigung, das man den ESC 2020 in der Heimat veranstalten möchte, doch das ist nicht alles. Bereits wenige Stunden nach dem Finale gaben mehrere öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten unseres Nachbarlandes bekannt, dass sie gemeinsam den ESC austragen wollen und verschiedene Kompetenzen bezüglich der Austragung untereinander aufteilen wollen. Die angesprochenen Sendergruppen sind AVROTROS, NPO und NOS. Letzterer Sender war ganz lange der niederländische Sender für den ESC. Nachdem der Wettbewerb im Land nachhaltig an Beliebtheit verlor, wurde ab der ESC-Saison 2010/2011, die Aufgabe den ESC-Beitrag zu stellen, an den Rentner-Sender TROS übertragen. Die Austragung des Wettbewerbs möchte sich NOS aber anscheinend nicht entgehen lassen. Auch NPO möchte sich in diese ehrenvolle Aufgabe einmischen. Vergessen sollte man aber nicht, dass die Leistung für diesen Sieg ganz allein von TROS erbracht wurde.

Auch unter den Städten zeichnet sich ein harter Kampf um den Gastgeberstatus ab. Es haben bereits Amsterdam, Rotterdam, Den Haag, Maastricht, Arnheim und Zwolle angekündigt, sich auf den ESC 2020 als Gastgeberstadt zu bewerben. Mit weiteren Bewerberstädten ist zu rechnen. Bis wir wissen wo genau der ESC stattfinden wird, müssen wir uns noch einige Zeit gedulden.

Mögliche Termine für den ESC 2020 sind der 02., 09., 16., 23. und 30. Mai. Der Termin richtet sich immer nach den Terminen von anderen europäischen Großereignissen, damit es keine Überschneidungen gibt, denn das würde der Aufmerksamkeit aller dieser Ereignisse schaden. Die UEFA Champions League hat ihre Termine auf den 28./29.04. und 05./06.05. gelegt. Somit dürfte der Finaltermin des 09.05. für den ESC herausfallen. Die UEFA Europa League gibt es am 30.04. und 07. 05.. Damit sind die ESC-Finaltermine vom 02.05. und 09.05. blockiert. Der German Football Cup hat seinen großen Tag am 23.05., womit auch dieser Termin für den ESC sehr unwahrscheinlich wird. Nächstes Jahr soll ein Formel 1-Grand Prix in der Niederlande stattfinden. Dessen Termin wurde noch nicht festgelegt, wäre aber auch ein fast-Ausschluss-Kriterium für die EBU, an diesem Wochenende das ESC-Finale abzuhalten. Somit bleiben derzeit nur der 16. und 30.05. übrig. Angesichts dessen, dass wir dieses Jahr den 18.05. als Termin hatten, gilt der 16.05. also sehr wahrscheinlicher Termin für den ESC 2020.

Ein Phänomen, das erst sehr neu in der ESC-Bubble ist, ist dass reihenweise Nationen ihre Teilnahmen am ESC schon vor dem Ende des Vorjahreswettbewerbs bekunden. Derzeit sind es bereits 16 Nationen, die ankündigten am ESC 2020 teilzunehmen. In manchen von ihnen läuft schon seit einiger Zeit die Bewerbungsfrist für den Vorentscheid, oder ist sogar schon vorbei. Diese 16 Länder werden nächstes Jahr wieder dabei sein:

Australien
Belgien
Dänemark
Deutschland
Estland
Finnland
Montenegro
Niederlande
Norwegen
Österreich
Portugal
Rumänien
Schweden
Tschechien
Ukraine
Weißrussland

Die Tickets gehen natürlich erst in den Verkauf, wenn die Halle ausgewählt und die Bühne designt worden ist. Die erste Ticketrunde gibt es in der Regel im November, oder Dezember.

Gesamtergebnis vom ESC 2019! Die offiziellen Top 41!

Der 64. Eurovision Song Contest 2019 Dare to Dream in Tel Aviv ist vorbei. Der Gewinner ist die Niederlande. Herzlichen Glückwunsch zum fünften Sieg in der Geschichte des Landes! Damit überholt die Niederlande Israel und Luxemburg in der all-time-Wertung und steigt auf Platz 5 auf. Nur Irland, Schweden, Großbritannien und Nordirland und Frankreich waren in der Historie des ESCs noch erfolgreicher. Auch Italien steigt durch die Silbermedaille einen Platz in der ewigen Liste auf, steht dort nun auf der #12. Die Schweiz muss deshalb, trotz des 4. Platzes, eine Position nach unten weichen.

Nordmazedonien hat das beste Ergebnis aller Zeiten in der Geschichte erzielt. Zuvor lag Dieses bei einem 12. Platz. Mit dem 8. Platz als bestes Resultat, überholt das Land Georgien in der ewigen Liste und steigt auf Platz 46 auf. Auch San Marino hat das beste Ergebnis seiner Historie erreicht. Dies lag zuvor bei einem 24. Platz. Dieses Jahr hat San Marino den 20. Platz gewonnen. Dennoch bleibt das Land in der ewigen Liste auf Platz 51, nur Andorra steht noch dahinter. Deutschland bleibt in der Allzeit-Wertung auf Platz 10.

Über das Gesamtergebnis müssen wir noch viel reden. Analysen, unerklärliche Überraschungen und Kommentare folgen in kommenden Posts. Um dies für jeden Beitrag würdigend schreiben zu können, habe ich mir überlegt, dass in den 41 Tagen nach dem Finale jeden Tag ein Artikel über die Ergebnisanalyse von einem Beitrag beim diesjährigen ESC kommt. Bis zum 28. Juni gibt es also jeden Tag auf Eurovision Passion einen Post über das detaillierte Ergebnis eines Landes beim ESC 2019, in der Reihenfolge des Gesamtergebnisses, von unten nach oben. Ich starte heute mit Irland und ende bei der Niederlande. Doch hier erst einmal die offizielle Top 41 Rangliste vom diesjährigen Eurovision Song Contest:

1. Niederlande 492
2. Italien 465
3. Russland 369
4. Schweiz 360
5. Norwegen 338
6. Schweden 332
7. Aserbaidschan 297
8. Nordmazedonien 295
9. Australien 285
10. Island 234
11. Tschechien 157
12. Dänemark 120
13. Slowenien 105
14. Frankreich 105
15. Zypern 101
16. Malta 95
17. Serbien 92
18. Albanien 90
19. Estland 86
20. San Marino 81
21. Griechenland 71
22. Spanien 60
23. Israel 47
24. Deutschland 32
25. Weißrussland 31
26. Großbritannien und Nordirland 16
27. Litauen 93
28. Polen 120
29. Moldawien 85
30. Ungarn 97
31. Rumänien 71
32. Belgien 70
33. Kroatien 64
34. Georgien 62
35. Lettland 50
36. Portugal 51
37. Armenien 49
38. Montenegro 46
39. Österreich 21
40. Finnland 23
41. Irland 16

Samstag, 18. Mai 2019

Tel Aviv 2019: 2. Halbfinale Ergebnisspekulationen

Bevor heute Abend in Tel Aviv das Finale steigt, gebe ich noch mal meine Spekulationen durch, wer wie im zweiten Halbfinale abgeschnitten hat, wie ich es auch mit dem ersten Halbfinale getan habe. Das sind meine vermutlichen Platzierungen im zweiten Halbfinale:

1. Niederlande
2. Schweden
3. Russland
4. Schweiz
5. Aserbaidschan
6. Norwegen
7. Nordmazedonien
8. Malta
9. Dänemark
10. Albanien

11. Österreich
12. Armenien
13. Rumänien
14. Moldawien
15. Kroatien
16. Litauen
17. Irland
18. Lettland

Das sind nur Vermutungen, es wird bestimmt alles ganz anders sein. Die Niederlande als Top Favorit des Jahrgangs ist natürlich auch größter Favorit auf den Sieg des Halbfinals. Darüber vier Nationen vermutlich auf den Plätzen 2-5 folgen, ist man sich auch ziemlich einig. Von den anderen fünf Qualifikanten ist Norwegen am stärksten einzuschätzen, obwohl ich ergänzen muss, dass Nordmazedonien uns ein überraschend starkes Ergebnis im Finale zeigen könnte. Ich schließe es nicht aus, dass das Land mit dem neuen Namen sogar in die Top 3, im zweiten Halbfinale, gekommen ist.

Von den drei übrigen Nationen war das Weiterkommen von Malta die kleinste Überraschung. Entsprechend vermute ich hier mal den achten Platz. Da Dänemark weitergekommen ist, glaube ich, dass es unterschätzt wird und nicht gerade so als Zehnter weitergekommen ist. Die EBU hat übrigens schon verraten, dass der Unterschied zwischen Platz zehn und elf im ersten Halbfinale nur zwei Punkte und im zweiten Halbfinale nur einen Punkt betrug. Bei Albanien glaube ich am ehesten, dass es nur ganz knapp weitergekommen ist.

Österreich wird viele Punkte bei den Jurys gesammelt haben. Die Jurys alleine hätten es bestimmt ins Finale gebracht. Durchs Televoting ist Österreich dann doch noch ausgeschieden, so meine Vermutungen. Das Ausscheiden von Armenien gehört zu den größeren Überraschungen des Jahrgangs, deshalb ordne ich hier mal Platz zwölf an.

Rumänien und Moldawien sind bei meinen Überlegungen übrig geblieben. Da ich für Rumänien ein besseres Ergebnis vermute, habe ich sie so auf Platz 13 und 14 gesetzt. Kroatien wird wohl nur wenige Freundschaftspunkte und ein paar Trostpunkte geholt haben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es von der Jury für diesen Beitrag viele Punkte gab. Für Litauen werden die Jurys bestimmt ein paar Punkte übrig gehabt haben, aus dem Televoting dürften hier aber auch nur noch Restpunkte angekommen sein.

Der Beitrag von Irland liegt weit unter dem Niveau, das beim ESC an der Tagesordnung liegt. Das wird kaum einen Zuschauer dazu überzeugt haben, für Iralnd anzurufen. Ebenfalls ist es schwer vorstellbar, dass es Jurymitglieder gibt, die diesen Beitrag in die Punkteränge gebracht haben. Lettland hat einen Beitrag, der leider nicht in dieses Format passt, beim ESC einfach nicht funktioniert. Deshalb kann ich mir hier am ehesten den letzten Platz vorstellen.

Letzten Endes sind das alles aber nur Spekulationen. Wir müssen abwarten und werden dann sehen, wie das Ergebnis tatsächlich sein wird. Erst einmal sollten wir das Finale genießen. Ein ESC-Finale gibt es nicht jeden Tag, dem sollte sich jeder bewusst sein und den Tag, inklusive Nacht, mit viel Passion, genießen.

Das Große Finale vom Eurovision Song Contest 2019!

Ein Jahr lang haben wir viel Zeit, Mühe und Passion darin investiert um uns auf diesem Abend vorzubereiten. Nun ist er endlich da! Es kann losgehen! Damit du auch alle wichtigen Informationen für dieses bedeutende Weltereignis hast, habe ich hier alles zusammengefasst.

Rund 200 Millionen Menschen werden heute Abend ihre Bildschirme einschalten um nach Tel Aviv zu blicken. Die zweitgrößte Stadt, des Landes, das letztes Jahr als Gewinner des Eurovision Song Contests gekrönt wurde. Die Show findet im Tel Aviv Convention Center statt. Dort wird heute der Gewinner der 64. Ausgabe, der am längsten laufenden Fernsehsendung der Welt, ermittelt. Zur Wahl stehen dafür folgende 26 Nationen die das Finale erreichen konnten (in Auftrittsreihenfolge):

1 Malta
2 Albanien
3 Tschechien
4 Deutschland
5 Russland
6 Dänemark
7 San Marino
8 Nordmazedonien
9 Schweden
10 Slowenien
11 Zypern
12 Niederlande
13 Griechenland
14 Israel
15 Norwegen
16 Großbritannien und Nordirland
17 Island
18 Estland
19 Weißrussland
20 Aserbaidschan
21 Frankreich
22 Italien
23 Serbien
24 Schweiz
25 Australien
26 Spanien

Das Voting:
Weitere 15 teilnehmende Nationen sind in den Halbfinals ausgeschieden. Sie sind selbstverständlich ebenfalls stimmberechtigt. Somit werden 41 Nationen abstimmen. Wie schon in den letzten drei Jahren wird ein neues Votingsystem angewendet, in dem jede Nation nicht nur ein mal, sondern zwei mal an seine Top 10 Punkte vergibt. Dabei werden an die ersten zehn Platzierungen des Votings der fünfköpfigen nationalen Jury eines jeden Landes die Punkte 1-12 vergeben. Somit gibt es 205 Juroren die nach vorgegebenen Kriterien die qualitativ besten Beiträge prämieren. Für die Errechnung der Juryranglisten gibt es seit letztem Jahr eine neue Ermittlungsform:

Nach wie vor gibt jedes Jurymitglied seine Rangliste der 25 bzw. 26 Länder ab. Bisher wurden dann die Platzierungen, die ein Land in den fünf Ranglisten hatte, addiert. Die Gesamtrangliste der nationalen Jury wurde dann nach den Summen der Platzierungen erstellt; je kleiner der Wert, desto weiter oben in der Rangliste. Nun werden für die Platzierungen Punkte vergeben. Dabei geht es nach einem exponentiellen Prinzip. Der letzte Platz einer Rangliste erhält einen Punk. Der vorletzte Platz 2 Punkte, der drittletzte Platz 4 Punkte, der viertletzte Platz 8 Punkte usw.. Bei 25 zu wertenden Ländern erhält der erste Platz einer Rangliste dann 16.777.216 Punkte. Bei 26 zu wertenden Ländern sind es 33.554.432 Punkte. So fallen die Länder, die ein Jurymitglied besonders gut bewertet auch besonders stark ins Gewicht, für die Gesamtrangliste dieser nationalen Jury. Die Länder die ein Jurymitglied besonders schlecht bewertet, fallen kaum ins Gewicht, für die Gesamtrangliste dieser nationalen Jury. Ein Beispiel: ob man ein Land auf den #15., oder #26. Platz setzt, macht nur einen Punkteunterschied von 2.047 Punkten aus. Ob man ein Land auf den #3., oder #4. Platz setzt, macht einen Punkteunterschied von 4.194.304 Punkten aus. Durch diese verschobene Gewichtung, im Vergleich zur vorherigen Errechnung der Gesamtranglisten, würde ein Land, das von vier Juroren auf Platz #1, und von einem Juror auf Platz #26 gesetzt wird, nicht mehr null Punkte, sondern 12 Punkte von dieser Jury erhalten. Das neue Wertungssystem ist viel besser durchdacht und fairer.

Die gleichen Punkte die eine nationale Jury vergibt, werden auch an die Top 10 aus dem Televoting jeden Landes vergeben. Die Televotingergebnisse werden ab diesem Jahr aber nicht mehr in der Reihenfolge des Ergebnisses im Televoting, sondern in der Reihenfolge des Ergebnisses des Juryvotings präsentiert. Dies soll die Spannung zum Ende der Votingphase erhöhen, da man nun im jedem Fall, bis zur letzten Sekunde des Votings, nicht weiß wer gewonnen hat.

Je mehr Punkte ein Beitrag in der Gesamtwertung hat, desto höher ist er platziert. Bei Punktgleichheit wird zunächst das Land auf die bessere Platzierung gesetzt, das mehr Punkte aus dem Televoting erhalten hat. Wenn hier weiterhin Gleichheit besteht gibt es Sonderregelungen. Rein theoretisch könnte der Gewinner auf eine Gesamtpunktzahl von 984 Punkten kommen.

Zu den Favoriten:
Der größte Favorit auf den Sieg ist die Niederlande, allerdings ist dessen Favoritenstatus so gering, dass auch viele andere Länder heute die meisten Punkte einsacken können. Im Allgemeinen gibt es neun Nationen, die gute Karten auf den Sieg haben. Wenn man von acht dieser neun Nationen eine Kugel in eine Urne wirft, und für die Niederlande zwei reinwirft, und dann eine zieht, kommt man ungefähr auf die Wahrscheinlichkeiten dafür, wer heute eine wie hohe Gewinnchance hat. Auf die Wahrscheinlichkeiten, die sich aus den Wettquoten ergeben, ist so kurz vor der Show nicht mehr zu hören. Eventuell kann man zu diesen acht Nationen noch Griechenland, vielleicht auch noch Island, hinzu werfen, ansonsten sind hier die Nationen, denen heute Abend große Chancen auf die Trophäe ausgerechnet werden (in alphabetischer Reihenfolge):

Aserbaidschan
Australien
Frankreich
Italien
Niederlande
Russland
Schweden
Schweiz
Zypern

Viele trauen sich nicht irgendwelche Voraussagen über das Ergebnis zu machen, weil eh alles ganz anders kommen wird als alle es glauben. Ich gebe an dieser Stelle auch nicht meinen Top 26 Tipp ab, sondern habe eine kombinierte Rangliste der Finalisten aus den Prognosen der Buchmacher (Wettquoten) und dem größten ESC-Fan-Voting, mit Ranglisten von ESC-Fans, erstellt. Nach dem neuen Wertungsprinzip der Juryranglisten habe ich eine Gesamtrangliste aus diesen beiden, recht zuverlässigen, Statistiken erstellt. Das Ergebnis ist Folgendes; aus der Tabelle kannst du auch ablesen welches Land in welcher der drei Listen wie platziert ist.

Platz    Gesamt Punkte Buchmacher/Wettquoten    Fan-Voting
1. Niederlande 67.108.864    Niederlande Niederlande
2. Italien 18.874.368    Australien Italien
3. Australien 16.781.312    Schweiz Schweiz
4. Schweiz 16.777.216    Schweden Zypern
5. Schweden 4.259.840    Italien Malta
6. Zypern 4.198.400    Island Norwegen
7. Malta 2.129.920    Aserbaidschan Griechenland
8. Island 1.179.648    Russland Aserbaidschan
9. Norwegen 1.179.648    Norwegen Island
10. Aserbaidschan 786.432    Frankreich Schweden
11. Griechenland 526.336    Malta Russland
12. Russland 294.912    Dänemark Frankreich
13. Frankreich 81.920    Spanien Spanien
14. Dänemark 16.392    Zypern Australien
15. Spanien 16.384    Griechenland Slowenien
16. Slowenien 2.112    Nordmazedonien Albanien
17. Nordmazedonien 1.152    Tschechien Tschechien
18. Albanien 1.032    Serbien Weißrussland
19. Tschechien 1.024    Großbritannien und Nordirland Nordmazedonien
20. Serbien 272    Slowenien Estland
21. Weißrussland 272    Estland Großbritannien und Nordirland
22. Großbritannien und Nordirland 160    Weißrussland Serbien
23. Estland 96    Albanien Dänemark
24. Israel 6    Israel San Marino
25. San Marino 6    San Marino Israel
26. Deutschland 2    Deutschland Deutschland

Die Übertragungen im TV:
Übertragen wird die Show im deutschen Fernsehen im Ersten. Ab 20:15 Uhr wird die Grand-Prix Party von der Reeperbahn in Hamburg, dem größten Eurovision-Public-Viewing der Welt, live übertragen. Kurz vor Beginn der großen Show wird es eine Schalte für das Wort zum Sonntag geben. Da ist ein letztes mal Zeit das Stille Örtchen zu besuchen, Snacks und Getränke zu holen und alles noch nötige für die große Show vorzubereiten. Wenn diese dann vorbei ist, wird wieder live von der Reeperbahn übertragen. Dorthin wird übrigens auch während der internationalen Show geschalten, wenn Babsi alias Barbara Schöneberger die deutschen Jurypunkte verkündet. Wer persönlich auf der Reeperbahn erscheinen möchte sollte zeitig anreisen. Die Show beginnt dort um 19:00 Uhr.

ONE (ehemals EinsFestival) zeigt das gleiche Programm wie das Erste (ARD), allerdings werden dort während der gesamten Finalshow Internetkommentare eingeblendet. Wer die ganze Zeit damit abgelenkt werden will die Kommentare zu lesen und ein teilweise versperrtes Bild sehen möchte, kann den Digitalsender einschalten.

Die EBU führt auf Eurovision.tv und dem offiziellen YouTube Kanal vom Eurovision Song Contest einen Livestream der Show ohne Kommentar. Eventuell kann es in einzelnen Ländern der Welt bei diesen Livestreams zu Geoblocking kommen. Weltweit empfangbar per Satellit ist die Übertragung der Deutschen Welle, mit deutschem Kommentar von Peter Urban. Zusätzlich zu den 41 Rundfunkanstalten die teilnehmen strahlen auch einige andere Sender auf der ganzen Welt den Eurovision Song Contest aus. Alle Ergebnisse, Reaktionen und Analysen folgen am Sonntag hier auf Eurovision Passion.
Egal ob du das große Finale des Eurovision Song Contests 2018 auf der Reeperbahn beim größten Public Viewing, auf einer privaten ESC-Party, ganz klassisch mit der Familie, in Bademantel und mit Salzstangen, auf dem Sofa, in der guten Stube, oder doch ganz anders verfolgst, ich wünsche dir einen wundervollen Abend, mit vielen schönen Momenten, an dem Europa und die Welt friedlich zusammenkommen, vereint werden, ein unbeschreibliches Gemeinschaftsgefühl verspüren und doch jeder auf seine Nation, Identität, Persönlichkeit und Besonderheiten stolz ist und sich und alle anderen feiert.